Lügen im Heiligen Land

Februar 24, 2007 um 8:50 pm | Veröffentlicht in Middle East, Publikationen, Without Clash, World War IV | 1 Kommentar

Zunächst einige Informationen zum Autor Peter Scholl-Latour: Dieser wurde 1924 in Bochum geboren. Neben seiner Promotion an der Sorbonne erwarb er an der Libanesischen Universität Beirut das Diplom für arabische und islamische Studien. Seit 1950 arbeitet er als Journalist, u.a. viele Jahre als ARD-Korrespondent in Afrika und Indochina und ARD-Studioleiter in Paris, Fernsehdirektor des WDR und Herausgeber des „stern“.

Seit 1988 ist er als freier Publizist tätig. Seine TV-Sendungen über die Brennpunkte des Weltgeschehens finden höchste Einschaltquoten und Anerkennung, seine Bücher sind allesamt Bestseller, die ich in der Bücherliste angeführt habe.

Die Bücher von Peter Scholl-Latour sind nicht nur fachlich kompetent, sondern obendrein auch sehr spannend und flüssig geschrieben. Peter Scholl-Latour berichtet nahezu ausschließlich von dem, was er selbst vor Ort gesehen hat und von Gesprächen, die er mit bekannten Persönlichkeiten selbst führen konnte. Zusätzlich beruft er sich auf sein Netz beruflicher Kontakte, dass er sich in langen Jahren als Kriegsberichtserstatter aufbauen konnte.

Auch als Taschenbuchausgaben erhältlich, kann man seine Bücher sehr billig kaufen. Ein weniger fähiger Autor als Peter Scholl-Latour käme auf die Idee, aus dem Fachwissen, welches dieser auf einer Seite flüssig und verständlich vermittelt, gleich ein ganzes Buch zu schreiben. Daran muss – dies schicke ich meinen Ausführungen voraus – jede „Inhaltsangabe“ seines dicht geschriebenen Buches „Lügen im Heiligen Land“ scheitern. Ganz kurz nur einige Points aus seinem Buch „Lügen im Heiligen Land, Machtproben zwischen Euphrat und Nil“, Goldmann, München, 2000 zum Land Israel:

Der Staat Israel bezieht seine Existenzberechtigung in erster Linie aus dem Alten Testament, also eigentlich aus religiösem Fundamentalismus. Dies führt aber dazu, dass in Israel nicht nur der jüdische Fundamentalismus eine Heimat gefunden hat, sondern dass parallel dazu auch der islamische bzw. islamistische automatisch geschürt wird.

Der Staat Israel zerfällt nicht nur in jüdische und arabische Staatsbürger, sondern bereits das Judentum selbst zerfällt in das weltliche „Samaria“ und das streng religiöse „Judäa“. Nicht nur, dass die altmodischen „Haredim“ einen schwarzen Hut auf dem Kopf tragen und sich Koteletten wachsen lassen – die Frauen sind sogar der Vorschrift des „Scheitel“ treu geblieben und vermummen sich fast noch unkleidsamer als iranische Frauen in ihrem Tschador.

Diese ebenso altmodische wie überzogene Strenggläubigkeit erzeugt Probleme. Nicht nur, dass Sittenwächter dafür sorgen, dass am Sabbat nicht gearbeitet wird, sondern auch die in Israel sehr wichtige Wehrpflicht wird von dieser Gruppe nicht akzeptiert. Ein Teil der weltlich gesinnten Juden würde sich gerne am „American Way of Life“ orientieren. Die russischen Einwanderer sind in erster Linie materiell orientiert.

Israel ist sehr stark bevölkert. Trotzdem möchte Israel die hohe Anzahl der Einwanderer von 800.000 auf zwei Millionen erhöhen. Sehr viele Palästinenser wanderten bedingt durch die restriktive Politik Israels in die benachbarten islamischen Länder aus. Während des zweiten Golfkrieges – (G.W.B. sen. – Saddam Hussein) kritisierte jedoch Palästinenserführer Jassir Arafat den Angriff der US-geführten Militärkoalition auf den Irak. Dies hatte zur Folge, dass zugewanderte Palästinenser aus den Golfstaaten – z.B. Bahrein ausgewiesen wurden und wiederum nach Israel zurückkommen mussten. Die Anzahl der Palästinenser, die insgesamt im Rahmen der oberflächlich formulierten „Roadmap“ den Anspruch auf Rückwanderung erheben könnten, schwankt je nach angewendeter Berechnung sehr stark.

Die Golan-Höhen wurden von den Israeli trockengelegt und kultiviert. Peter Scholl-Latour schreibt, dass General Moshe Dayan ursprünglich gar nicht die Absicht hatte, die Golan-Höhen im „Sechs-Tage-Krieg“ zu annektieren und dass er diese sie als relativ unwichtig für die Sicherheit des Landes betrachtete. Dies vertraute er 1976 einem Reporter, Rami Tal, an. Seine Tochter bestätigte diese Angaben (S 252). Peter Scholl-Latour weist aber gleich auf der nächsten Seite (S 253) darauf hin, dass die Kontrolle der Golan-Höhen im „Jom-Kippur-Krieg“ einen Vorteil gebracht hätte. Den Verträgen entsprechend müssten die Golan-Höhen an Syrien zurückgegeben werden.

Der Gedanke an einen unabhängigen Palästinenser-Staat ist nicht realistisch. Das Westjordanland bzw. andere mögliche Wohngebiete wurden bereits durch breit angelegte Anfahrtsstraßen hoffnungslos zerstückelt. Gesetzt den Fall, man würde dem Ghaza-Streifen den Bau eines unabhängigen Hafens gewähren, dann bestünde sofort Gefahr, dass die Palästinenser vermehrt Waffen einführen könnten, ebenso wie auch insgesamt ein unabhängiger Palästinenserstaat dazu führen könnte, dass ein auf diese Art und Weise entstandenes Palästina seine Rechte vor dem Weltsicherheitsrat in einer für Israel sehr unangenehmen Art und Weise geltend machen könnte.

Seiner Auffassung nach bestehen zwischen der Hamas und der Schiitenorganisation Hisbollah ganz wesentliche Differenzen. Eine andere schiitische Organisation im Libanon, die „Amal“ wurde zunächst von einem sehr charismatischen Führer geleitet, und zwar von Imam Musa Sadr. Dieser Musa Sadr, ein Lieblingsschüler Khomeinis, reiste einmal nach Libyen. Von dort kam er niemals wieder zurück. Khomeini vergab dies weder al-Gaddafi noch Arafat.

„Wer deshalb glaubt, von einer hemmungslosen Unterstützung von Fatah- und Hamas-Terroristen durch die islamische Republik Iran redet, ist unzureichend informiert.“ (S 364).

Der Hass zwischen der jüdischen und der arabischen Bevölkerung hat ein zu großes Ausmaß erreicht, um doch noch an eine friedliche Lösung glauben zu können. In seinem Buch kann es sich Peter Scholl-Latour nicht vorstellen, dass vorhandene Konflikte aufgearbeitet werden können. Er beschreibt den Islam als eine Religion, die es den Angehörigen erlaubt, mit Hilfe der „Taqiya“ den Ungläubigen falsche Hoffnung zu machen und warnt vor falscher Gutgläubigkeit ebenso wie vor romantischen Illusionen.

Trotzdem schreibt er mit sehr viel Achtung vor den Moslems. Es kommt ihm nicht einmal in den Sinn, Moslems einfach pauschal als „Nazis“ abzuqualifizieren oder die islamische Religion so derartig in den Dreck zu ziehen, wie dies zur Zeit von den „Freunden Israels“ gemacht wird. Seiner Meinung nach lässt sich der Knoten nicht lösen:

Entweder lässt sich Israel auf die unrealistischen Friedensbestimmungen eines Shimon Peres ein, es räumt nicht nur die Golan-Höhen, sondern auch die West-Bank, öffnet die Grenzen eines voll funktionierenden Palästinenserstaates nach allen Seiten und steuert somit dem eigenen Untergang zu.

Oder die jetzige Regierung hält an der Zersplitterung des Palästinensergebietes fest, schnürt alle Zugänge zum autonomen Gebiet ab, verweigert der PLO alle Entscheidungsbefugnisse und verurteilt die Araber zu einer würdelosen Situation in einem arabischen „Homeland“ (S 429).

Bild:Peter Scholl-Latour

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  1. […] Ein weiterer Engpass wurde dadurch geschaffen, dass PLO-Führer Arafat durch seine Kritik am Golfkrieg II in den USA in Ungnade fiel. Die umliegenden arabischen Staaten wünschten keinen Ärger mit G.W.B. sen. und wiesen die zugewanderte Palästinenser aus (siehe auch Posting). […]


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