Instrumentalisierter Islam

März 1, 2007 um 8:40 pm | Veröffentlicht in Gesellschaft, Middle East, Publikationen, Skandale | 6 Kommentare

Die Geschichte der Konflikte der USA mit den Taliban begann bereits 1979. In diesem Jahr weitete sich der der Afghanistan-Krieg mit Einmarsch sowjetischer Truppen von einem Bürgerkrieg zu einem brutalen Stellvertreterkrieg zwischen Ost und West. Er verwüstete das Land und beraubte es nahezu seiner gesamten Infrastruktur. Allein auf afghanischer Seite wurde bis 1989 die Zahl der Todesopfer auf mehr als 1,2 Millionen geschätzt, die der Flüchtlinge auf ungefähr fünf Millionen (Microsoft Encarta).

Dabei unterstützte der Westen die islamischen Mudschaheddin durch Ausbildung, den CIA und Waffenlieferungen. Doch nicht nur dies! Nafeez Ahmed, ein englischer Autor schreibt in seinem Buch Geheimsache 09/11, Hintergründe über den 11. September und die Logik amerikanischer Machtpolitik, Goldmann, 2004 (siehe auch Posting):

Die USA vermittelten extremistisch „kriegerische Werte“, die sich eines islamischen Jargons bestätigten. Selig Harrison, ein Zentral-Asien-Experte warnte bereits damals: Wir sind drauf und dran, Monster zu züchten. Ich bekam die Antwort, dass diese Leute fanatisch wären, und je wilder der Fundamentalismus ausfalle, desto wilder würden sie gegen die Sowjets kämpfen.“ Die extremistisch-religiöse „Dschihadi“-Ideologie, die in den von der CIA finanzierten Ausbildungsprogrammen gepredigt wurde, verband sich mit von Stammestraditionen geprägten Normen und Werten.

Nur sehr wenige muslimische Gelehrte würden der Aussage zustimmen, dass die hier erörterte politische Praxis etwas mit der Lehre des Islam zu tun hat. Der ehemalige US-Kongressabgeordnete Faul Findley merkte hierzu an, dass sich die Taliban zwar als „islamisch“ bezeichnen, aber dass ihre Anordnungen ganz unmittelbar gegen einige der allerwichtigsten Grundsätze des islamischen Glaubens verstoßen.

In einem Bericht der pakistanischen Zeitung Daily Star heißt es beispielsweise: „Islamische Gelehrte im Nachbarland Pakistan sind der Ansicht, dass die Gesetze der Taliban eher Stammestraditionen widerspiegeln als die Lehren des Islam.“ Der amerikanische Journalist Robin Travis folgert aus einer Studie über die Politik der Taliban, dass diese eine extreme Leseart des Islam praktizieren, denn andere Varianten und praktische Anwendungen dieses Glaubens sind nicht mit so einer derartigen Unterdrückung der Frauen verbunden.

Die Muslim Womans Legue stimmt mit dieser Auslegung überein: Die Taliban nutzen das Thema Frauenrechte, um das Land nach unter Kontrolle zu bringen. Dabei erhoffen sie sich finanzielle Unterstützung vor allem aus Saudi Arabien. Die Unterdrückung der Frauen geht nicht allein auf die Taliban zurück, sie wurde bereits vorher von einzelnen Gruppen der „Nordallianz“ praktiziert (S 26 f).

Über die Zusammenarbeit der CIA mit den Taliban im Afghanistan-Krieg berichtet auch Gerhard Konzelmann, Insch´Allah, der Kampf um Glaube und Öl, Herbig 2003. Nach seinem Bericht rekrutierte sogar der damalige CIA-Direktor William Casey persönlich Freiwillige aus Saudi Arabien , darunter auch Osama Bin Laden (S 235 f, siehe auch Posting),

Jared Israel, kein Freund der Araber und treuer Anhänger des Staates Israel, wurde mit seiner kritischen Berichterstattung über den Balkankrieg bekannt. Er beschreibt auf seiner Homepage Emperor´s Clothes einen besonders widerlichen Skandal, und zwar den, dass direkt aus der USA eine Art „Waffenkoran“, also ein verfälschter Koran mit Anleitungen zum Waffengebrauch, in millionenfacher Höhe nach Afghanistan exportiert wurden.

Es ist schwer zu glauben, dass ein westliches Land einer so niederträchtigen Handlungsweise fähig ist. Aber im Amazon-Buchhandel erschien sogar ein Buch über dieses Thema: Devil’s Game: How the United States Helped Unleash Fundamentalist Islam (American Empire Project), Robert Dreyfuss, Owl Books 2006

Der Autor Robert Dreyfuss, der für die nationale Sicherheit der Rolling Stones verantwortlich war, schrieb sehr viel über den Irakkrieg und GWOT. Er schrieb häufig Beiträge für NPR, MSNBC, CNBC und andere Nachrichtendienste. Er lebt in Alexandria, Virginia.

Offensichtlich war es nicht das erste Mal, dass der Islam vom „christlichen Westen“ für politische Zwecke instrumentalisiert und missbraucht wurde. Im NDR, am 12.05.2005, 21:45 lief ein Film über die Erfindung des weltweiten Djihad– durch den deutschen Kaiser Wilhelm.

Einmal mehr kam mir der Gedanke, dass der Westen, anstatt mit Waffengewalt „Demokratie und Freiheit“ in islamischen Ländern durchsetzen zu wollen, zuerst Fehler, die im eigenen Lager gemacht wurden, zugeben und ausmerzen sollte.

Bild: Devil´s Game

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