Iran Regime Change

Februar 4, 2007 um 7:23 pm | Veröffentlicht in Anachronismen, Gesellschaft, Middle East, Skandale, World War IV | 1 Kommentar

Wenn die iranische Fahne weht, dann erkennt man zwischen einem grünen und einem roten waagrechten Streifen auf weißem Grund das rote kalligraphische Zeichen für „Allah“. Doch ab und zu sieht man auch noch eine andere Fahne – ebenfalls grün, weiß, rot gestreift, die einen Löwen zeigt, der ein aufgestelltes Schwert hebt. Dies, die Fahne der iranischen Opposition, wurde auch von der früheren Regierung, von der Schah-Dynastie verwendet. Ich schrieb bereits einen Beitrag darüber, dass zwischen dem mächtigen Richard Perle, einem der führenden Köpfe der Neocons und dem Sohn des Schah, Cyrus Reza Schah, eine Verbindung besteht.

Sieht man sich die Geschichte der Schah-Familie an, dann kann es der Aufmerksamkeit nicht entgehen, dass deren Herrschaft im Iran längst nicht so human war, wie behauptet. Schah Mohammed Reza Pahlavi (1919-1980) unterdrückte das Land nicht nur mit der gefürchteten Geheimpolizei Savak, sondern lebte auch sehr verschwenderisch, krönte sich selbst zum Kaiser und benutzte sogar den Pfauenthron:

Pfauenthron: Mit Pfauen aus Gold, Perlen, Edelsteinen verzierter Thron; 1628/1658 in Delhi im Auftrag des Mogulherrschers Schah Dschahan hergestellt, ging im 18. Jh. verloren. Der heute in Teheran befindliche P. (urspr. Sonnenthron) ist nach einer der Lieblingsfrauen (namens ‚Pfau‘) des Fath Ali Schah benannt (seit Ende des 18. Jh.).

Ebenso wie sein Vater, der das Tragen des Schleiers regelrecht verbot, zeigte sich Schah Pahlavi, was die religiösen Gefühle seiner Untertanen betraf, wenig sensibel. Er setzte sogar im Jahr 1976 einen neuen Kalender ein. Dieser ging nicht mehr wie in anderen islamischen Ländern auf den Propheten Mohammed zurück, sondern auf die Krönung des persischen Königs Kyros.

Über die grausame Geschichte des Herrscherhauses, dessen Herrscher sich mit Shahanshah (King of Kings) und Aryamehr (Licht of the Aryans) bietet ein Artikel im Archiv von Global Research eine gute Zusammenfassung auf Englisch. Der Autor dieses kritischen Beitrages über die Schahfamilie, John Stanton ist ein Autor aus Virginia, der über Politik und nationale Sicherheit schreibt. Er verfasste auch zwei Bücher (America 2004: A Power But no Super, Dandelion Books, LLC, 2004 und zusammen mit dem Betreiber der Anti-War-Homepage Counterpunch, Wayne Madson „America’s Nightmare: The Presidency of George Bush II, Dandelion Books, LLC, 2006).

Auf ihren Websites zeigen sich die Royalisten (jetzt im Umbau), ebenso wie die Mitglieder der Schahfamilie (Schah Reza II, Farah Dibah) als Sympathisanten und Unterstützer einer gewaltfreien Reformbewegung im Iran sind. In Kalifornien lebt nicht nur der Sohn des Schah, sondern auch eine große Anzahl von wohlhabende von Exiliranern, die Cyrus Schah als neue Gallionsfigur für die Oppositionsbewegung im Iran benutzen. Offiziell fordert und unterstützt Prinz Reza Pahlavi einen gewaltfreien Umsturz.

Doch inoffiziell arbeiten auch militärische Kräfte mit Unterstützung der USA an einem „Regime Change“ im Iran. Bei diesen heimlichen Verbündeten handelt es sich um eine höchst unerfreuliche Terroristengruppe, die Volksmudjahedin (People’s Mojahedin of Iran , PMOI) oder auch Mujahedin-e Khalq Organization (MEK or MKO). Eine genaue Beschreibung dieser Gruppe findet sich auf der Militärbeobachtungsseite von John Pike, USA, Virginia. MEK bemüht sich sowohl innerhalb der EU als auch in den USA um die Streichung ihres Namens von der Liste der unter „Terrorismus“ aufgeführten Organisationen zu erreichen.

Die jetzige Präsidentin von MEK, Maryam Rajavi, trat bereits 1970 dieser militanten Gruppierung bei und wurde, als die Gruppe 1981 nach Paris übersiedelte, von dieser an die Spitze gewählt. Das NCRI, das National Council of Resistence of Iran, welches auch von seriösen Zeitungen zitiert wird, organisierte im Juni 2006 Demonstrationen, an denen über 30.000 Teilnehmer teilnahmen.

Die Homepage der Friedensuniversität Kassel stellte eine scharfe Kritik von Bahmand Nimurand an den „Volksmudschaheddin“ online. Zusatzinformation über die MEK und deren Zusammenarbeit mit der CIA betreffend den Iran fand ich auch auf folgenden Seiten: The New American, Electronic Irak.

Der Überfall auf die US-Soldaten am 20. Januar 2007 in Karbala geschildert von der Anti-Warseite von Wayne Madson, Counterpunch:

The situation in the south of Iraq is no more reassuring. Five American soldiers were killed in the Shia holy city of Karbala last Saturday by gunmen wearing American and Iraqi uniforms, carrying American weapons and driving vehicles used by US or Iraqi government forces. A licence plate belonging to a car registered to Iraq’s Minister of Trade was found on one of the vehicles used in the attack. It is a measure of the chaos in Iraq today that US officials do not know if their men were killed by Sunni or Shia guerrillas.

Auch nach anderen Quellen hatten jene iranischen Soldaten, die im Irak die amerikanischen Soldaten töteten (CNN, NyTimes) amerikanische Uniformen an. Dies ist zu wenig Material, um daraus Rückschlüsse zu ziehen. Es ist aber blauäugig, anzunehmen, dass nur die islamische Regierungen im Mittleren Osten Terroristenkommandos unterstützen.

Der Beweis dafür, dass der Iran überhaupt in terroristische Aktivitäten im Irak regelrecht verwickelt ist, steht immer noch aus. Sogar das Council of Foreign Relations (CFR), die mächtige Schnittstelle zwischen der Wirtschaft, der Regierung und außenpolitischen Interessen, veröffentlichte auf seiner Homepage gleich zwei Artikel von Lionel Beehner darüber, dass es nicht richtig wäre, die Ursache für die Probleme im Irak lediglich im Iran zu suchen.

Trotzdem bleibt der Iran in der Ziellinie der USA. Sogar Zbigniew Brzezinski, Sicherheitsberater des früheren Präsidenten Jimmy Carter, meint, die Bush-Regierung suche einen Vorwand, um den Iran anzugreifen.

Auch heute, am 4. Februar 2007 warnen pensionierte Generäle vor einem Angriff auf den Iran (Iranmania):

The letter was signed by retired Army Lt. Gen. Robert Gard, a former military assistant to Defense Secretary Robert McNamara, retired US Marine Corps Gen. Joseph Hoar, a former commander in chief of US Central Command; and retired Navy Vice Adm. Jack Shanahan, a former director of the Center for Defense Information.

Auch der englische Premierminister Tony Blair wurde gebeten, seinen Einfluss dahin gehend geltend zu machen, um doch noch Frieden zu halten (Ananova).

Ich kann nur jeden bitten, der diese Zeilen liest, sich selbst anhand der angegebenen Quellen eine Meinung über das Geschehen zu bilden und Politiker und Medien anzuschreiben, um einen Krieg doch noch zu verhindern.


Bilder: Schah, Krone des Schah, Farah Diba, Krone von Farah Diba, Schah Cyrus Rheza II, Maryam Rajavi, Flugzeugträger

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  1. […] Wäre der Iran 2003 bereit gewesen, Israel anzuerkennen? Juli 14, 2007 at 2:17 nachmittags | In Middle East, USA, Without Clash, World War IV | Die Mullahs leben wie die Englische Queen als wandelnde Anachronismen in einer Zeit, in die sie einfach nicht mehr gehören. Schah Reza Pahlevi krönte sich einmal selbst wie Napoleon (Iranischer Kalender).Sein Sohn, Cyrus Reza Schah, wäre im Iran mit Sicherheit nicht willkommen (Posting1). […]


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