Böse Amis, arme Mullahs – oder umgekehrt?

März 31, 2007 um 6:27 pm | Veröffentlicht in Middle East, Publikationen, Skandale, Waffen, Wirtschaft, World War IV | 4 Kommentare

Journalist Claus Christian Malzahn nahm im Artikel „Böse Amis, arme Mullahs“ zu der Tatsache Stellung, dass der Großteil der Deutschen die USA für gefährlicher hält als den Iran (28.3.2007, Spiegel). Dabei mokiert er sich über die Leichtgläubigkeit der Deutschen, darüber, dass es für Politiker einfach ist, über die zur Zeit unbeliebte Regierung zu lästern, obwohl doch die Iraner an der Atombombe basteln, Israel auslöschen wollen und unkeusche Frauen hinrichten lassen. Christian Malzahn geht mit seinem beißenden Spott sogar so weit, für die Deutschen eine neue „Re-education“ zu empfehlen, also eine Umschulungsmaßnahme wie jene, die nach dem zweiten Weltenkrieg im Rahmen der Entnazifizierung durchgeführt wurde. Dies möchte ich hier nicht unwidersprochen lassen.

Wer sich die Zeit nimmt, könnte dahingehend kontern, dass man mit der „chinesischen Regierung“ spricht, obwohl diese viel schlimmere Menschenrechtsverletzungen begeht als das „Mullahregime“. Abgesehen davon bezieht Israel mit etwa 150 Atomsprengköpfen genug Kapazität, um den Iran in wenigen Stunden zur Gänze in Schutt und Asche zu legen, sodass die Sicherheit Israels ohnehin nicht auf dem Spiel steht. Aber auf diese Details möchte ich hier gar nicht eingehen. Das Lachen würde selbst einem Amerika-Fan wie Christian Mahlzahn im Hals stecken bleiben, wenn er sich die Entwicklung des iranischen Nuklearprogrammes genauer ansieht.

Iran unterzeichnete den NPT (Non Proliferation Treaty), einen Vertrag, der die Nichtverbreitung von Atomwaffen vorsieht, den aber Israel, Indien und Pakistan von vornherein ablehnten, auf deren Einhaltung aber ganz besonders Israel und die USA dringen. Es störte also, dass nach einem Bericht der IAEO bekam der Iran bereits in den 80er-Jahren pakistanischen Mittelsmännern zum Bau von Gaszentrifugen, in denen Uranium bis zur Atomwaffenfähigkeit angereichert werden konnte (19.22.2005, WEB.de). Verantwortlich dafür gemacht wurde der pakistanische Wissenschaftler Abdul Qader Khan ,der mittlerweile in seinem Heimatland unter Arrest gestellt wurde. Dies ist die offizielle Darstellung. Inoffiziell aber förderte doch tatsächlich eine US-Panne das iranische Nuklearprogramm in großem Ausmaß.

Ein angesehener Reporter der New York Times, James Risen, machte sich Gedanken darüber, wie sicher es eigentlich ist, dass geheime Informationen des CIA nicht dem Feind in die Hände fallen. Das Ergebnis seiner umfangreichen Recherchen über verdeckte Operationen des CIA veröffentlichte er in dem Buch State of War: The Secret History of the CIA and the Bush Administration, Free Press, 2006.

Zwei seiner Berichte betreffen auch den Iran. Obwohl es unwahrscheinlich ist, dass der Iran Atomwaffen gegen ein anderes Land einsetzen würde, kann man – zugegeben – nur sehr schwer leugnen, dass der Iran gerne Atomwaffen hätte. Um dies zu verhindern, sollten dem Iran frisierte US-Pläne verkauft werden. Die Idee war, dem Iran beim Bau einer fehlerhaften Bombe zu helfen, die das Land Zeit und Geld kosten würde. Es kam alles ganz anders.

Der russische Agent, der die Pläne überbringen sollte, bemerkte die Fehler in den Plänen. Da er selbst Spezialist war, besserte er die fehlerhaften Unterlagen ordentlich und gründlich aus und übergab sie in tadellosem Zustand. Die Operation Merlin – das war der Decknahme für dieses fragwürdige Unternehmen, führte also dazu, dass der Iran die Unterlagen für Atomtechnologie sozusagen frei Haus geliefert bekamen.

Als nächstes beschreibt James Risen, wie eine fehlgeleitete E-Mail zur Enttarnung sämtlicher CIA-Agenten im Iran führte. Dies führte natürlich für die Betroffenen zu bösen Konsequenzen.

Beide Skandale erregten weltweit Aufsehen und wurden sogar in der englischen Zeitschrift Guardian kolportiert (James Risen, 5.1.2006, George Bush insists that Iran must not be allowed to develop nuclear weapons. So why, six years ago, did the CIA give the Iranians blueprints to build a bomb?, Julian Borger, 5.1.2006, US blunder aided Iran’s atomic aims, book claims). Das Buch wurde vom CIA Public Affairs Office heftig angegriffen. Vor allem wurde beanstandet, dass die Angaben darin auch auf anonymen Quellen beruhen.

Man erinnere sich in diesem Zusammenhang an Judith Miller, an jene Journalistin der New York Times, die ihre Quelle betreffend den Bericht über die Agentin Valerie Plame nicht angeben wollte. Sie wurde in Handschellen gelegt und ins Gefängnis geworfen. Als sie sich dazu überreden ließ, ihren Informanten preiszugeben, führten die Spuren direkt in den engeren Kreis der Regierung, zu Karl Rove, den Werbemanager und Berater von G.W.B., Vizepräsidenten Dick Cheney. Wie man weiß, wurde Stabchef Scooter Libby, der ebenfalls infolviert war, mittlerweile angeklagt und verurteilt (Buchtipp: Joseph Wilson, The Politics of Truth: A Diplomat’s Memoir: Inside the Lies that Led to War and Betrayed My Wife’s CIA Identity, B&T, 2004) .

Die Durchsetzung der Regelung, dass in Zukunft Zeitungsjournalisten ihre anonymen Quellen angeben müssen, wurde vielfach als ernst zu nehmender Angriff auf die freie Presse gewertet. Die Journalisten bemängeln, sie würden auf diese Art und Weise zum Schaden der Öffentlichkeit die Zusammenarbeit wichtiger Informanten verlieren. Schließlich und endlich wäre, so argumentierten sie, die Aufdeckung des Watergate-Skandals bzw. das Impeachment von Präsident Nixon auch einem anonymen Informanten zu verdanken (8.7.2005, TAZ, Anmerkung: Der Informant, Mark Felt, meldete sich inzwischen).

Eines der weiteren Themen, auf das James Risen in seinem Buch eingeht, sind – mittlerweile bekannt – Abhörskandale in großem Ausmaß. An dieser Stelle möchte ich auf ein weiteres Detail verweisen, und zwar darauf, dass auch die IAEO in Wien abgehört wurde, weil El Baradais Versuch, zwischen der USA und dem Iran zu vermitteln, den Neocons der USA ohnehin ein Dorn im Aug war (23.12.2004, Europolitan).

Zurück zum Thema Atombomben und Middle East. Der Iran zeigte sich immerhin dahingehend kooperativ, als dass er strittige Baupläne (Iran: Chronik wichtiger Ereignisse, Abschnitt 14. – 20. November) an die IAEO zurückgab. Doch mittlerweile sorgte eine neue Panne für Hektik. Eine Vielzahl irakischer Dokumente, die das US-Verteidigungsministerium ohne nähere Durchsicht im Internet veröffentlicht wurde, enthielt auch Anleitungen für den Bau einer Atombombe! Man hatte gehofft, dass die Öffentlichkeit zur Analyse der Papiere beitragen konnte. Erst eine Anfrage der New York Times brachte den Stein ins Rollen. Die Dokumente wurden restlos vom Netz genommen (Netzpolitik, Focus.de).

Vielfach hört man die Frage: „Warum hört denn der Iran nicht ganz einfach auf, Uran anzureichern?“ Wenn man genau hinsieht, bewaffnete sich eigentlich Israel hinter dem Rücken der Weltöffentlichkeit mit Atombomben. Für die Operation Ajax, also für den Sturz des demokratisch gewählten Iran-Präsidenten Dr. Mossadegh durch die Amerikaner, fehlte jede Legitimation durch das Völkerrecht. Im 1. Golfkrieg zwischen dem IIran und dem Irak schürte Amerika die Differenzen und unterstützte den irakischen Präsidenten Saddam Hussein massiv mit Logistik, Daten und Bewaffnung. Inoffiziell wurde bereits während der Regierungszeit Präsident Bill Clintons über Interesse an dieser Region gesprochen. Bereits im Jahr 2001 wurde eine „Coalition for Democracy in Iran“ gebildet, sodass man von einer Countdown Timeline Iran sprechen kann. Bereits Anfang Jänner 2005 veröffentlichte der bekannte Enthüllungsjournalist Seymour Hersh in „The coming wars“ darauf hin, dass die Vorbereitungen für einen Angriff auf den Iran bereits im Gang sind (24.1.2005, The New Yorker).

Die neue Agenda der Neocons sieht vor, dass es nicht mehr die Sache der USA ist, zu beweisen, dass ein Land völkerrechtswidrig WMD´s entwickelt, sondern dass es die Sache eines missliebigen Staates ist, zu beweisen, dass es keine besitzt. Ein passendes Zitat zu diesem Thema vom früheren Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, noch betreffend den Irak:

„Die Tatsache, dass die Inspektoren noch keinen neuen Beweis für das irakische Massenvernichtungswaffen-Programm gefunden haben, könnte an sich ein Beleg für Iraks Nichtkooperation sein. Wir wissen, dass der Irak seine Programme so gestaltet hat, dass sie auch in dem Kontext von Inspektionen weiter geführt werden können und dass sie in Strategien des Verbergens und Täuschens geübt sind.“ (Quelle)

Insgesamt gesehen, entspricht es nicht dem Sinn des NPT, des Atomwaffensperrvertrages, dass dieser dazu genutzt wird, um unter fadenscheinigem Aufmarsch den Einmarsch in ein fremdes Land zu legitimieren (IAEO).

Andererseits könnte aber der Iran, nicht einmal, wenn er es wollte, verhindern, dass US-Bauanleitungen für Atombomben am Schwarzmarkt oder im Internet auftauchen könnten. In früheren Ländern des Ostblocks fehlt das Geld, um Waffenlager ausreichend zu schützen (Readers Digest, August 2003, Gefahr im Verzug, Michael Crowley, S 69 ff, Michael Moore & Kathleen Glynn, Hurra, Amerika, Adventures in a TV Nation, Piper, S 168, „Mikes Rakete“). Kaum zu glauben, aber Atombomben gingen sogar schon verloren. (Broken Arrow, Did you know).

Zugegeben, auch die anderen US-Präsidentschaftskandidaten – Obama Barack und Hillary Clinton – würden darauf bestehen, dass der Iran seine umstrittene Urananreicherung einstellt. Beide wären aber möglicherweise zu ehrlicheren Verhandlungen bereit als G.W.B., sodass auch der Iran für sein Überleben als souveränes Staatsgebiet eine reelle Chance sehen kann.

Kombiniert man also, insgesamt gesehen die Idee der Beweislastumkehr, die Schikanen, gegenüber der Presse, den Abhörskandal der IAEO, die Ungereimtheiten auf dem Waffenmarkt mit der historischen Entwicklung der Beziehungen zwischen den USA und dem Iran, dann sollte sogar Christian Mahlzahn klar werden, dass der Iran nicht so einfach verurteilt werden kann, wie er es gerne hätte.

Einen sehr interessanten Artikel von Elizabeth Holzmann fand ich inzwischen in der bekannten US-Zeitschrift Foreign Policy 3/2007:

The Case Against George W. Bush


Ihre ehrlichen und in humaner Gesinnung geschriebenen Ausführungen treffen den Nagel genau auf den Kopf. Es sollte vielleicht einer Überlegung wert sein, „Re-education“ im Sinn von Freiheits- und Friedenserziehung zur Bekämpfung von „Warmongern“ einzusetzen. (Anmerkung: Former Congresswoman Elizabeth Holtzman, a member of the House Judiciary Committee during the Nixon impeachment hearings, is coauthor with Cynthia L. Cooper of The Impeachment of George W. Bush: A Practical Guide for Concerned Citizens. She currently practices law in New York City.)

Bilder: State of War: The Secret History of the CIA and the Bush Administration , Judith Miller, The politics of truth

Gefahr im Persischen Golf

März 29, 2007 um 10:11 pm | Veröffentlicht in Middle East, Skandale, Waffen, World War IV | Hinterlasse einen Kommentar

Nach wie vor stehen die Zeichen im Persischen Golf auf Sturm:

WASHINGTON DC, — The long awaited US military attack on Iran is now on track for the first week of April, specifically for 4 am on April 6, the Good Friday opening of Easter weekend, writes the well-known Russian journalist Andrei Uglanov in the Moscow weekly “Argumenty Nedeli.” Uglanov cites Russian military experts close to the Russian General Staff for his account.

The attack is slated to last for 12 hours, according to Uglanov, from 4 am until 4 pm local time. Friday is the sabbath in Iran. In the course of the attack, code named Operation Bite, about 20 targets are marked for bombing; the list includes uranium enrichment facilities, research centers, and laboratories. (Operation Bite: April 6 sneak attack by US forces against Iran planned, Russian military sources warn, Mon, 26 Mar 2007, Webster G. Tarpley, The Intelligence Daily).

Zur Eskalation des Konfliktes in den letzten Tagen kam es, als 15 Marineangehörigen am Freitag, dem 23.3.2007 vor der Südküste des Irak von Mitgliedern der iranischen Revolutionären Garden gefangen genommen worden. Unklar blieb, ob die Gefangennahme in iranischen oder in irakischen Hoheitsgewässern erfolgt ist. Niemand weiß zur Zeit, wann und unter welchen Bedingungen die Gefangenen, unter denen sich auch eine Frau befindet, wieder freigelassen werden können.

Wie man weiß, sind die Verhältnisse zwischen USA und Teheran seit der islamischen Revolution im Jahr 1979 unter Ayatollah Khomeini gespannt und von Krisen geprägt. Wesentlich weniger Aufsehen als die spektakuläre Geiselnahme der 50 US-Botschafter in Teheran durch iranische Studenten und die jetzige Gefangennahme der Briten erregte ein Zwischenfall im Persischen Golf, bei dem von dem US-Flugzeugträger VINCENNES aus ein iranischer Airbus abgeschossen wurde:

On 20 April 1988, during Fleet Exercise 88-1, VINCENNES was given unexpected orders to proceed back to San Diego and make preparations to leave on a six month deployment. One month later, the ship entered the Persian Gulf, to become part of the Joint Task Force in the Persian Gulf. During the course of this assignment it made fourteen transits of the Straits of Hormuz in support of Operation Earnest Will.

On July 3, 1988, during Operation Earnest Will, VINCENNES was situated in the Persian Gulf when the cruiser shot down an Iranian commercial Airbus A300B2-202 (Iran Air Flight 655) after mistaking it for an Iranian F-14. The total of 290 dead civilian passengers, included 66 children.

On February 22, 1996, the US agreed to pay Iran $61.8 million in compensation ($300,000 per wage earning victim, $150,000 per non wage earner) for the 248 Iranians killed in the shootdown (Quelle).

Die Grenzen, innerhalb der die Gefangennahme stattfand, sind strittig, da nach dem Iran-Irak-Krieg niemals eine Einigung erfolgte und das Schiff sich angeblich näher der iranischen Küste befand (Quelle).

Ostern im Fernsehen

März 29, 2007 um 9:59 pm | Veröffentlicht in Gesellschaft, Middle East, Publikationen, Skandale, World War IV | Hinterlasse einen Kommentar

Wie geschmackvoll, den Angriff auf den Iran ausgerechnet zu Ostern anzusetzen! Auf die Gefahr hin, banal zu werden, kam mir der Gedanke, dass Jesus, der Begründer der christlichen Religion vor 2000 Jahren ohne Rechtsschutz gefangen, gefoltert und bestialisch getötet wurde. Das moderne Strafrecht in den europäischen Demokratien unterscheidet sich vom damaligen römischen Recht in erster Linie dadurch, dass jeder Angeklagte das unantastbare Recht auf Verteidigung, auf menschenwürdige Behandlung und Leben besitzt. G.W.B. dreht durch die Art und Weise, wie er mit missliebigen Gefangenen umgeht, die Zeit weit zurück, bis zur Zeit, in der Sandalenfilme spielen.

Von diesen Sandalenfilmen stehen etliche wie „Die 10 Gebote“ oder „Ben Hur“ mit Charlton Heston fast jedes Jahr zur Osterzeit auf dem Programm.

Fast könnte man über diese schönen alten proisraelischen Filme vergessen, dass der jetzige Minister für Strategische Planung und Vize-Regierungschef Israels Avigdor Lieberman ein sehr gefährlicher Mensch ist und dass der Schweizer Friedensforscher und Spezialist für verdeckte Kriegsführung Daniele Ganser als weiterer seriöser Bush-Kritiker die offizielle Darstellung von 9/11 ziemlich gründlich zum Einsturz gebracht hat (siehe auch Posting).

Kinofreunde können sich aber auch daran erinnern, dass Charlton Heston als Schauspieler in dem Science Fiction Thriller „Der Planet der Affen“ mitgewirkt hat. Die traurige Handlung des Filmes besteht darin, dass die Affen die Herrschaft auf der Erde übernahmen, nachdem die Menschheit dumm genug war, durch einen Atomkrieg Zivilisation und Fortschritt ein Ende zu setzen. „Warmonger“, die diesen Film noch nicht gesehen haben, sollten dies dringend nachholen.

Bilder: Ben Hur, Planet of Apes

Four Point Plan For The Middle East

März 29, 2007 um 4:49 am | Veröffentlicht in Gesellschaft, Middle East, Skandale, Without Clash, World War IV | Hinterlasse einen Kommentar

Die Ziele und die Vorgangsweise der US-Regierung kurz und humorvoll zu erklären, nahm sich Mrs. Betty Bowers vor. Mit wenigen vergnüglichen Zeichnungen und kurzen Worten fasste sie das Geschehen im Mittleren Osten zusammen:

Four Point Plan For The Middle East

Zionismus

März 28, 2007 um 7:18 pm | Veröffentlicht in Anachronismen, Democrats, Middle East, Publikationen, Skandale, Without Clash, World War IV | Hinterlasse einen Kommentar

Manchmal recherchierte ich nicht direkt, sondern surfte ganz einfach und ließ mich dabei im Internet treiben. Dabei bemühte ich mich, von keinem durch Vorurteile bereits fixiertem Standpunkt auszugehen, sondern sah mir auch manchmal Seiten an, deren Inhalt meinem bisheriges Weltbild widersprach.

So stieß ich eines Tages ganz nebenbei auf die Veröffentlichungen von Lenni Brenner.

Lenni Brenner: Lebenslauf Wiki
Lenni Brenner: Bücher
Lenni Brenner: Zionism in the Age of Dictators
Lenni Brenner: The Iron Wall

Ebenfalls als sehr massiver Kritiker des Staates Israel gilt Israel Shahak:

Israel Shahak

Oberflächliche Leser verwechseln Israel Shahak entweder gerne entweder mit Yitzhak Shamir, dem Premier-Minister von Israel von 1983 bis 1984 und nochmals von 1986 bis 1992 oder mit Israel Shamir, der die optimistische Meinung vertritt, Israel könnte als Demokratie nach dem Prinzip „One Man – One Vote“ funktionieren.

Wer Zusatzinformationen zu diesem Spezialthema sucht, kann auch in einem älteren Buch des bekannten Bruno Brehm, Am Rande des Abgrunds, Leopold Stocker Verlag, 1950 im Kapitel „Folke Bernadotte“ S 612 ff nachlesen, dass es bei der Gründung Israls nicht unbedingt sanft zuging.

Sehr gute und detaillierte Informationen über den Zionismus bietet die Homepage von Hagalil:

Hagalil.com: Zionismus

Mir fehlen die Worte, um einen derartigen Skandal zu kommentieren und auch die Lust, an dieser Stelle Bilder einzufügen. Die meisten Details über die Entstehung des Staates Israel in den oben aufgeführten Veröffentlichungen sind bei uns zur Gänze unbekannt. So erinnere ich nur kurz an das bekannte Zitat aus „Hamlet“ von Shakespeare: „Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde als eure Schulweisheit sich träumt.

Dies bringt mich zurück nach Persien. In einem Weblog der WAMS las ich vor einigen Monaten, dass die Wissenschafterin Hildegard Hammerschmidt Hummel behauptet, neue Details über das Privatleben des Dichters Shakespeare herausgefunden zu haben. Sie glaubt, im Bild des Malers Gheeraert ’ ‘Persian Lady’ das Vorbild für ihres Shakespeares große Liebe “Dark Lady” -gekleidet nach der damals üblichen “Persienmode” – gefunden zu haben. Die Dame hieß ihrer Meinung nach Elizabeth Wriothesley, geb. Vernon, Gräfin von Southampton:

The restles swallow fits my restles minde,
In still revivinge still renewing wronges;
her Just complaintes of cruelty unkinde,
are all the Musique, that my life prolonges.
With pensive thoughtes my weepinge Stagg I crowne
whose Melancholy teares my cares Expresse;
hes Teares in sylence, and my sighes unknowne
are all the physicke that my harmes redresse.
My onely hope was in this goodly tree,
which I did plant in love bringe up in care;
but all in vaine, for now to[o] late I see
the shales be mine, the kernels others are.
My Musique may be plaintes,
my physique teares If this be
all the fruite my love tree beares.(Sonett)

Der persische Dichter Rumi, Dschalal ud-Din schrieb einmal eine Prosasammlung „Fihi ma fihi“ – über das Sein und nicht Sein. Man sieht, gute Dichter sind immer aktuell, denn inzwischen hat sich das militärische Aufgebot der USA an der Grenze zum Iran verstärkt, ein Angriff scheint kurz bevorzustehen (MOSCOW, March 27 (RIA Novosti), GlobalResearch.ca).

Über „Die Chroniken von Narnia“ von C.S. Lewis

März 25, 2007 um 8:22 pm | Veröffentlicht in Anachronismen, Gesellschaft, Middle East, Q´chott, Skandale, USA, Without Clash | 1 Kommentar

Zu den Kinderbüchern, die in den letzten Jahren Furore machten, gehörten die Chroniken von Narnia, geschrieben von dem Engländer Clive Steples Lewis. Die 7-teilige Buchreihe, die die Abenteuer verschiedener Kinder im magischen Land Narnia beschreibt, entstand bereits in den Jahren 1950 – 1956 und wurde bereits früher verfilmt.

Eines der Bücher aus dieser Reihe wurden jetzt neu auf die Leinwand gebracht, und zwar der zweite Teil „Der König von Narnia“ (2005, The Lion, the Witch and the Wardrobe). Ein weiteres, Prinz Kaspian befindet sich zur Zeit in Produktion. Die Fantasy-Serie ebenso wie der Film erhielt von der United Church of Christ und anderen (Huffingtonpost) christlichen Organisationen regelrechten Kultstus.

Die Begeisterung für Narnia ging auch am deutschsprachigen Bereich nicht vorbei. Sogar ein evangelische Theologe, Markus Mühling untersucht in seinem Buch „Gott und die Welt in Narnia, Eine theologische Orientierung, Vandenhoeck & Ruprecht, 2005“ die Parallelen zwischen dem Fantasy-Stoff und der Bibel. Seiner Meinung nach ist die ganze Geschichte von Narnia gespickt mit Analogien zur christlichen Heilsgeschichte.

Als ich einen Vorspann des Filmes mit den actionreichen Kampfszenen im Fernsehen sah, wurde ich zuerst ärgerlich und überlegte mir, wie verrückt jemand sein muss, solch ein Machwerk mit den Prädikaten „christlich“ und „wertvoll“ zu versehen. Schließlich und endlich wurde der Film bzw. die Serie, deren letzter Teil zu allem Überfluss auch noch „Der letzte Kampf“ heißt, sogar ernsthaft als Bestandteil der neokonservativen Werbemaschinerie für GWOT (Global War Against Terrorism) bzw. gegen die Moslems eingesetzt – und dass bei Kindern (American Thinker)! Dann überlegte ich mir, dass es zugegeben unmöglich ist, einen Film nach einem kurzen Clip zu beurteilen und sah mir das Buch an.

Ich gestehe, dass ich am Anfang mit dem Buch zum Film nichts, nichts anfangen konnte. Doch fand ich den Autor, C.S. Lewis interessant, der auch das Buch „Anweisungen für einen Unterteufel“ verfasst hat. Dieser Autor, Mitglied des christlichen Literaturkreises Inklings, vertrat ernsthaft die Meinung, „Narnia“ wäre gleichzustellen mit dem Meisterwerk „Der Herr der Ringe“ von J.R.R. Tolkien, mit dem er lange Zeit befreundet war.

Seine Anmerkungen, wieweit das Buch christlich sein soll, beschränken sich auf wenige Zeilen:

There´s one funny line he put in a letter. He said children know who Aslan is, Palmer said. The great golden lion, son of the emperor from beyond the sea, is a Christ reference (JTA).

Ich persönlich empfand das Märchen ganz einfach nicht als christlich, eher schon konnte ich mit der Auffassung etwas anfangen, dass Elemente aus der griechischen und römischen Mythologie mit irischen und englischen Märchen gemixt sind (Wiki). Mir fehlte vor allem der Löwe! Zugegeben, der Film selbst beruft sich auf ein biblisches Zitat (Wiki):

Weine nicht! Siehe, es hat überwunden der Löwe aus dem Stamm Juda!“
(Offenbarung 5.5)

Diese wenigen Worte aus der ohnehin erst im Jahr 92 n.Chr. entstandenen Offenbarung bieten insgesamt wenig Grundlage, um darauf eine ganze Geschichte zu bauen. Der Name „Juda“ betrifft in diesem Fall nur in weiterem Sinn das israelische Volk, sondern bezeichnet eigentlich einen der Söhne Jakobs:

Juda, du bist’s! Dich werden deine Brüder preisen. Deine Hand wird deinen Feinden auf dem Nacken sein, vor dir werden deines Vaters Söhne sich verneigen. Juda ist ein junger Löwe. Du bist hochgekommen, mein Sohn, vom Raube. Wie ein Löwe hat er sich hingestreckt und wie eine Löwin sich gelagert. Wer will ihn aufstören? Es cwird das Zepter von Juda nicht weichen noch der Stab des Herrschers von seinen Füßen, dbis daß der Held komme, und ihm werden die Völker anhangen. Er wird seinen Esel an den Weinstock binden und seiner Eselin Füllen an die edle Rebe. Er wird sein Kleid in Wein waschen und seinen Mantel in Traubenblut. Seine Augen sind dunkel von Wein und seine Zähne weiß von Milch.

Gibt man in der Suchfunktion der Online-Bibel (Lutherübersetzung) das Wort „Löwe“ ein, dann kann man leicht nachrecherchieren, dass, abgesehen von der Geschichte des mutigen Propheten Daniel, der – wie man weiß – während der babylonischen Gefangenschaft von Nebukadnezar in die Löwengrube geworfen wurde und dort unversehrt wieder hervorstieg, eigentlich nur wenig Beziehung zwischen der jüdischen bzw. christlichen Religion und Löwen besteht.

Der Name des Löwen „Aslan“ lässt sich sowohl in türkischer Sprache als auch in einem iranischen Dialekt, Askeri, mit „Löwe“ übersetzen und gilt auch in einigen islamischen Ländern bis zum heutigen Tag als Ehrentitel (Aslan Abaschidse – georgischer Politiker, Aslan Alijewitsch Maschadow – tschetschenischer Präsident und Widerstandskämpfer oder auch Arp Aslan, der Großsultan der Sedschuken).

Dies brachte mich den Gedanken, die Herkunft des Löwen als Träger religiöser Symbolik im Mittleren und nicht im Nahen Osten zu suchen, denn eigentlich ist Persien das „Land der Löwen“. Auch in früheren Flaggen befand sich ein Löwensymbol:

Das alte Persien verwendete weiße Flaggen mit Abbildungen von Löwe und Sonne. Die Sonne stand für die Lehre des Zarathustra und die Reinheit der Gedanken. Der Löwe stand für die Kraft und den Mut der Perser. Die Art und Weise der Darstellung von Löwe und Sonne wurde erst ab dem Beginn des 19. Jahrhunderts vereinheitlicht, da 1806 der „Orden des Löwen und der Sonne“ gegründet worden war. Von diesem Orden wurde die Symbolik erneut auf die Flaggen des Landes übertragen. Etwa ab dem Jahre 1845 wurde der Löwe mit dem Schwert des Ali (Zülfükar) – Schwiegersohn des Propheten Mohammed und Begründer der Schia – dargestellt. (Anmerkung: Das Löwensymbol mit dem Schwert wurde in der Vergangenheit von der Schah-Dynastie ebenso wie jetzt von der Oppositionspartei.NRCI verwendet, siehe auch Flaggenlexikon)

Im Time Life-Buch von Desmond Stuart „Die Frühzeit des Islam“, Time Inc., 1968, S 133 fand ich folgende Zeilen: Der Löwe ist das stärkste aller Tiere; er fürchtet kein anderes Tier und streift deshalb durch die Wildnis. Frauen und Kinder greift er nicht an; er flieht kein Tier außer der Ameise. Vor einem weißen Hahn hat er Angst und lässt Karawanen, die einen Hahn mitführen, unbehelligt. Melodischer Gesang besänftigt ihn; wenn er badet, ist er so friedlich, dass ein Kind auf ihm reiten und ihn lenken könnte. Diese Worte stammen aus einem alten „Bestiarum“, einer alten Sammlung von Tierbeschreibungen aus dem 11. Jahrhundert, die in der Morgan Library in New York ausgestellt wird. Dieses wurde zunächst von einem Arzt am Hofe des Kalifen von Bagdad, Ibn Bachtischu, erstellt. Zwei Jahrhunderte später wurde es ins Persische übersetzt und mit Miniaturen ausgestattet.

Ich fand heraus, dass der Löwe eigentlich Ali in symbolhafter Bedeutung zugeordnet wurde, jenem Ali ibn Ali Talib, dem vierten rechtgeleiteten Kalifen (also einem jener ersten vier Kalifen, die Mohammed persönlich kannten), der auch als Gründer der schiitischen Glaubensgemeinschaft gilt.

Die Aleviten, eine besonders friedliche und sympathische Glaubensgemeinschaft aus dem islamischen Spektrum, kennen folgendes Sprichwort: „Ali ist der Löwe Gottes“. Für sie ist der Löwe das Symbol für Gerechtigkeit und Güte, also für Eigenschaften Gottes, die einem gläubigen Aleviten als besonders erstrebenswert gelten. Bei den Aleviten begleitete Ali, manchmal unsichtbar, manchmal als Löwe – sogar als sprechender Löwe – , den Propheten Mohammed!

Die Aleviten glauben sogar, dass Ali in Wirklichkeit gar nicht gestorben ist: Nach dem Tode Alis wurde sein Leichnam auf ein Kamel gelegt. Ali teilte seinen Söhnen Hasan und Hüseyin vor seinem Tod mit, dass ein verschleierter Mann kommen und das Kamel wegführen würde. Als der Mann kam und mit dem Kamel wegging, liefen Hasan und Hüseyin ihm nach, um festzustellen, wer dieser Mann sei. Der Fremde hob den Schleier: es war Ali selbst…

Vier Throne müssen im Buch „Der König von Narnia“ besetzt werden, um das Land zu retten – vier Tore (1. Die Annahme der Gesetze, 2. die Kenntnis der individuellen Ansprüche, 3. die Erkenntnis über den anderen, 4. die Rechte und Pflichten der Gemeinschaft) müssen der Meinung der frommen Aleviten nach beachtet werden, um nach ihrem Glauben zu leben. In gewisser Weise kennen die Alewiten eine Dreieinigkeit Gottes; und zwar die von Allah, Mohammed und Ali. Man kann in ihrer Religionsgemeinschaft auch Elemente des christlichen Abendmahls wiedererkennen.

Im alevitischen Glaubensdiens „Cem“ wird auch ein ritueller Tanz aufgeführt: „Semah“, der das Sonnensystem mit den Planeten darstellt. Die Bewegung der Planeten ist übrigens auch für den Fortgang der Jahreszeiten entscheidend.

Die Beschreibung der Landschaft von Narnia, der Witterung, der Pflanzen und der Tiere (bis auf den Biber) passt meiner Meinung nach ganz genau auf Urmia, eine Stadt knapp an einem großen Binnenmeer, dem Urmiasee. Im Iran wird noch immer ein großes Frühlingsfest gefeiert – Nouruz! Ich fand noch zahlreiche andere Hinweise darauf, dass das Phantasieland Narnia im Orient angesiedelt ist, so weist doch der Name des Mädchens Aravia im Buch „Der Ritt nach Narnia“ ganz klar auf „Arabien“ hin. Ein Buchtitel der Narniareihe enthält sogar einen geographischen Hinweis, und zwar das Buch Prinz Kaspian und Narnia. Das kaspische Meer liegt doch in West-Asien. Es hat auch einen iranischen Hafen und zwar Bandar Anzali, früher Bandar Pahlevi.

Für Bibelwissenschafter ebenso wie für Suchende, die erst nach langem Forschen zu ihrem Glauben fanden wie C.S. Lewis muss der Iran eine geradezu magische Ausstrahlung haben. In Persien wurde auch Zoroaster, Zarathustra geboren, der als einer der ersten Propheten „Gut und Böse“ trennte und in weiterem Sinn auch zu den Gründern der abrahamitischen Glaubensrichtungen gehört.

Kann man nicht davon ausgehen, dass C.S. Lewis die Narnia-Chroniken deshalb geschrieben hat, um das Interesse von Kindern nicht nur für den christlichen Glauben, für griechische Mytholologie, für alte Sagen und Märchen zu wecken, sondern auch, um die Leser anzuregen, über den Mittleren Osten und über die Entstehung unseres Glauben zu nachzudenken? Im Christentum ist kritisches bzw. vergleichendes Lesen und in diesem Sinn gelesen wären die Narnia-Chroniken sogar sehr nette und gelungene Kinderbücher.

Sie könnten daran erinnern, dass das Christentum ebenso wie das Judentum und der Islam auf einen gemeinsamen Ursprung zurückgehen. Sowohl das Judentum, als auch das Christentum und der Islam nahmen auch Ideen des persischen Religionsgründers Zarathustra auf, der erstmalig in einem dualistischen System „Gut“ und „Böse“ voneinander trennte. Die Bücher könnten auch darauf aufmerksam machen, dass jetzt alte Kulturstätten und Regionen, in denen unsere gemeinsame Zivilisation angefangen hat, im Mittleren Osten in wirklicher Gefahr sind.

Bestimmt aber hätte sich der Autor, der den ersten und den zweiten Weltkrieg miterleben musste, entschieden dagegen verwahrt, dass seine Löwengeschichten dazu verwendet werden, um Kinder im Sinne von GWOT zu einem „Final Battle“ zu motivieren!

Gerade an dieser Symbolik rund um den „König der Löwen“ kann man sehr gut erkennen, wie nahe sich eigentlich die Religionsgemeinschaften in M.E. mit ihrem gemeinsamen geschichtlichen Hintergrund stehen. Wer´s nicht glaubt, dass auch jetzt noch Weiterentwicklungen vorhanden sind, sollte sich unbedingt die Homepage der Aleviten ansehen (Yunus.de). Obwohl diese Glaubensgemeinschaft vom „offiziellen Islam“ noch nicht anerkannt ist, könnte vielleicht in ihr eine Chance für unsere Gesellschaft liegen, demokratisches Gedankengut unter den „Anhängern Allahs“ zu fördern.

Möge also der eisige Winter, der jetzt das politische Klima zwischen dem Westen und der islamischen Welt bestimmt, genauso zu Ende gehen wie der harte Winter in Narnia, damit eine neue Zeit der Vernunft und Toleranz anbricht!

Zusatzinformation: Flaggen in Persien und im Iran, Lion rugs, Mithraeum, ,

Bilder: C.S. Lewis, Iblis – die Hexe, Aslan – der Löwe


Nicht nur Kinder, sondern auch sehr viele Erwachsene kennen den erfreulichen Zeichentrickfilm „Simba, der König der Löwen“ (Disney Studios). Doch auch das Wort „Simba“ als Bezeichnung für einen Löwen stammt aus Swaheli, einer Sprache eines islamischen Landes.

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