Jessica Lynch
März 11, 2007 at 5:27 | In Gesellschaft, Middle East, Skandale, Without Clash, World War IV | Leave a Comment
Im Rahmen des GWOT, des „Global War Against Terrorism„, wurde und wird immer wieder über die Sinnhaftigkeit der Einhaltung der Genfer Konventionen diskutiert. Die Genfer Konventionen, auch Genfer Abkommen genannt, sind zwischenstaatliche Abkommen und eine wichtige Komponente des Humanitären Völkerrechts. Die darin enthaltenen Bestimmungen sollten im Kriegsfall nach dem Motto „Sei menschlich auch im Kriege!“ involvierten Menschen aller Kriegsparteien zu Gute kommen. Dass dieses Abkommen in gewisser Weise sehr wohl helfen kann, im Ernstfall ein Minimum an Humanität beizubehalten, zeigte sich im Irakkrieg am glücklichen Ausgang der Gefangennahme der US-Soldatin Jessica Lynch.
Als ich begann, unter ihrem Namen zu recherchieren, erinnerte ich mich daran, gehört zu haben, dass sie jene US-Soldatin war, die im Irakkrieg verletzt, gefangen und nach einiger Aufregung von einem irakischen Krankenhaus aus zurück nach Amerika gebracht wurde. Als ich unter ihrem Namen im Wiki nachschlug, las ich dort eine ganz unglaubliche Geschichte.
Jessica Lynch war nicht, wie ursprünglich gemeldet, im Nahkampf verwundet worden, sondern sie war die einzige Überlebende in einem für ihre Mitfahrer tödlichen Autounfall. Hilfsbereite Iraker hatten die junge Frau geborgen, die ihrerseits keineswegs heldenhafte Schüsse abgefeuert hatte, sondern im Heck des Fahrzeuges kauerte. Jessica Lynch wurde nicht nur in einem irakisches Krankenhaus gut behandelt, sondern freundliche Iraker gerieten sogar selbst noch unter Beschuss, als sie versuchten, die Verletzte an amerikanische Soldaten zu übergeben.
Eine detaillierte Beschreibung des Autounfalls befindet sich in einem 2003 veröffentlichten Bericht der US-Army (S 18). Eine wahrhaft kompromittierende Richtigstellung der ursprünglich veröffentlichten Darstellung, Jessica Lynch wäre während ihrer Gefangenschaft sogar misshandelt und verhört worden (17.4.2003, Heise), wurde bereits am 15.5.2003 in einem Artikel von John Kampfer von BBC veröffentlicht. Es wäre außerdem – gleicher Bericht – überhaupt nicht notwendig gewesen, Jessica Lynch mit einem regelrechten Aufgebot an Hubschraubern und bewaffneten Soldaten des United States Marine Corps zu befreien, denn – auf dem Krankenhausgelände befanden sich überhaupt keine irakischen Soldaten!
Doch geht es mir hier gar nicht darum, aufzuzeigen, wie sehr in diesem Fall die offizielle US-Berichterstattung die vorhandene Gefahr maßlos übertrieb und von der Wahrheit abwich. Es soll auch der Sache Sinn nicht sein, das Verhalten der Iraker romantisch zu verklären. Keine Frage – die Ursache für den Unfall bestand darin, dass das Fahrzeug, in dem „Private Lynch“ saß, von Irakern heftig beschossen wurde. Die Untersuchung betreffend die Todesursachen der Beifahrer sind noch nicht abgeschlossen. Krieg bleibt Krieg!
Wer jetzt einen Blick auf die Nachrichtendienste wirft, muss doch bemerken, dass der Krieg zunehmend brutaler wird. Abgesehen davon, dass der Irakkrieg von Anfang an umstritten war und gegen das Völkerrecht verstößt, müssten doch die Verantwortlichen davon ausgehen, dass in Zukunft auch westliche Soldaten in islamischer Gefangenschaft so behandelt werden könnten, wie dies G.W.B. im irakischen Abu Ghraib oder im afghanischen Bagram mit islamischen „Terroristen“ gemacht hat. Was würde mit einer jungen, sympathischen Frau wie Jessica Lynch (geb. 26.4.2003), die zur Zeit ihrer Gefangennahme (23.3.2003) noch keine zwanzig Jahre alt war, geschehen, käme sie jetzt in die Hände irakischer Soldaten?
Bild: Jessica Lynch
Immer wieder Guantanamo
März 11, 2007 at 12:48 | In Gesellschaft, Middle East, Skandale, World War IV | 2 Comments
Bereits vor etlichen Jahren erschienen die ersten alarmierende Berichte über Guantanamo (27.1.2004, Eurozine). Obwohl sich die Befürchtungen, dass sogar eine Todeszelle in diesem „juristischen Schwarzen Loch“ (Johan Steyn) eingerichtet werden könnte, nicht bestätigten, muss man zugeben, dass sich die Rechtslage der Gefangenen ständig verschlechtert.
So erscheint es rückblickend nur als kurzer Lichtblick, dass nach der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten im Fall Hamdan v. Rumsfeld am 29. Juni 2006 bekanntgab, dass alle Gefangenen der US-Armee aus dem Krieg gegen den Terror strikt nach den Regeln des gemeinsamen Artikels 3 der Genfer Konventionen zu behandeln seien. (Wiki, Abschnitt: Entwicklungen und Probleme nach 1990).
Mittlerweile gelten erzwungene Aussagen von Gefangenen als Beweise (19.1.2007, Standard). Mittlerweile konnte G.W.B. die umstrittenen Militärtribunale „gegen feindliche ausländische Kämpfer“ nach langem Kampf gegen den Widerstand des Obersten Gerichtshofes durchsetzen (15.2.2007, Sueddeutsche.de). Unter Ausschluss der Öffentlichkeit beginnen jetzt Anhörungen der Terrorverdächtigen vor einem Gremium von 3 US-Offizieren. Dabei steht den Verdächtigten kein Rechtsanwalt zur Seite. (9.3.2007, Standard)
Hört man älteren Leuten zu, welche nach dem 2. Weltkrieg in Kriegsgefangenschaft gerieten, dann hört man öfters: „Zum Glück kam ich in ein amerikanisches und nicht in ein russisches Lager.“ Warum? Im Schnitt machten sich sowohl die Amerikaner als auch die Briten vergleichsweise Mühe, die „Genfer Konventionen“ einzuhalten.
Wenn man sich folgende Aufstellung betreffend den Umgang der kriegsführenden Ländern mit Kriegsgefangenen im WW II ansieht, dann spielte es eine sehr große Rolle, welchen Status den Gefangenen zugestanden wurde. Ich glaube noch immer, dass freie Demokratien in ihren Ländern Rechtsverstöße gegen die Genfer Konventionen niemals dulden sollten.
Mit militärischen Sperrgebieten wie Guantanamo beschäftigen sich seit fünf Jahren die in Berlin lebenden Schweizer Künstler Matthias Jud und Christoph Wachter. Sie haben Informationen, Bilder und Kartenmaterial über diese verbotenen Zonen gesammelt. Und das Ergebnis ihrer Arbeit kann man nun auf der Webseite Zone interdite im wahrsten Sinne des Wortes besichtigen (Heise).
Klickt man auf dieser Seite das Bild mit dem Gefangenenlager in Kuba an, bietet das Popup sogar Software mit einem 3D-Rundgang durch das Gefangenenlager in Kuba zum Download an.
Bild: Gefangener in Guantanamo
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