Ist das Waffengesetz in den USA zu liberal?

März 25, 2008 at 5:58 | In Anachronismen, Gesellschaft, USA, Waffen | No Comments

Bekanntlich ist das Recht eines US-Bürgers, eine Waffe zu tragen, in der Konstitution verankert. Stellungnahmen von Europäern in diesem Zusammenhang sind für die Entscheidungsfindung in den USA weder relevant noch gefragt. Bis jetzt war es immer nur eine Frage der Zeit, dass Entwicklungen aus den USA herüber in die europäischen Länder schwappten. Man denke in diesem Zusammenhang auch an die Online-Überwachung. Deshalb ist es allemal interessant, sich sämtliche Argumente für und gegen privaten Waffenbesitz genau anzusehen.

Die Argumente der Befürworter der Liberalisierung sind schnell aufgezählt. So hebt in Österreich die Interessengemeinschaft Liberales Waffenrecht in einer Aussendung die Vorteile der Selbstverteidigung hervor (IWÖ). Ein Verbot der Pumpguns erreichte angeblich nur, dass ein Großteil der Waffen illegal weiter verwendet wurden. Dem kann aber entgegengehalten werden, dass es nicht gerade für die Integrität der Waffenbesitzer spricht, wenn von den 40.000 vergebenen Pumpguns nach deren Verbot nur etwa 2000 wieder eingesammelt werden konnten. Im Bericht wird auch darauf hingewiesen, wie verhältnismäßig leicht es ist, auf dem Schwarzmarkt an Waffen heranzukommen. Dieses Problem ist noch verhältnismäßig neu und entstand im Zusammenhang mit der Öffnung nach Osten.

In England ebenso wie in Australien stieg die Anzahl der bewaffneten Überfälle, nachdem privater Waffenbesitz stark eingeschränkt wurde. Diese Angaben sind allerdings ernste Hinweise auf Schwierigkeiten, die durch die Beschränkung des Waffenbesitzes für mündige Bürger entstehen können, wenn kein alternatives Sicherheitskonzept erstellt wird.

Die Gegner der Liberalisierung des Waffenbesitzes warten ihrerseits sehr wohl mit ernsten Argumenten auf. Es ist nicht richtig, dass die Thesen der National Rifle Association (NRA) überall und grundsätzlich Beifall findet (24.11.1996, CNN.com). Die Diskussion wäre niemals über den Ozean gedrungen, stünden sich nicht sogar in den USA gelegentlich Befürworter und Gegner der Liberalisierung vor Gericht gegenüber (13.3.2008, CNN.com). Über den Verlauf der Verhandlungen am Obersten Gerichtshof über die Frage, wie weit der Staat den Waffenbesitz von Privatpersonen regulieren darf, wurde auch in der New York Times berichtet (18.3.2008, NyTimes.com). Die Kritik an der National Rifle Association stammt nicht aus Europa, sondern ursprünglich aus den USA. Besonders bekannt wurde in diesem Zusammenhang jene Szene im Film “Bowling for Colombine” von Michael Moore, in der Charlton Heston interviewt wird.

Wenn es so wäre, dass das Ausmaß an Bewaffnung bei Tötungsdelikten überhaupt keine Rolle spielt, gäbe es noch nicht einmal in den USA Regelungen, die über die Art der Schusswaffen die verkauft/nicht verkauft werden dürfen, genau Auskunft geben. So beschränkte bereits der Federal Assault Weapons Ban 1994 den Verkauf halbautomatischer Waffen (Wiki) . Auch jetzt ist der Besitz und der Verkauf von Waffen nicht so völlig freigegeben, wie es auf ersten Blick aussieht (Wiki). Die Einführung solcher Regelungen widerspricht aber ganz erheblich der Theorie, dass die Anzahl der Tötungsdelikte von der Kapazität der zum Töten geeigneten Waffen unabhängig ist.

Die Einführung eines Psychotestes für Waffenbesitzer bewährte sich nicht, die Anwärter suchten sich eben, wenn sie das gewünschte Gutachten nicht bekamen, einen anderen Psychiater. Einer der befragten Experten ging davon aus, dass etwa 10% der Waffenbesitzer zu labil wäre, eine Waffe zu führen. Ohne solide Ausbildung und permanentes Training nutzt im Ernstfall eine Waffe dem Besitzer nichts, behauptete ein anderer. Kurz, die Initiative Waffen Weg listet sehr wohl etliche Standpunkte auf, die durchaus geeignet sein könnten, dass auch dieser Seite der Diskussion mehr Salonfähigkeit eingeräumt wird als bisher ((Initiative Waffen weg).

Die “Antiwaffenlobby” hätte keine “Munition” gegen Waffenbesitzer, wenn diese nicht erster Linie unerfreuliche Vorfälle für Schlagzeilen sorgten. So kam es unter anderem zu einem extrem scheusslichen Vorfall. Ein Familienvater drehte durch und erschoss, bevor er Selbstmord beging, sechs Personen, darunter auch ein dreijähriges Mädchen (14.11.2007, Salzburg24.at).

Auch sonst hört und liest man immer wieder Berichte, die für Bestrebungen nach einer Liberalisierung des Schusswaffenbesitzes alles andere als eine Reklame darstellen. Angefangen von Unfällen mit Schusswaffen bei der Jagd (Jagdunfälle 1999-2002) oder beim Reinigen des Gewehrs (krone.at) bis dahin, dass ein Sadist arme Katzen abgeknallt hat (14.10.2007, wuff.de), gab es im Schnitt nichts Gutes zu berichten. In einem besonders originellen Fall löste sogar ein Hund einen Schuss aus und traf zwei ältere Damen (wuff.de)!

Großes Aufsehen erregte das Massaker an der Virginia Tech Universität am 7. April 2007. Dabei erschoss ein Student gleich 32 Personen, bevor er sich selbst tötete. Er hätte eigentlich keine Schusswaffe besitzen dürfen, denn er befand sich zu einem früheren Zeitpunkt in psychiatrischer Behandlung. Die Waffengesetze wurden später verschärft (9.1.2008, DiePresse.com).

Gesetze, die regeln, wer nun überhaupt eine Waffe besitzen darf, müssen aber auch überwacht werden. Überwacht müsste eigentlich aber auch werden, dass die verkauften Waffen stets sicher verwahrt sind. Laufend in die Überwachung mit einbeziehen müssten die Verantwortlichen ebenfalls, ob der Waffenbesitzer auch noch Jahre nach dem Kauf körperlich und geistig fit genug ist, um eine Schusswaffe sicher zu führen.

Sinnvoll wäre es auch, immer wieder zu kontrollieren, ob sich die Waffen nach dem Kauf noch immer in den Händen des legitimen Besitzers befinden oder aber inzwischen verloren, gestohlen oder gar verkauft wurden. Nach dem Tod des Besitzers müssten ohnehin sämtliche Waffen eingezogen und vernichtet werden, um zu verhindern, dass diese in die Hände von ungeeigneten Erben gelangen.

Insgesamt also entstünde durch die Liberalisierung des Waffenbesitzes ein erheblicher Verwaltungsaufwand. Nicht nur für den Bürger, der sich bewaffnen will, entstehen durch die Ausgaben für die Schusswaffe, für Munition und Training erhebliche Kosten, sondern auch für die Gesellschaft. Zusätzlich steigt mit jeder Schusswaffe, die vergeben wird, das Risiko für einen Unfall.

Im Fall eines Einbruches rät die Polizei im Zweifel eher dazu, sich ruhig zu verhalten und diskret über Telefon oder Handy Hilfe anzufordern, anstatt sich auf einen Zweikampf mit einem Einbrecher einzulassen. Dieser könnte ja, in die Enge getrieben, erst recht gefährlich werden. Körperlich und auch, was den Umgang mit Waffen betrifft, ist er vermutlich dem Durchschnittsbürger ohnehin überlegen. Unter dem Stichwort “Einbruchschutz” finden sich im Internet  eine ganze Reihe von baulichen Maßnahmen, die geeignet sind, die Interessen friedlicher Bürger zu schützen (Polizei aktiv).

Unabhängig davon, ob der friedliche Bürger eine Waffe besitzt oder nicht, sollte sein Haus oder seine Wohnung auch dann vor Einbrechern geschützt sein, wenn dieser gerade weg ist. Wie schrecklich ist doch der Gedanke daran, dass während der eigenen Abwesenheit jemandt einbricht, Computer, Wertsachen, Bilder stieht und dabei die ganze Wohnung auf den Kopf stellt. Viel schlimmer noch ist der Gedanke daran, dass ein Überfall gerade dann statt finden könnte, während Kinder im Haus oder in der Wohnung allein sind. Es stehen einem die Haare zu Berge, wenn man bedenkt, was in einem solchen Fall alles passieren kann.

Die Antwort darauf, wie weit in einem Land privater Waffenbesitz zugelassen werden soll, geht alle etwas an. Kann sich insgesamt in einer Gesellschaft, in der in großem Ausmaß Waffen an Zivilisten verkauft werden, noch jemand davor drücken, selbst eine Waffe zur Selbstverteidigung zu erwerben? Auch dann, wenn er Waffen oder Waffenbesitz eigentlich ablehnt? Diese Frage stellt sich auch, wenn sehr viele Waffen illegal im Umlauf sind. Nicht unterschätzt werden sollte der bereits oben angesprochene Verwaltungsaufwand, der zusammen mit der großzügigen Freigabe des Verkaufes an Privatpersonen unweigerlich anfällt. Sollte es überwiegend erwünscht sein, die Anzahl der ausgegebenen bzw. illegal vorhandenen Waffen relevant zu reduzieren, müssen vermutlich genug alternative Maßnahmen gesetzt werden, um das zunächst entstehende Sicherheitsvakuum zu kompensieren. Regelungen, die bestimmen wie weit der Besitz von Waffen liberalisiert werden soll, betreffen die ganze Gesellschaft und müssen deshalb gemeinsam beschlossen werden.

Mitglieder der Waffenlobby versuchen gelegentlich, Kritik an der Liberalisierung der Waffenbesitzes von vornherein mit dem Argument abzuwürgen, diese wäre nicht demokratisch. Das ist nicht richtig.Es ist weit überzogen, jeden Protest gegen privaten Waffenbesitz als Angriff auf die Rechte freier Bürger zu werten. Solange die Waffenlobby und die die Anti-Waffenlobby in einer Gesellschaft gleichermaßen ihre Argumente einbringen und auf Stimmenjagd gehen kann, besteht keine Gefahr, dass dadurch Bürgerrechte eingeschränkt werden könnten. Mögen die Besten gewinnen!

Bilder: Emblem der National Rifle Association

Gedanken zum Advent

Dezember 9, 2007 at 7:47 | In Anachronismen, USA, Verständigung, Waffen, Without Clash | No Comments

1991 nutzten viele äthiopische Juden, die Gelegenheit, im Rahmen der Operationen Moses und Salomo nach Israel einwandern zu können. Ebenso wanderten fast eine Million Menschen jüdischer Abstammung aus Russland nach Israel ein, sobald die Möglichkeit dazu bestand (Segne-Israel.de).

Ursprünglich waren diese Einwanderungswellen von viel Idealismus und gutem Willen getragen. Wirft ein unbeteiligter Beobachter jedoch einen Blick auf die aktuelle Berichterstattung aus Israel, stellt sich die Frage: “Wieviel bleibt davon übrig?”Der österreichische Politiker Josef Riegler stellte einmal die Behauptung auf, dass es möglich sein könnte, Afrika zur Gänze zu sanieren, wenn die NATO bereit wäre, drei Jahre lang Geld in der Höhe der Ausgaben für Aufrüstung und militärische Geräte in diesen Kontinent zu investieren.

Könnte wenigstens ein Teil des Geldes - genannt wurde ein Betrag von 30 Milliarden Euro -, das in den nächsten Jahren für die Aufrüstung des Nahen Ostens verwendet werden soll (28.7.2007, Stern.de), nach Äthiopien umgeleitet werden, wäre den Menschen in Äthiopien und auch den Palästinensern geholfen, die durch die ständig forcierte “Alija“, die Einwanderung von Juden aus allen Ländern, immer mehr ins Abseits gedrängt sind.

In den letzten Jahren erwarb sich die Aktion “Menschen für Menschen” von Karl Heinz Böhm einen ausgezeichneten Ruf. Wie jedes Jahr, ergeht die Bitte um Spenden an alle Bürger der Industrienationen. Die Mitarbeiter dieser Organisation gehen ebenso wie die der Caritas bei ihrer Tätigkeit von der christlichen Einstellung aus, dass sich durch die Erfüllung des Alten durch das Neue Testament alle Menschen als “Kinder Gottes” bzw. als das “Volk Gottes” bezeichnen können:

“Im Neuen Testament wird der Begriff »Volk Gottes« (mit vielleicht ein oder zwei Ausnahmen) nur auf Israel, also auf das Volk des alten Bundes bezogen, es ist kein direkter kirchlicher Begriff. Die Kirche wird allerdings als die Fortsetzung Israels verstanden, obwohl die Christen nicht von Abraham abstammen und insofern eigentlich nicht zu diesem Volk gehören. Sie kommen dadurch hinein, so sagt das Neue Testament, daß sie von Christus abstammen und dadurch auch zu Abrahams Kindern werden. Also gehört zum Volk Gottes, wer zu Christus gehört. Man könnte sagen, der Begriff »Thora« ist durch die Person Christi ersetzt, und insofern ist die »Volk Gottes«- Kategorie, die direkt gar nicht auf das neue Volk angewendet wird, eben an die Christus-Gemeinschaft und an das Leben wie Christus und mit Christus gebunden, oder wie Paulus sagt: Seid so gesinnt, wie Jesus Christus ist (Phil 2,5) (Kardinal Josef Ratzinger, mittlerweile Papst Benedikt XVI, “Das Salz der Erde“, S 169).

Der Vatikan unterstützt den Gedanken, Jerusalem als Heilige Stadt für alle Mitglieder der abrahamitischen Religionen mit einem internationalen Sonderstatus zu versehen (10.1.2006, radio-vatikan.de). Die Gestaltung eines zentralen “Glaubenszentrums” im kriegs- geschüttelten Israel ist doch eigentlich eine wunderschöne Idee, die helfen könnte, vorhandene Konflikte abzubauen und bereits deshalb jede Unterstützung verdient.

Bild: Falashas,Juden aus Äthiopien

Das Schweigen der Lämmer

Dezember 2, 2007 at 2:05 | In Anachronismen, Middle East, Skandale, USA, World War IV | 2 Comments

Gelegentlich weisen Fans der jetzigen US-Regierung und Befürworter des Irakkrieges darauf hin, dass die Anzahl der Gewalttaten im Irak in den letzten Monaten nachgelassen hätte. Es besteht aber der begründete Verdacht, dass die nachlassende Gewalt im Irak “ethnischen Säuberungen” zu verdanken sein könnte:

Petraeus vergaß, dem Kongress zu berichten, dass die verbesserte Sicherheitslage in Bagdad auf Vertreibungen zurückzuführen ist. Vor dem Krieg waren rund 65 Prozent der Bagdader Bevölkerung sunnitisch, heute ist Bagdad zwischen 75 und 80 Prozent (circa) schiitisch. Die meisten Vertreibungen in Bagdad fanden in den vergangenen vier Jahren statt und waren Zwangsvertreibungen an Sunniten. “Ethnische Säuberungen” aus Sicherheitsgründen sind natürlich nichts, womit man sich brüsten kann (12.9.2007, zmag.de).

Auch Asia Online veröffentlichte einen kritischen Artikel zum gleichen Thema. Darin weist Ali al-Fadhily, der Inter Press Service Korrespondent aus Bagdad der unter der treffenden Überschrift “The silence of the lambs” darauf hin, dass die früheren Wohngebiete in Bagdad, in denen Sunniten und Schiiten untereinander gemischt lebten, jetzt jeweils nur noch von den Angehörigen einer der beiden Konfessionen des Islam bewohnt sind. Jeden Tag werden Leichen unbekannter Personen gefunden, um deren Herkunft sich niemand kümmert. Eine Mitschuld der jetzigen irakischen Regierung an diesen Morden schließt sein Bericht nicht aus (14.11.2007, Atimes.com).

Nach manchen Quellen übersteigt die Anzahl der getöteten Iraker bereits eine Million (just foreign policy.org). Betreffend die gelegentlich kritisierte Lancet-Studie, die im Jahr 2006 eine Anzahl von 600.000 der im 3. Golfkrieg getöteten Iraker angab, wurde immerhin eine Stellungnahme des UN Office for the Coordination of Humanitarian Affairs auf der öffentlichen Militärbeobachtungsseite in den USA verlinkt (16.10.2006, Globalsecurity.org). Die Washington Post, die größte Tageszeitung in Washington DC, nahm den Bericht ernst (11.10.2006, Washington Times). Eine andere Studie, die von einer britischen Firma, vom ORB (Opinion Research Business) im September 2007 durchgeführt wurde, verwendete eine andere Methode zur Auszählung, ermittelte damit aber sogar noch höhere Zahlen:

On September 14, 2007, ORB (Opinion Research Business), an independent UK based polling agency, published an estimate of the total casualties of the Iraq war. The figure suggested by ORB, which was based on survey responses from 1,499 adults, stands at 1,220,580 deaths, with a margin of error of 2.5%. This estimate, although conducted independently, and using a different polling methodology, is consistent with the Lancet findings (Wiki).

Bekanntlich starben bereits vor dem jetzigen Irakkrieg nahezu zwei Millionen Menschen im Iraq am bzw. an den Folgen des 2. Golfkrieges (G.W.B. sen. vs. S.H.) bzw. an den Sanktionen (6.3.2001, Netzwerk-Regenbogen.de, 15.6.2002, Embargos.de). Es besteht kein Grund zu der Annahme, dass im Irak die Anzahl der durch Unterversorgung sterbenden Personen während des Krieges abgenommen haben könnte.

Die Anzahl der Flüchtlinge wird, jene innerhalb und außerhalb des Landes zusammengerechnet, mit etwa vier Millionen angegeben (16.4.2007, news.ch). Flüchtlinge leben aber nicht unbedingt sicher. Stark unter Druck geraten sind Minderheiten wie etwa Christen oder Yasiden. Zugenommen hat auch die Gewalt gegen Frauen. Dass in einem Kriegsgebiet alte und schwache Personen früher sterben als in einem Industrieland, müsste eigentlich klar sein. Auf dem Vormarsch nach wie vor ist die Cholera (29.11.2007, CNN.com).

Am meisten schockieren Berichte darüber, dass der Einsatz von DU (Depleted Uranium) die Anzahl der Missbildungen bei Neugeborenen deutlich erhöht und langfristig die Zivilbevölkerung deutlich schädigt. Inzwischen interessieren sich bereits Experten aus etlichen Ländern für die Folgen von Angriffen mit DU auf Bevölkerung und Umwelt (World Uranium Weapons Conference).

Ungefähr davon ausgehend, dass der 2003 begonnene Irakkrieg etwa so viele Menschenleben gefordert haben könnte wie der 2. Golfkrieg, dass obendrein weiterhin auch seit Beginn des Krieges monatlich leicht so viele Menschen wie während der Zeit der Sanktionen gestorben sein könnten und dass zahlreiche Menschen durch den ausbrechenden Bürgerkrieg bzw. zusätzliche missliche Umstände ihr Leben verloren haben, erscheint doch eigentlich die Zahl von etwa einer Million Opfern als durchaus plausibel.

Sämtliche Indizien zusammengenommen, müssten bei weitem ausreichen, um umfangreiche Studien in Auftrag zu geben oder - noch besser - dafür zu sorgen, dass die Angriff auf Afghanistan, den Irak oder auch auf den Libanon die letzten Kriege für lange Zeit waren.

Bilder: Gewehrmündung, Irakkrieg

Gedanken zu Allerseelen

November 1, 2007 at 4:14 | In Anachronismen, Generell, Publikationen, USA, Verständigung, Without Clash, World War IV | No Comments

Morgen ist der 2. November, Allerseelen. Die Tage werden immer dunkler, in der Früh liegen dicke Nebelschwaden über den Feldern. Es ist an der Zeit - an die Toten zu denken, an jene Menschen, die wir einmal gekannt haben und die jetzt nicht mehr sind. Doch sollte der Tag auch genutzt werden, um jener zu gedenken, die im Irakkrieg gefallen sind. Ihre Anzahl beträgt nach zuverlässigen Quellen mittlerweile mehr als eine Million (September 2007, Opinion Business Research). Der Musiker und Liedermacher Hannes Wader schrieb im Jahr 1980 ein schönes und trauriges Lied:


ES IST AN DER ZEIT
(dt.T.: Hannes Wader)

Weit in der Champagne im Mittsommergrün,
da wo zwischen Grabkreuzen Mohnblumen blühn,
da flüstern die Gräser und wiegen sich leicht
im Wind der sanft über das Gräberfeld streicht.

Auf deinem Kreuz finde ich, toter Soldat,
deinen Namen nicht, nur Ziffern, und jemand hat
die Zahl neunzehnhundertundsechzehn gemalt,
und du warst nicht einmal neunzehn Jahre alt.

REFRAIN:

Ja auch dich haben sie schon genauso belogen,
so wie sie es mit uns heute immer noch tun.
Und du hast ihnen alles gegeben:
deine Kraft, deine Jugend, dein Leben.

Hast du, toter Soldat, mal ein Mädchen geliebt? Sicher nicht, denn nur dort, wo es Frieden gibt, können Zärtlichkeit und Vertrauen gedeihn. Warst Soldat, um zu sterben, nicht, um jung zu sein.

Vielleicht dachtest du dir, ich falle schon bald, nehme mir mein Vergnügen wie es kommt mit Gewalt. Dazu warst du entschlossen, hast dich aber dann
vor dir selber geschämt und es doch nie getan.

Es blieb nur das Kreuz als die einzige Spur von deinem Leben. Doch hör meinen Schwur für den Frieden zu kämpfen und wachsam zu sein. Fällt die Menschheit noch einmal auf Lügen herein,

dann kann es geschehn, da bald niemand mehr lebt, niemand, der die Milliarden von Toten begräbt. Doch es finden sich mehr und mehr Menschen bereit,
diesen Krieg zu verhindern, es ist an der Zeit.



Als der Komponist Hannes Wader den Text zu seinem Lied schrieb, hatte er das Bild eines Soldatenfriedhofes vor seinen inneren Augen. Es sah vielleicht aussah jenes, auf dem einem jungen Mädchen abgebildet ist, dem, während es sich vor einer Grabstelle hingekauert hat, Entsetzen und Unverständnis über das Ausmaß dieses Friedhofs, über die Anzahl der aneinandergereihten Kreuze, regelrecht ins Gesicht geschrieben stehen.

Jedes der zahlreichen Kreuze könnte eine eigene Geschichte erzählen über denjenigen, zu dessen Erinnerung es erstellt wurde. Vielleicht hatte der Soldat, der dort liegt, braune Haare, dunkle, übermütige Augen und aß genauso gerne Pizza wie Luciano Pavarotti. Oder er war blond, mit blauäugig und sportelte gerne. Die Grabstellen verraten außer einem Datum, an dem der Soldat gefallen sein soll, nichts über die Toten.

Wie hätte sich das Leben des Toten weiterentwickeln können, wäre er nicht gefallen? Sein ursprüngliches Berufsziel war vielleicht Arzt. Oder auch Künstler. Man wird es niemals erfahren.

Bestimmt hatte der Soldat eine Freundin. Blieb er ihr treu? Hat er ihr geschrieben? Vielleicht auch hat sie sich, während er im Feld war, anderweitig verlobt. Sehr wahrscheinlich hatte er aber überhaupt keine Zeit, um sein Mädchen kennen zu lernen. Unwahrscheinlich ist´s nicht, dass er niemals die Gelegenheit hatte, in einer Beziehung auch nur fünf Minuten glücklich zu werden.

Geborgen in der Sicherheit demokratischer Staatswesen, kann jeder leicht lästern über das, was der eine oder andere im Krieg wirklich - oder auch angeblich - an Bösem getan hat. Wenn aber jemand durch den Einberufungsbefehl willkürlich in eine andere Welt versetzt wird, in der er töten muss, um nicht selbst getötet zu werden, dann setzt die Situation oft die Wertvorstellungen außer Kraft, nach denen der Betreffende bisher gelebt hat.

Hinterher sieht alles ganz anders aus. Nach dem Krieg existieren die Ideale, für die zunächst gekämpft wurde, oft gar nicht mehr. Sie fallen zusammen. So, wie gestapelte Kartenhäuser. Die Donaumonarchie existierte nach dem ersten Weltkrieg nicht mehr, der deutsche Kaiser, William II, dankte ab. Schlechte Zeiten für Patrioten!

Damit entsteht die Frage, wie weit den Aussagen der damaligen Politiker, die zum Krieg aufgerufen hatten, überhaupt Glauben zu schenken war. Um es ganz kurz zu machen - vollkommen ehrlich war keiner. Während es die jeweiligen Führungsspitzen mit wenigen Ausnahmen schafften, zwar nicht ihre Position, aber ihr Leben ebenso wie ihr Vermögen zu retten, starben hunderttausende Soldaten auf dem Feld oft einen grauenhaften Tod.

Die letzte Ruhestätte des Soldaten ist nicht mit Blumen geschmückt. Es brennt auch keine Kerze, so wie es auf zivilen Friedhöfen der Brauch ist. Wer sollte sich auch um das Grab kümmern? Damals, während der großen Weltkriege, wurden Millionen von Menschen vertrieben. Die Mitlieder der Familie des Toten sind vielleicht genauso umgekommen wie er, nur, ohne dass jemand über deren Verbleib Bescheid weiß.

Was soll man dazu schon sagen? Dem Mädchen auf dem Bild fehlen die Worte, wie vielen anderen. Künstler, so wie Hannes Wader, gelang es, das, was sie empfinden, in Reimen zu fangen. Doch die meisten Gedichte verstauben zwischen den Buchdeckeln und niemand liest sie. Besser ist es, die Verse zu vertonen und über Auftritte oder über Datenträger dem Publikum näher zu bringen.

Jedes Leben ist unersetzlich. Niemand bekommt eine zweite Chance. Ist das Ziel, wofür ein Soldat sein Leben riskiert, wirklich wert, dafür zu kämpfen? Sind die Ideale, die verteidigt werden sollen, wirklich so zeitlos, wie es momentan den Anschein hat? Kann man den Politikern blindlings vertrauen? Fragen über Fragen, die sich eigentlich nicht ändern.

Als Hannes Wader sein Lied “Es wird Zeit” schrieb, wurde es zu einer regelrechten Hymne der Friedensbewegung. Das ist kein Wunder, denn auch nach den großen Weltkriegen entwickelten sich die Waffensysteme immer weiter. Damals, in der Zeit des kalten Krieges, hatten viele Menschen Angst davor, dass es zu einem Atomkrieg kommen könnte, der die Zivilisation, wie wir sie kennen, ein für allemal auslöscht.

Spricht Hannes Wader nicht damit jenes stillschweigende Versprechen an, dass diejenigen, die den zweiten Weltkrieg überlebten, ihren Kindern und Enkelkindern gaben, sie würden wachsam sein und für den Frieden kämpfen?

Die Gefahr, dass sich im Mittleren Osten ein größerer Krieg anbahnen könnte, besteht nach wie vor. “Es an der Zeit”, für all jene, die keinen großen Krieg im Mittleren Osten wollen, an Politiker und Zeitungen zu schreiben, Petitionen zu unterzeichnen und demonstrativ eine Friedensfahne aus dem Fenster zu hängen.

Die Zeit, um etwas gegen einen möglichen Irankrieg zu unternehmen, läuft ab, d.h. sie ist eigentlich schon vorbei (25.10.2007, Jpost.com, 30.10.2007, CFR.org). Nur US-Außen- ministerin Condoleezza Rice steht noch unbedingt zu einer diplomatischen Lösung (25.10.2007, CFR.org).

Bilder: Hannes Wader, Soldatenfriedhof in der Champagne

Über “Che”

Oktober 14, 2007 at 12:59 | In Anachronismen, Generell, Gesellschaft, Middle East, Skandale, USA, Verständigung | No Comments

Kaum eine historische Persönlichkeit löste so heftige Emotionen aus wie die des Argentiniers Ernesto Che Guevara. Von den einen nahezu als Messias, als Erlöser verehrt, dämonisieren ihn seine Gegner so weit, dass sie ihn sogar mit Osama bin Laden, Stalin oder gar A.H. vergleichen.

Während sich die Nähe des “Che” zu Stalin nicht leugnen lässt und sich sogar ein Vergleich zwischen ihm und einem der islamistischen Top-Terroristen konstruieren lässt, besteht kein Grund für die Annahme, dass “Che” mit A.H. sympathisiert haben könnte bzw. dass eine Ähnlichkeit zwischen beiden Persönlichkeiten bestand. .

Im Gegensatz zu A.H., der sich feige in seinem Bunker verkroch, gelten sowohl er als auch und etliche andere Islamisten als sehr mutige Kämpfer, die bereit waren bzw. sind, mit ihrem eigenen Leben, für das, woran sie glaubten, gerade zu stehen. Darin besteht vermutlich ein Teil ihrer Ausstrahlungskraft auf unzufriedene Menschen in der ganzen Welt.

Das Gesicht des “Che” könnte eines der bekanntesten der Welt sein. denn sein Portrait diente als Vorlage für farbenprächtige Bilder des berühmten Künstler Andy Warhol . Sogar in dem Musical “Evita” von Andrew Lloyd Webber walzt er kurz über die Bühne, obwohl “Che” in seinem wirklichen Leben mit Evita Peron keinen Kontakt hatte (Siehe auch Posting).

“Che” hasste Juan Peron. Durch seine Südamerikareise, die er antrat, nachdem er sein Medizinstudium in Buenos Aires begonnen hatte, entging er dem Militärdienst. Vermutlich bemerkte der junge Revolutionär, dass Peron mit dem 3. Reich sympathisierte und nach dem Sieg der Alliierten Nazi-Verbrecher ins Land ließ. A.H. war auch ein Feind Stalins. Obwohl sowohl das amerikanische Volk als auch die damalige Regierung A.H. feindlich gegenüberstand, sympathisierten führende Industrielle wie etwa Henry Ford oder Prescott Bush mit dem dritten Reich. “Che” war also vermutlich alles andere als ein Sympathisant des A.H..

Was regte den “Che” überhaupt so auf? Eigentlich erst durch das Fernsehen und durch das Internet dringt langsam, aber sicher die Erkenntnis an die Oberfläche, dass die Politik ebenso wie die Geschäftsgebarung der USA Drittländern gegenüber sehr oft beinhart war. In diesem Sinn störte vielleicht die United Fruit Company, ein riesiger Konzern, der mittlerweile als Chiquita Brands International bekannt ist.

In einem der Länder, in dem diese Firma tätig ist, in Guatemala, wurde die gewählte Regierung von Jacobo Arbenz gestürzt und, ähnlich wie in Chile oder im Iran, durch eine vom CIA gestützte ersetzt (Wiki). Der CIA wurde damals von Allan Welsh Dulles geleitet, dessen Bruder John Foster Dulles damals Außenminister der USA war.

Als Sozialist war “Che” sicherlich Atheist. Obwohl es in Anbetracht der aktuellen politischen Situation im M.E. Sinn macht, Erkenntnisse der modernen Natur- und Religionswissenschaft vermehrt zu bewerben, kann man “Che” als Beispiel dafür sehen, dass jemand fanatisch sein kann, auch wenn der Betreffende nicht religiös ist. Das unterscheidet ihn von den Islamisten.

Angemerkt sei an dieser Stelle auch, dass der Anwendung von WMD´s eigentlich der Islam im Weg steht und dass zwischen dieser Religion und dem Kommunismus grundsätzliche Unterschiede betreffend die Beantwortung ethischer und wirtschaftlicher Fragen bestehen.

Obwohl es deshalb schwierig ist, ihn mit dem Fundamentalisten O.b.L. zu vergleichen, fallen einige Parallelen zwischen “Che” und einem anderen Terroristen, Aiman az-Zawahiri, auf, der ebenso wie “Che” Arzt ist, viele Reisen unternahm und außerdem ein sehr harter Mann ist, dem freilich der Charme und das Charisma des “Che” völlig abgehen.

“Che” ist nicht tot. Es ist richtig, wenn darüber aufgeklärt wird, dass er ein sehr gefährlicher Mensch und absolut kein “Erlöser” war, sondern jemand, der bereit gewesen wäre, den Dritten Weltkrieg zu beginnen, um seine Vorstellungen durchzusetzen. Sein Märtyrertod überstrahlt die Fehler, die er machte. Genauso wenig, wie der Mord an ihm den Mythos rund um seine Person zerstören konnte, könnte der Tod von O.b.L. und Zawahiri “worst case” dazu beitragen, das Verhalten solch gefährlicher Einzelgänger zu idealisieren.

Abgesehen davon ändert es nichts daran, dass die Proteste gegen die USA des “Che” bei näherer Betrachtung durchaus einen bemerkenswerten Hintergrund hatten, wenn auch die Methoden, mit denen dieser kompromisslose Revolutionär vorging, bzw. vorgehen wollte, vollkommen falsch waren.

Diskussionen um die Person des “Che” ordnen denjenigen, der sie führt, sehr schnell als “Links” oder “Rechts” ein. Das ist schade, denn vielleicht hätte es Sinn gemacht, den historischen und wirtschaftlichen Hintergrund der Ländern, die er bereiste, genau zu erforschen, um zukünftige Konflikte wie den jetzigen im M.E. besser einschätzen zu können.

Bilder: Che Guevara

Spannende Hintergrundinformation: The Power of Nightmares

September 3, 2007 at 1:34 | In Anachronismen, Gesellschaft, Middle East, USA, Videos, World War IV | No Comments

Die Filmdokumentation “The Power of Nightmares” des Regisseurs Adam Curtis zeigt die Entwicklung des Islamismus bzw. Terrorismus beginnend in den 40-er bzw. 50-er Jahren ebenso wie den Aufstieg der Neokonservativen in den USA. Dabei zeigt der Film auf, dass nicht so sehr eine weltumspannende, hierarchisch gegliederte islamische Organisation den Westen bedroht, sondern dass ein Konglomerat aggressiver Gruppierungen aus unterschiedlichen Motivationen Interessen im Nahen und Mittleren Osten verfolgt. Parallel dazu wird der Aufstieg der Neokonservativen in den USA gezeigt.

Die Erstausstrahlung der drei Teile auf BBC erfolgte im Oktober 2004 und erregte großes Aussehen. BBC gab deshalb die Filme zum Download frei. Alle Teile stehen unter folgenden Links zum Download parat:

Part 1 - Baby it’s Cold Outside | 64kbps | 256 kbps | mpeg2
Part 2 - The Phantom Victory | 64kbps | 256 kbps | mpeg2
Part 3 - The Shadows in the Cave | 64kbps | 256 kbps | mpeg2

Ganz kurz möchte ich vorab erklären, dass sich der Grundgedanke dieses Films mit dem Ergebnis aus anderen Recherchen und Büchern dahingehend deckt, dass zwar Gruppen von Terroristen durchaus ihr Unwesen treiben. Es besteht aber begründeter Verdaht, dass die zur “Weltverschwörung” hochstilisierte Gefahr eines weltweiten Jihad gegen den Westen sehr oft als weit überzogen dargestellt wird.

Zum Film passt auch die Aussage des bekannten Journalisten Peter Scholl Latour, nach dessen Ansicht die gefürchteten Terrornetze zwar vorhanden sind, aber dass diesen noch nicht einmal die Bedeutung zukommt, die jene der Drogenhändler in Südamerika besitzen.

Die Trainingslager von Al Kaida kamen über die Darstellung einer normalen infanteristischen Ausbildung oder rudimentären Anleitung zu kriegsüblichen Sprengungen nicht hinaus. Ein armer Hund wurde vergast. Dies sieht man in einem Film (Peter Scholl Latour, Kampf dem Terror, Kampf dem Islam, Ullstein, S 17).


Baby it´s cold (14.1.2005, BBC)


The Phantom Victory (14.1.2005, BBC)


Shadows in the Cave

(14.1.2005, BBC)


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Transskripte der Sendungen:

  • Part 1 - Baby it’s Cold Outside
    [ TEXT | AUDIO ]
  • Part 2 - The Phantom Victory
    [ TEXT | AUDIO ]
  • Part 3 - The Shadows in the Cave
    [ TEXT | AUDIO ]

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