Was die US-Außenpolitik mit Harry Lime zu tun hat
Februar 21, 2008 at 11:57 | In Generell, Middle East, Skandale, USA, World War IV | No Comments
In jedem Krieg gibt es eine Reihe von Personen, die es schaffen, aus dem Leid der betroffenen Menschen Profit zu schinden. Über einen solchen Menschen schrieb auch der bekannte Autor Graham Green in seinem Buch “Der dritte Mann“. Der gleichnamige Film von Carol Reed mit bekannten Schauspielern wie Orson Welles und der mitreißende Soundtrack des Wieners Anton Karas wurde ein Welterfolg.
Zur Handlung: Der Kriegsgewinnler Harry Lime verkauft “gestrecktes” Penicillin zu horrend hohen Preisen an kapitalkräftige Kundschaft. Dabei nahm er in Kauf, dass die gepfuschten und gepanschten Medikamente oft mehr schadeten als nutzen. Als er gemeinsam mit dem amerikanischen Journalisten Martins Holley in einem Wagen des Riesenrads saß, erklärte er seine Philosophie:
Sie (Martins Holley und Harry Lime) blicken auf die aus dieser Höhe winzig wirkenden Menschen hinab, und Harry Lime fragt Holley, ob er 20000 Pfund ablehnen würde, wenn er ihm diesen Betrag für jeden toten “Punkt” da unten böte (Der dritte Mann).
An dieser Stelle sollte man sich noch einmal in Erinnerung rufen, wie gigantisch hoch die Gewinne im Öl- und Rüstungsgeschäft sind. Es war der frühere US-Präsident Dwight Eisenhower, der bereits 1961 in seiner Abschiedsansprache die Öffentlichkeit das erste Mal vor dem Einfluss des “Militärisch-industriellen Komplex” auf die Demokratie warnte. Er sagte wortwörtlich:
“Until the latest of our world conflicts, the United States had no armaments industry. American makers of plowshares could, with time and as required, make swords as well. But now we can no longer risk emergency improvisation of national defense. We have been compelled to create a permanent armaments industry of vast proportions. Added to this, three and a half million men and women are directly engaged in the defense establishment. We annually spend on military security alone more than the net income of all United States corporations.
Now this conjunction of an immense military establishment and a large arms industry is new in the American experience. The total influence — economic, political, even spiritual –is felt in every city, every Statehouse, every office of the Federal government. We recognize the imperative need for this development. Yet we must not fail to comprehend its grave implications. Our toil, resources, and livelihood are all involved. So is the very structure of our society.
In the councils of government, we must guard against the acquisition of unwarranted influence, whether sought or unsought, by the military-industrial complex. The potential for the disastrous rise of misplaced power exists and will persist. We must never let the weight of this combination endanger our liberties or democratic processes. We should take nothing for granted. Only an alert and knowledgeable citizenry can compel the proper meshing of the huge industrial and military machinery of defense with our peaceful methods and goals, so that security and liberty may prosper together.
Seine Enkelin, Susan Dwight Eisenhower, unterstützt mit dem Hinweis auf die Bedenken ihres herausragenden Großvaters massiv die Kandidatur des demokratischen Kandidaten Obama Barak (2.2.2008, WashingtonPost.com).
Auch der demokratische Kandidat 2004, Senator John Kerry scheut keine Mühe, die Wähler für Senator Obama Barack zu begeistern.
Inzwischen erscheinen die Bedenken, wie weit die voreilig akzeptierte Unabhängigkeit des Kosowo nationalistische Strömungen anderer Minderheiten in Europa und in anderen Ländern ermutigen könnte, durchaus berechtigt. Auch der kanadische Autor Mahdi Darius Nazemroaya, Mitarbeiter von Prof. Michel Chossudovsky, zog Vergleiche zwischen dem Kosowo und dem Irak und stellte sich auf den Standpunkt, mit der Anerkennung eines unabhängigen Kosowo wäre “Pandoras Büchse” geöffnet (20.2.2008, Globalresearch.ca).
Nicht vergessen: Für die “dort oben” sind wir die Punkte. Es hängt sehr viel von der Integrität jener ab, in deren Hand in Zukunft die Macht liegt.
Bild: Riesenrad
Zum Jahreswechsel: Fu Long
Januar 1, 2008 at 12:09 | In Middle East, USA, Verständigung, Videos, Vom Klima, Without Clash, World War IV | No Comments
Gewaltsame Übergriffe wie etwa der Angriff der Türkei auf die kurdische Terrorgruppe PKK im Irak und die Ermordung der Politikerin Benazir Bhutto in Pakistan geben für die Befürchtung Anlass, dass sich während der restlichen Amtszeit des G.W.B. vorhandene Konflikte doch noch wie ein Flächenbrand ausbreiten könnten.
Obwohl sich die Stimmung zwischen Israel, dem Iran und den USA durch den entlastenden CIA-Bericht NIE offiziell vorsichtig entspannt hat, sind einige Beobachter wie etwa der aufmerksame Professor Chossudovsky aus Ottawa deshalb noch weit davon entfernt, Entwarnung zu geben (30.12.2007, Globalresearch.ca).
Als ich zur Erholung wieder einmal auf der nett und liebevoll gestalteten Website des Schönbrunner Zoos in Wien surfte, betrachtete ich besonders das Panda-Tagesbuch, um mich über die Fortschritte des kleinen Fu Long - so heißt das vor kurzer Zeit noch winzige Bärenkind, genau zu informieren (siehe auch Posting). Der kleine Kerl ist inzwischen ordentlich gewachsen und darf zu Beginn des neuen Jahres 2008 zum ersten Mal hinaus (Zoo Schönbrunn).
Der Name Fu Long bedeutet “Glücklicher Drache”, wobei der Drache in China noch einmal das Symbol für besonderes Glück ist. Glück - das werden die Millionen Menschen im Nahen und im Mittleren Osten im kommenden Jahr in großem Ausmaß benötigen. Guten Rutsch in ein schönes und erfolgreiches neues Jahr wünsche ich an dieser Stelle allen Lesern.
Bild: Fu Long
Weihnachten
Dezember 26, 2007 at 4:38 | In Generell, Verständigung, Videos, Without Clash | No Comments
Während Hardliner und Fundamentalisten auf islamischer und christlicher Seite wieder gegeneinander Vorwürfe machen, verschwindet die Erinnerung an Gemeinsamkeiten zwischen den großen Weltreligionen. In diesem Beitrag möchte ich einige Beispiele für Berührungspunkte zwischen den großen Weltreligionen aufzählen und binde dabei einige stimmungsvolle Videoclips mit bekannten Weihnachtsliedern in den folgenden Text ein. .
Ein Berührungspunkt zwischen den zwei Weltreligionen ist die Marienverehrung, denn auch die Moslems verehren “The Blessed Virgin Mary” als Mutter des “Propheten Isa”, Jesus. In überkonfessionellen Sinn sangen Bono und Pavarotti das “Ave Maria” von Schubert gesungen:
Das Vorbild für die volkstümliche Gestalt des Hl. Nikolaus, des Santa Claus und somit auch des Weihnachtsmannes war der Hl. Nikolaus, ein Bischof aus Myra. Myra liegt ist in der heutigen Türkei und damit eigentlich in Asien. Die Datteln, die der Patron der Schüler häufig zu anderen Schätzen in die Geschenksäckchen steckt, könnten sogar aus dem Iran sein (Persepolis).
Freilich entstand der Islam entstand erst hunderte Jahre später nach dem Tod des frommen Bischofs, die Türkei erst recht. Aber die Wurzeln des Islam standen insgesamt nicht nur auf arabischem, sondern auch auf jüdisch-christlichem Boden. Die Grenzen sahen früher ganz anders aus. Sie wurden damals willkürlich von Menschen gezogen. In diesem Sinn könnten sie sich auch wieder ändern. Diskussionen über einen möglichen Beitritt der Türkei zur EU erregen nach wie vor die Gemüter.
Aber besonders den Kindern ist ohnehin egal, woher lieb gewordene Gebräuche und Lieder eigentlich kommen, wenn das Gebotene nur hübsch und freundlich ist oder gut schmeckt. Immer wieder hören sie gerne den Song von Rudolph, the Rednosed Reindeer, obwohl die Geschichte vom Weihnachtsmann, dessen Schlitten von Rentieren gezogen wird, eigentlich ein Paradebeispiel für eine “mixture of civilisations” darstellt.
Weiße Weihnachten wünschen sich nicht nur die meisten Menschen in den europäischen Schigebieten, sondern auch im Iran, denn in diesem Land wird das Schi fahren immer beliebter (outside.away.com). Was wäre auch der Winter ohne Schnee?
Doch nicht immer vermitteln Schnee und Kälte den Eindruck von Spaß oder Gemütlichkeit am heimatlichen Herd. Im Film Doktor Schiwago, der zur Zeit der bolschewistischen Revolution in Russland spielt, versuchen einzelne Menschen vergeblich, ihr Glück zu finden und irren durch die Kälte:
Fast niemand denkt heute noch daran, dass die Verwendung von Schlag- und Blasinstrumente bei den Janitscharen die klassische Musik in Europa sehr stark beeinflusste. Der erste Name für ein der Oboe ähnliches Instrument, Zurna, stammt wahrscheinlich sogar aus Persien (musicofananatolien.com).
Zu jenen Musikstücken, die in der Adventzeit gerne aufgeführt werden, gehört das Musikstück „Der Messias“ von Georg Friedrich Händel:
For unto us a Child is born, unto us a Son is given, and the government shall be upon His shoulder, and His name shall be called Wonderful, Counsellor, The Mighty God, The Everlasting Father, The Prince of Peace.
An manchen Stellen dieses bekannten Oratoriums, wie etwa beim bekannten „Hallelujah“ setzt der Komponist auch Oboen ein.
Mit Grüßen an die Türkei “The Little Drummerboy”, dargestellt von Josh Groban und dem bekannten Janitscharenchor aus der Oper “Die Entführung aus dem Serail von Wolfgang Amadeus Mozart (Giannini-drums.ch):
In der Weihnachtszeit klingen nicht nur die Glocken von den Kirchentürmen, sondern auch die Schellen auf den Geschirren der Pferde, die in ländlichen Gebieten vielfach vor den Schlitten gespannt werden:
Bei diesem Hobby frieren oft die Hände und die Zehen ganz ordentlich und es ist herrlich, in die warme Stube zu kommen, um dort heißen Tee zu trinken. So schön es auch ist, in der Stadt spazieren zu gehen, die Auslagen anzusehen und die Geschenke auszuwählen, macht es doch müde.
Mal ehrlich - vielen läuft bereits jetzt in der Adventzeit das Wasser im Mund beim Gedanken an die leckeren Weihnachtsplätzchen, Törtchen, Marzipan und Kekse zusammen. In den weihnachtlichen Köstlichkeiten sind oft Pistazienkerne enthalten (Pistazien-Mandelstollen, Passionsfrucht-Mousse im Bitter-schokoladengitter, Marzipan ,Kirsch-Kokos-Küsschen).
Die Glocken wurden im alten China erstmalig als Musikinstrumente verwendet (China ABC). Von dort gelangten sie nach Europa und gehören schon längst zum westlichen Kulturkreis. Der Großteil der Importe dieser exotischen Schalenfrucht stammt dagegen nach wie vor aus islamischen Ländern wie etwa dem Iran. Der Wert der iranischen Pistazienexporte erreichte in diesem Jahr 230 Mrd. Dollar (Fruchtportal.de). Dem Familienunternehmen des bekannten iranischen Politiker Rafsandschani wird eine Monopolstellung im Pistazienhandel nachgesagt.
Zum Weihnachtsfest gehört auch die Erinnerung an jene Stellen in den alten Hl. Schriften, in denen Engel am Werk sind. So verkündete “der “Engel des Herrn Maria die Botschaft” und Engel waren´s der Legende nach, die den “Hirten auf dem Felde” verkündeten, dass der “Messias” geboren war. Dabei werden Engel bereits im Alten Testament erwähnt. Schon nach der Vertreibung von Adam und Eva wurden von Gott Cherubim als Wächter für das Paradies aufgestellt (1. Buch Mose 3,24), Im Islam vermittelte Erzengel Gabriel, auf arabisch “Djibril”, Prophet Mohammed den Koran. Der Gedanke an Engel, an höhere Wesen, die die Engel vor Gefahren schützen, blieb auch in der modernen Unterhaltungsmusik erhalten, wie etwa im Song „I have a dream“ der bekannten Popgruppe ABBA,
Der biblische König David und Prophet Mohammed, der Begründer des Islam hatten etwas gemeinsam: Beide arbeiteten in ihrer Jugendzeit als Hirten. Auch Jesus, für die Christen der wahrhaftige Sohn Gottes, bezeichnete sich oft als der “gute Hirte”. Fast alle Angehörigen der christlichen Glaubensgemeinschaft kennen das deutsche Weihnachtslied: “Kommet ihr Hirten”:
Der schöne alte 23. Psalm “Der Herr ist mein Hirte”, entstand bereits, bevor die drei abrahamitischen Religionsgemeinschaften auseinander drifteten (Wiki). König David spielte damals bereits auf einem Vorläufer der jetzigen Harfe, auf einer Kinnor .
Im jüdischen Legendenkreis rettete die schöne Jüdin Esther als Frau des persischen König Xerxes I, den Juden das Leben. Hier eine Arie aus einem Oratorium eines Künstlers der Renaissance, begleitet von Harfenmusik:
Diese berührende Geschichte im Alten Testament ging, wie man weiß - damals - gut aus. Im Iran, in Hamadan, steht jetzt noch das Grabmal der Esther und des Mordechai (Israelheute.com).
Schon längst gehört die Harfe zu den beliebten Instrumenten, auf denen auch in einem Konzert, bei Messen, Hochzeiten oder sogar einer Vernissage gespielt wird. Auch die kleinen Engelchen, die als putzige Figuren vielfach die Weihnachtsbäume verzieren, halten oft eine Harfe in ihren Händen. In der folgenden Version des Weihnachtsliedes “Süßer die Glocken nie klingen” wird ein Tenor von Harfenmusik begleitet:
Zank und Streit sollten allerdings in der „fröhlichen und gnadenvollen Weihnachtszeit“ auch der US-Regierung gegenüber ruhen.
In diesem Sinn wünsche ich allen Lesern dieses Blogs eine „Stille Nacht, Heilige Nacht!“ ein frohes Fest und schöne Feiertage.
Bild:Stille Nacht Kapelle
Das Schweigen der Lämmer
Dezember 2, 2007 at 2:05 | In Anachronismen, Middle East, Skandale, USA, World War IV | 2 Comments
Gelegentlich weisen Fans der jetzigen US-Regierung und Befürworter des Irakkrieges darauf hin, dass die Anzahl der Gewalttaten im Irak in den letzten Monaten nachgelassen hätte. Es besteht aber der begründete Verdacht, dass die nachlassende Gewalt im Irak “ethnischen Säuberungen” zu verdanken sein könnte:
Petraeus vergaß, dem Kongress zu berichten, dass die verbesserte Sicherheitslage in Bagdad auf Vertreibungen zurückzuführen ist. Vor dem Krieg waren rund 65 Prozent der Bagdader Bevölkerung sunnitisch, heute ist Bagdad zwischen 75 und 80 Prozent (circa) schiitisch. Die meisten Vertreibungen in Bagdad fanden in den vergangenen vier Jahren statt und waren Zwangsvertreibungen an Sunniten. “Ethnische Säuberungen” aus Sicherheitsgründen sind natürlich nichts, womit man sich brüsten kann (12.9.2007, zmag.de).
Auch Asia Online veröffentlichte einen kritischen Artikel zum gleichen Thema. Darin weist Ali al-Fadhily, der Inter Press Service Korrespondent aus Bagdad der unter der treffenden Überschrift “The silence of the lambs” darauf hin, dass die früheren Wohngebiete in Bagdad, in denen Sunniten und Schiiten untereinander gemischt lebten, jetzt jeweils nur noch von den Angehörigen einer der beiden Konfessionen des Islam bewohnt sind. Jeden Tag werden Leichen unbekannter Personen gefunden, um deren Herkunft sich niemand kümmert. Eine Mitschuld der jetzigen irakischen Regierung an diesen Morden schließt sein Bericht nicht aus (14.11.2007, Atimes.com).
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Nach manchen Quellen übersteigt die Anzahl der getöteten Iraker bereits eine Million (just foreign policy.org). Betreffend die gelegentlich kritisierte Lancet-Studie, die im Jahr 2006 eine Anzahl von 600.000 der im 3. Golfkrieg getöteten Iraker angab, wurde immerhin eine Stellungnahme des UN Office for the Coordination of Humanitarian Affairs auf der öffentlichen Militärbeobachtungsseite in den USA verlinkt (16.10.2006, Globalsecurity.org). Die Washington Post, die größte Tageszeitung in Washington DC, nahm den Bericht ernst (11.10.2006, Washington Times). Eine andere Studie, die von einer britischen Firma, vom ORB (Opinion Research Business) im September 2007 durchgeführt wurde, verwendete eine andere Methode zur Auszählung, ermittelte damit aber sogar noch höhere Zahlen:
On September 14, 2007, ORB (Opinion Research Business), an independent UK based polling agency, published an estimate of the total casualties of the Iraq war. The figure suggested by ORB, which was based on survey responses from 1,499 adults, stands at 1,220,580 deaths, with a margin of error of 2.5%. This estimate, although conducted independently, and using a different polling methodology, is consistent with the Lancet findings (Wiki).
Bekanntlich starben bereits vor dem jetzigen Irakkrieg nahezu zwei Millionen Menschen im Iraq am bzw. an den Folgen des 2. Golfkrieges (G.W.B. sen. vs. S.H.) bzw. an den Sanktionen (6.3.2001, Netzwerk-Regenbogen.de, 15.6.2002, Embargos.de). Es besteht kein Grund zu der Annahme, dass im Irak die Anzahl der durch Unterversorgung sterbenden Personen während des Krieges abgenommen haben könnte.
Die Anzahl der Flüchtlinge wird, jene innerhalb und außerhalb des Landes zusammengerechnet, mit etwa vier Millionen angegeben (16.4.2007, news.ch). Flüchtlinge leben aber nicht unbedingt sicher. Stark unter Druck geraten sind Minderheiten wie etwa Christen oder Yasiden. Zugenommen hat auch die Gewalt gegen Frauen. Dass in einem Kriegsgebiet alte und schwache Personen früher sterben als in einem Industrieland, müsste eigentlich klar sein. Auf dem Vormarsch nach wie vor ist die Cholera (29.11.2007, CNN.com).
Am meisten schockieren Berichte darüber, dass der Einsatz von DU (Depleted Uranium) die Anzahl der Missbildungen bei Neugeborenen deutlich erhöht und langfristig die Zivilbevölkerung deutlich schädigt. Inzwischen interessieren sich bereits Experten aus etlichen Ländern für die Folgen von Angriffen mit DU auf Bevölkerung und Umwelt (World Uranium Weapons Conference).
Ungefähr davon ausgehend, dass der 2003 begonnene Irakkrieg etwa so viele Menschenleben gefordert haben könnte wie der 2. Golfkrieg, dass obendrein weiterhin auch seit Beginn des Krieges monatlich leicht so viele Menschen wie während der Zeit der Sanktionen gestorben sein könnten und dass zahlreiche Menschen durch den ausbrechenden Bürgerkrieg bzw. zusätzliche missliche Umstände ihr Leben verloren haben, erscheint doch eigentlich die Zahl von etwa einer Million Opfern als durchaus plausibel.
Sämtliche Indizien zusammengenommen, müssten bei weitem ausreichen, um umfangreiche Studien in Auftrag zu geben oder - noch besser - dafür zu sorgen, dass die Angriff auf Afghanistan, den Irak oder auch auf den Libanon die letzten Kriege für lange Zeit waren.
Bilder: Gewehrmündung, Irakkrieg
Gedanken zu Allerseelen
November 1, 2007 at 4:14 | In Anachronismen, Generell, Publikationen, USA, Verständigung, Without Clash, World War IV | No CommentsMorgen ist der 2. November, Allerseelen. Die Tage werden immer dunkler, in der Früh liegen dicke Nebelschwaden über den Feldern. Es ist an der Zeit - an die Toten zu denken, an jene Menschen, die wir einmal gekannt haben und die jetzt nicht mehr sind. Doch sollte der Tag auch genutzt werden, um jener zu gedenken, die im Irakkrieg gefallen sind. Ihre Anzahl beträgt nach zuverlässigen Quellen mittlerweile mehr als eine Million (September 2007, Opinion Business Research). Der Musiker und Liedermacher Hannes Wader schrieb im Jahr 1980 ein schönes und trauriges Lied:
ES IST AN DER ZEIT
(dt.T.: Hannes Wader)
Weit in der Champagne im Mittsommergrün,
da wo zwischen Grabkreuzen Mohnblumen blühn,
da flüstern die Gräser und wiegen sich leicht
im Wind der sanft über das Gräberfeld streicht.
Auf deinem Kreuz finde ich, toter Soldat,
deinen Namen nicht, nur Ziffern, und jemand hat
die Zahl neunzehnhundertundsechzehn gemalt,
und du warst nicht einmal neunzehn Jahre alt.
REFRAIN:
Ja auch dich haben sie schon genauso belogen,
so wie sie es mit uns heute immer noch tun.
Und du hast ihnen alles gegeben:
deine Kraft, deine Jugend, dein Leben.
Hast du, toter Soldat, mal ein Mädchen geliebt? Sicher nicht, denn nur dort, wo es Frieden gibt, können Zärtlichkeit und Vertrauen gedeihn. Warst Soldat, um zu sterben, nicht, um jung zu sein.
Vielleicht dachtest du dir, ich falle schon bald, nehme mir mein Vergnügen wie es kommt mit Gewalt. Dazu warst du entschlossen, hast dich aber dann
vor dir selber geschämt und es doch nie getan.
Es blieb nur das Kreuz als die einzige Spur von deinem Leben. Doch hör meinen Schwur für den Frieden zu kämpfen und wachsam zu sein. Fällt die Menschheit noch einmal auf Lügen herein,
dann kann es geschehn, da bald niemand mehr lebt, niemand, der die Milliarden von Toten begräbt. Doch es finden sich mehr und mehr Menschen bereit,
diesen Krieg zu verhindern, es ist an der Zeit.
Als der Komponist Hannes Wader den Text zu seinem Lied schrieb, hatte er das Bild eines Soldatenfriedhofes vor seinen inneren Augen. Es sah vielleicht aussah jenes, auf dem einem jungen Mädchen abgebildet ist, dem, während es sich vor einer Grabstelle hingekauert hat, Entsetzen und Unverständnis über das Ausmaß dieses Friedhofs, über die Anzahl der aneinandergereihten Kreuze, regelrecht ins Gesicht geschrieben stehen.

Jedes der zahlreichen Kreuze könnte eine eigene Geschichte erzählen über denjenigen, zu dessen Erinnerung es erstellt wurde. Vielleicht hatte der Soldat, der dort liegt, braune Haare, dunkle, übermütige Augen und aß genauso gerne Pizza wie Luciano Pavarotti. Oder er war blond, mit blauäugig und sportelte gerne. Die Grabstellen verraten außer einem Datum, an dem der Soldat gefallen sein soll, nichts über die Toten.
Wie hätte sich das Leben des Toten weiterentwickeln können, wäre er nicht gefallen? Sein ursprüngliches Berufsziel war vielleicht Arzt. Oder auch Künstler. Man wird es niemals erfahren.
Bestimmt hatte der Soldat eine Freundin. Blieb er ihr treu? Hat er ihr geschrieben? Vielleicht auch hat sie sich, während er im Feld war, anderweitig verlobt. Sehr wahrscheinlich hatte er aber überhaupt keine Zeit, um sein Mädchen kennen zu lernen. Unwahrscheinlich ist´s nicht, dass er niemals die Gelegenheit hatte, in einer Beziehung auch nur fünf Minuten glücklich zu werden.
Geborgen in der Sicherheit demokratischer Staatswesen, kann jeder leicht lästern über das, was der eine oder andere im Krieg wirklich - oder auch angeblich - an Bösem getan hat. Wenn aber jemand durch den Einberufungsbefehl willkürlich in eine andere Welt versetzt wird, in der er töten muss, um nicht selbst getötet zu werden, dann setzt die Situation oft die Wertvorstellungen außer Kraft, nach denen der Betreffende bisher gelebt hat.
Hinterher sieht alles ganz anders aus. Nach dem Krieg existieren die Ideale, für die zunächst gekämpft wurde, oft gar nicht mehr. Sie fallen zusammen. So, wie gestapelte Kartenhäuser. Die Donaumonarchie existierte nach dem ersten Weltkrieg nicht mehr, der deutsche Kaiser, William II, dankte ab. Schlechte Zeiten für Patrioten!
Damit entsteht die Frage, wie weit den Aussagen der damaligen Politiker, die zum Krieg aufgerufen hatten, überhaupt Glauben zu schenken war. Um es ganz kurz zu machen - vollkommen ehrlich war keiner. Während es die jeweiligen Führungsspitzen mit wenigen Ausnahmen schafften, zwar nicht ihre Position, aber ihr Leben ebenso wie ihr Vermögen zu retten, starben hunderttausende Soldaten auf dem Feld oft einen grauenhaften Tod.
Die letzte Ruhestätte des Soldaten ist nicht mit Blumen geschmückt. Es brennt auch keine Kerze, so wie es auf zivilen Friedhöfen der Brauch ist. Wer sollte sich auch um das Grab kümmern? Damals, während der großen Weltkriege, wurden Millionen von Menschen vertrieben. Die Mitlieder der Familie des Toten sind vielleicht genauso umgekommen wie er, nur, ohne dass jemand über deren Verbleib Bescheid weiß.
Was soll man dazu schon sagen? Dem Mädchen auf dem Bild fehlen die Worte, wie vielen anderen. Künstler, so wie Hannes Wader, gelang es, das, was sie empfinden, in Reimen zu fangen. Doch die meisten Gedichte verstauben zwischen den Buchdeckeln und niemand liest sie. Besser ist es, die Verse zu vertonen und über Auftritte oder über Datenträger dem Publikum näher zu bringen.
Jedes Leben ist unersetzlich. Niemand bekommt eine zweite Chance. Ist das Ziel, wofür ein Soldat sein Leben riskiert, wirklich wert, dafür zu kämpfen? Sind die Ideale, die verteidigt werden sollen, wirklich so zeitlos, wie es momentan den Anschein hat? Kann man den Politikern blindlings vertrauen? Fragen über Fragen, die sich eigentlich nicht ändern.
Als Hannes Wader sein Lied “Es wird Zeit” schrieb, wurde es zu einer regelrechten Hymne der Friedensbewegung. Das ist kein Wunder, denn auch nach den großen Weltkriegen entwickelten sich die Waffensysteme immer weiter. Damals, in der Zeit des kalten Krieges, hatten viele Menschen Angst davor, dass es zu einem Atomkrieg kommen könnte, der die Zivilisation, wie wir sie kennen, ein für allemal auslöscht.
Spricht Hannes Wader nicht damit jenes stillschweigende Versprechen an, dass diejenigen, die den zweiten Weltkrieg überlebten, ihren Kindern und Enkelkindern gaben, sie würden wachsam sein und für den Frieden kämpfen?
Die Gefahr, dass sich im Mittleren Osten ein größerer Krieg anbahnen könnte, besteht nach wie vor. “Es an der Zeit”, für all jene, die keinen großen Krieg im Mittleren Osten wollen, an Politiker und Zeitungen zu schreiben, Petitionen zu unterzeichnen und demonstrativ eine Friedensfahne aus dem Fenster zu hängen.
Die Zeit, um etwas gegen einen möglichen Irankrieg zu unternehmen, läuft ab, d.h. sie ist eigentlich schon vorbei (25.10.2007, Jpost.com, 30.10.2007, CFR.org). Nur US-Außen- ministerin Condoleezza Rice steht noch unbedingt zu einer diplomatischen Lösung (25.10.2007, CFR.org).
Über den Reiz verbotener Bücher
Oktober 30, 2007 at 12:12 | In Generell, Gesellschaft, Middle East, Publikationen, Skandale, USA, Verständigung, Without Clash | No Comments
Mit seiner Fatwa gegen den Schriftsteller Salman Rushdie schoss der Begründer der islamischen Revolution im Iran, Ayatollah Ruhollah Khomeini dem Islam ein beachtliches Eigentor. In einer Zeit der Reizüberflutung durch die Medien, in einer Situation, in der Autoren, Journalisten und Hobbyschriftsteller durch Veröffentlichung ihrer Websites, Magazine und Bücher sehr oft vergeblich versuchen, Beachtung zu finden, hätte sich ohne einen zünftigen Skandal rund um sein Werk kaum jemand für Salman Rushies “Satanische Verse” interessiert.
Doch gerade durch die Aufregung, die das Werk durch die Verurteilung durch die Mullahs erzeugte, wurden der Autor der “Satanischen Verse” weltbekannt. Eine vergleichbare Entwicklung der Beachtung durch die Öffentlichkeit findet sich vielleicht noch bei der Erfolgsstory des den katholischen Glaubensbereich betreffenden Buches “Sakrileg” von Dan Brown.
Die Medienberichte betreffend “Sakrileg” gehen übrigens nicht direkt auf eine Verurteilung des Buches durch den Vatikan zurück, sondern auf den Bericht über eine Konferenz, die der Erzbischof von Genua, Kardinal Tarcisio Bertone abhielt. Während des Vortrages wurde auf einige Schwerpunkte des Romans eingegangen und die Empfehlung ausgesprochen, das Buch weder zu lesen noch zu kaufen (16.3.2005, Radio Vatikan). Dies verhinderte weder den Erfolg des Buches und hielt noch nicht einmal geschäftstüchtige Autoren davon ab, “Anti-Sakrileg-Bücher” auf den Markt zu bringen (Sakrileg-Betrug).
Ebenfalls werbewirksam hielt sich das Gerücht, die nette Jugendbuchserie “Harry Potter” von Joanne Kathleen Rowling wäre auf dem Index des Vatikans gelandet. Diese Geschichte bezieht sich auf zwei kurze Briefe, die der jetzige Papst Benedikt IV, damals noch Kardinal Ratzinger im Amt als Präfekt der Glaubenskongregation, an die Potter-Kritikerin Gabriele Kuby (Gabriele Kuby, Harry Potter – gut oder Böse, fe-medienverlag Kisslegg) geschrieben hatte (14.7.2005, Radio Vatikan). Die Originaltexte dieses Briefwechsels können auf der Homepage von Gabriele Kuby eingesehen werden (Gabriele Kuby).
Der Konsultor des Päpstlichen Kultur-Rates, Peter Fleetwood untersuchte das Phänomen Harry Potter dann nochmals und beurteilte es positiv. Der Vatikan veröffentlichte am 20.5.2007 eine Entwarnung (20.7.2005, Radio Vatikan). Gabriele Kuby legte daraufhin Widerspruch ein. Die Diskussion, deren Inhalt vom Erhabenen bei weitem ins Lächerliche kippt, dürfte noch nicht ganz beendet sein (Kath.net). Die Anzahl der Vorbestellungen des siebenten Bandes der Harry Potter-Reihe, “Harry Potter and the Deathly Hollows” erreicht trotzdem schwindelnde Höhen (Pressetext).
Die unterschwelligen Animositäten der Kirche gegen alles “Magische” könnten weit eher als durch die Bücher der englischen Autorin durch den unglücklichen Umstand bedingt sein, dass im Kongo immer wieder Familien ernsthaft glauben, ihre Kinder wären verhext. Solche Kinder werden ausgestoßen, von Scharlatanen “behandelt” und landen letztendlich ausgebeutet und kriminell geworden in großer Anzahl auf Kinshasas Straßen (14.7.2005, Radio Vatikan).
Was Salman Rushdie betrifft, könnten die Mullahs seine Verse, die die Grundfesten des islamischen Glaubens angreifen, nicht mehr zum Verschwinden bringen, selbst dann nicht, wenn es ihnen gelingen würde, Rushdie zu töten. Sie werden sich damit abfinden müssen, dass sie Salman Rushdie durch ihre irrational aggressive Kritik an seinem umstrittenen Buch fast mehr noch zum Erfolg verholfen haben, als der von ihnen geschmähte Autor selbst durch das Schreiben seiner mittlerweile weltweit bekannten Zeilen. Ohne die Drohungen, die der bekannte Schriftsteller von fundamentalistischer Seite erhalten hat, hinunterspielen zu wollen, taten ihm also die Mullahs fast noch einen Gefallen.
Bild: Salman Rushdie
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