Hu who? NO HU

April 7, 2007 at 7:35 | In Gesellschaft, Middle East, Videos, World War IV | Leave a Comment

Für all jene, welche sich ebenso wie ich in den letzten Tagen Sorgen darüber machten, dass die Situation im Mittleren Osten gerade jetzt in der Osterzeit eskalieren könnte: Dadurch, dass die britischen Geiseln freigelassen wurden, entspannte sich momentan das gereizte Klima zwischen den verfeindeten Ländern (5.4.2007, Globalresearch). Nach wie vor aber kreuzen mittlerweile drei stark bewaffnete US-Flugzeugträger im Persischen Golf und es sieht noch lange nicht so aus, als ob die Probleme im M.E. gelöst sind. Trotzdem aber: Frohe Ostern! Damit dieses Weblog nicht allzu finster und ernst bleibt, binde ich hier ein Videoclip mit einem alten, aber guten Sketch ein:

Mohammad Khatami

April 7, 2007 at 2:25 | In Middle East, Publikationen, Without Clash | Leave a Comment

Während das Wort „Mullah“ allgemein betrachtet, dem Westen kalte Schauer über den Rücken jagt, gab es doch auch unter den iranischen Geistlichen einen Politiker, der nicht nur auf dem internationalen Parkett eine recht gute Figur machte, sondern darüber hinaus auch Vertrauen und Sympathie erzeugte. Mohammad Khatami, von 1997- 2005 iranischer Staatspräsident, konnte sich nicht nur in mehrere Sprachen (Farsi, Arabisch, Englisch, Deutsch) verständigen, sondern er erwarb sich den Titel eines islamischen Hodschatoleslam, ebenso wie den eines bemühten Reformers.

Obwohl Mohammad Khatami bei weitem nicht alle von ihm geplanten Reformen gegen die konservativen Geistlichen durchsetzen konnte, gelang es ihm, den Iran vorsichtig zu öffnen. Er beantwortete Samuel Huntingtons Clash of Civilisations mit der Theorie eines „Dialogue of Civilisations„. Dabei geht er davon aus, dass sich der Islam und der Westen ergänzen könnten:

He highlights the contradiction between the Western notion of „liberty“ and the Islamic concept of „salvation“. The Western concept of liberty refers to emancipation from outside bonds and aims at social, political, and civil freedom. Its positive achievements are having humans determine their own fate while governments serve the people and are accountable to them. A negative consequence of this school of thought, according to Khatami, is unbridled individualism and the belief that humans and their needs and desires are of central importance at all times. The Islamic notion of salvation, on the other hand, refers to emancipation from internal bonds, such as carnal desires, lust, and worldliness. Khatami believes that both viewpoints are incomplete. Salvation neglects humans’ social and political freedom.(Engl. Wiki)

Es ist nun schon eine Weile her, dass im Iran der Hardliner Mahmoud Achmadinedschad als Präsident die Nachfolge von Mohammad Khatami angetreten hat und dieser im Internet statt auf der „Präsidenten-Homepage“ nur noch auf einer privaten, geschrieben in Farsi, vertreten ist. Deshalb ist das Link, auf der ich bereits vor längerer Zeit folgende Zeilen von Mohammad Khatami gefunden habe, nicht mehr aktuell.

Die in diesen Zeilen formulierten Gedanken gingen verloren, obwohl das Schriftstück, glaube ich mich zu erinnern, für eine wichtige Konferenz in Genf verfasst war. Deshalb möchte ich Khatami´s „Freiheit ohne Angst„, das offensichtlich als Antwort auf die gewaltsame „Demokratisierungswelle“ der USA in Middle East verfasst wurde, wenigstens hier wiedergeben:

….Humanity , anguished by its journey through the twentieth century , marred by blood, calamities and discriminations , is eagerly awaiting a better future in the new century; a future built around the dignity and rights of human beings , with justice illuminating the gloomy skies of its past and present life.….

Through human experience during the last century , democracy has evolved as a value inspring new modalities of rule . in the age of awakening of peoples and nations, powers are expected to come to terms with this value, and allow human beings to realize the impetus for liberty, freedom, spirituality and dignity.

The right of man to determine his destiny, the emanation of authority, particularly political authority, from the free will and choice of the populace, its submission to the continued scrutiny of the people and the institutionalization of such human accountability constitute the major characteristics of democracy, which need to be clearly distinguished from it’s various manifestations.

No particular from, of democracy can be prescribed as the only and final version. Hence, the unfolding endeavors to formulate democracy in the context of spirituality and morality may usher in yet another model of democratic life.Democratic principles have gradually become the criteria of good governance domestically.

They deserve to become the new norm governing global interactions. ….“Freedom from want“. „freedom from fear“ and „sustaining our future“, as highlighted in the report of the Secretary – General , can only be attained by defining emerging global relations through open and balanced dialogue.….Hence, we should strive to augment national capacities and authority of democratic governments in order to enhance accountability at the international level.

This requires empowerment and capacity building for active and effective participation of all members of the global communitym, including governments and civel society institutions , in the international decision – making process.Has the time not come to envisage new responsibilities for the United Nations in the common endeavor to initiale a participatory global order based on dialogue, tolerance and synergy?….

Today, more than ever before , the United Nations needs to exhibit its authority and effectiveness by ensuring the utilization ot globalization as a positive force for all humanity, by safeguarding sovereignty of nations in the face of adverse implications of the process, and for promoting mutual recognition and respect among cultures. Civilizations and spiritual traditions.

The future of the world belongs to democracy ion all levels of governance, advancement of ethical , legal and political values on the basis of dialogue, free exchange of ideas and free inter – cultural challenge. Let us advance the United Nations to an era of equitable participation of all nations and civilizations in tomorrows global governance….(Quelle: Nicht mehr gültig!)

Auch wenn aus westlicher Sicht auch die Regelungen des für iranische Begriffe modernen Mohammad Khatami betreffend „Frauenrechte im Islam“ immer noch vergleichsweise rückständig waren, zeigte sein Einsatz doch, dass auch in islamischen Ländern immer wieder herausragende Persönlichkeiten um „Human Rights“ und Fortschritte bemüht sind. Ein militärische Angriff auf den Iran könnte unter anderem erreichen, dass der ohnehin erzkonservative Oberste Rat der iranischen Mullahregierung in Zukunft nur noch Hardliner als Kandidaten aufstellt, wie dies als Antwort auf den Irakkrieg mit Präsident Mahmoud Ahmadinedschad bereits jetzt geschehen ist.

1) Geistliche, die diesen Titel tragen dürfen, müssen eine theologische Fakultät absolviert haben und können eigenständig religiöse Themen bearbeiten.

Weblog: Kathami Mania

Bild: Mohammad Khatami

Alexis Sorbas

April 7, 2007 at 12:48 | In Anachronismen, Frauen im Islam, Middle East, Skandale, Without Clash, World War IV | Leave a Comment

Immer wieder berichtet Amnesty International, berichten Augenzeugen davon, dass im Iran junge Frauen wegen Ehebruch gesteinigt werden, manchmal auch nur, weil sie, um eine Vergewaltigung abzuwehren, es wagten, ihre Peiniger umzubringen. Um mich über die tatsächliche Anzahl der Steinigungen und das zu Grunde liegende islamische Rechtssystem zu informieren, recherchierte ich gründlich.

Sehr bekannt wurde der Film Alexis Sorbas, in dem der bekannten Schauspieler Anthony Quinn die Hauptrolle spielt. Die Vorlage zu diesem Film bildet ein autobiographischer Roman von Nikos Kazantzakis (1883 – 1957), dessen Handlung in Kreta spielt. Die Frauen trugen damals ein Kopftuch, die gruselige Beschreibung einer Steinigung würden die meisten Leser auf ersten Blick eher dem Islam zuschreiben, als zu glauben, dass so etwas in einer christlichen Glaubensgemeinschaft geschehen kann:

„In diesem Augenblick trat die Witwe aus der Kirche, ein schwarzes Tuch um den Kopf. Sie bekreuzigte sich. [...]
„Auf sie los! Sie hat unser Dorf geschändet!“
Die einen stürmten hinter dem Flurwächter her zur Kirche, die oben blieben, warfen mit Steinen nach ihr. Ein Stein traf sie an der Schulter. Sie schrie laut auf, schlug die Hände vor das Gesicht und suchte gebückt zu entkommen. Aber die Burschen hatten schon die Pforte zum Vorhof vor ihr erreicht. Manolakas hatte sein Messer gezogen.
Die Witwe wich mit schrillen Schreien zurück und wollte sich taumelmd in die Kirche retten. Aber auf der Schwelle stand Mawrandonis. Er hatte die Arme ausgebreitet und hielt die Pfosten fest. Die Witwe rannte nach links und umschlang die große Zypresse im Hof. Ein Stein sauste durch die Luft, traf sie am Kopf und riss das schwarze Kopftuch herunter. Ihre Haare lösten sich und rollten auf die Schulter.
„Um Christi Barmherzigkeit! Um Christi Barmherzigkeit!“ schrie sie und schmiegte sich eng an den Stamm der Zypresse.
Oben auf dem Marktplatz standen die Mädchen Schulter an Schulter. Sie gruben die Zähne in ihre weißen Tücher und hatten flackernde Augen. Die alten Frauen klammerten sich an die Zäune und kreischten:
„Schlagt sie tot, schlagt sie tot, die Hure!“
[...]
Manolakas bekreuzigte sich, trat hervor, zückte das Messer. Die alten Frauen oben am Zaun kreischten vor Mordlust. Die jungen Mädchen zogen die Kopftücher vor das Gesicht. [...]
„Im Namen der Gerechtigkeit Gottes!“ rief der alte Mawrandonis und bekreuzigte sich ebenfalls.“

Selbstverständlich wurden mittlerweile in Griechenland Steinigungen verboten und niemand kann sich einen Vorfall wie jenen, den Nikos Kazantzakis geschildert hat, im modernen Europa vorstellen. Aber woher kam diese Härte, mit der untreue Frauen bestraft wurden? Im Alten Testament wurde Unsittlichkeit mit dem Tod bestraft: .

Wenn jemand die Ehe bricht mit der Frau seines Nächsten, so sollen beide des Todes sterben, Ehebrecher und Ehebrecherin, weil er mit der Frau seines Nächsten die Ehe gebrochen hat. Moses 20,10.

Erst Jesus schaffte im Neuen Testament die Todesstrafe für Ehebrecherinnen ab:

Jesus aber ging zum Ölberg. Und frühmorgens kam er wieder in den Tempel, und alles Volk kam zu ihm, und er setzte sich und lehrte sie. Aber die Schriftgelehrten und Pharisäer brachten eine Frau zu ihm, beim Ehebruch ergriffen, und stellten sie in die Mitte und sprachen zu ihm: Meister, diese Frau ist auf frischer Tat beim Ehebruch ergriffen worden. Mose aber hat uns im Gesetz geboten, solche Frauen zu steinigen. Was sagst du? Das sagten sie aber, ihn zu versuchen, damit sie ihn verklagen könnten. Aber Jesus bückte sich und schrieb mit dem Finger auf die Erde. Als sie nun fortfuhren, ihn zu fragen, richtete er sich auf und sprach zu ihnen: Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie. Und er bückte sich wieder und schrieb auf die Erde. Als sie aber das hörten, gingen sie weg, einer nach dem andern, die Ältesten zuerst; und Jesus blieb allein mit der Frau, die in der Mitte stand. Jesus aber richtete sich auf und fragte sie: Wo sind sie, Frau? Hat dich niemand verdammt? Sie antwortete: Niemand, Herr. Und Jesus sprach: So verdamme ich dich auch nicht; geh hin und sündige hinfort nicht mehr. (Johannes 8, 1-11).

Prophet Mohammed versuchte, eine Zwischenlösung zu finden:

Wenn ein Mann und eine Frau Unzucht begehen, dann geiselt jeden von ihnen mit 100 Hieben. Habt kein Mitleid mit ihnen angesichts der Religion Gottes, so ihr an Gott und den jüngsten Tag glaubt. Und bei der Vollstreckung an Pein soll eine Gruppe von Gläubigen zugegen sein.

Der Mann, der eine Unzucht begangen hat, darf nur eine Frau, die Unzucht begangen hat, heiraten. Die Frau, die Unzucht begangen hat, darf nur einen Mann, der Unzucht begangen hat oder eine Polytheisten heiraten. Den Gläubigen ist dies verboten.

Diejenigen, die den ehrbaren Ehefrauen Untreue vorwerfen und hierauf nicht vier Zeugen beibringen, die sollt ihr mit achtzig Hieben geißeln. Nehmt von ihnen nie mehr eine Zeugenaussage an das sind die wahren Frevler – mit Ausnahme derer, die danach umkehren und Besserung zeigen. Denn Gott ist voller Vergebung und barmherzig.
(Sure Das Licht 24,2-5).

Es gelang mir, im Internet den genauen Wortlaut betreffend Zina, Unzucht, des iranisches Strafgesetzbuch zu finden. Für mich völlig überraschend stellte ich fest, dass Männer ebenso bestraft werden wie Frauen.

Sieht man sich die Statistik über weltweite Hinrichtungen im Jahr 2006 an, dann ist der Iran weder das einzige Land, dass die Todesstrafe verhängt noch jenes mit der höchsten Quote:

Im Jahre 2006 wurden in 21 Staaten mindestens 2052 Hinrichtungen vollzogen. Hierbei handelt es sich um vorläufige Zahlen, die im Laufe des Jahres noch weiter ansteigen können, da viele Informationen von Hinrichtungen erst Wochen bzw. Monate später zu uns kommen: Ägypten 2, Bahrain 3, Bangladesh 2, Botswana 2, China 1524 >, Indonesien 3, Irak 54, Iran 182, Japan 4, Jemen 2 >, Jordanien 2, Kuwait 11, Malaysien 1, Nord Korea 98 >, Pakistan 58, Saudi Arabien 39, Singapur 1 >, Somalia 3, Vereinigte Arabische Emirate 3, Vereinigte Staaten von Amerika 52 und Vietnam 6 (Quelle).

Gewiss – jede Hinrichtung ist eine zu viel, besonders, wenn Minderjährige, also Personen unterhalb von 18 Jahren betroffen sind, wie dies leider manchmal vorkommt. AI unterstützt unter dem Stichwort „urgent action“ die Möglichkeit, Proteste gegen Hinrichtungen per E-Mail zu schicken und diese Möglichkeit sollte man nutzen. Trotzdem – wie man dem Zahlenmaterial leicht entnehmen kann, entspricht es nicht den tatsächlichen Gegebenheiten, dass jede Frau, die das Delikt Zina, Unzucht begeht, deshalb gesteinigt wird.

Bei der Betrachtung der Anzahl der Hinrichtungen im Iran muss einkalkuliert werden, dass im Nachbarland Irak Krieg herrscht, dass Oppositionsparteien mit der Unterstützung der USA an einem Sturz der jetzigen Mullahregierung interessiert sind und dass der jetzige Präsident Ahmadinedschad sogar für iranische Verhältnisse ein Hardliner ist. Gemessen an dem Chaos, dass ein Krieg, ein erzwungener Regierungswechsel in diesem Land anrichten könnte, wäre der Schaden eines Einsatzes im Hinblick auf „Human Rights“ auf jeden Fall wesentlich höher als der Nutzen.

Zusatzmaterial: Über das islamische Rechtssystem

Bild: Aus dem Film Alexis Sorbas

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