Recht, Missgunst oder Rache?

Januar 23, 2007 um 10:10 pm | Veröffentlicht in Gesellschaft, Middle East, Publikationen, Skandale, World War IV | Hinterlasse einen Kommentar

Viele unterstellen Europäern, die der Foreign Policy unter G.W.B. kritisch gegenüberstehen, banalen Antiamerikanismus. Doch hinterfragt man die Folterskandale in Abu Ghraib, in Guantanamo und im afghanischen US-Stützpunkt Bagram, dann enthüllt sich ein wahrer Abgrund. Niemand geringerer als Maureen Dowd eine bekannte Kolumnistin der New York Times bestätigte, dass Gefangene in Guantanamo sexuell missbraucht worden wären. Wutentbrannt schrieb sie, ohnehin eine bissige Kritikerin von G.W.B., über dieses Thema einen längeren Artikel „Torture chicks gone wild“(NY TIMES).

Niemand käme auf die Idee, ausgerechnet Maureen Dowd zu unterstellen, sie wäre eine fanatische Demokratin, die nichts anderes im Kopf hätte, als durch Unterstellungen und unbewiesene Anschuldigungen der republikanischen Partei zu schaden, war doch sie diejenige, die für ihre Serie über den Lewinsky-Skandal 1999 sogar den Pullitzer-Preis erhielt.

Dieser Skandal, der zu der bedauerlichen Tatsache, dass in Guantanamo Gefangene ohne Rechtsschutz festgehalten wurde, zu der Schande, dass westliche Soldaten, die sich bei ihren Einsätzen auf christliches Gedankengut, auf Aufklärung und Humanität berufen, Gefangene brutal folterten, noch hinzukam, löste auf der ganzen Welt eine Welle von Protesten aus. Und doch traf Maureen Dowds scharfzüngige Beschreibung der Zustände in „Gitmo“ lediglich die Spitze eines Eisbergs.

Erzeugten schon die Enthüllungen des mittlerweile bekannten Journalisten Seymour Hersh´ in dessen Buch „Chain of Command“ Entsetzen, könnte der Öffentlichkeit mit den Veröffentlichungen von Professor Alfred McCoy, einem Historiker aus Wisconsin, Madison, ein neuer Schock bevorstehen. Ein absolut schockierendes Interview mit ihm wurde auf Democracy Now!, einem riesigen Nachrichtenprogramm mit über 450 Stationen in Nordamerika übertragen und steht dort gratis zum Download parat.

Liest man im Amazon-Buchhandel die Rezensionen über sein Buch A Question of Torture: CIA Interrogation, from the Cold War to the War on Terror, Metropolitan Books, 2006, in dem er – nach eigenen Worten – „Dante´s hell“ beschreibt, muss man doch verstehen, dass Umfragewerte für G.W.B. in den USA sehr schlecht sind.

Abgesehen davon, dass das Strafverfahren gegen den früheren Verteidigungsminister Donald Rumsfeld im Internet veröffentlicht wurde, häufen sich im Internet die Aufrufe nach einem Impeachment von G.W.B. Mit der Suchmaschine Google erhält man für die Eingabe „Impeachment Bush“ ansehliche 1.510.000 Treffer, mit Yahoo sogar 5,170,000. Dies müsste doch eigentlich den Gedanken hervorrufen, dahingehend nachzuhaken, wieweit Anträge für ein Impeachment seiner Person und seines engen Mitarbeiterstabes bereits ausformuliert sind.

Als ich eine umfangreiche ImpeachBush-Homepage online ansah, tippte ich ins Textfeld für die Searchfunktion nur ganz kurz „article“ ein und stieß dabei zahlreiche interessante Links, die darauf eingehen, gegen welche Gesetze G.W.B. genau verstoßen hat und wieweit für ein Impeachment-Verfahren bereits gesetzliche Grundlagen vorhanden sind.

Das Center for Constitutional Rights sammelte die “ARTICLES OF IMPEACHMENT AGAINST GEORGE W. BUSH” überhaupt in einem Buch, welches über die Homepage von Melville House Publishing bestellt werden kann. Dieses “Center for Constitutional Rights” beschreibt seine Arbeit wie folgt:

Founded in 1966 by attorneys who represented civil rights demonstrators in the South, the Center for Constitutional Rights is a non-profit legal and educational organization dedicated to advancing and protecting the rights guaranteed by the U.S. Constitution and the Universal Declaration of Human Rights. Most recently CCR has filed a case against the President and NSA for warrantless wiretapping.

Insgesamt gesehen kann man also kaum sagen, dass Europa von einer Welle des “Antiamerikanismus” bzw. „Antisemitismus“ erfasst wurde, sondern dass eigentlich eher der Protest, der in den USA gegen G.W.B. und sein Kabinett ohnehin besteht und der ja eigentlich durch Michael Moore´s Film „Fahrenheit 9/11“ nach Europa gebracht wurde, auch auf unsere Länder immer weiter übergreift und der – hoffentlich – in Amerika den gewünschten Erfolg hat.

Bild: Pallas Athene

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