„Der Weg nach vorn“ von Bill Gates

Januar 19, 2007 um 5:35 pm | Veröffentlicht in Gesellschaft, Publikationen, Without Clash | Hinterlasse einen Kommentar

„Bill Gates, „Mr. Microsoft“, ist einer der erfolgreichsten Unternehmer der Welt und der reichste Mann in den USA. In seinem Buch Der Weg nach vorn. Die Zukunft der Informations- gesellschaft von Bill Gates, Nathan Myhrvold, Peter Rinearson, Hoffmann und Campe, Dez. 2001, blickt er auf seine Karriere zurück und entwirft Szenarien für die Entwicklung neuer Informationstechnologien. Anschaulich und verständlich beschreibt er, welche Möglichkeiten die Informationstechnik uns eröffnet, und sagt, wie man sie im Dienste einer humanen Gesellschaft anwenden sollte. Bill Gates, Gründer und Vorstandsvorsitzender von Microsoft, ist ein Mann der Superlative: bereits in jungen Jahren der reichste Mann der USA, einer der größten Unternehmer unserer Zeit und ein technisches Genie. Er lebt mit seiner Familie in Seattle.“ (Quelle: Amazon)

Wie ich anhand einiger kurzer Zitate beweisen möchte, ist dieses Buch nicht nur für Computerfreaks interessant, sondern auch im Hinblick auf das politische und gesellschaftliche Tagesgeschehen lesenswert:

Aber mich beunruhigt die Vorstellung schon, dass Computer und Software in einer fernen Zukunft doch wirkliche Intelligenz erwerben könnten. Ein Zeitrahmen lässt sich beim besten Willen nicht angeben, weil die Fortschritte in der künstlichen Intelligenz unglaublich langsam erzielt werden. Doch sobald die Maschinen wirklich lernen, können sie die meisten Dinge übernehmen, die die Menschen heute tun. Das wird Fragen von sehr grundlegender Bedeutung aufwerfen – wer über wen herrscht und welchen Sinn die Existenz der Menschheit hat (S 400).

Mit der weltweit anwachsenden Beliebtheit des Internets zeigten sich viele Beobachter und Behörden besorgt über die Mühelosigkeit, mit der hier jede Art von Information fast an jeden Ort der Erde getragen werden kann. Verleumdungen, pornographische Inhalte und Urheberrechtsverletzungen sind an der Tagesordnung. Jeder kann sich über gefährliche Technologien informieren. Politische Auffassungen, die manchen erschrecken, können unbeschadet geäußert werden.

Daher meinen einige Kritiker, das Internet laufe aus dem Ruder und müsse besser kontrolliert werden. Das halte ich für eine gefährliche Überreaktion. Das Internet ist ein Gebilde von unschätzbarem Wert – das erste Medium, das die weltweite Publikation von Informationen praktisch ohne Grenzkosten ermöglicht. Wenn der Staat zu stark eingreift, besteht die Gefahr, dass er das Internet abwürgt (S 427).

Als besorgter Staatsbürger sieht Bill Gates natürlich auch die Probleme, die durch den Gebrauch des Internets durch Terroristen entstehen könnten. Persönlich stellt er sich nicht grundsätzlich gegen Überwachung durch Videokameras und Datensammlung, da seiner Meinung nach durch solche Maßnahmen nicht nur die Sicherheit für Zivilisten, sondern auch der Schutz unschuldig Verdächtigter verbessert werden könnte. Selbstverständlich sollten seiner Ansicht nach Pornografie, Verleumdung oder Verletzung des Urheberschutzes im Internet betreffend Regelungen erstellt und eingehalten werden. I

Im Gegensatz zu vielen anderen sieht Bill Gates sehr wohl das Problem, dass manche Inhalte in manchen Ländern verboten sind und in manchen nicht. Er schreibt:

„In der Bundesrepublik verbietet eine strenge Gesetzgebung nationalsozialistische Propaganda, aber Bundesbürger, die im Netz surften, hatten Zugang zu solchem Propagandamaterial auf einem Web-Server in Kanada, wo derartige Ansichten völlig legal verkündet werden durften.“ (S 429)

Wenn man sein Buch mit den Ideen der Verfassung der Vereinigten Staaten abgleicht, dann finden sich kein Widerspruch zwischen seinen Gedankengängen und dem, was für das amerikanische Volk für die Gestaltung seiner Gesellschaft, seiner Art und Weise zu handeln, ausformuliert als Richtlinien festgelegt wurde.

Nicht jeder mag Bill Gates. Seine Geschäftstüchtigkeit, sein Streben nach Vormacht im Internet wurde ihm vielfach übel genommen und durch zahlreiche Prozesse angefochten. Niemals hätte sein Unternehmen solche Größe erreichen können, wäre nicht auch er durch Geschäfte mit der führende Clique des Landes verbunden.

Trotzdem verkörpert Bill Gates in gewisser Weise das gute Amerika – zwar geschäftstüchtig, manchmal rücksichtslos, aber auf der anderen Seite innovativ, unkompliziert und durch und durch demokratisch eingestellt, fasziniert von der Idee, Freiheit und Wohlstand auch an die entlegensten Winkel der Welt weiterzugeben.

Untersuchungen zeigten, dass von den meisten Usern der Großteil der Funktionen im Standard-Office-Programm gar nicht genutzt wird. Trotzdem bringen seine Programme mit der freundlichen und humorvollen Benutzeroberfläche große und kleine Neueinsteiger dazu, den Computer nicht nur zu benutzen, sondern diesen auch zu mögen. Was soll´s, wenn das Programm, welches man eben erst gekauft hat, schon wieder durch ein Update überholt ist? Wen ärgert es wirklich, wenn das Geld, für welches man die verhältnismäßig teuren Programme gekauft hat, nie wieder hereinkommt? Andere spielen Schach oder stricken Pullover. Nein, man kann Bill Gates nicht böse sein, vor allem dann, denkt man an seine großartige Bill & Melinda Gates Foundation.

Bild: Der Weg nach vorn

Advertisements

Schreibe einen Kommentar »

RSS feed for comments on this post. TrackBack URI

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.
Entries und Kommentare feeds.

%d Bloggern gefällt das: