Das Faisal-Weizmann-Abkommen

Januar 6, 2007 um 1:58 pm | Veröffentlicht in Middle East, World War IV | 2 Kommentare

Die meisten Leser erinnern sich bestimmt an den wunderschönen Film, „Lawrence von Arabien“ mit Peter O´Toole, Omar Sharif, Anthony Quinn und anderen bekannten Schauspielern. Darin wird gezeigt, wie der britische Offizier Thomas Lawrence für die Briten die Araber erfolgreich gegen die Türken mobilisierte. Anschließend aber wurde im Sykes- Picot-Abkommen von 1916 der nördliche arabische Raum nach dem Krieg ohne Rücksicht auf die Araber in englische und französische Einflusszonen aufgeteilt.

In der Balfour-Deklaration 1917 sprach sich Großbritannien für eine „nationale Heimstätte“ des jüdischen Volkes in Palästina aus. Hier allerdings ein wesentliches Detail der Balfour-Erklärung:

„….Die Regierung Seiner Majestät betrachtet mit Wohlwollen die Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina und wird ihr Bestes tun, die Erreichung dieses Zieles zu erleichtern, wobei, wohlverstanden, nichts geschehen soll, was die bürgerlichen und religiösen Rechte der bestehenden nicht-jüdischen Gemeinschaften in Palästina oder die Rechte und den politischen Status der Juden in anderen Ländern in Frage stellen könnten….“

Das manchmal zitierte Faisal – Weizmann- Abkommen 1919 gab es allerdings wirklich. Emir Faisal empfing das jüdische Volk auf der Pariser Friedenskonferenz zunächst freundlich:

“We Arabs, especially the educated among us, look with deepest sympathy on the Zionist movement…. We will wish the Jews a hearty welcome home…. We are working together for a reformed and revised Near East, and our two movements complement one another. The movement is national and not imperialistic. There is room in Syria for us both. Indeed, I think that neither can be a success without the other.” (Quoted by UN Ambassador Chaim Herzog, November 10, 1975 in response to the Zionism is racism resolution.)

Er fügte jedoch dem Abkommen eine wichtige Einschränkung in arabischer Handschrift bei:

„Ich stimme den obigen Artikeln zu, vorausgesetzt, da die Araber ihre Unabhängigkeit erhalten. Jedoch im Falle der geringsten Änderung oder Abweichung fühle ich mich nicht durch ein einziges Wort mehr an das vorliegende Abkommen gebunden, das dann nichtig und ohne jede Gültigkeit wäre und für das ich mich in keiner Weise mehr verantwortlich fühlen würde (Quelle unten).

Wie man weiß, beruht die Krisensituation in Nahen Osten auf ebenso verworrenen wie komplexen Konflikten. Zusätzliche Informationen schlage man nach im Originaltext des Faisal-Weizmannabkommens..

Bild: Lawrence von Arabien

2 Kommentare »

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  1. Völkerrechtlich allein relevant ist doch der Freidensvertrag mit dem Osmanischen Reich!
    Dort wird in Artikel 6 als Mandatsziel für Großbritannien in Palästina die Schaffung einer jüdischen Heimstätte genannt.

  2. 1946 wurde Transjordanien von Großbritannien die Unabhängigkeit zugesprochen. Weder Frankreich noch Großbritannien konnten ihre Mandate im Mittleren Osten halten, da der finanzielle ebenso wie der organisatorische Aufwand hiefür viel zu hoch war.
    Der österreichische Begründer des Zionismus, Theodor Herzl kam unter anderem auf die Idee, dass die jüdischen Einwanderer Zivilisation und Humanität in diesen islamischen Bereich bringen könnten. Damit verschätzte er sich aber haushoch, denn mit Gewehr und Schaufelbagger alleine eine Zusammenarbeit zu erzwingen, war für so eine verhältnismäßig kleine Bevölkerungsgruppe in einem an sich islamischem Gebiet sehr mutig.
    Die Gründung des Staates Israel sollte dem jüdischen Volk, so verfolgt, eine Heimat bieten. Vizeregierungschef Avigdor Liebermann unterstützt aber eine sehr aggressive Siedlungspolitik. Anstatt zu versuchen, einen Status quo zu erreichen, versucht Israel noch zusätzlich, Einwanderer anzuwerben und einzubürgern.
    Selbst, wenn es die von Ihnen erwähnte Rechtsgrundlage für eine Erweiterung Israel auf jordanisches Gebiet existieren würde würde – was aber nicht der Fall ist – finde ich die aktive Werbung um weiteren Zuzug menschlich nicht richtig.
    Beobachtet man die Tagespolitik, entstehen immer wieder kleinere und größere Differenzen um unklare Gebietsansprüche. Saddam Hussein verbiss sich darauf, dass Kuweit früher einmal eine irakische Provinz war.
    Abgesehen davon, dass Israel zur Zeit selbst nicht alle Vorgaben einhält – Rückgabe der Golanhöhen z.B. nutzt also allein rechthaberisches Verhalten ohnehin nichts. Gemessen an der umfangreichen Unterstützung, die Israel erhält, müsste es in der Lage sein, konstruktive Konzepte auszuarbeiten, anstatt dass es europäische Länder in seine Konflikte mit hineinzieht.


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