Eine unbequeme Wahrheit

Februar 28, 2007 um 6:15 pm | Veröffentlicht in Democrats, Gesellschaft, Publikationen, Vom Klima | Hinterlasse einen Kommentar

Albert Arnold Gore jr. wurde am 31. März 1948 in Washington D.C. geboren. Nach Abschluss der High School studierte er ab 1965 in Harvard. Im Juni 1969 verließ er Havard mit dem „Bachelor of Arts degree in government„. Bereits während seines Studiums wurde er das erste Mal mit der Klimaforschung konfrontiert. Das Thema „Erderwärmung“ faszinierte ihn erstmals, als er einen Kurs bei Prof. Roger Revelle an der Harvard University besuchte. Dieser war der erste Wissenschaftler, der den Kohlenstoffdioxidanteil in der Atmosphäre gemessen hat.

Die Examensarbeit von Al Gore hatte den Titel „The Impact of Television on the Conduct of the Presidency, 1947-1969„. Al Gore behielt das Interesse für moderne Medien und wurde sogar Mitglied im Aufsichtsrat des Computerherstellers Apple.

Im Jahr 1970 heiratete Al Gore Mary Elizabeth „Tipper“ Aicheson. Beide haben mittlerweile vier Kinder. Zwei Jahre lang, von 1969 – 1971 arbeitete Gore als Kriegsreporter, u.a. in Vietnam. Als er 1971 in die Staaten zurückkehrte, studierte er Philosophie und Jura. Indes verdiente er sich als Zeitungsreporter in Nashville.

Als er in die kommunale Politik wechselte, deckte er einige politische Korruptions-Fälle auf. Von 1977 bis 1979 wurde er Mitglied des Repräsentantenhauses. 1984 wurde Al Gore zum Senator des US-Bundesstaates Tennessee gewählt und trat 1985 sein Amt an. Gore profilierte sich gleichfalls in der Gesundheitspolitik sowie in Rüstungsfragen, worauf er 1988 im Amt bestätigt wurde.

So bald wie möglich veranlasste er die ersten Verhandlungen über das Thema Klimaschutz und trat mit Wissenschaftlern und Politikern in Kontakt. Er ist davon überzeugt, dass die Argumente die Gesetzgeber zu Handlungen veranlassen werden; auch wenn dieser Vorgang langsam fortschreiten würde.

1992 veröffentlichte er das Buch „Earth in Balance: Healing the Global Environment“ und erreichte damit die Weltbestseller-Liste der New York Times. Zu den Anliegen Al Gore´s gehörte auch die Stabilisierung des Bevölkerungswachstums durch einen globalen Marshallplan.

Von 1993 bis 2001 war Al Gore unter Präsident Bill Clinton Vizepräsident. In dieser Zeit setzte Gore 1993 die Einführung einer Kohlesteuer durch, um den Verbrauch an fossilen Brennstoffe einzuschränken und somit den Treibhauseffekt zu reduzieren. Er half auch bei der Durchsetzung des Kyoto-Protokolls, einer internationalen Vereinbarung mit dem Ziel, den Ausstoß an Treibhausgasen zu verringern. Die Vereinigten Staaten haben den Vertrag zwar unterzeichnet, ihn aber nicht ratifiziert.

Während seines Wahlkampfs (2000) versprach Gore dem Abkommen im Falle seines Amtsantrittes zuzustimmen. Bekannt wurde, dass G.W.B. bei den Wahlen im Jahr 2000 den Wahlsieg lediglich mit Hilfe seines Familienclans durchsetzen konnte. In einem unsauberen Verfahren in Florida wurde die Auszählung der Wahlkarten in Florida vorzeitig gestoppt. Dieser Verstoß gegen grundsätzliche Regeln westlicher Demokratien wurde von Michael Moore in dessen Film „Fahrenheit 9/11“ aufgegriffen. Eine genaue Beschreibung dieses Skandals befindet sich im Buch „Stupid white men“, Piper, 2001, welches Michael Moore bereits vor 9/11 verfasst hat.

Seine Dokumentation Eine unbequeme Wahrheit (Originaltitel An Inconvenient Truth), die auf die Gefahren des weltweiten Klimawandels aufmerksam machen soll, erhielt im Februar 2007 zwei Oscars der kalifornischen Academy of Motion Picture Arts and Sciences.

Einige Wissenschaftler kritisierten seine Arbeit. Unter den Skeptikern am meisten bekannt wurde der Bestsellerautor Michael Crichton, der mit „State of Fear“ (Welt in Angst) ein durchaus beeindruckendes Statement gegen jedwede „Klimahype“ verfasst hat.

Dem steht entgegen, dass Al Gore selbst fachlich so kompetent ist, dass man seinen Argumenten auf jeden Fall Aufmerksamkeit schenken sollte. Selbst, wenn die Wahrscheinlichkeit einer signifikanten Erderwärmung geringer sein sollte als in seinem Film angegeben, müssten Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden, damit unser Planet auch im „worst case“ ausreichend geschützt ist.

Sieht man sich die Biographie Al Gores ein wenig näher an, dann muss man doch außerdem sehen, dass dieser persönlich mit dem Kriegsgeschehen, mit globalen Fragen betreffend Aufrüstung, Rohstoffbedarf und Demographie ebenfalls konfrontiert war. Insgesamt gesehen stellt sicher seine Idee, den Verbrauch an fossilen Brennstoffen entscheidend zu drosseln, nicht nur für den Umweltschutz, sondern auch für den Erhalt des Weltfriedens, für die Weiterentwicklung von Drittländern eine regelrechte Innovation dar. Deshalb glaube ich, dass sein Film und sein Anliegen jede Unterstützung verdient hat.

Biographie: Wiki, Biographie Who´s Who

Bild: Albert Arnold „Al“ Gore jr., Eine unbequeme Wahrheit

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Spiel´ mir das Lied vom Tod

Februar 27, 2007 um 6:32 pm | Veröffentlicht in Democrats, Middle East, Skandale, Waffen, World War IV | Hinterlasse einen Kommentar

John Irving, US-amerikanischer Autor, meinte einmal: “ Bevor mich jemand erschießt, würde ich lieber ihn vorher erschiessen.“ Auf dieser Philosophie baut eigentlich die Idee des „preemptive strike“ bzw. des „preemptive war“ auf.

Mich persönlich erinnert der Gedanke ein wenig an den Film „Spiel mir das Lied vom Tod“ mit Henry Fonda. Bedingt durch die Idee, den Revolver immer schneller zu zücken als der Gegner, wuchsen zur damaligen Zeit die Leichenberge im vormals „Wilden Westen“ immer höher. In Anbetracht der unglaublichen Verwüstungen, die eine Wasserstoffbombe (ORF Science, MDR, Wiki) anrichten kann, denke ich, dass ein Verfahren, welches sich bereits in der Zeit der Revolver nicht unbedingt bewährt hat, in der jetzigen Situation einfach nicht ideal ist.

Bereits 1996 urteilte der IGH (Internationale Gerichtshof), dass die Anwendung von Kernwaffen generell völkerrechtswidrig ist. Dies betrifft auch den Abwurf von niedlichen Mini-Nukes. Besonders wesentlich war auch die Nachricht vom 26. Februar 2002, dass die USA die Zusage nuklearen Nichteinsatzes gegenüber atomwaffenfreien Ländern beendet. Ab jetzt sind die USA in der Wahl ihrer Atomwaffenziele frei!. Da hilft es auch nichts, dass am 4. Jänner 2007 vier ehemals hochrangige US-Politiker überhaupt den Vorschlag machten, Atomwaffen generell abzuschaffen. Greenpeace legt eine Petition mit der Bitte um eine atomwaffenfreie Zone an sechs europäische Außenminister auf:

Don´t nuke Iran!

Bilder: Spiel´mir das Lied vom Tod, Atombombe

Psycho

Februar 26, 2007 um 4:33 pm | Veröffentlicht in Anachronismen, Q´chott, USA, Verständigung, Vom Klima, Waffen, Wirtschaft, World War IV | 2 Kommentare

Bekannt wurde das Milgram-Experiment, in dem nachgewiesen werden konnte, dass ein erschreckend großer Anteil der Versuchspersonen bereit waren, Unschuldige bei Verhören auf Befehl hin zu misshandeln. 1962 Das erste Mal von Stanley Milgram in den USA durchgeführt, wurde es später, 1970 in der BRD wiederholt. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse zeigten, dass ein Großteil der Menschen ohne Rücksicht auf die Kultur, aus der sie stammen zur Ausübung von Folterungen motiviert werden können.

Eine wissenschaftliche Untersuchung darüber, dass Gefängnisse zerstörerisch auf die Psyche der betroffenen Personen wirken, und zwar sowohl auf diejenigen der Gefangenen als auch auf die der Gefängniswärter wurde von der Stanford-Universität durchgeführt. Beim „Stanford-Experiment“ wurden willkürlich einige Personen ausgewählt und in „Gefangene“ und „Aufseher“ geteilt. Bereits nach drei Tagen musste ein Gefangener entlassen werden, da er extreme Stressreaktionen zeigt. In weiterer Folge begannen einige „Aufseher“, die Gefangenen sadistisch zu misshandeln. Nach nur sechs Tagen wurde das Experiment abgebrochen, da die Versuchsleiter selbst nicht mehr für ihre Objektivität garantieren konnten.

Es gibt eine eigene Bezeichnung für psychische Schäden nach schlimmen Erlebnissen. Diese Krankheit heißt Posttraumatische Belastungsstörung (Abk.: PTBS; engl.: Posttraumatic Stress Disorder, Abk.: PTSD, im amerikanischen Sprachgebrauch auch Post Vietnam Syndrom (PVS)). Nach der ICD-10 (International Classification of Diseases) der WHO hat die PTBS den Code F 43.1. Dies ebenso wie der Umstand, dass Soldaten oft an unerkannten Kopfverletzungen leiden trägt mit Sicherheit dazu bei, dass G. Bush die Terroristen in Kriegsgebieten niemals ausgehen.

Wie es eigentlich im Kopf eines Politikers aussieht, der dafür bekannt ist, dass er solche Zerstörungen, wie dies der Terrorist Timothy McVeigh einmal in seinem Leben zu Wege brachte, sozusagen im Alltag nebenher erledigt, versuchte Psychoanalytiker Dr. Justin A. Frank herauszufinden. Er schrieb darüber das Buch: Bush on the Couch: Inside the Mind of the President, Regan books, 2005.

Der Bombentäter von Oklahoma City 1995, der damals mit Sprengstoff 168 Menschen tötete und über 500 verletzte, wurde 2001 mit einer Giftspritze hingerichtet. Auch die zwei Mittäter entgingen der Strafe nicht. Nichols erhielt eine lebenslange Haftstrafe, und Fortier, der als Zeuge ausgesagt hatte, wurde zu zwölf Jahren verurteilt.

Eine kurze Frage – welche Strafe bzw. welche Behandlung würde G.W.B. eigentlich erwarten, wäre jeder der über 640 000 Gefallenen in seinem Irak-Krieg, der völkerrechtswidrig begonnen wurde und auf der Lüge beruhte, Saddam Hussein hätte WMD´s, ein Amerikaner?

Bilder: Überreste des Murrah Federal Building nach dem Anschlag, Bush on the Couch, Timothy McVeigh

Dominique Aubier

Februar 25, 2007 um 4:20 pm | Veröffentlicht in Anachronismen, Gesellschaft, Publikationen, Q´chott, Vom Klima, Without Clash, World War IV | Hinterlasse einen Kommentar

Als die USA den Vietnamkrieg führte, entwickelte sich als Reaktion auf die Brutalität und die Opfer des Krieges eine Protestbewegung. Dieser Zeit entstammt das Musical Hair (im Untertitel The American Tribal Love/Rock Musical), das als Meilenstein innerhalb der Popkultur der späten 1960er-Jahre gilt. Im Mittelpunkt der Handlung steht eine Gruppe aus der Hippie-Bewegung, die versucht, dass „Wassermannzeitalter“ herbei zu singen:

This is the dawning of the age of aquarius…
(deutsch: Das Zeitalter des Wassermannes dämmert herauf…)

Um ein Gegengewicht zur jetzt herrschenden Weltuntergangsstimmung (Bible Code, Nostradamuscode, Terrorhysterie, Klimahype) zu finden, müsste es doch Freude machen, positive Gedankengänge oder Projekte zu fördern. Einen Ansatz dazu bietet die Schriftstellerin Dominique Aubier:

Die Schriftstellerin Dominique Aubier möchte dieses Rätsel von Don Quichote, einem vielgelesenen Buch des Dichters Miguel Cervantes zu lösen. Als Expertin der hebräischen Kabbala öffnet sie Don Quichotes Symbolik, dekodiert und befreit ihren Sinn. Die Entdeckung ist unerwartet :Don Quichote ist im Originalen gleichzeitig im spanischen und im hebräischen lesbar.

Die zweite originale Ausgabe (1608), von Cervantes revidiert, ist mit groben „Fehlern“ gespickt, die die offiziellen Gelehrten in den folgenden Ausgaben schnellsten „korrigierten“. Kodierte Nachrichten, darunter manche direkt aus dem biblischen Text, besonders Ezekiels.

Don Quichote (Q‘ chott im Aramäischen bedeutet Wahrheit) wurde in der Erinnerung an Spanien als Begegnungsland der drei monotheistischen Religionen geschrieben und schlägt der Zukunft ein umfassendes kulturelles Projekt vor. …“(Aubier, Reichelberg, Mac Gaha, Baruch, Wikipedia).

Das erfolgreiche Musical „Der Mann von der Mancha“ wurde frei nach den Ideen dieses Klassikers der Weltliteratur von Miguel Cervantes verfasst. Den Text des berührenden Musicals verfasste Dale Wasserman (leider nur mit einem „n“ geschrieben). Die Handlung dürfte bereits bekannt sein:

Miguel de Cervantes und Don Quijote, das lebendigste Geschöpf seiner dichterischen Phantasie, verschmelzen in Mitch Leighs Musical Der Mann von La Mancha gewissermaßen zu einer einzigen Gestalt. Der von der Inquisition eingekerkerte Dichter spielt mit seinen Mitgefangenen seinen Ritterroman nach. Mörder und Diebe, die zunächst das Manuskript verbrennen wollen, schlüpfen fasziniert in die ihnen zugeteilten Rollen; Miguel de Cervantes selbst agiert dabei als Don Quijote.

Ein spanisches Kulturinstitut, „Instituto Cervantes“ mit zwei Hauptsitzen in Madrid und Alcalá de Henares, wurde nach dem berühmten spanischen Autor von Don Quijote benannt. Es wurde 1991 von der spanischen Regierung ins Leben gerufen mit dem Ziel, die spanische Sprache zu fördern und das Kulturgut aller spanischsprachigen Länder bekannt zu machen und zu pflegen. In 29 Ländern existieren derzeit 44 Niederlassungen in Europa, Amerika, Asien und Afrika.

Ganz sicher aus dem Wasser aber kommt der Delfin. Diese freundlichen Tiere beflügelten schon immer Mythen und Märchen. Auch ein Sternbild wurde „Delfin“ benannt. Obwohl bis jetzt für den Erfolg der „Delfintheraphie“ keine mathematisch messbarer Beweis erbracht werden konnte, bereiten doch diese Gesellen des Meeres kranken und behinderten Kindern viel Freude. Sowohl in den USA, in Israel, in der Türkei und auch in Deutschland (Nürnberg), wird oder wurde versucht, durch den Kontakt mit diesen Tieren besonders armen Kindern zu helfen.

Diese Tiere stehen symbolisch auch für die Verbundenheit zwischen Menschen und Tieren und dass „Friede“ (Delfin) besser als „Krieg“ (Hai) ist. Einmal habe ich gelesen, dass eines Tages, wenn die Menschheit im Chaos versinkt, Delfine an Land kommen würden, um den Menschen zu helfen. Es gibt auch eine moderne Managementmethode, die Delfinstrategie heißt, entwickelt von Dudley Lynch und Paul Kordis, die auf der Win-Win-Strategie aufbaut, d.h. dass Verhandlungen so geführt werden sollten, dass das Ergebnis für beide Seiten ein Erfolg wird.

In der griechischen Mythologie galten Delfine als Totemtier der Göttin Demeter, die zuständig für die Fruchtbarkeit der Erde, des Getreides, der Saat und den Gang der Jahreszeiten war, also für Liebe als Kraft der Schöpfung, nicht im sinnlichen Bereich. Es ist schon klar, dass der „Fisch“ das gebräuchliche christliche Symbol ist, aber es sollte ja ein Symbol für alle Religionen und Kulturen sein, nicht nur für unsere. Wenn ein Projekt, an dem die drei großen Religionsgemeinschaften auf der Basis von „Wahrheit und Liebe“ mit Hilfe moderner Ideen, der „Delphinstrategie“, erstellt werden könnte – dann – könnte das „Zeitalter des Wassermanns“ beginnen.

Fast alle Lebensräume sind erschlossen. Wohin mit den vielen Menschen? „Ocean city“ als Lösung? Über eine solche Idee wurde bereits diskutiert! X-Seed 4000 oder auch Ocean City nannte man einen visionären Wolkenkratzer-Entwurf aus dem Jahr 1980, der von Japan als eine künstliche Insel entworfen wurde. Eine Million Menschen sollten darin wohnen, arbeiten und ihre Freizeit gestalten. Natürlich würde es sehr viel Geld kosten, solch ein Projekt zu realisieren.

Auch wenn sich diese Ideen erst in der Entwicklung befinden – wer sagt, dass diese nicht eines Tages realisiert werden könnten? Noch vor hundert Jahren hätte sich niemand den Flug zum Mond, den Bau von Unterseebooten und eine so großartige Kommunikationsmöglichkeit wie das Internet vorstellen können. Könnte nicht der „Friede im Heiligen Land“ für alle Menschen auf Welt ein Anliegen und große finanzielle Opfer Wert sein? Wasser in die Wüsten – für die Araber, eine „Neue Stadt“, Ocean City als zusätzlicher Lebensraum, als „Gelobtes Land“ für die Juden, dies könnte doch für unsere Welt, für unsere Erde, wichtiger sein als diese grässliche Aufrüstung und ein Flug zum Mars!

Homepage: Dominique Aubier, Delfinstrategie

Bilder: Hair, Josef Meinrad als „Mann von der Mancha“, Don Quichote, Delfintheraphie, Demeter, Friedenstaube

Lügen im Heiligen Land

Februar 24, 2007 um 8:50 pm | Veröffentlicht in Middle East, Publikationen, Without Clash, World War IV | 1 Kommentar

Zunächst einige Informationen zum Autor Peter Scholl-Latour: Dieser wurde 1924 in Bochum geboren. Neben seiner Promotion an der Sorbonne erwarb er an der Libanesischen Universität Beirut das Diplom für arabische und islamische Studien. Seit 1950 arbeitet er als Journalist, u.a. viele Jahre als ARD-Korrespondent in Afrika und Indochina und ARD-Studioleiter in Paris, Fernsehdirektor des WDR und Herausgeber des „stern“.

Seit 1988 ist er als freier Publizist tätig. Seine TV-Sendungen über die Brennpunkte des Weltgeschehens finden höchste Einschaltquoten und Anerkennung, seine Bücher sind allesamt Bestseller, die ich in der Bücherliste angeführt habe.

Die Bücher von Peter Scholl-Latour sind nicht nur fachlich kompetent, sondern obendrein auch sehr spannend und flüssig geschrieben. Peter Scholl-Latour berichtet nahezu ausschließlich von dem, was er selbst vor Ort gesehen hat und von Gesprächen, die er mit bekannten Persönlichkeiten selbst führen konnte. Zusätzlich beruft er sich auf sein Netz beruflicher Kontakte, dass er sich in langen Jahren als Kriegsberichtserstatter aufbauen konnte.

Auch als Taschenbuchausgaben erhältlich, kann man seine Bücher sehr billig kaufen. Ein weniger fähiger Autor als Peter Scholl-Latour käme auf die Idee, aus dem Fachwissen, welches dieser auf einer Seite flüssig und verständlich vermittelt, gleich ein ganzes Buch zu schreiben. Daran muss – dies schicke ich meinen Ausführungen voraus – jede „Inhaltsangabe“ seines dicht geschriebenen Buches „Lügen im Heiligen Land“ scheitern. Ganz kurz nur einige Points aus seinem Buch „Lügen im Heiligen Land, Machtproben zwischen Euphrat und Nil“, Goldmann, München, 2000 zum Land Israel:

Der Staat Israel bezieht seine Existenzberechtigung in erster Linie aus dem Alten Testament, also eigentlich aus religiösem Fundamentalismus. Dies führt aber dazu, dass in Israel nicht nur der jüdische Fundamentalismus eine Heimat gefunden hat, sondern dass parallel dazu auch der islamische bzw. islamistische automatisch geschürt wird.

Der Staat Israel zerfällt nicht nur in jüdische und arabische Staatsbürger, sondern bereits das Judentum selbst zerfällt in das weltliche „Samaria“ und das streng religiöse „Judäa“. Nicht nur, dass die altmodischen „Haredim“ einen schwarzen Hut auf dem Kopf tragen und sich Koteletten wachsen lassen – die Frauen sind sogar der Vorschrift des „Scheitel“ treu geblieben und vermummen sich fast noch unkleidsamer als iranische Frauen in ihrem Tschador.

Diese ebenso altmodische wie überzogene Strenggläubigkeit erzeugt Probleme. Nicht nur, dass Sittenwächter dafür sorgen, dass am Sabbat nicht gearbeitet wird, sondern auch die in Israel sehr wichtige Wehrpflicht wird von dieser Gruppe nicht akzeptiert. Ein Teil der weltlich gesinnten Juden würde sich gerne am „American Way of Life“ orientieren. Die russischen Einwanderer sind in erster Linie materiell orientiert.

Israel ist sehr stark bevölkert. Trotzdem möchte Israel die hohe Anzahl der Einwanderer von 800.000 auf zwei Millionen erhöhen. Sehr viele Palästinenser wanderten bedingt durch die restriktive Politik Israels in die benachbarten islamischen Länder aus. Während des zweiten Golfkrieges – (G.W.B. sen. – Saddam Hussein) kritisierte jedoch Palästinenserführer Jassir Arafat den Angriff der US-geführten Militärkoalition auf den Irak. Dies hatte zur Folge, dass zugewanderte Palästinenser aus den Golfstaaten – z.B. Bahrein ausgewiesen wurden und wiederum nach Israel zurückkommen mussten. Die Anzahl der Palästinenser, die insgesamt im Rahmen der oberflächlich formulierten „Roadmap“ den Anspruch auf Rückwanderung erheben könnten, schwankt je nach angewendeter Berechnung sehr stark.

Die Golan-Höhen wurden von den Israeli trockengelegt und kultiviert. Peter Scholl-Latour schreibt, dass General Moshe Dayan ursprünglich gar nicht die Absicht hatte, die Golan-Höhen im „Sechs-Tage-Krieg“ zu annektieren und dass er diese sie als relativ unwichtig für die Sicherheit des Landes betrachtete. Dies vertraute er 1976 einem Reporter, Rami Tal, an. Seine Tochter bestätigte diese Angaben (S 252). Peter Scholl-Latour weist aber gleich auf der nächsten Seite (S 253) darauf hin, dass die Kontrolle der Golan-Höhen im „Jom-Kippur-Krieg“ einen Vorteil gebracht hätte. Den Verträgen entsprechend müssten die Golan-Höhen an Syrien zurückgegeben werden.

Der Gedanke an einen unabhängigen Palästinenser-Staat ist nicht realistisch. Das Westjordanland bzw. andere mögliche Wohngebiete wurden bereits durch breit angelegte Anfahrtsstraßen hoffnungslos zerstückelt. Gesetzt den Fall, man würde dem Ghaza-Streifen den Bau eines unabhängigen Hafens gewähren, dann bestünde sofort Gefahr, dass die Palästinenser vermehrt Waffen einführen könnten, ebenso wie auch insgesamt ein unabhängiger Palästinenserstaat dazu führen könnte, dass ein auf diese Art und Weise entstandenes Palästina seine Rechte vor dem Weltsicherheitsrat in einer für Israel sehr unangenehmen Art und Weise geltend machen könnte.

Seiner Auffassung nach bestehen zwischen der Hamas und der Schiitenorganisation Hisbollah ganz wesentliche Differenzen. Eine andere schiitische Organisation im Libanon, die „Amal“ wurde zunächst von einem sehr charismatischen Führer geleitet, und zwar von Imam Musa Sadr. Dieser Musa Sadr, ein Lieblingsschüler Khomeinis, reiste einmal nach Libyen. Von dort kam er niemals wieder zurück. Khomeini vergab dies weder al-Gaddafi noch Arafat.

„Wer deshalb glaubt, von einer hemmungslosen Unterstützung von Fatah- und Hamas-Terroristen durch die islamische Republik Iran redet, ist unzureichend informiert.“ (S 364).

Der Hass zwischen der jüdischen und der arabischen Bevölkerung hat ein zu großes Ausmaß erreicht, um doch noch an eine friedliche Lösung glauben zu können. In seinem Buch kann es sich Peter Scholl-Latour nicht vorstellen, dass vorhandene Konflikte aufgearbeitet werden können. Er beschreibt den Islam als eine Religion, die es den Angehörigen erlaubt, mit Hilfe der „Taqiya“ den Ungläubigen falsche Hoffnung zu machen und warnt vor falscher Gutgläubigkeit ebenso wie vor romantischen Illusionen.

Trotzdem schreibt er mit sehr viel Achtung vor den Moslems. Es kommt ihm nicht einmal in den Sinn, Moslems einfach pauschal als „Nazis“ abzuqualifizieren oder die islamische Religion so derartig in den Dreck zu ziehen, wie dies zur Zeit von den „Freunden Israels“ gemacht wird. Seiner Meinung nach lässt sich der Knoten nicht lösen:

Entweder lässt sich Israel auf die unrealistischen Friedensbestimmungen eines Shimon Peres ein, es räumt nicht nur die Golan-Höhen, sondern auch die West-Bank, öffnet die Grenzen eines voll funktionierenden Palästinenserstaates nach allen Seiten und steuert somit dem eigenen Untergang zu.

Oder die jetzige Regierung hält an der Zersplitterung des Palästinensergebietes fest, schnürt alle Zugänge zum autonomen Gebiet ab, verweigert der PLO alle Entscheidungsbefugnisse und verurteilt die Araber zu einer würdelosen Situation in einem arabischen „Homeland“ (S 429).

Bild:Peter Scholl-Latour

Was ist mit Kansas los?

Februar 24, 2007 um 2:54 pm | Veröffentlicht in Gesellschaft, Publikationen, Skandale, Wirtschaft, World War IV | Hinterlasse einen Kommentar

Die Vertreter der Wirtschaft drängen den Staat zurück. Dies meint auch der Journalist Thomas Frank, der für Harper´s The Nation und Le Monde Diplomatique schreibt und in seinem Buch Was ist mit Kansas los, Berlin Verlag, 2005 kritische Stellungnahmen zu gesellschaftlichen Entwicklungen in Kansas bezieht. Im Kapitel mit den Danksagungen kann man lesen, dass das Buch mit Hilfe zahlreicher Experten erstellt wurde. Insgesamt macht diese Veröffentlichung einen sehr seriösen, gut recherchierten Eindruck.

Thomas Frank beschreibt, dass sich die „Demokraten“ nicht mehr ausreichend um die wirklichen Arbeiter kümmerten und dass doch tatsächlich die Unternehmer bzw. die Farmer in Kansas es schaffen würden, sich als arbeitende Klasse zu fühlen, deren Interessen von den „arroganten und intellektuellen Liberalen“ durch Steuerzahlung, durch Leistungen des Staates zu Gunsten Armer, Kranker und Arbeitsloser bedroht werden könnte. Der Staat gilt als Übel, die Privatisierung aller Bereiche als Ausweg, obwohl mit freiem Auge deutlich sichtbar ist, dass sich die wirtschaftliche Situation, der Lebensstandard und die Möglichkeiten für die dortige Bevölkerung ständig verschlechtert. „Die Anführer des Backslash mögen christliche Worte im Munde führen, aber in der Realität dienen sie vor allem den Unternehmen.

Der Kampf gegen die Abtreibung wurde zu einem regelrechten „Remake“ des Kampfes gegen Sklaverei hochstilisiert. Der als Alternative zur Evolutionstheorie von Charles Darwin propagierte Kreationismus sucht weniger eine Erweiterung bzw. eine Widerlegung der bisherigen Kenntnisse über die Entstehung der Welt, sondern steht gleichzeitig für eine „Kampfansage“ gegen die Intellektuellen.

Wie auch aus der Sicht mancher anderer Autoren begann auch für Thomas Frank diese für Land und Leute ruinöse Entwicklung, der „Backslash„, der z.B. auch progressive Steuersätze, die Erbschaftssteuer ablehnt und für Niedriglohnsätze eintritt, bereits unter Ronald Reagan: „… Wirklich wichtig war ihm die Wiederherstellung des unregulierten Kapitalismus der zwanziger Jahre, die Widerrufung des New Deal“ (S 12).

New Deal – dies war eine Flut von Gesetzesänderungen (1933, 1935) unter US-Präsident Franklin D. Roosevelt. Zu den neuen Gesetzesmaßnahmen zählten u. a. Steuererhöhungen für die Wohlhabenden, einem Programm zur Arbeitsbeschaffung, öffentliche Bauten und eine Art Grundgesetz für die Gewerkschaften. Dieses Nationale Arbeits- und Tarifgesetz von 1935 stellte Tarifverhandlungen unter den Schutz der US-Regierung und regelte die Beschäftigungsbedingungen. Das Bundesgesetz für faire Arbeitsbedingungen von 1938 schrieb Arbeitszeiten und Mindestlöhne für Arbeiter fest. Es kam zu einem Bündnis mit den Gewerkschaften.

Ein Beispiel für die jetzigen Entwicklungen dagegen wäre das jetzige „Freedom to Farm“ – Gesetz, welches die Landwirtschaft dereguliert. Im „New Deal“ verabschiedete der US-Kongress ursprünglich ein komplexes neues Farmgesetz, das so genannte Landwirtschaftliche Ausgleichsgesetz, das die Anhebung der Preise für landwirtschaftliche Produkte regelte. Preisgarantien wurden praktisch aufgegeben, die gesamte Ackerfläche für Bestellung freigegeben. Die noch existierenden amerikanischen Farmer wurden in eine hoffnungslose Überproduktionsspirale getrieben.

Die Farmer fingen an, mit höchster Kapazität zu produzieren , und die Agrarpreise sanken ins Bodenlose, weil sie nicht mehr staatlich garantiert wurden. Außer für die größten und effizientesten Farmen war der Bankrott unabwendbar. Die Krise verschlimmerte sich so rasch, dass die Bundesregierung wieder dazu überging, massive Zahlungen an die Farmen zu leisten, jetzt aber nicht als Preisgarantie, sondern einfach auf der Basis der produzierten Mengen, so dass die größten Farmen, die das Geld am wenigsten brauchten, am meisten verdienten.

„Dies ist das Ende der hundertjährigen Schlacht, die totale Niederlage für den kleinen Mann, der Moment, da „das organisierte Agrobusiness endlich seinen Traum verwirklicht, die agrarischen Familienbetriebe der nahezu letzten Reste jener wirtschaftlichen Macht zu berauben …“ meinte der Agrarjournalist A.V. Krebs. „… eine Erlaubnis für eine Hand voll multinationaler Getreidefirmen, das von den Farmern erzeugte Produkt zu stehlen. Die seit In-Kraft-Treten des Gesetzes ausgezahlten riesigen Beihilfen seien nur eine indirekte Subvention des Steuerzahlers für große Konzerne und Fleischverarbeiter„, meinte Bruce Larkin, Abgeordneter aus Kansas und selbst Farmer aus dem Nordosten des Staates (S 70).

Um dies in Zahlen zu verdeutlichen – nach Michael Moore, Stupid white men, piper, 2004, verdiente 2003 Vizepräsident Dick Cheney sagenhafte 36.086.653 Dollar (S 43) und vier große Unternehmen produzieren 80% vom Rindfleisch (S 46). Die Rinder werden von eingewanderten Niedriglohnarbeitern geschlachtet, die in Wohnwagenparks hausen (S 70). Das „Freedom to Farm„-Gesetz sprach sich dafür aus, die Erhaltung des Bodens, d.h. den Schutz der Landschaft zu einer freiwilligen Sache zu machen.

Nur riesengroße Firmen der Rüstungs -, Öl- und Bauindustrie, Informatik, Pharmakonzerne und solche der „modernen“ – Landwirtschaft, die mit genmanipuliertem Pflanzen den Agrarmarkt bestimmen, beherrschen die Wirtschaft und drücken mit Hilfe ihrer Wahlkampfspenden für ihre Interessen günstige Kandidaten in die Politik. Es entsteht ein System wie früher in Polen, in dem korrupte Adelige zum eigenen Vorteil immer nur schwache Könige unterstützten. Unterstützt wird nach der offiziellen Aussage „Wir machen, was gut ist für Amerika“ nur, was dem eigenen wirtschaftlichen Erfolg dient. Andere Forderungen aus dem Programm der Republikanischen Partei Kansas 1998:

  • Abschaffung der Steuern auf Kursgewinne …
  • Abschaffung der Vermögenssteuer ….
  • ein Verbot „der Verwendung von Steuergeldern für die Finanzierung von Wahlkämpfen“. (S 80 f)

Kaum zu glauben, aber die Mormomen in Kansas verurteilen doch tatächlich liberale Politiker für ihre Bemühungen, Frieden zwischen Israel und den arabischen Ländern zu stiften, da dies den Zeitpunkt des Herrn für seine Wiederkunft durcheinander bringen könnte (S 222)!

Bild: Was ist mit Kansas los?

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