„Knut day“

März 23, 2007 um 11:25 pm | Veröffentlicht in Gesellschaft, Middle East, Vom Klima, World War IV | Hinterlasse einen Kommentar

Heute war es endlich soweit! „Cute Knut“, der goldige kleine Eisbär im Berliner Zoo, der von seiner Mutter verstoßen wurde und deshalb mit der Hand aufgezogen wird, durfte endlich in aller Öffentlichkeit seine erste Pressekonferenz geben. Anstrengend! Sogar aus Usbekistan, aus Pakistan und aus den USA waren Journalisten angereist, um ihn, den kleinen Eisbären, zu bewundern und zu filmen. Dabei hatte es um seine Existenz eine riesige Aufregung gegeben.

Wie man weiß, wollen sich manche Ökofundamentalisten immer wieder zum Ärger der Mehrzahl der Tier- und Naturfreunde dahingehend profilieren, dass sie am liebsten jeden Zoo planieren lassen möchten. Anstatt zu sehen, dass jedes nette Tier im Zoo ein besserer Werbeträger für den Naturschutz ist als – bei aller Wertschätzung – die schönsten Filme und die besten Bücher, ließ es sich diesmal ein besonders begabter Aktivist, Frank Albrecht, nicht nehmen, die Tötung des reizenden kleinen Kerls zu fordern.

Damit kam der übereifrige Unruhestifter allerdings nicht weit, denn selbstverständlich erhielt er nicht nur vom Zoodirektor, der die Handaufzucht des seltenen Tieres von Anfang an unterstützte, sondern auch von empörten Tierfreunden eine ordentliche Abfuhr. Obendrein wurde der „Fall Knut“ sogar in der internationalen Presse wie den großen Online-Magazinen CNN, MSNBC, Canada.dot.com diskutiert. Wer hätte das gedacht – sogar in der Pravda und auf China View erregte das ungewöhnliche Flaschenkind und seine Geschichte Aufmerksamkeit! .

Immerhin, den ersten Werbevertrag hat der kleine Kerl auch schon in der Tasche, und zwar einen besonders wichtigen, denn die Meisterfotografin Annie Leibowitz möchte Bilder von ihm für eine Naturschutzkampagne. Karriere ist angekündigt, denn nächstes Jahr soll Knut das Maskottchen der internationalen Artenschutzkonferenz im nächsten Jahr in Bonn werden.

Seine Geschichte brachte mich auf den Gedanken, nachzusehen, ob es denn in Teheran, im Iran, auch einen Zoo gibt. Zuerst suchte ich vergeblich und entdeckte nur, dass bei der Geiselnahme der US-Botschafter in Teheran die Kühlschränke der Amerikaner durch die Mullahs geplündert wurden, um deren Inhalt an die Tiere im Zoo zu verfüttern (1.6.1983, NYTimes).

Es gelang mir aber, Informationen über einen interessanten Naturschutzpark, Golestan im Iran zu finden, der in der gleichnamigen Provinz Golestan liegt, die auch noch andere Naturschönheiten bietet:

Der mehr als 90.000 Hektar große Nationalpark Golestan, ca. 150 km östlich von Gorgan, hat der neugegründeten Provinz den Namen gegeben. Sein Vorläufer wurde schon ab 1958 errichtet und hieß vor der islamischen Revolution Nationalpark Mohammad Reza Shah. Er umfasst Höhen zwischen 600 und über 3000 m und beherbergt sowohl die Spezifika der Fauna und Flora des Kaspischen Meeres in seinem westlichen Teil als auch die der zentralasiatischen Steppen im östlichen. Deshalb weist er eine für Iran außerordentlich große Vielfalt von Pflanzen und Tieren auf. Durch die im Park eingerichteten überwachten Zonen ist der Tierbestand geschützt (Quelle).

Am besten erkundet man diesen Naturpark, in dem sogar noch Leoparden leben, auf des Pferdes Rücken. Eine Journalistin der Guardian fand heraus, dass in diesem entlegenen Gebiet eine Amerikanerin selbstständig die Reitwandertouren leitet (24.12.2005, Guardian). Diese Frau, die mit ihren 70 Jahren noch rüstig und gut gelaunt ihren Reitstall leitet, heißt Loise Firouz und wohnt bereits seit 40 Jahren im Iran.

„Knut geht es gut!“ Das ist sehr wichtig. Doch insgesamt leben Bären jetzt in schlechten Zeiten. Dass die Eisbären in den nächsten Jahren zu den bedrohten Tieren zählen könnten, wenn keine Maßnahmen für Umwelt- und Klimaschutz ergriffen werden, wissen alle. Doch gerade jetzt, in diesen Tagen, wurden die berühmten Grizzly-Bären im Yellowstone-Park aus der US-Liste der bedrohten Arten gestrichen. Das ist vielleicht nicht so schlimm, da es momentan genug Grizzlys gibt. Trotzdem halten Naturschützer in den USA diese Maßnahme für verfrüht und bedenklich (23.3.2007, Los Angeles Times).

Zu den Zootieren in Berlin gehörte einmal ein Kaspischer Tiger, eine seltene Tigerart, die auch im Iran vorkam. Das letzte dieser Tiere wurde im Jahr 1959 angeblich in Golestan erschossen. Man bemerkte offensichtlich zu spät, dass das Tier bedroht war. Einige Forscher versuchten herauszufinden, ob sich nicht hier oder dort doch noch ein Exemplar versteckt hält, mussten aber zugeben, dass dieses stattliche Großtier unwiderruflich ausgestorben ist. So kommt jetzt zur Besorgnis um die Klimaerwärmung noch die Frage hinzu, wieweit – Tod, Leid und Angst der dortigen Menschen ganz kurz verdrängt – Fauna und Flora im Mittleren Osten durch die dortigen Kriege von Vernichtung und Zerstörung bedroht sind. Die Verantwortlichen sollten immer wieder daran denken, dass es der „Krone der Menschheit“ im 3. Jahrtausend endlich gelingen sollte, Konflikte ohne gewalttätige Handlungen zu lösen.

Zusatzinformation: Naturschutz in Golestan, Bilder aus dem Golestan Nationalpark, Forstliche Reiseeindrucke aus dem Iran, v. Georg Sperber

Bilder: Knut Day, Grizzlybär, Kaspischer Tiger

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