Peter Scholl-Latour über Khomeini

März 9, 2007 um 12:11 am | Veröffentlicht in Gesellschaft, Middle East, Publikationen, Skandale, World War IV | Hinterlasse einen Kommentar

In diesem Posting versuche ich, die Stellungnahme von Peter Scholl-Latour, in Weblogs kurz PSL genannt, zu Ayatollah Khomeini so kurz wie möglich stichwortartig wiederzugeben. Da, wie ich schon sagte, PSL sehr dicht schreibt, weise ich nochmals darauf hin, dass die Beschreibungen dieses Autors zu den vorhandenen Konflikten sehr ausführlich und differenziert sind.

Ich beginne mit dem Buch Kampf dem Terror, Kampf dem Islam, Ullstein, Berlin, 2004. PSL führt wie auch andere Autoren das bekannte Zitat Khomeinis an: Der siegreiche Islam nach Jerusalem führt über Bagdad. – el gariq ila el Quds tamurru bi Baghdad (S 129).

Im August 1982 wären die Streitkräfte Khomeinis fast in der Lage gewesen, die irakischen Linien am Schatt-el Arab zu durchbrechen. Gesetzt den Fall, Khomeini hätte in in jenen Tagen den Rat des Generals Zaher Nejad befolgt und der Vormarsch auf Basra wäre ohne Zögern erfolgt, hätte er vermutlich die Entscheidung zugunsten Teherans davongetragen. Aber die Mullahs befahlen, auf der Stelle zu treten, in der Hoffnung, dass sich die Schiiten Mesopotamiens gegen Basra erheben würden. Damit erlagen sie einem verhängnisvollen Irrtum. (S 149 ff)

1989 starb Ayatollah Ruhollah Khomeini aus Gram über das „Scheitern seines Heiligen Experiments“. Die iranischen Massen trauerten um ihn. (S 152).

In einem seiner anderen Bücher, Weltmacht im Treibsand, Ullstein, Berlin, 2005 beschreibt PSL die Botschaftsbesetzung in Teheran so, dass Ayatollah Khomeini diese zwar genehmigt hatte, aber bereits in den ersten Stunden seinen eigenen Sohn Ahmed Khomeini beauftragte, sich vor Ort um die Sicherheit der Geiseln zu kümmern. Die Bevölkerung protestierte zwar, sobald die Kameras eingeschaltet waren gegen die Amerikaner, war aber davon abgesehen zu den ausländischen Journalisten sehr freundlich und behinderten auch nicht deren Arbeit. Die Entführung der Geiseln erfolgte zu einer Zeit, als sich der gemäßigte Ministerpräsident Mehdi Bazargan gerne weiterhin am Westen orientiert hätte, während andererseits die kommunistische Tudeh-Fraktion und die links-radikalen Volksmudjahedin ebenso auf Durchsetzung der eigenen Interessen bedacht war. PSK meint, dass Khomeini diese internen Machtkämpfe „wohl mit Abscheu und Trauer verfolgt hat“ (S 133 ff).

General Zaher Nejad lobt den Heldenmut der jungen Kämpfer:

„Wo hat man je solchen Löwenmut erlebt? Mit knapp fünfzehn Jahren ist der Körper dieser jungen Helden noch nicht ausgewachsen, der Geist noch nicht gehörte. Zu Hause riefen Vater und Mutter sie noch mit Kosenamen, nannte man sie noch „Liebling – Parviz“ und jetzt stehen sie furchtlos den schrecklichsten Waffen gegenüber. Sie eilen oft ohne Genehmigung ihres Vaters an die Front, verabschieden sich mit ein paar Zeilen von ihrer Familie. Wo hat es je eine ähnliche Opferbereitschaft, einen solchen Kampfwillen, eine solche Sucht nach Martyrium gegeben auf dem Wege des Allmächtigen und des Glaubens? In welcher Legende, in welcher Heldensage wurden vergleichbare Taten so junger Männer gepriesen? (S 139 f).

„Natürlich können wir den Schatt-el Arab überschreiten“, meinte Oberst Kafei. „Aber wir wollen Rücksicht auf die irakische Bevölkerung nehmen. Basra ist eine riesige Stadt, die zweitgrößte des Irak, und die Menschen in diesem Raum sind fast ausschließlich Schiiten. Wir werden doch unsere Brüder nicht bombardieren und ihre Häuser vernichten.“ Die Kriegsgefangenen wurden gut behandelt, aber einer intensiven propagandistischen Beeinflussung unterworfen (S 140).

PSL kannte Khomeini persönlich. Als der Ayatollah aus seinem französischen Exil in den Irak zurückkehrte, vertraute er PSL die Verfassung der Islamischen Republik Iran für die Dauer des Fluges an. (S 144).

Der Autor beschreibt in kurzen Worten, dass die Schah-Dynastie neben einer großen Gemeinde amerikanische Exiliraner an der der Rückkehr nicht uninteressiert ist. Ganz kurz geht er auf die iranische Gemeinde der Zarathustra-Anhänger ein, die Khomeini als „zur Familie des Buches“ zugehörig betrachtete. Schah Mohammed Pahlevi achtete die „arische Urgemeinde“ besonders. Er beanspruchte für sich den Titel „Aria Mehr – Leuchte der Arier“ und suchte auch eine Anbindung zu den Gott-Königen der Achämeniden wie König Kyros. PSL meint, der Dualismus Zarathustras, die Teilung der Welt in „Gut und Böse“, hätte sich sowohl auf die jüdische als auch auf die christliche Religion ausgewirkt und wäre noch heute in der calvinistischen Unvereinbarkeit von „good and evil“ enthalten. S 289 ff).

PSL trug bei seinen Reisen in den Orient immer ein Foto, dass Khomeini mit ihm gemeinsam bei einem Gespräch in Qom zeigt, mit sich, welches ihm manche Türe öffnete.

Der Beschreibung von PSL folgend sind die Frauen im Iran im trotz Verschleierungszwang wesentlich besser gestellt als in anderen islamischen Ländern und haben auch politischen Einfluss. (S 154).

Er zitiert Prof. Jahangiri:

„Die Mullahkratie hat sich im Auftrag Khomeinis um die Mustazafin (die Ärmsten der Armen) durchaus verdient gemacht. Die Alphabetisierung wurde vorangetrieben. Die religiösen Stiftungen haben ein Sozialgefüge geschaffen, das den Armen und Bedürftigen, den Witwen und Waisen zugute kommt. In den Dörfern herrscht meist noch die überlieferte patriarchalische Ordnung der Schia. Der örtliche Mullah genießt dort einen Respekt, der ihm in Teheran verweigert wird.“ (S 157)

PSL schildert ein Gespräch mit einem hohen islamischen Theologen, Yussef Saanei , den er wie folgt zitiert:

„…Imam Khomeini hat hat eine Revolution abgestrebt, bei der alle Gewehre der Welt zu Schreibstiften würden…..Entscheidend war, dass Imam Khomeini verlangt hat, dass alle Klassenunterschiede abgeschafft werden sollten….Die Rechte und die Freiheit des Volkes müssen garantiert werden. Sollte es dazu kommen, dass ein Volk nicht mehr hinter einer Regierung steht, dann verdeutlicht das lediglich, dass ihm seine Rechte vorenthalten wurden (S 171 f).“

PSL fragte den Sohn von Khomeini, Ahmed, wie der Iran im Fall der Zerstörung des Staates Israel mit den dort lebenden Juden verfahren wollten. Dieser fand die Frage völlig absurd, da die Araber doch nie über die Israeli siegen würden (S 178).

Ayatollah selbst bekräftigte seine Abneigung gegen die Zionisten, betonte aber, dass die Juden in einem befreiten Palästina ein völlig normales Leben führen könnten. Es würde kein Unterschied gemacht werden zwischen Juden und Nichtjuden, und niemand darf sie angreifen. (S 180).

In seinem Buch Lügen im Heiligen Land, Machtkämpfe zwischen Euphrat und Nil, Goldmann, München, 2000, beschreibt er nochmals genau, was geschah, als sein General im ersten Golfkrieg gegen den Irak die Chance, Richtung Basra vorzustoßen, nicht sofort nutzte. Saddam Hussein organisierte sich aus Russland Waffen, die USA koordinierte die Hilfe der Golfstaaten. Durch den Einsatz von Giftgas starben viele Iraner, viele andere wurden verätzt und erblindeten. „Zehntausende wurden auf grausame Weise verseucht.“ Niemand kümmerte sich um diesen Vorfall. Erst, als Saddam Hussein Giftgas gegen die Kurden einsetzte, regte sich der Protest (S 31 f).

In einem früher entstandenen Taschenbuch: Das Schlachtfeld der Zukunft, zwischen Kaukasus und Pamir, Goldmann, München, 1998 bescheinigt PSL der iranischen Regierung gute Arbeit. Trotz der US-Sanktionen wäre im Vergleich zu den Folgestaaten der früheren Sowjetunion Stabilität und Ordnung ersichtlich. PSL meint aber, dass sich die Regierung gegen einen Aufstand noch wesentlich härter vorgehen würde als der frühere Schah (S 232).

In einem Kapitel „Atombomben auf Teheran“ erwähnt er den Typ des „Dr. Strangelove“. Er beschreibt auch, dass im Balkankrieg auf Wunsch des kroatischen Präsidenten Franjo Tudjman muslimische Bosniaken Waffenlieferungen aus der islamischen Republik Iran mit der Duldung von Präsident Clinton erhalten hätten (S 312 f).

Bilder: Weltmacht im Treibsand, Das Schlachtfeld der Zukunft

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