Kitler

Januar 13, 2007 um 7:42 pm | Veröffentlicht in Gesellschaft, Skandale, Waffen, World War IV | Hinterlasse einen Kommentar

Der Schoß ist fruchtbar noch…

Das hätt einmal fast die Welt regiert, die Völker wurden seiner Herr – jedoch, ich wollt, daß ihr nicht schon triumphiert, der Schoß ist fruchtbar noch aus dem das kroch. Bert Brecht

Immer wieder steht der Holocaust, die Frage, wie es zu diesem kommen konnte bzw. wieweit rechtsradikales Gedankengut noch immer in unserer Gesellschaft verankert sein könnte, im Mittelpunkte der Debatte. Dagegen wird wenig geredet über das Entsetzen der Bevölkerung, welches durch den Staatsterror der Gestapo verursacht wurde. Das Gesetz zum Schutz von Volk und Reich „schützte“ niemanden, sondern diente lediglich als Machtinstrument zur Durchsetzung staatspolitischer Interessen.

Deshalb aber denke ich, dass viele Menschen in unseren europäischen Ländern immer noch wesentlich mehr Angst vor Staatsterror haben als vor Terroristen. Die „Magna Charta“ gilt als Schutz für normale Menschen gegen die Willkür der eigenen Regierung. Zusammengezählt, fielen auf der ganzen Welt weit mehr Menschen dem Staatsterror zum Opfer als irgendwelchen terroristischen Anschlägen.

Insgesamt sollte niemals, niemals Politikern die gesetzliche Möglichkeit gegeben werden, Bürgerrechte durch autoritäre Maßnahmen zu umgehen. Hitler, Franco, Mussolini, die Kommunisten im Ostblock usw. usw. sorgten dafür, dass in unseren Landen – zum Glück – die Vertrauensbasis für „Sicherheitsmaßnahmen“ von vornherein fehlt, die Präsident G. Bush als Maßnahmen im Rahmen seines GWOT will (Gefangenenlager Guantanamo, Folter, Abhörmaßnahmen). In Amerika, einem Land, welches allgemein gute Erfahrungen mit seinen Präsidenten gemacht hat, sehen die Leute dies vielleicht anders.

H. Broder meint auf seiner Homepage, dem Abendlande wäre es egal gewesen, wenn Saddam Hussein Israel vergast. Dies stimmt einfach überhaupt nicht. Ich kann mich noch erinnern, dass zur Zeit des zweiten Golfkrieges die Berichterstattung betreffend die mögliche Gefährdung Israels durch irakische Raketen sehr aufmerksam war. Man erlebte mit, wie sich viele Politiker – der österreichische Altkanzler Bruno Kreisky ebenso wie etliche andere doch noch bemühten, den Konflikt zu verhindern. Man konnte im Fernsehen regelrecht miterleben, dass zum Glück für Israel, die Abwehr von Saddam Husseins Raketen durch das Patriot-Abwehrsystem doch recht gut geklappt hat (Nanu, wieso wurden dieses Abwehrsystem jetzt im Libanonkrieg nicht eingesetzt, es sollte doch mittlerweile sogar ein modernes Arrow-System zum Schutz der Bevölkerung vorhanden sein!). Es grenzt einfach an Verfolgungswahn, zu behaupten, dass speziell die deutschsprachige Bevölkerung Europas darauf wartet, dass Israel vernichtet wird, wenn ohnehin maximal mögliche Sicherheitsmaßnahmen auf regelrecht internationaler Ebene angewendet werden, damit dies nicht der Fall ist.

Wer kümmerte sich im Golfkrieg II um um die Ängste der Europäer? Niemand! Saddam Hussein hatte unter anderem Biowaffen. Ich kann mich jetzt noch erinnern, wie der „Tyrann von Bagdad“ damals damit drohte, seine „Vorräte“ in Flughäfen und Bahnhöfen von Terroristen öffnen zu lassen. Wir fürchteten uns, wirklich! Aufmerksamen Zuhörern der Nachrichtensendungen fiel es auf, dass etwas merkwürdig anmutende Waffensysteme eingesetzt wurden bzw. dass deren Einsatz im Gespräch war. Die sinkenden Sympathiewerte für die Amerikaner könnten durchaus damit zusammenhängen, dass das Angebot der Russen, nach Ende des Kalten Krieges, wenigstens atomar abzurüsten, von deren Seite nicht genutzt wurde. Als zu Beginn des jetzigen Golfkrieges auch noch bekannt wurde, dass der jetzige Verteidigungsminister Donald Rumsfeld haargenau derjenige war, der Saddam Hussein vor Jahren ansehliche Vorräte an „Bioweapons“ verkaufte, wirkte dies reichlich schockierend.

Die Regierung unter Präsident G. Bush setzte „Agent Green“ zur Bekämpfung von Rauschgiftplantagen in Kolumbien ein, überflog aber dabei auch die Grenze nach Ecuador. Dieses „Agent Green“ ist aber nicht nur für Pflanzen giftig. Eine Reportage darüber wurde sogar im österreichischen Fernsehen gezeigt, und zwar in einem Weltjournal am 20.7.2005. Wie stellen sich Israel-Fans eigentlich dazu? Es liegt nicht an den Medien, sondern ich denke, es sind wirklich sehr tief greifende Probleme vorhanden. Der Anti-Amerikanismus gilt nicht Amerika, sondern der jetzigen Regierung der USA, ebenso wie der Ausgangspunkt der Diskussionen über Israel darin besteht, dass dieses Land einfach Angst macht.

Viele Schriftsteller, Schauspieler und Filmemacher informierten und ermahnten im Gedenken an die Geschehnisse des zweiten Weltkrieges. Dass ist gut so. Aber es könnte, wie es sich jetzt herausstellt, völlig falsch, den Focus nur auf die deutsche Vergangenheit zu setzen. Wer nur in der Vergangenheit lebt, kommt mit der Gegenwart nicht zurecht und stellt die falschen Weichen für die Zukunft. Dies gilt bestimmt nicht nur für Menschen, sondern auch für Länder.

Deshalb bleibe ich für mich bei der Aussage, dass die in der Wams (21. August 2006) vorgestellten „Kitler“, das sind Katzen mit schwarzen Flecken auf den Schnäuzchen, ein wirklich guter Beitrag sind. Vielleicht machen die Bilder von den netten Katzen doch noch den Weg zur Erkenntnis frei, dass sich die Vergangenheit nicht verändern lässt, vielleicht aber die Zukunft.

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