Antiwar.com, MEK und der Iran

Februar 6, 2007 um 8:53 pm | Veröffentlicht in Gesellschaft, Middle East, Skandale, Waffen, World War IV | Kommentare deaktiviert für Antiwar.com, MEK und der Iran

Immer wieder fiel mir bei meinen Recherchen die gut gemachte und umfangreiche Homepage der amerikanischen Anti-Kriegsorganisation „Antiwar.com“ durch ihre informativen und engagiert geschriebenen Artikel positiv auf. Antiwar.com deklariert sich in ihrem Impressum als eine Tochterorganisation des RBI (Randolph Bourne Institut).

Randoph Bourne war ein amerikanischer Gesellschaftskritiker, der im Ausbruch des ersten Weltkrieges und den Verträgen von Versailles die eigentlichen Ursachen für den späteren Aufstieg Hitlers sah. Diese Überlegungen, die von einigen Autoren weitergeführt wurden, stehen in großem Gegensatz zur oberflächlichen Auffassung, lediglich die Politik des Appeasement, welche Churchill Hitlerdeutschland gegenüber lange verfolgt hat, wäre schuld an der Vernichtung der Juden gewesen.

Antiwar.com ist eine Non-Profit-Organisation, die eine amerikanische Außenpolitik ohne Interventionen in andere Länder als den besten Weg sieht, zu einer friedlichen und wohlhabenden Welt beizutragen. Der Leiter der Redaktion, Justin Raimondo, bietet an, auf Wunsch Ansprachen zu halten.

Doch nun zur Terrororganisation MEK (National Council of Resistance of Iran), PMOI (People’s Mujahedin of Iran) bzw. NRCI (National Council of Resistance of Iran). Bereits im Jahr 2004 vermutete Antiwar.com eine Verbindung zwischen dem einflussreichen Neocon Richard Perle und MEK. Diese Gruppe ist in der MIPT, der Terrorism Knowledge Base der USA als FTO (Foreign Terror Organisation) sowohl unter ihrem Namen beschrieben als auch als eine der im Irak tätigen Terrororganisationen angeführt.

Die Vorsitzende Marjam Rajavi bezeichnet die Schirmorganisation NRCI als „Parlament“ und möchte sich nach einem Regierungswechsel im Iran gerne als Interimspräsidentin ausrufen lassen. Die Nähe dieser gewaltbereiten Organisation zur US-Regierung fand ich ebenfalls im BBC beschrieben. Auch im englischen Wiki setzte sich die Auffassung durch, dass MEK und NCRI nicht vertrauenswürdig sind. HRW (Humans Rights Watch) veröffentlicht einen umfangreichen Bericht über die brutalen Machenschaften dieser Organisation. Eine ausführliche Beschreibung der blutrünstigen Vergangenheit von MEK befindet sich im letzten Abschnitt des Textes auf dieser Adresse.

Einen wahrhaft schauerlichen Blick auf die Zusammenarbeit des amerikanischen Geheimdienstes mit MEK bietet ein Bericht von Stefan Fuchs „geheimer Waffenhandel mit MEK auf der Homepage von Readers Edition. Der unabhängige Journalist und Autor Knut Mellenthin behauptet, ein Großteil der US-Informationen über ein „Atomwaffenprogramm des Iran“ stamme von der MEK und stellt dabei auch einen Misstrauensantrag an die BND.

Auch Zeit-Fragen, das ist eine finanziell und politisch unabhängige Wochenzeitung für freie Meinungsbildung, Ethik und Verantwortung aus der Schweiz, berichtet von einer intensiven Zusammenarbeit zwischen MEK und der US-Regierung (Interpress). Beschrieben wird nicht nur, dass Vizepräsident Dick Cheney 2003 Verhandlungsangebote des Iran betreffend das Atomprogramm ausschlug, sondern auch, dass die iranische Regierung 2003 vorschlug, Listen über die Agenten der Al Qaida auszuhändigen, bekämen sie dafür Informationen über die im Irak stationierten Kader der MEK.

„Irak zum Zweiten“, meint Georg Mascolo zynisch im Spiegel zum Thema Iran. Womit er höchstwahrscheinlich Recht hat.

Bild: Persepolis

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