Iran im April 2008

April 6, 2008 at 2:34 | In Middle East | No Comments

Was für Südafrika Nelson Mandela ist, könnte für Israel der Autor und Friedensaktivist Meir Margalit sein. Dies wurde zumindest in einem Artikel in der spanischen Zeitung La Vanguardia behauptet. In einem Interview stellte sich das frühere Mitglied im Stadtrat von Jerusalem auf folgenden Standpunkt:

That is a paranoiac absurdity. The ruling Zionism by holding on to its expansionist designs degrades democracy not only for Arabs, but also for all Israelis. We lived through the farce of apartheid in South Africa. With a view toward combating the Israeli apartheid, we founded Meretz, a left-wing alternative for peace and integration (31.8.2005, Worldpress.org).

Der Historiker Meir Margalit gründete das gründete das Kommitee Israeli Committee Against House Demolitions, dessen Anliegen es unter anderem ist, von Israelis zerstörte Häuser wieder aufzubauen (ICHAD.org). Genau dieser Mann schrieb einen flehenden Brief an Bundeskanzlerin Dr. Merkel, in dem er darauf verwies, dass Menschenrechtsverletzungen in allen Ländern gleichmäßig verurteilt und geächtet werden müssten (März, 2008, Hagalil.com).

Inzwischen ziehen sich über dem Iran weiterhin dunkle Wolken zusammen. Die Wirtschaftssanktionen gegen dieses Land wurden inzwischen erheblich verschärft (1.4.2008, Atimes.com). Die IDF hält militärische Übungen ab, um zu testen, ob das Abwehrsystem Arrow einem iranischen Raketenangriff standhält (3.4.2008, Jpost.com). An die israelische Bevölkerung wurden sogar Gasmasken verteilt (2.4.2008, globalsecurity.org). In Saudi Arabien wurden erhöhte Warnungen betreffend “Nuclear Hazards” ausgegeben. Ein Angriff könnte plötzlich erfolgen (31.3.2008, globalresearch.ca,).

Alles zusammen klingt vielleicht schlimmer, als es ist. Vielleicht handelt es sich nur um Vorsichtsmaßnahmen für den Ernstfall (4.4.2008, Haaretz.com). Trotzdem: Obwohl Unruhen, Spannungen und Militärparaden mittlerweile zum Alltag dieser Region gehören, schadet es sicherlich weiterhin nicht, dieses Krisengebiet stets im Auge zu behalten, da für den jetzigen Monat, April 2008, bereits seit längerer Zeit eine Warnung des früheren Waffeninspektors der USA, Scott Ritter vorliegt (Blog for America).

Bild: Meir Margalit

Blogged with the Flock Browser

Was die US-Außenpolitik mit Harry Lime zu tun hat

Februar 21, 2008 at 11:57 | In Generell, Middle East, Skandale, USA, World War IV | No Comments

In jedem Krieg gibt es eine Reihe von Personen, die es schaffen, aus dem Leid der betroffenen Menschen Profit zu schinden. Über einen solchen Menschen schrieb auch der bekannte Autor Graham Green in seinem Buch “Der dritte Mann“. Der gleichnamige Film von Carol Reed mit bekannten Schauspielern wie Orson Welles und der mitreißende Soundtrack des Wieners Anton Karas wurde ein Welterfolg.

Zur Handlung: Der Kriegsgewinnler Harry Lime verkauft “gestrecktes” Penicillin zu horrend hohen Preisen an kapitalkräftige Kundschaft. Dabei nahm er in Kauf, dass die gepfuschten und gepanschten Medikamente oft mehr schadeten als nutzen. Als er gemeinsam mit dem amerikanischen Journalisten Martins Holley in einem Wagen des Riesenrads saß, erklärte er seine Philosophie:

Sie (Martins Holley und Harry Lime) blicken auf die aus dieser Höhe winzig wirkenden Menschen hinab, und Harry Lime fragt Holley, ob er 20000 Pfund ablehnen würde, wenn er ihm diesen Betrag für jeden toten “Punkt” da unten böte (Der dritte Mann).



An dieser Stelle sollte man sich noch einmal in Erinnerung rufen, wie gigantisch hoch die Gewinne im Öl- und Rüstungsgeschäft sind. Es war der frühere US-Präsident Dwight Eisenhower, der bereits 1961 in seiner Abschiedsansprache die Öffentlichkeit das erste Mal vor dem Einfluss des “Militärisch-industriellen Komplex” auf die Demokratie warnte. Er sagte wortwörtlich:

“Until the latest of our world conflicts, the United States had no armaments industry. American makers of plowshares could, with time and as required, make swords as well. But now we can no longer risk emergency improvisation of national defense. We have been compelled to create a permanent armaments industry of vast proportions. Added to this, three and a half million men and women are directly engaged in the defense establishment. We annually spend on military security alone more than the net income of all United States corporations.

Now this conjunction of an immense military establishment and a large arms industry is new in the American experience. The total influence — economic, political, even spiritual –is felt in every city, every Statehouse, every office of the Federal government. We recognize the imperative need for this development. Yet we must not fail to comprehend its grave implications. Our toil, resources, and livelihood are all involved. So is the very structure of our society.

In the councils of government, we must guard against the acquisition of unwarranted influence, whether sought or unsought, by the military-industrial complex. The potential for the disastrous rise of misplaced power exists and will persist. We must never let the weight of this combination endanger our liberties or democratic processes. We should take nothing for granted. Only an alert and knowledgeable citizenry can compel the proper meshing of the huge industrial and military machinery of defense with our peaceful methods and goals, so that security and liberty may prosper together.


Seine Enkelin, Susan Dwight Eisenhower, unterstützt mit dem Hinweis auf die Bedenken ihres herausragenden Großvaters massiv die Kandidatur des demokratischen Kandidaten Obama Barak (2.2.2008, WashingtonPost.com).

Auch der demokratische Kandidat 2004, Senator John Kerry scheut keine Mühe, die Wähler für Senator Obama Barack zu begeistern.




Inzwischen erscheinen die Bedenken, wie weit die voreilig akzeptierte Unabhängigkeit des Kosowo nationalistische Strömungen anderer Minderheiten in Europa und in anderen Ländern ermutigen könnte, durchaus berechtigt. Auch der kanadische Autor Mahdi Darius Nazemroaya, Mitarbeiter von Prof. Michel Chossudovsky, zog Vergleiche zwischen dem Kosowo und dem Irak und stellte sich auf den Standpunkt, mit der Anerkennung eines unabhängigen Kosowo wäre “Pandoras Büchse” geöffnet (20.2.2008, Globalresearch.ca).

Nicht vergessen: Für die “dort oben” sind wir die Punkte. Es hängt sehr viel von der Integrität jener ab, in deren Hand in Zukunft die Macht liegt.

Bild: Riesenrad

Die Gefahr für den Iran ist NIE vorbei

Januar 27, 2008 at 1:49 | In Middle East, USA, World War IV | No Comments

G.W.B.Seit im von der CIA veröffentlichten Geheimdienstbericht NIE ausdrücklich darauf hingewiesen wurde, dass die iranische Regierung ihr militärisches Atomprogramm 2003 eingestellt hätte, entspannt sich das Klima zwischen den USA und dem Iran deutlich (6.12.2007, Spiegel.de, NIE-Report).

Es wurde aber bis zum jetzigen Zeitpunkt bereits so viel Geld in Kriegsvorbereitungen, in aggressive Propaganda gegen dieses Land investiert, dass es schwierig ist, daran zu glauben, dass jene US-Flugzeugträger, die im persischen Golf stationiert sind, wieder unverrichteter Dinge abziehen. Zu sehr auch hat sich Israel dem Iran gegenüber zu einer aggressiven Rhetorik hinreißen lassen, als dass es realistisch erscheint, dass in Kürze wieder echte Entspannung eintritt.

Es sprechen zur Zeit viele Gründe gegen einen Irankrieg. Die USA sind wirtschaftlich stark angeschlagen. Sogar international befinden sich mittlerweile die Börsenkurse auf Talfahrt (18.1.2008, NyTimes.com). Beide von der US-Regierung unter G.W.B. begonnenen Kriege, sowohl der in Afghanistan als auch der im Irak, konnten nicht gewonnen werden. Das amerikanische Volk hat bei weitem genug von jedweden Kriegen und würde den Angriff auf ein weiteres Land nicht unterstützen. Die Vogelgrippe bereitet Sorgen (27.1.2007, Tehrantimes.com, 23.1.2008, oe24.at). Auch der Problembereich “Global Warming” findet weltweit immer mehr Aufmerksamkeit (25.1.2008, CFR.org).

In Israel trat - endlich - der unerträgliche Hardliner Avigdor Lieberman mit der von ihm geführten ultranationalistischen Partei Beitenu aus der Koalition mit Ministerpräsidentetn Ehud Olmert zurück (Wiener Zeitung). Die Hoffnung, dass mit Hilfe Benazir Bhuttos Pakistan vermehrt an den Westen angebunden werden könnte, zerschlug sich, als diese erfahrene Politikerin und aussichtsreiche Kandidatin für die nächsten Präsidentschaftswahlen am 27.1.2008 ermordet wurde (28.12.2007, Spiegel.de).

Trotzdem darf nicht übersehen werden, dass die begonnen Kriege den gesamten Mittleren Osten bis hinaus nach Pakistan gefährlich destabilisiert haben. G.W.B. wird sich nur sehr schwer damit abfinden, dass seine Einsätze - bis jetzt zumindest - die Position des Iran in dieser feindlichen Region nur gestärkt haben. Im Wahlkampf würde ihm kaum einer der anderen Kandidaten in den Arm fallen, um einen Angriff zu verhindern, da die USA traditionell Israel unterstützen und es “unpatriotisch” wirken könnte, in einem gefährlichen Kampf einem Präsidenten in den Rücken zu fallen.

Freilich würde ein Angriff auf den Iran kaum angekündigt werden, sondern als schnelle Antwort auf eine “Provokation” stattfinden. Eine solcher Auslöser könnte etwa so aussehen wie jener Vorfall zwischen einem iranischen Boot und einem US-Kriegsschiff, die jener, der in der Straße von Hormuz ohnehin stattfand (22.1.2008, Standard.at).

Die Befürchtung, dass der Iran doch noch angegriffen werden könnte, äußerte zumindest einer der Autoren auf der Homepage von Asia Times Online in ausführlicher Form (26.1.2008, Atimes.com). Freilich wird mittlerweile Norman Podhoretz, einer der Vorreiter der US-Neocons vom Chefredakteur der gleichen Zeitschrift mittlerweile regelrecht “auseinander genommen” (25.1.2008, Atimes.com).

Mit Schrecken denke ich daran, dass es manche Beobachter für möglich halten, dass auch der nächste US-Präsident weiterhin auf kriegerische Außenpolitik sprechen könnte. Aufzeichnungen, welche Präsidentschaftskandidaten von welchen Hardlinern aus PNAC und AIPAC gestützt werden könnte, wurden mittlerweile im Internet veröffentlicht (10.1.2008, Globalresearch.ca, 15.1.2008, Globalresearch.ca).

Es spricht zwar momentan wenig dafür, dass die aussichtsreichsten Präsidentschaftskandidaten, Hillary Clinton oder Obama Barack, kriegerische Absichten haben könnten. Jeder, der nach G.W.B. das Amt des Präsidenten in den Vereinigten Staaten übernimmt, wird heilfroh sein können, wenn es ihm überhaupt gelingt, die USA wenigstens leidlich auf Kurs zu bringen. Schlafen sollte aber niemand, wenn auch im Vergleich gesehen zu vergangenen Monaten die Gefahr für den Iran, doch noch angegriffen zu werden, deutlich reduziert ist.

Bild: Bush´s Last Day

Zum Jahreswechsel: Fu Long

Januar 1, 2008 at 12:09 | In Middle East, USA, Verständigung, Videos, Vom Klima, Without Clash, World War IV | No Comments

Gewaltsame Übergriffe wie etwa der Angriff der Türkei auf die kurdische Terrorgruppe PKK im Irak und die Ermordung der Politikerin Benazir Bhutto in Pakistan geben für die Befürchtung Anlass, dass sich während der restlichen Amtszeit des G.W.B. vorhandene Konflikte doch noch wie ein Flächenbrand ausbreiten könnten.

Obwohl sich die Stimmung zwischen Israel, dem Iran und den USA durch den entlastenden CIA-Bericht NIE offiziell vorsichtig entspannt hat, sind einige Beobachter wie etwa der aufmerksame Professor Chossudovsky aus Ottawa deshalb noch weit davon entfernt, Entwarnung zu geben (30.12.2007, Globalresearch.ca).

Als ich zur Erholung wieder einmal auf der nett und liebevoll gestalteten Website des Schönbrunner Zoos in Wien surfte, betrachtete ich besonders das Panda-Tagesbuch, um mich über die Fortschritte des kleinen Fu Long - so heißt das vor kurzer Zeit noch winzige Bärenkind, genau zu informieren (siehe auch Posting). Der kleine Kerl ist inzwischen ordentlich gewachsen und darf zu Beginn des neuen Jahres 2008 zum ersten Mal hinaus (Zoo Schönbrunn).

Der Name Fu Long bedeutet “Glücklicher Drache”, wobei der Drache in China noch einmal das Symbol für besonderes Glück ist. Glück - das werden die Millionen Menschen im Nahen und im Mittleren Osten im kommenden Jahr in großem Ausmaß benötigen. Guten Rutsch in ein schönes und erfolgreiches neues Jahr wünsche ich an dieser Stelle allen Lesern.



Bild: Fu Long

Das Schweigen der Lämmer

Dezember 2, 2007 at 2:05 | In Anachronismen, Middle East, Skandale, USA, World War IV | 2 Comments

Gelegentlich weisen Fans der jetzigen US-Regierung und Befürworter des Irakkrieges darauf hin, dass die Anzahl der Gewalttaten im Irak in den letzten Monaten nachgelassen hätte. Es besteht aber der begründete Verdacht, dass die nachlassende Gewalt im Irak “ethnischen Säuberungen” zu verdanken sein könnte:

Petraeus vergaß, dem Kongress zu berichten, dass die verbesserte Sicherheitslage in Bagdad auf Vertreibungen zurückzuführen ist. Vor dem Krieg waren rund 65 Prozent der Bagdader Bevölkerung sunnitisch, heute ist Bagdad zwischen 75 und 80 Prozent (circa) schiitisch. Die meisten Vertreibungen in Bagdad fanden in den vergangenen vier Jahren statt und waren Zwangsvertreibungen an Sunniten. “Ethnische Säuberungen” aus Sicherheitsgründen sind natürlich nichts, womit man sich brüsten kann (12.9.2007, zmag.de).

Auch Asia Online veröffentlichte einen kritischen Artikel zum gleichen Thema. Darin weist Ali al-Fadhily, der Inter Press Service Korrespondent aus Bagdad der unter der treffenden Überschrift “The silence of the lambs” darauf hin, dass die früheren Wohngebiete in Bagdad, in denen Sunniten und Schiiten untereinander gemischt lebten, jetzt jeweils nur noch von den Angehörigen einer der beiden Konfessionen des Islam bewohnt sind. Jeden Tag werden Leichen unbekannter Personen gefunden, um deren Herkunft sich niemand kümmert. Eine Mitschuld der jetzigen irakischen Regierung an diesen Morden schließt sein Bericht nicht aus (14.11.2007, Atimes.com).

Nach manchen Quellen übersteigt die Anzahl der getöteten Iraker bereits eine Million (just foreign policy.org). Betreffend die gelegentlich kritisierte Lancet-Studie, die im Jahr 2006 eine Anzahl von 600.000 der im 3. Golfkrieg getöteten Iraker angab, wurde immerhin eine Stellungnahme des UN Office for the Coordination of Humanitarian Affairs auf der öffentlichen Militärbeobachtungsseite in den USA verlinkt (16.10.2006, Globalsecurity.org). Die Washington Post, die größte Tageszeitung in Washington DC, nahm den Bericht ernst (11.10.2006, Washington Times). Eine andere Studie, die von einer britischen Firma, vom ORB (Opinion Research Business) im September 2007 durchgeführt wurde, verwendete eine andere Methode zur Auszählung, ermittelte damit aber sogar noch höhere Zahlen:

On September 14, 2007, ORB (Opinion Research Business), an independent UK based polling agency, published an estimate of the total casualties of the Iraq war. The figure suggested by ORB, which was based on survey responses from 1,499 adults, stands at 1,220,580 deaths, with a margin of error of 2.5%. This estimate, although conducted independently, and using a different polling methodology, is consistent with the Lancet findings (Wiki).

Bekanntlich starben bereits vor dem jetzigen Irakkrieg nahezu zwei Millionen Menschen im Iraq am bzw. an den Folgen des 2. Golfkrieges (G.W.B. sen. vs. S.H.) bzw. an den Sanktionen (6.3.2001, Netzwerk-Regenbogen.de, 15.6.2002, Embargos.de). Es besteht kein Grund zu der Annahme, dass im Irak die Anzahl der durch Unterversorgung sterbenden Personen während des Krieges abgenommen haben könnte.

Die Anzahl der Flüchtlinge wird, jene innerhalb und außerhalb des Landes zusammengerechnet, mit etwa vier Millionen angegeben (16.4.2007, news.ch). Flüchtlinge leben aber nicht unbedingt sicher. Stark unter Druck geraten sind Minderheiten wie etwa Christen oder Yasiden. Zugenommen hat auch die Gewalt gegen Frauen. Dass in einem Kriegsgebiet alte und schwache Personen früher sterben als in einem Industrieland, müsste eigentlich klar sein. Auf dem Vormarsch nach wie vor ist die Cholera (29.11.2007, CNN.com).

Am meisten schockieren Berichte darüber, dass der Einsatz von DU (Depleted Uranium) die Anzahl der Missbildungen bei Neugeborenen deutlich erhöht und langfristig die Zivilbevölkerung deutlich schädigt. Inzwischen interessieren sich bereits Experten aus etlichen Ländern für die Folgen von Angriffen mit DU auf Bevölkerung und Umwelt (World Uranium Weapons Conference).

Ungefähr davon ausgehend, dass der 2003 begonnene Irakkrieg etwa so viele Menschenleben gefordert haben könnte wie der 2. Golfkrieg, dass obendrein weiterhin auch seit Beginn des Krieges monatlich leicht so viele Menschen wie während der Zeit der Sanktionen gestorben sein könnten und dass zahlreiche Menschen durch den ausbrechenden Bürgerkrieg bzw. zusätzliche missliche Umstände ihr Leben verloren haben, erscheint doch eigentlich die Zahl von etwa einer Million Opfern als durchaus plausibel.

Sämtliche Indizien zusammengenommen, müssten bei weitem ausreichen, um umfangreiche Studien in Auftrag zu geben oder - noch besser - dafür zu sorgen, dass die Angriff auf Afghanistan, den Irak oder auch auf den Libanon die letzten Kriege für lange Zeit waren.

Bilder: Gewehrmündung, Irakkrieg

Über den Reiz verbotener Bücher

Oktober 30, 2007 at 12:12 | In Generell, Gesellschaft, Middle East, Publikationen, Skandale, USA, Verständigung, Without Clash | No Comments

Mit seiner Fatwa gegen den Schriftsteller Salman Rushdie schoss der Begründer der islamischen Revolution im Iran, Ayatollah Ruhollah Khomeini dem Islam ein beachtliches Eigentor. In einer Zeit der Reizüberflutung durch die Medien, in einer Situation, in der Autoren, Journalisten und Hobbyschriftsteller durch Veröffentlichung ihrer Websites, Magazine und Bücher sehr oft vergeblich versuchen, Beachtung zu finden, hätte sich ohne einen zünftigen Skandal rund um sein Werk kaum jemand für Salman Rushies “Satanische Verse” interessiert.

Doch gerade durch die Aufregung, die das Werk durch die Verurteilung durch die Mullahs erzeugte, wurden der Autor der “Satanischen Verse” weltbekannt. Eine vergleichbare Entwicklung der Beachtung durch die Öffentlichkeit findet sich vielleicht noch bei der Erfolgsstory des den katholischen Glaubensbereich betreffenden Buches “Sakrileg” von Dan Brown.

Die Medienberichte betreffend “Sakrileg” gehen übrigens nicht direkt auf eine Verurteilung des Buches durch den Vatikan zurück, sondern auf den Bericht über eine Konferenz, die der Erzbischof von Genua, Kardinal Tarcisio Bertone abhielt. Während des Vortrages wurde auf einige Schwerpunkte des Romans eingegangen und die Empfehlung ausgesprochen, das Buch weder zu lesen noch zu kaufen (16.3.2005, Radio Vatikan). Dies verhinderte weder den Erfolg des Buches und hielt noch nicht einmal geschäftstüchtige Autoren davon ab, “Anti-Sakrileg-Bücher” auf den Markt zu bringen (Sakrileg-Betrug).

Ebenfalls werbewirksam hielt sich das Gerücht, die nette Jugendbuchserie “Harry Potter” von Joanne Kathleen Rowling wäre auf dem Index des Vatikans gelandet. Diese Geschichte bezieht sich auf zwei kurze Briefe, die der jetzige Papst Benedikt IV, damals noch Kardinal Ratzinger im Amt als Präfekt der Glaubenskongregation, an die Potter-Kritikerin Gabriele Kuby (Gabriele Kuby, Harry Potter – gut oder Böse, fe-medienverlag Kisslegg) geschrieben hatte (14.7.2005, Radio Vatikan). Die Originaltexte dieses Briefwechsels können auf der Homepage von Gabriele Kuby eingesehen werden (Gabriele Kuby).

Der Konsultor des Päpstlichen Kultur-Rates, Peter Fleetwood untersuchte das Phänomen Harry Potter dann nochmals und beurteilte es positiv. Der Vatikan veröffentlichte am 20.5.2007 eine Entwarnung (20.7.2005, Radio Vatikan). Gabriele Kuby legte daraufhin Widerspruch ein. Die Diskussion, deren Inhalt vom Erhabenen bei weitem ins Lächerliche kippt, dürfte noch nicht ganz beendet sein (Kath.net). Die Anzahl der Vorbestellungen des siebenten Bandes der Harry Potter-Reihe, “Harry Potter and the Deathly Hollows” erreicht trotzdem schwindelnde Höhen (Pressetext).

Die unterschwelligen Animositäten der Kirche gegen alles “Magische” könnten weit eher als durch die Bücher der englischen Autorin durch den unglücklichen Umstand bedingt sein, dass im Kongo immer wieder Familien ernsthaft glauben, ihre Kinder wären verhext. Solche Kinder werden ausgestoßen, von Scharlatanen “behandelt” und landen letztendlich ausgebeutet und kriminell geworden in großer Anzahl auf Kinshasas Straßen (14.7.2005, Radio Vatikan).

Was Salman Rushdie betrifft, könnten die Mullahs seine Verse, die die Grundfesten des islamischen Glaubens angreifen, nicht mehr zum Verschwinden bringen, selbst dann nicht, wenn es ihnen gelingen würde, Rushdie zu töten. Sie werden sich damit abfinden müssen, dass sie Salman Rushdie durch ihre irrational aggressive Kritik an seinem umstrittenen Buch fast mehr noch zum Erfolg verholfen haben, als der von ihnen geschmähte Autor selbst durch das Schreiben seiner mittlerweile weltweit bekannten Zeilen. Ohne die Drohungen, die der bekannte Schriftsteller von fundamentalistischer Seite erhalten hat, hinunterspielen zu wollen, taten ihm also die Mullahs fast noch einen Gefallen.

Bild: Salman Rushdie

Nächste Seite »

Bloggen Sie auf WordPress.com. | Theme: Pool by Borja Fernandez.
Entries and comments feeds.