Die Regensburger Rede

Januar 14, 2007 um 12:27 am | Veröffentlicht in Publikationen, Skandale, Without Clash | Hinterlasse einen Kommentar

Als ich die Rede ganz kurz nachrecherchierte, stieß ich auf einen Forschungsbericht der Katholisch-Theologischen Fakultät, Ludwig-Maximilians-Universität München für die Jahre 2001 – 2004, Prof. Dr. Stephan Leimgruber, Dekan. Auf S 2 las ich, dass in in der Berichtsperiode wurde Prof. Dr. Gerhard Ludwig Müller zum Bischof von Regensburg erwählt und geweiht. Weiter auf S 6: Dies Academicus 2003 Er stand unter dem Thema „Christen und Muslime. Zwei Religionen – viele Kulturen“. Organisiert wurde er im Zeichen der Ökumene von der Katholisch-Theologischen Fakultät in Kooperation mit der Evangelisch-Theologischen Fakultät und der Studieneinrichtung Orthodoxe Theologie. In seinem Vortrag „Einfluss des Islam auf die abendländische Theologie“ wies Prof. Dr. Dr. Manfred Görg auf das umfangreiche Kulturerbe von Seiten der arabischen Welt hin.

Das Gedankengut eines Avicenna oder Averroes beeinflusste die großen mittelalterlichen Denker des Abendlandes, darunter Thomas von Aquin, Duns Scotus oder Meister Eckhart. Selbst Dante rekurriert in seiner göttlichen Komödie auf den arabischen Philosophen Avicenna.

Thomas von Aquin hielt sehr viel von der Vernunft: Hier der Nachweis einer schriftlichen Arbeit (Otto-Friedrich-Universität Bamberg) über diese: Praktische Vernunft bei Thomas von Aquin, (Münchener Philosophische Studien, Neue Folge Bd. 10), Stuttgart (Kohlhammer) 1995 [Habilitationsschrift].

Im Gedenken an den islamischen Denker Averroes gibt es in Deutschland eine Stiftung, und zwar die Averroes Stiftung für Glaube und Vernunft im Islam:

„Wir von der Averroes Stiftung glauben, daß zufriedenstellende Antworten nur finden kann, wer aus zwei Quellen schöpft – göttlicher Offenbarung und menschlicher Vernunft – und wir glauben, daß es keinen Widerspruch zwischen beiden gibt. Deswegen halten wir es für notwendig, für die Loyalität zu beiden Quellen zu werben, ihre Übereinstimmung zu zeigen und beide zu benutzen, um Antworten zu finden….“

In Paris traf sich die Denkweise von Thomas von Aquin und die von Averroes bei den alten Griechen:

„Entgegen dem Eindruck, den man beim ersten Lesen seiner Schriften heute gewinnen mag, war Thomas zu seiner Zeit in mehrfacher Hinsicht »progressiv«. In Neapel, wo er mit 14 Jahren das Studium der »Freien Künste« begann, lernte er die Philosophie des Aristoteles kennen. Diese »heidnische«, dem Abendland durch arabische Wissenschaftler, vor allem Ibn Ruschd (mit lateinischem Namen: Averroes), vermittelte Philosophie stand dem christlichen Glauben von Haus aus eher fern, entsprach aber mit ihrer Weltfreudigkeit dem Lebensgefühl des aufkommenden Bürgertums der Städte. An der kaiserlichen Universität Friedrichs II. war es möglich, anders als etwa in Paris, unbehindert von kirchlichen Verboten das gesamte Werk des Aristoteles zu studieren…..“

Die Divisionen des Papstes: Die Vermutung liegt doch nahe, dass genau hier an dieser Stelle Papst Benedikt XVI versuchen wollte, eine Schnittstelle zur Zusammenarbeit von Christentum und Islam zu finden.

Reuel Marc Gerecht schreibt ganz richtig, dass dieser Wahhabismus eine primitive, politisch motivierte Sekte ist. Wie alle anderen Mitglieder des AEI verschweigt er schamhaft, dass es sich bei diesem Terrorismus um eine unangenehme Mischung aus politisch motivierten Guerillas, um Interessen im Ölgeschäft, aus fragwürdigen Akteuren im Rauschgift- und Waffenhandel und andere kriminellen Elementen handelt, die zum Teil von ausländischen Geheimdiensten unterwandert und zum Teil vermutlich auch mit rechtsradikalem Gedankengut aus dem Westen infiziert sind. Er geht nicht darauf ein, dass es bei diesen Konflikten zwischen Schiiten, Sunniten und Kurden im Irak zum Großteil um einen Kampf um Geld und Macht handelt.

Ursprünglich war es im Islam verboten, Frauen und Kinder zu töten. Natürlich hielten sich nicht alle Eroberer daran. Damit, dass in Israel grundsätzlich alle Staatsbürger Reservisten sind und in den USA ebenso wie in Israel auch Frauen in der Armee dienen, fiel dieser Aspekt des frühislamischen Kriegsrechtes völlig unter den Tisch.

Was das Islam-Problem betrifft, bleibt bestehen, dass einige Suren Unklarheiten erzeugen und dass eine verbindliche Stellungnahme den Konfliktparteien sehr helfen könnten, Schwierigkeiten im Dialog beiseite zu schaffen. „Erstaunlich schroff fragte Manuel II …“ – dies lässt sich auch auf die Rede von Papst Benedikt XVI beziehen, der aber seinerseits nach wie vor darum bitten könnte, dass die islamischen Stellungnahmen betreffend der umstrittenen Suren so dargelegt werden, dass Ansätze für Missverständnisse entfernt sind. Es gibt Fachgutachten von Islamwissenschaftlern, Aussagen von islamischen Politikern zu diesem Thema, die aber im Zweifel nicht als verbindlich gelten können. Da würden nur eine Auslegung von – als höchste Stelle wurde diese Universität in Kairo genannt – helfen.

Die Moslems vertragen im Prinzip keine Kritik, dies sieht man auch am Artikel: „Wenn ich Muslim wäre, hätte mich die Papst-Rede verletzt“. von Jeffrey Gedmin, der meint, der Papst hätte es an notwendigem Einfühlungsvermögen fehlen lassen. Was glaube ich, wirklich gefehlt hat, war, das sich Papst Benedikt BVI für die breite Öffentlichkeit verständlich ausdrückt. Gedacht war der Vortrag für Studenten, die vermutlich auch etwas damit anfangen konnten. Ich weiß, dass unserer Kirche an sich Gewalt fremd ist und überlegte so lange, bis ich herausfand, was da wohl Papst Benedikt XVI in etwa gemeint hat. Aber dies ist den meisten zu mühsam. Auch der schiitische Klerus muss ziemlich lange studieren, bis er an die Macht kommt. Mit Problemen, die unsere Kirche manchmal mit der Öffentlichkeit hat, könnte diesen verbinden, dass sich fast niemand überlegt, was sich islamische Theologen eigentlich denken. Der Papst kennt vermutlich den Koran besser als manche Moslems. Präsident Ahmadinedschad scheint sich in katholischer Theologie und im Kirchenrecht ganz gut auszukennen, deshalb gab es vermutlich mit ihm betreffend die strittige Rede keinen Ärger.

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