Jehan Sadat

Februar 7, 2007 um 6:27 pm | Veröffentlicht in Frauen im Islam, Gesellschaft, Middle East, Publikationen, Videos, Without Clash | Hinterlasse einen Kommentar

Von Jehan Sadat, der Frau von des ägyptischen Präsidenten Anwer el Sadat (1918-1981) erhältlich ist eine sehr schöne Biographie, und zwar „Ich bin eine Frau aus Ägypten, Heyne, 1991„. Jehan Sadat kam als Tochter einer Christin und eines Moslems in Ägypten auf. Obwohl sie in eine Missionsschule ging, konvertierte sie zum Islam. Tiefgläubige Muslima aus Überzeugung, beschreibt in diesem Buch, wie abhängig der Staat Ägypten bereits zu dieser Zeit von der Gunst der Großmächte war.

König Faruk I diente in gewisser Weise als korrupte Marionette der Briten, die damals noch ihre Truppen wider gegebenes Versprechen am Suezkanal stationiert hielten. Gamal abd el Nasser kam 1952 durch einen Staatsstreich an die Macht. Er gründete einen sozialistischen Staat, herrschte in diesem durch Härte und wendete sich nach zunächst prowestlicher Politik zum Ostplock. Er verbannte und verfolgte mit Härte die islamistische Organisation „Brotherhood“. Diese ging aber in den Untergrund und bildete dort radikalisierte Splittergruppen.

Der ihm als Präsident folgende Anwar el Sadat versuchte, in seinem Land Meinungsfreiheit zuzulassen und bemühte sich, westlich orientiert, sehr um Modernisierung. Um seinem Land und dem von Amerika – durch Lieferung modernster Waffen – stark gestützten Israel Leid und Blutvergießen zu ersparen und um einen Abzug der israelischen Truppen von der Halbinsel Sinai zu erreichen, anerkannte er den Staat Israel (Friedensvertrag von Camp David 1978). Der frühere Außenminister Henry Kissinger half damals bei den Truppenentflechtungsgesprächen.

Damit machte sich Sadat aber viele anderen arabischen Länder zum Feind, so z.B. Libyen. Diese Feindseligkeit führte zu einer Tragödie. Sadat wurde von extremen Mitgliedern der islamistischen „Brotherhood“, die sich damals an der islamischen Revolution unter Khomeini orientierte, durch ein professionell durchgeführtes Attentat ermordet.

Nach ihrer und auch ihres Mannes Anwer el Sadat Meinung erkennt der Islam sowohl Christen- als auch Judentum als Völker des Buches an. Sie und Sadat versuchten intoleranten Verhalten zu verhindern, wo sie es konnten. Ägypten war ursprünglich ein internationaler Knotenpunkt mit größeren Ausländerkolonien gewesen. Bedingt durch den World War II kamen sehr viele Flüchtlinge ins Land. Dies erboste die radikale „Brotherhood“, die wiederum Anschläge auf Ausländer und auch auf jüdische Geschäfte verübte. Israel brach in weiterer Folge den Friedensvertrag von Camp David dahingehend, dass es außerhalb der vorgesehenen Grenzen weitere Siedlungen errichtete.

Während dessen Regierungszeit machte Jehan Sadat dem ehemaligen Schah von Persien, Mohammed Reza Pahlevi, Vorwürfe, dass er zu luxuriös lebte. Als aber iranische Studenten Mitglieder der amerikanischen Botschaft im Iran als Geiseln gefangen hielten, bot Sadat dem mittlerweile an Krebs erkrankten Schah Asyl an und erlaubte Jimmy Carter auch, in Ägypten Flugzeuge zu stationieren, um einen – später missglückten Befreiungsschlag – im Iran durchführen zu können. Auch dies verärgerte fundamentalistischen Gruppierungen im Land. Diese attackierten die koptischen Gemeinden in Ägypten und versuchten, die Bevölkerung gegen Sadat aufzuwiegeln.

Jehan Sadat, die Magister- und Doktortitel in arabischer Literatur erreichte, setzte sich stark ein für Frauenrechte. Interessant ist, dass sie schreibt, dass es ihr gelang, die Unterstützung der zwölf konservativen Scheichs in Assiut für sich zu gewinnen, als sie die Frauen beim Scheidungsrecht deutlich besser stellte. Sie vertritt die Meinung, dass die Diskriminierung der Frau im Islam weniger in der Religion als in der Tradition verhaftet ist. Ihre Bemühungen um Familienplanung mit „weichen Mitteln“, also mit Werbung und Anregung zum Gebrauch von Verhütungsmitteln für kleinere Familien, Pensionen für ältere Leute, damit diese den Lebensabend unabhängig von der Unterstützung ihrer Kinder verbringen konnten, wurde ebenfalls von der offiziellen Seite des Islamrates toleriert. Jehan Sadat trug keinen Schleier und vertrat die Ansicht, dass es vor Allah „auf die Taten und nicht auf die Kleider ankommt“.

Jede Selbstkritik an unserer Gesellschaft beiseite – es ist doch ganz klar, dass die Frauenfrage der wundeste Punkt im Islam darstellt, die bei weitem nicht gelöst ist. Doch gerade die Biographie von Jehan Sadat zeigt, dass auf breiter Basis eigentlich nur dann positive Veränderungen bewirkt werden können, wenn der Frieden mit den Nachbarländern hergestellt, an der Lösung sozialer Probleme wirklich gearbeitet und eine positive Zusammenarbeit mit dem islamischen Klerus gesucht wird. Obwohl der Rahmen, was individuelle Freiheiten der Frau betrifft, sicherlich enger als bei uns ist, könnten – verfolgt man Jehan Sadats Gedanken weiter – gute Kenntnisse des Korans und seiner Geschichte den Frauen islamischer Männer sogar helfen, ihre Interessen besser zu vertreten als bisher.

Jehan Sadat lebt seit der Ermordung ihres Mannes zur Hälfte in Amerika und Kairo, teilt sich mit einem Professor an der University of Maryland den Anwar el Sadat-Lehrstuhl, hält in Amerika und Europa Seminare über die Lage der Frau in Entwicklungsländern. Dem Frieden in Nahost gilt aber ihr größtes Engagement: „Es ist das Erbe meines Mannes. Ich will die Menschen erinnern, dass es Männer wie Rabin und Sadat waren, die für ihr Idee vom Frieden mit dem Leben bezahlt haben“ (Weiterlesen: „Zu Besuch bei Jehan Sadat„).

Homepage: Jehan Sadat

Bilder: Ich bin Eine Frau aus Ägypten, Pyramiden



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