Der Tod des Osama Bin Laden

Mai 7, 2011 um 10:00 nachmittags | Veröffentlicht in Generell, Skandale, USA, World War IV | Hinterlasse einen Kommentar

In einem Artikel einer führenden deutschen Tageszeitung wurde ein interessanter Aspekt der Tötung des O.B.L. zur Sprache gebracht. Darin wurde die Aufmerksamkeit auf den Umstand gelenkt, dass der Abgang dieses Terrorfürsten perfekt inszeniert wurde. Irgendwie scheint es tatsächlich so, als sei den Amerikanern eine bühnenreife Inszenierung des Endes einer langen Jagd geglückt.

Man stelle sich dagegen vor, es wäre gelungen, O.B.L. lebendig zu fangen. Eine solche Heldentat an sich wäre bereits ein Anachronismus gewesen, denn diesem Mann wurden seitens der Presse und auch von der amerikanischen Regierung nahezu übernatürliche Kräfte zugeschrieben. Auf diesem Hintergrund hätte es unglaubwürdig gewirkt, wäre es gelungen, Osama bin Laden ohne einen für ihn tödlichen Schusswechsel gegenüberzutreten.

Die Variante, einen Gegner aus einer Art Rattenloch zu ziehen, war außerdem bereits vergriffen. Saddam Hussein wirkte zudem reichlich zerrupft, als er ungepflegt und jämmerlich aus seinem Versteck gezogen wurde. Es machte keinen guten Eindruck, denn spätestens aus seinem wahrhaft kläglichen Auftreten wurde der Schluss gezogen, dass ein Feigling wie der irakische Diktator den wahrhaft fulminanten Angriff auf sein Land keineswegs wert war. Deshalb: Wie hätte O.B.L. in einer ähnlichen Situation auf die Weltöffentlichkeit gewirkt?

Was nun? Auf die Folterbank mit diesem Kerl? Nein, denn damit hätten sich die Amerikaner vollkommen ins Unrecht gesetzt. Außerdem – wer weiß schon, was O.B.L. zu sagen gehabt hätte! Bestimmt wären im Fall der Gefangenschaft des O.B.L. aus der Sicht der amerikanischen Regierung zahlreiche unerwünschte Kommentare an die Presse gelangt und von dieser ausgeschlachtet worden.

Die Verhängung der Todesstrafe hätte zu äußerst seltsamen Kontroversen führen können. Vermutlich hätten sich in erster Linie alle anderen Mörder in den USA über den meistgesuchten Verbrecher der Welt als Sitznachbarn auf dem elektrischen Stuhl ordentlich geärgert. Ein solcher Abgang hätte noch dazu den Nachteil gehabt, dass die Anzahl der seit 2001 getöteten Zivilisten seit 9/11 nicht nur auf amerikanischer, sondern auch auf afghanisch/pakistanischer Seite zur Sprache gekommen wäre. Oh weh, eine solche Diskussion hätte am Image einiger westlicher Politiker gleich mal ordentlich gekratzt!

Selbstmord kam als glaubwürdige Todesursache grundsätzlich und von vornherein nicht in Frage. Für gläubige Moslems steht diese Option nicht zur Diskussion. Ein Atheist in einer ähnlich aussichtslosen Situation wie O.B.L. hätte sich schon Jahre früher umgebracht. Ein solches Ende passt aber weit besser zu einem irdisch orientierten Scheusal wie Hitler, vielleicht auch zu einem Diktator wie Gaddafi.

Es kann jeder sagen, was er möchte, aber O.B.L. war eine außergewöhnliche Persönlichkeit. Diesem Mann gelang es nicht nur, fast ein Jahrzehnt lang die mächtigste Armee der Welt an der Nase herumzuführen. Sein Auftreten bewirkte unter anderem, dass den Argumenten der Globalisierungsgegner in der Weltöffentlichkeit mehr Gehör gegeben wird als es vor 2001 der Fall war. Auch Israel muss sich damit abfinden, dass die Zeiten, in denen die Politik dieses Landes erfolgreich schwarzweiß gemalt wurde, ein für allemal vorbei sind.

Die Amerikaner haben sich bereits seit der Unterstützung der Taliban gegen die sowjetische Armee seit dem Ende des Sowjetisch-Afghanische Krieg im Jahr 1989 Afghanistan gegenüber scheusslich benommen. Deshalb war der Codenamen “Geronimo” für den tödlichen Angriff zielsicher und treffend gewählt. Es ist viel Unrecht geschehen, auch von der amerikanischen Seite. Der dezente Hinweis auf die Untaten der in der Kolonialzeit an der indianischen Bevölkerung war deshalb berechtigt.

Schließlich und endlich war der schnelle Tod, der O.B.L. durch die Kugeln der Waffen der Seals Navy erreichte, ein verdientes Zeichen von Respekt vor einem tapferen Gegner. Es war – da finden sich in den westlichen Demokratien kaum Gegenstimmen – kein Platz mehr für ihn vorhanden auf dieser Erde. Er musste sterben.

Aber es war feinfühlig und richtig, die Fotos seiner Leiche unter Verschluss zu halten und diese nicht als Trophäe zu zeigen. So darf O.B.L. nun in der Erinnerung als jemand weiterleben, der im 3. Jahrtausend von dem Rücken seines Pferdes aus Unmögliches versucht hat und der sich dabei ordentlich vergaloppiert hat. Den Himmel und den Ruhm der Nachwelt hat er sich damit zweifellos nicht verdient, aber Unsterblichkeit in der Geschichte ist ihm sicher.

Der Hauch von Hollywood, der nicht nur sein Leben, sondern erst recht seinen Abgang begleitet hat, schadet insgesamt überhaupt nicht. Es wird noch viel darüber geschrieben werden, was er gemacht oder auch nur gesagt hat und auch darüber, welche von ihm als solche wahr genommenen Missstände den “Terrorfürsten”, den Inbegriff alles Bösen, zu seinen Untaten motivierten. Man wird deshalb – wie es wahre Gerechtigkeit verlangt – beide Seiten hören. Und das ist gut so.

Überfälle der Piraten

September 8, 2009 um 9:10 nachmittags | Veröffentlicht in Piratenpartei | Hinterlasse einen Kommentar

Spaziergänger, die sich am Abend den 10.1.2009 in Frankfurt in der Innenstadt bestanden, staunten nicht schlecht, als ein unerwartetes Lichtspektakel wichtige Gebäude der Stadt in politische Werbeflächen verwandelt. Geschossen wurde mit Photonenbombern, die Ziele waren die Wahrzeichen der Stadt. Freilich entstand kein Schaden, sondern dort, wo die Lichter auf Wände und Fenster trafen, leuchtete das Logo der Piraten, ein stilisiertes Segelschiff auf weißem Grund in einem schwarzen Kreis. Das Spektakel dauerte mehrere Stunden lang. Die Initiatoren, die hessische Piratenpartei, nannten diese Aktion “Gobo City” (Piratenpartei Hessen).



Eine weitere Aktion dieser Partei bestand in einer “Kaperfahrt” auf der Spree. Dabei kreuzte 7. und 8. August ein Boot mit der Aufschrift “Klarmachen zum Ändern” vor dem Berliner Reichstag. Auf dem Deck wehten Piratenflaggen. Während der Fahrt wurde mit Hilfe eines Megaphons aus dem Grundgesetz vorgelesen. Schließlich und endlich wollen die Piraten getreu ihres Namens “den Bundestag entern”, um so zu verhindern, dass dem Bürger – ihrer Meinung nach – Unrecht getan wird.

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Angebote für ein leckeres Kaperfrühstück, Kiez-Spaziergänge in Piratenkostüm und Ping-Pong Piratenpartien sollen Neugierige und Interessierte an Informationsstände locken. Fesche Piratinnen setzen sich in Szene, um die “Freibeuter der Gerechtigkeit” durch einen flotten Song zu unterstützen.



Piraten kleisterten in Kassel nicht weniger als 660 Plakate auf Trägerplatten. Auch in Münster wird bereits eifrig gepinselt. Ein besonders schönes Foto einer kreativen Wahlveranstaltung entstand in Kiel, als einige Parteimitglieder auf dem 3-Mast-Schoner Thor Heyerdahl in See stachen.

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Nun, wenigstens einmal etwas Abwechslung. Auf die erstaunliche Idee, im Wahlkampf sogar eine Totenkopfflagge zu schwenken, kam bis jetzt noch niemand. In Anbetracht dessen, dass die Piraten jede Gewalt ablehnen und sich ganz klar zum Grundgesetz, zur Demokratie und zu Bürgerrechten bekennen, kann man ja kurz einmal innehalten. Um es vorwegzunehmen: Es ist spannend und interessant, herauszufinden, was die Piraten denn nun eigentlich im Schild führen.

Bilder: Kaperfahrt auf der Spree, Thor Heyerdahl

Die Piraten kommen!

September 7, 2009 um 7:57 nachmittags | Veröffentlicht in Anachronismen | Hinterlasse einen Kommentar

Am 27. September 2009 sind Bundestagswahlen in Deutschland. Neben den etablierten Großparteien wie CDU und SPD kandidieren über 100 Kleinparteien. Eine davon hebt sich ab aus der Menge, und zwar die Piratenpartei. Einen Vorteil können die Piraten schon einmal für sich verbuchen: Mit ihrem Auftreten erregen sie auf jeden Fall Aufmerksamkeit.

All jenen, denen bereits jetzt schon der Wahlkampf zum Hals herausfängt und die sich am liebsten ein großes, tiefes Loch graben würden, um erst nach dem Feststehen der neuen Regierung wieder in die Zeitung zu sehen oder den Fernseher aufzudrehen, bescheren die Piraten Abwechslung und somit ein unerwartetes Wahlkampfzuckerl.

Doch wie kommt diese Partei zu ihrem reichlich schrägen Namen? Welche Bedeutung hat sie? Macht es überhaupt Sinn, eine so kleine Partei zu wählen? Welche Leute stecken dahinter? Für welche Inhalte steht denn nun diese Partei? Fragen über Fragen!

Es ist fast unmöglich, alles auf einmal zu erklären. Es ist, fast kann man es so sagen, Ironie des Schicksals, dass die Piraten in erster Linie das Interesse derer vertreten, denen es an Zeit und Interesse fehlen könnte, sich mit dem komplex ausformulierten Programm auseinanderzusetzen.

Die Piraten selbst verstehen sich als Bürgerrechts- und Informatikerpartei. Nun, derjenige, der womöglich glaubt, er müsste selbst am Computer programmieren, um zur Kategorie jener zu gehören, deren Probleme die Piraten ansprechen wollen, irrt sich. EDV heißt nichts anderes als “Elektronische Datenverarbeitung”. Nun, jeder Mensch hat Daten und erzeugt täglich neue, indem er das Telefon, das Internet nutzt oder dann, wenn sein Auftreten von einer Überwachungskamera erfasst wird.

Die Piraten beschäftigen sich sowohl mit den Möglichkeiten, die sich dem Bürger zur Mitgestaltung der Gesellschaft öffnen als mit Gefahren, die sich durch Datenmissbrauch ergeben, und möchten dabei helfen, für den Bürger optimale Lösungen zu finden. Unter anderem setzen sie sich mit Patentrechten für Software, Arzneien und denen an Nutztieren und -pflanzen ein.

Was das nun alles zusammen heißt für den Bürger, bedarf im Detail einer intensiven Betrachtung.

Über die “Prager Rede”

April 7, 2009 um 9:56 nachmittags | Veröffentlicht in Anachronismen, Democrats, Generell, Gesellschaft, USA, Verständigung, Waffen, Wirtschaft, Without Clash | Hinterlasse einen Kommentar

Als Obama Barack am 5. April 2009 in Prag seine Rede hielt, erregte jene Passage, in der er über  eine atomwaffenfreie Welt als Ziel sprach, erhebliches Aufsehen. Mit einem so überschwänglich geäußerten Bekenntnis zum Frieden aus den USA hätten noch vor wenigen Monaten kaum jemand gerechnet:

Ich möchte heute also ganz deutlich und mit Überzeugung Amerikas Bereitschaft erklären, den Frieden und die Sicherheit in einer Welt ohne Atomwaffen anzustreben ¹.

Die meisten Leute freuten sich. Dies verwundert nicht. Bereits die Ankündigung, in Zukunft die Ratifizierung des Vertrags zu Atomteststopps (CTBT)zu unterstützen, sollte außerdem für Begeisterung sorgen (5.4.2008, nachrichten.at). Nach der langen Zeit des “Kalten Krieges”, in der eine mögliche Konfrontation zwischen den USA und der damaligen UDSSR als riesige Bedrohung für alles Leben auf der Erde angesehen wurde, sind West- ebenso wie Osteuropäern außerdem sämtliche Atomwaffen ohnehin suspekt. Auch Politiker oder andere prominenten Persönlichkeiten sparten nicht mit Applaus für den geäußerten Wunsch nach Abrüstung und Verständigung. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier äußerte sich zustimmend. Auf der Homepage von Radio Vatikan wurden Barack Obamas Sätze sogar von frenetischem Beifall begleitet.

Trotzdem erhoben sich auch kritische Stimmen. Das ist schwer verständlich, denn zur Beruhigung all jener, die ohne das Gefühl, dass die USA bis an die Zähne aufgerüstet sind, nicht schlafen können, versprach Barack Obama ohnehin, dass sich der totale Verzicht auf Atomwaffen nicht nur innerhalb seiner Amtszeit, sondern während seines ganzen Lebens kaum realisieren lässt.

Ich bin nicht naiv. Das Ziel wird sich nicht rasch erreichen lassen. Vielleicht auch nicht in der Zeit meines Lebens. Es wird Geduld und Beharrlichkeit erfordern. Aber jetzt müssen wir die Stimmen jener ignorieren, die sagen, dass die Welt sich nicht ändern kann. Wir müssen darauf bestehen und sagen: Yes, we can ².

Außerdem liegt es nahe, eine Verbindung zwischen der Finanzkrise und Entwicklungen der Rüstungsindustrie zu sehen. In diesem Jahr wurden freilich die Ausgaben für den militärischen Bereich sogar noch erhöht. Der US-Verteidigungsminister Robert Gates befürwortet allerdings eine Umschichtung der Komponenten. Dabei wird die Entwicklung futuristischer Waffensysteme gekürzt, die Produktion allzu aufwändiger Modelle eingestellt. Weiter ausgebaut wird allerdings der direkt einsatzfähige Teil des Militärs wie kleine Einheiten und die Ausrüstung ebenso wie die Versorgung der Soldaten. Das ist aber nötig, denn Barack Obama muss so schnell wie möglich die Kriege im Irak und auch den in Afghanistan beenden, um finanziellen Spielraum zu gewinnen (6.4.2009, spiegel.de).

Langfristig lassen sich aber die für die Sanierung der maroden Wirtschaft erforderlichen Mittel kaum anders als durch Kürzung des Rüstungsetats einsparen. Eine solche Maßnahme bedarf aber erfolgreicher Verhandlungen mit den Regierungen zur Zeit verprellter Länder. Dann erst kann eine Phase der Abrüstung eintreten. Jeder, der Abrüstungsverhandlungen skeptisch gegenüber steht, sollte wissen, dass hier Barack Obama kaum alleine agieren kann. Um den “Öl-Rüstungskomplex” im eigenen Land zu besiegen, bedarf der neue US-Präsident jeder Unterstützung aus dem Ausland.

“Die Waffen nieder!” So lautete 1889 die Überschrift des pazifistischen Romans der Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner. Weder ihr Werk noch ihr Engagement konnten die großen Weltkriege in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts verhindern. Gerade deshalb wäre es aber an der Zeit, sich ihre Zeilen wieder ins Bewusstsein zu rufen. Wenn es gelingt, einen Teil jener Milliarden, die für die amerikanische Rüstungsindustrie pro Jahr ausgegeben werden, für die Deckung wichtiger Ausgaben heranzuziehen, dann wäre nicht nur die Welt sicherer und friedlicher als sie es jetzt ist, sondern auch die Finanzkrise ginge ihrem sicheren Ende entgegen.

Fußnoten ¹, ²: 5.4.2006, apa.at

Gedanken zur Antrittsrede Obama Baracks

Januar 24, 2009 um 1:07 nachmittags | Veröffentlicht in Democrats, Gesellschaft, USA, Verständigung, Without Clash | Hinterlasse einen Kommentar

Selbst von wohlwollenden Journalisten wurde Obama Barack im Wahlkampf gelegentlich vorgeworfen, dass sein Auftreten allzu selbstbeherrscht und kühl wirkt – so, als betrachte er alle Anliegen, die an ihn herangetragen würden, aus einer gewissen Distanz. Als der neue Präsident der USA jedoch auf den Stufen des Kapitols seine Antrittsrede hielt, versuchte er nicht einmal, so zu lächeln und um das Publikum zu werben, wie er es sonst tat. Hier stand er, Obama Barack, der neue Präsident der amerikanischen Staaten und zeigte ohne Scheu seine Gefühle.

Freilich ließ er sich nicht gehen. Keine Träne der Rührung trat in seinen Augen. Auch seine Stimme schwankte nicht, die Gestik blieb sparsam. Doch jedes Wort, das er sprach, wirkte echt und authentisch. Er sah aus, wie jemand, der schon längere Zeit darauf gewartet hatte, um genau dieses und jenes sagen und der außerdem von dem, was er behauptet, zutiefst überzeugt ist.

Bei den deutschen Berichterstattern kam die Ansprache offensichtlich gut an. Obama Barack redete davon, dass in Zukunft der Weg der Diplomatie eingeschlagen werden müsse, um mit den Gegnern einig zu werden. Er sprach vom “pursuit of happiness”, vom “Recht auf Glück” für jeden, davon, dass die Großmacht USA die Hand hilfsbereit ausstrecken sollte und vom Zugehen auf ehemalige Feinde. Ebenso wie zur multikulturellen Gesellschaft bekannte er sich zu Gott. Schiller´s “Ode an die Freude”, Vorlage für die Europahymne, lässt grüßen, wenn auch in reichlich amerikanisierter Form.

Mich hat besonders jene Stelle seiner Rede beeindruckt, in der er darauf hinwies, dass die Erfolgsgeschichte der USA zeige, wie viel freie Menschen gemeinsam erreichen könnten, wenn sie es nur möchten. Die Bemerkung, dass er, der nunmehrige Präsident der Vereinigten staaten, als Schwarzer vor nur sechzig Jahren vermutlich noch nicht einmal in einem der anliegenden Gasthäuser etwas zu Essen bekommen hätte, konnte er sich nicht verkneifen.

Doch der Gedanke an Fortschritt und Entwicklung lässt sich noch weiterspinnen. Obama Barack´s Mutter ist Anthrophologin, das heißt, sie ist eine jener Forscherinnen, die sich wissenschaftlich mit der Herkunft der Menschheit auseinandersetzen. Für jemanden, der bereits von frühester Kindheit an mit der Überzeugung aufgewachsen ist, dass es die Menschheit von ihren Anfängen in der Oldoway-Schlucht bis zur Raumfahrt gebracht hat, ist der Glaube an weitere Entwicklungsschübe durchaus realistisch.

Von der Idee Idee, dass der Zeitpunkt der Schöpfung nur 6500 Jahre zurückliegt, Creative Design, hört man nun nichts mehr. Mit ihr gleichzeitig stirbt aber auch die Vorstellung der evangelikalen Fundamentalisten, dass die “Endzeitschlacht um Jerusalem”, die “Apokalypse”, kurz bevor steht. Unsere Welt, wie wir sie kennen, wird überdauern, vielleicht sogar noch einige Schritte nach vorn tun, wenn sich nur alle Mühe geben und fest daran glauben. Nach den letzteren Jahren, in denen immer wieder düstere Prophezeiungen Angst einjagten, ist dies eine erfreuliche Botschaft.

Sein Vorgänger George Bush dagegen wirkte wie versteinert. Besonders jene Sätze, in denen Obama Barack die Notwendigkeit der Schließung Guantanamos und eines generellen Folterverbotes betonte, schienen ihn zu treffen. Er sah aus, als wäre er in den letzten Tagen um Jahre gealtert. Nur mühsam raffte sich der Ex-Präsident auf zu einem letzten, einem gequälten Lächeln und winkte noch einmal kurz in die Menge. Dann dreht er sich um und stapfte hinaus, wie ein Relikt einer alten, schrecklichen Zeit, die nun hoffentlich für immer vorbei ist.

Doch endlich nun ist seine Amtszeit überstanden. Als Obama Barack seine Rede beendet hatte, wirkte er gelöst und glücklich. Er umarmte seine Frau Michelle und seine Töchter Sascha und Malia. Offensichtlich hatte es ihm besondere Freude gemacht, davon zu sprechen, dass er sich als Präsident der USA besonders für Bildung und Forschungsstätten einsetzen würde, damit der Weg zum Erfolg für zukünftige Generationen ebenso frei bleibt, wie er dies selbst als amerikanischer Staatsbürger erlebt hat.

Im Vorfeld seines Amtsantrittes hatten sich immer wieder kritische Stimmen gemeldet, die daran zweifelten, wie weit es diesem ungewöhnlichen Outsider und Aufsteiger mit den im Wahlkampf gegebenen Versprechungen ernst ist. Doch nun, nach Anhörung seiner Rede, sind alle Zweifel verflogen. Amerika hat diesmal mit Sorgfalt und Umsicht gewählt. Die Nacht ist vorbei und ein neuer Tag beginnt.


Obama Baracks Rede, englische Fassung: 20.1.2009, stern.de
Obama Baracks Rede, deutsche Übersetzung: 20.1.2009, stern.de

Wahlen in Israel

Januar 21, 2009 um 8:21 nachmittags | Veröffentlicht in Middle East, Verständigung, Without Clash | 6 Kommentare

Länger noch als ein halbes Jahr hielt die Weltöffentlichkeit den Atem an und verfolgte aufmerksam das Rennen um die US-Präsidentschaft. Abgelöst wurde diese fast zur Unerträglichkeit anwachsende Spannung durch Spekulationen darüber, welche Mitarbeiter der siegreiche Obama Barack nun in sein Kabinett ernennen würde und vor allem darüber, was er nun – etwa betreffend Maßnahmen zur Bewältigung der Finanzkrise – ganz konkret vorhat.

Im Vergleich dazu finden die Wahlen, die in Israel am 10. Februar dieses Jahres abgehalten werden, erstaunlich wenig Interesse. Dabei vertreten Zipi Livni von der Kadima-Partei und ihr Gegner Benjamin Natanjahu völlig unterschiedliche Standpunkte. Vor allem darüber, in welchem Umfang weiterhin mit den Palästinensern verhandelt werden soll, sind sich beide keineswegs einig.

Es kann den Europäern nicht gleichgültig sein, wie sich die Situation im Gazastreifen weiterentwickelt. Gleichzeitig muss aber klar sein, dass jede Anregung oder Initiative von außen, egal ob sie von der EU oder aus den USA stammt, zum Scheitern verurteilt sein wird, wenn in Israel kein aufgeschlossener und flexibler Ansprechpartner vorhanden ist.

Dass langfristig die Herzen der Palästinenser gewonnen werden müssen, sieht wenigstens die Kandidatin der Kadima-Partei, Zipi Livni. Nun ist es natürlich so, dass auch Zipi Livni wie alle anderen Politiker unnachsichtig die Interessen Israels bereit ist, sofern Gefahr im Verzug ist. Kein Zweifel – sie steht auch hinter dem – bedauerlichen – Einsatz militärischer Gewalt im Gazastreifen, hinter der Operation Cast Lead.

Trotzdem verdient sie es, als Taube beachtet zu werden. So versuchte sie in einer Rede an den Knesset, Gegensätze zu überwinden und weist darauf hin, dass im Frieden, in einer Zweistaaten-Lösung die Zukunft und die Chance aller Menschen in dieser Region liegt (29.12.2008, globalsecurity.org). Im Vergleich zu ihr vertritt der Haudegen der Likud-Partei, Benjamin Netanjahu, einen wesentlich unnachsichtigeren Standpunkt.

Bei aller Sympathie für den neuen US-Präsdidenten Obama Barack wirkt es deshalb ein wenig unverständlich, weshalb fast keine Kommentare über die beiden Kandidaten in den Medien zu sehen sind. Erst dann, wenn nicht nur in den USA mit Obama Barack ein neuer Mann im Sattel sitzt, sondern auch die Entscheidung darüber gefallen ist, wer nun in Israel in Zukunft an die Macht kommt, kann sich der Westen auf zukünftige Herausforderungen im Mittleren Osten vollkommen einstellen.

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