Gezielte Tötungen

Dezember 18, 2006 um 9:28 pm | Veröffentlicht in Gesellschaft, Middle East, Waffen | Hinterlasse einen Kommentar

„Es ist schlimmer als ein Verbrechen – es ist eine Dummheit!“
„It is Worse than a Crime, it is Stupid!“ Uri Avnery

Kann das erst kürzlich in Israel bewilligte Gesetz, Terroristen gezielt zu töten, zum gewünschten Erfolg, zur Bekämpfung des Terrorismus an sich führen? Geht man in der Geschichte zurück, dann wurden bereits zu Prophet Mohammeds Zeiten etliche vergeblich Versuche unternommen, diesen zu töten.

Auch auf Saddam Hussein wurden immer wieder Mordanschläge verübt, welche lediglich bewirkten, dass er gegen seine wirklichen oder vermeintlichen Feinde besonders brutal vorging. Ihm wurde nachgesagt, er hätte seinerseits versucht, den Vater von G.W. Bush, G.W. Bush sen zu töten. Er selbst schützte sich nicht nur durch devote und verängstigte Leibwächter, sondern auch durch den Bau von Bunkern und unterirdische Fluchtwege lange Zeit vor der Ergreifung durch die US-Army.

Man weiß, dass auf O.b.L´s Gefangennahmen bzw. Tötung seitens der amerikanischen Regierung eine hohe Belohnung ausgesetzt war und dass sich Präsident G.W. Bush dessen Kopf in einem Eiskübel überbracht gewünscht hat. Doch dieser – so lauteten zumindest die Berichte der offiziellen Medien – versteckte sich bis zu seinem natürlichen Tod jahrelang in den Bergen Pakistans.

Im Frühling 2004 wurde der von den palästinensischen Freiheitskämpfern in hohem Ausmaß verehrte Scheich Ahmed Jassin durch einen israelischen Raketenangriff getötet.

Bei diesem Anschlag kam einer seiner Schüler, der jetzige Führer der Hamas, Ministerpräsident Hanija – nur knapp mit dem Leben davon. Gerade eben, am Donnerstag, dem 14. Dezember 2006, wurde ein weiterer Anschlag auf diesen verübt. Dabei wurde dessen Sohn verletzt und der Leibwächter getötet.

Ismail Hanija selbst gilt im Vergleich zu besonders radikalen Elementen der islamistischen Terrororganisation Hamas vergleichsweise als umgänglicher Pragmatiker, der es als „abscheuliches Verbrechen“ bezeichnete, dass einige Tage zuvor drei kleine Söhne von Oberst Baha Baluscha, einem Vertrauten des Fatah-Führers Abbas, von besonders brutalen Killern erschossen wurden.

Als ich Ministerpräsident Hanija, der sein Studium als Professor der arabischen Literatur abschloss, in einem Werbefilm von Honest Reporting sah, kam er mir merkwürdig bekannt vor. Warum nur?

Ich musste einige Zeit lang überlegen, weshalb dies der Fall war. Dann fiel mir ein, dass in der bekannten Filmreihe „Star Wars“ die Kapuzenmäntel der Jedi-Ritter, die im Film gegen den finsteren „DarthVadder“ und futuristische Wunderwaffen kämpfen, in Wirklichkeit der traditionellen Tracht der Berber entlehnt sind. Also deshalb!. Hanija sieht doch Obi Wan Kenobi, der in „Star Wars“ vom bekannten Schauspieler Alec Guiness gespielt wird, zum Verwechseln ähnlich!

Insgesamt bewährte sich die Idee der gezielten Tötungen also überhaupt nicht. Oder doch? Mit modernster Technik vermag es die US-Army bereits jetzt, gelegentlich Terroristen aufzuspüren und mit Hilfe von ferngesteuerten „Drohnen“ zu töten.

Praktisch? Man bedenke: Im November 2004 genehmigte die US-amerikanische Gesundheitsbehörde (FDA) den Einsatz des „VeriChip“ zur Patientenidentifikation am Menschen. Der Transponder der US-amerikanischen Firma Applied Digital Solutions wird unter der Haut eingepflanzt. Geworben wird mit einfacher Verfügbarkeit lebenswichtiger Informationen im Notfall (Wikipedia, RFID).

Damit erschließt sich aber die Möglichkeit, dass in nicht allzu ferner Zeit jeder jederzeit überall geortet werden könnte. Kombiniert mit der schwammigen Definition des „Terrorismus“, der Einschränkung der Bürgerrechte, der Überwachung von Telefon, Internet und E-Mail hinterlässt Orwell Schreckensutopie „1984“ beim Lesen einen bedrohlich aktuellen Eindruck.

Also denn: „Möge die Macht mit uns sein!“ Oder auch nicht. –

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