Swanee Hunt

Januar 28, 2007 um 3:40 pm | Veröffentlicht in Frauen im Islam, Gesellschaft, Middle East, Publikationen, Without Clash | Hinterlasse einen Kommentar

Wie ich schon einmal seufzend betonte, handelt man sich, wenn man G.W.B. kritisiert, sehr schnell den Vorwurf des „Antiamerikanismus“, wenn nicht sogar den des „Antisemitismus“ ein. Mit folgenden Zeilen möchte ich eine Vertreterin des „anderen Amerikas“ vorstellen, und zwar eine besonders tüchtige Frau, Swanee Hunt.

Damit möchte ich einmal mehr zeigen, dass die „neokonservative Agenda“ der Bush-Regierung keinesfalls die einzige vorgeschlagene Lösungsstrategie für Konflikte in Middle East darstellt und auch, dass deren Vorgangsweise in den USA von wirklich kompetenter Stelle durchaus kritisiert wird.

Swanee Hunt wurde während der Amtszeit von Bill Clinton als amerikanische Botschafterin in Österreich eingesetzt (1993-1997). Obwohl Tochter eines Öltycoons aus Dallas, stellte sie sich damals nicht nur sympathisch und bescheiden in einer Kurzbiographie im ORF vor, sondern schrieb regelmäßig Kolumnen für die österreichische Kronenzeitung. Verheiratet mit dem Dirigenten Charles Ansbacher, schreibt sie selbst nicht nur Bücher (This Was Not Our War, Half-Life of a Zealot), sondern fotografiert auch ausgezeichnet.

Ein wenig überraschend fand ich, dass Swanee Hunt zwar das „Women and Public Policy Program“ (WAPP) an der „Kennedy School of Government“, Harvard Universität leitet, dass es aber im Vergleich zu ihrem Einsatz um sie sehr still ist. Dabei organisierte sie von Österreich aus Kriegsgebiet Bosnien Frauenkonferenzen und erhielt 2001 sogar den Community of Christ International Peace Award. Bereits 1999 gründete sie die Bürgerrechtsgruppe „Woman Waging Peace“, die jetzt als Teil des großen Netzwerkes „The Initiative for Inclusive Security“ weitergeführt wird.

In einem Artikel, der im Februar 2005 in der Herald Tribune veröffentlicht wurde, macht sich Swanee Hunt darüber Gedanken, wie man Frauenrechte in islamischen Ländern vermehrt durchsetzen könnte und spricht dabei ganz konkret die Situation im Irak und im Iran an. Ihrer Auffassung nach sind für die Stärkung demokratischen Denkens Frauenrechte sehr wichtig. Sie sieht aber keinen Ausweg in militärischen Lösungen und vertritt auch die Ansicht, dass es keinen Sinn macht, den Islam an sich anzugreifen und dass man versuchen muss, mit Reformisten innerhalb dieser großen Glaubensgemeinschaft an Lösungsstrategien arbeiten, um das Los der Frauen im Einflussbereich des Islam zu verbessern.

Beim Umgang mit dem Iran fordert sie dazu auf, nicht nur dessen Nuklearprogramm zu kritisieren, sondern auch immer wieder Menschenrechtsverletzungen im Iran öffentlich zu diskutieren. Sie vertritt die Ansicht, dass zu harte Sanktionen gegen den Iran dazu führen könnten, dass der ohnehin zerbrechliche Kontakt zwischen dem Westen und den Reformern im Iran abreißt und meint besorgt, dass man im Iran lediglich Hardlinern in die Hände arbeiten würde, wenn der Westen mit ergriffenen Maßnahmen gegen dieses Land zu hart vorgeht.

Obwohl es nun schon einige Jahre her ist, hinterließ Swanee Hunt als US-Botschafterin in Österreich den Eindruck, dass, wenn Menschen wie sie in den USA wichtige Positionen bekleiden, alles gut wird. Selbst, wenn man die schlechten Umfragewerte für G.W.B. nicht mit einbezieht, die wütenden Proteste gegen seine kriegerische Politik nicht beachtet, bin ich mir sicher, denke ich zurück an Swanee Hunt´s freundlichen Zeilen, dass es auch ein gutes Amerika gibt und dass es doch wirklich an der Zeit ist, dass diesem mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Bild: Swanee Hunt

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