Walt Disney

Februar 12, 2007 um 5:53 pm | Veröffentlicht in Anachronismen, Gesellschaft, Publikationen, Without Clash | Hinterlasse einen Kommentar

Wenn jemand in Deutschland oder Österreich als „Antisemit bezeichnet wird, dann besitzt diese Bezeichnung unterschwellig die gleiche Bedeutung wie „Nationalsozialist“, also Kriegsverbrecher und Massenmörder. Man kann davon ausgehen, dass eine solche Anrede beleidigend gemeint ist. Obwohl eine antisemitische Einstellung der betreffenden Person genauso wenig Ehre macht wie eine islamophobe, muss diese extrem negative Einschätzung nicht unbedingt berechtigt sein. Dies möchte ich an einem konkreten Beispiel einer sehr bekannten und prominenten Persönlichkeit zeigen (Eva Schweitzer, Amerika und der Holocaust, Knaur, 2004).

Kaum zu glauben, ausgerechnet der Zeichner von Filmen wie „Bambi“ und „Schneewittchen“, Walt Disney war Antisemit! Der beliebte Filmemacher wetterte über jüdisch kontrollierte Gewerkschaften, die den Kapitalisten das Leben schwer machten. Er feuerte sogar einen Zeichner, als er herausfand, dass dieser Jude war. Und seine Tochter schickte er auf eine Privatschule, die keine Juden aufnahm (S 170).

Walt Disney war überzeugter Isolationist und Mitglied des America First Comittee, das gegen den Kriegseintritt der USA agierte. Er nahm an der Seite des Atlantikfliegers Charles Lindbergh an Demonstrationen der America Firsters in New York und anderen Städten teil.

Er war auch mit jenem Henry Ford befreundet, der zuerst „Dearborn Independent“, darin enthalten die „Protocols of the Elders of Zion“ herausgab (S 20, S 177). Die Cartoons „The Führers Face“, in dem Donald Duck den „Führer“ verspottet, waren, wie die anderen „patriotischen Animationen“, die Walt Disney drehte, bezahlte Auftragsarbeit (S 187).

Wäre von uns jemand bereit, auf Mickey Mouse und Donald Duck, auf die Freizeitparks, auf die wunderschönen Naturfilme von Walt Disney zu verzichten? Natürlich wäre es sinnvoll, soweit wie möglich überall auf der Welt gewaltbereite Organisationen bzw. die Werbung für diese zu verbieten – keine Frage. Insgesamt sollten geschichtliche Darstellungen in Medien und Lehrbüchern – jetzt generell gesehen – grundsätzlich korrekt sein. Aber darüber hinaus müsste man darüber nachdenken, regelrechte „Nazihysterie“ abzubauen und sich darum bemühen, auch in Israel ein Land zu sehen, welches Rechte und Pflichten hat wie jedes andere.

Bilder: Walt Disney, The Führers Face, Puma

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