„Todeszylinder“ im Irak aus dem Iran?

Februar 10, 2007 um 10:00 pm | Veröffentlicht in Middle East, Skandale, Waffen, World War IV | Hinterlasse einen Kommentar

Im Auslandsteil des Spiegels las ich heute (10.2.2007) folgende Überschrift: „USA beschuldigen Iran als Lieferant für Todeszylinder.“ Der Text dazu:

Keine Waffe hat seit dem offiziellen Ende des Irak-Krieges mehr US-Soldaten getötet als der kleine Sprengzylinder am Straßenrand. Immer wieder sterben GIs durch die Sprengfallen der Milizen. Schuld daran ist aus Sicht der USA vor allem der Lieferant: Iran. (Quelle)

Die genaue Bezeichnung für diese Waffe lautet, wie ich herausfand, „explosively formed projectiles“ (EFP). Es handelt sich dabei um sehr starke Sprengsätze, die gezündet werden, wenn ein Objekt eine Lichtschranke durchquert.

Doch eigentlich wird diese Waffe, EFP, bereits seit mehreren Jahren hergestellt. Gibt man auf der Homepage der US-Militärbeobachtungsstelle von John Pike in das Suchfeld die Begriffe „EFP“ und „infrared“ ein, erhält man nicht weniger als 42 Einträge. Blättert man online in den Suchergebnissen weiter zurück, wurde diese Waffe bereits 1997 im entwickelt.

Rantburg, ein Online-Magazin, veröffentlichte bereits am 30.4.2006 eine Beschreibung über den Einsatz dieser Waffe, die auch von der Hisbollah im Libanon eingesetzt wird.

A multi-charged roadside bomb, developed by Hizbollah in Lebanon, is being used against British and American soldiers by Iraqi insurgents linked to Iran, according to military intelligence sources. The device consists of an array of up to five armour-piercing „explosively formed projectiles“ or EFPs, also known as shaped charges. They are fired at different angles at coalition vehicles, resulting in almost certain death for at least some of the soldiers inside.

Von diesem Artikel aus kann man auch eine sehr instruktive Illustration aufrufen.

Auch das englische Online-Magazin Telegraph veröffentlichte einen Artikel von Toby Harnden (29.4.2006) mit dem Titel: „Iraqis using ’new Hizbollah bombs‘ to kill British troops“, der eine genaue Beschreibung dieser ungewöhnlichen Waffe enthält.

In diesem Fall kann man keiner amerikanischen Undercover-Terrorgruppe wie MEK, keinem Geheimdienst die Schuld zuschieben, es handelt sich ganz offensichtlich um Waffen aus dem Iran, die von den Schiiten für ihren Kampf gegen die Sunniten, möglicherweise auch gegen die Besatzungsmächte USA und Großbritannien eingesetzt werden.

Leider ist der Handel mit Waffen international nicht verboten. Trotzdem: Die Bush-Regierung schockierten die Weltöffentlichkeit nicht nur mit ihrem völkerrechtswidrigen Einmarsch in den Irak, sondern auch damit, dass sie ihrerseits den Einsatz der bereits geächteten Landminen nicht verbietet. Im den jetzigen Kriegen wurde Giftgas eingesetzt, und zwar eine „Napalm Composition“, ebenso wie Phosphorbomben im Irak und thermobarische Bomben in Afghanistan. In beiden Ländern besteht der dringende Verdacht, dass radioaktiv verseuchte Waffen, Depleted Uranium (DU) mit Folgeschäden für die Zivilbevölkerung eingesetzt wurde.

Sowohl Giftgas als auch thermobarischen Bomben sind nach den Regelungen der Genfer KonventionenGeächtete Waffen“. Man müsste also, bevor der Iran verurteilt wird, nachsehen, wieweit Mitglieder der iranischen Regierung überhaupt in den Verkauf involviert waren, ob nicht Mitglieder der jetzigen regulären Regierung des Irak diese Waffen kauften, ob für den Waffenhandel zwischen Irak und Iran spezielle Verbote bestehen und ob es sich bei „EFP“ um eine „geächtete Waffe handelt. Letzteres scheint zumindest (leider) ausgeschlossen. Selbst dann, wenn – wie berichtet – eine Waffenlieferung aus dem Iran von der US-Army abgefangen wurde, heißt dies noch nicht, dass damit ein Gesetz übertreten wurde und dass diese Waffen wirklich für Terroristen bestimmt waren.

Darüber hinaus sollte die unangenehme Begegnung mit EFP daran erinnern, dass der Iran seinerseits moderne Waffen aus China ebenso wie aus der Sowjetunion bezieht und dass es für jeden Aggressor sehr unangenehme Folgen haben könnte, dieses mächtige Land anzugreifen.

Eine ganz wesentliche Maßnahme, um die „Security“ auf unserem Planeten zu verbessern, könnte allerdings sein, dass die Bestimmung der UNO-Charta eingehalten werden, dass der weltweite Handel mit Waffen stark eingeschränkt wird und dass gerade die westlichen Länder einen Großteil der vorhandenen Waffen verschrotten.

Bild: Fahne Irak

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