This moment on earth

April 6, 2007 um 12:58 am | Veröffentlicht in Democrats, Gesellschaft, Publikationen, Vom Klima, Without Clash | Hinterlasse einen Kommentar

Wie verlangt man von einem Mann, dass er der Letzte ist, der für einen Fehler sterben muss?

Mit diesem Satz wurde John Kerry berühmt. Nicht nur in Amerika, sondern auf der ganzen Welt trauerten seine Fans, als er sich bei den US-Präsidentschaftwahlen im Jahr 2004 knapp gegen G.W.B. geschlagen geben musste. Nicht nur er persönlich (siehe auch engl. Wiki), sondern auch seine Frau Theresa Heinz Kerry (siehe auch engl. Wiki) verfügen über ausgezeichnete Qualifikationen.

Sieht man ein wenig näher hin, dann kann man sich nur noch an den Kopf greifen, wie es nur geschehen konnte, dass Senator John Kerry 2004 die US-Präsidentschafswahlen gegen G.W.B. verloren hat. Dieses Missgeschick hatte in erster Linie Ursachen, die innerhalb der Ausrichtung der demokratischen Partei lagen: Die „Demokraten“ vertraten die Zustimmung zur Fristenlösung. Während aber z.B. in Österreich Abtreibungen lediglich innerhalb der ersten drei Monate erlaubt sind, gestatteten manche US-Bundesländer Abtreibungen bis kurz vor der Geburt, sodass sogar bereits außerhalb des Mutterleibes lebensfähige Kinder abgetrieben wurden. Unter Präsident Bill Clinton waren Homosexuellen-Ehen gestattet. Ebenso wurde die „Stammzellenforschung“ während seiner Regierungszeit gefördert. Senator John Kerry selbst war geschieden und wiederverheiratet. Dies alles zusammen gefiel den christlichen Kirchen überhaupt nicht.

Nicht alle waren mit der Durchführung der letzten US-Präsidentschaftswahlen einverstanden und äußerten Kritik an den elektronischen Wahlmaschinen (siehe Posting). Insgesamt könnte Senator John Kerry auch daran gescheitert sein, dass im Alltag für die Staatsbürger in den USA lediglich die Möglichkeiten, die Innenpolitik in den voneinander relativ unabhängigen Bundesstaaten mitzugestalten, interessant sind, während die Außenpolitik ebenso wie die Präsidentschaftswahlen in hohem Ausmaß an ihnen vorbeigeht. Ein sehr guten Beitrag zur Gestaltung der US-Verwaltung findet sich auf dem informativen Weblog USA erklärt von Scot W. Stevenson.

Senator John Kerry wurde im Wahlkampf gegen G.W.B. immer wieder wechselhafte Stellungnahmen vorgeworfen. Immer wieder wurde ihm vorgehalten, er wäre ja anfänglich auch dem Irak-Krieg zugestimmt. Dabei muss man aber bedenken, dass, wenn militärische Lösungen erwogen werden, immer verschiedene Ansätze im Gespräch sind. Eine Möglichkeit wäre gewesen, nach der Entmachtung von Saddam Hussein mit verbliebenen Strukturen der Baath-Partei weiterzuarbeiten, um dem Land so schnell wie möglich Sicherheit und Ordnung zu geben. Niemand kann außerdem leugnen, dass während und nach dem Irakkrieg schwere Fehler gemacht wurden.

Obwohl ich persönlich die Meinung vertrete, dass Kriegserklärungen überhaupt vermieden werden sollten, da niemand alle Eventualitäten und Risiken vorhersehen kann, war die damalige Entscheidung von Senator John Kerry, ebenfalls für den Krieg zu stimmen, nicht ganz unverständlich, da die Bevölkerung des Irak durch die UNO-Sanktionen sehr litt und Saddam Hussein ein ebenso grausamer und unberechenbarer Despot war.

Manche bezweifelten sogar seine Aufrichtigkeit als Friedensaktivist nach den Vietnamkriegen. Zugegeben, er überlegte zunächst sorgfältig, ob sich ein Auftreten gegen den Vietnamkrieg mit einer Karriere vereinbaren ließ. Er warf niemals seine eigenen Medaillen über den Zaun und übernachtete auch nicht im Freien bei anderen Demonstranten, sondern ließ es sich gut gehen.

Wenn auch zu spät, um 2004 die Präsidentschaftswahlen in den USA zu gewinnen, konnte Senator John Kerry doch beweisen, dass bei der Swift Boat Affäre, in der eine Gruppe von Kriegsveteranen seinen ehrenhaften Einsatz im Vietnamkrieg in Frage gestellt hatte, Bestechung mit im Spiel war.

Obwohl sich John Kerry mit der undankbaren Rolle des Verlierers abfinden musste, bemühte er sich weiterhin ein und setzte zahlreiche Initiativen. Bärenfreunde können sich darüber freuen, dass er sich bemüht, Eisbären auf die Liste der bedrohten Tiere zu setzen (5.3.2007, Vorschlag, Eisbären als bedrohte Art einzustufen). Immer wieder protestierte er so gut wie möglich gegen Folter und Menschenrechtsverletzungen. Manchmal, wenn ich auf entlegenen Websites surfte, fand ich seinen Namen und die Bestätigung dafür, dass er auch nach seiner Niederlage bei den Wahlen um verbesserte Beziehungen zu anderen Ländern bemüht war.

Wie alle anderen westlichen Politiker zeigt Senator John Kerry natürlich auch Interesse daran, dass der Iran die umstrittene Urananreicherung einstellt. Aber wie sehr seine Einstellung dem Iran gegenüber von der der Bush-Regierung abweicht, zeigt seine Rede beim CFR (8.12.2005, Real Security in a Post-9/11 World) ebenso wie ein langer Eintrag einer Co-Autorin auf seinem Weblog (28,2.2007, Dialog mit dem Iran, Violet Bliss Dietz).
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Obwohl er im Prinzip um gute Umgangsformen bemüht war, entschlüpfte ihm letztendlich eine deftige Bemerkung, mit der er bei den patriotische gesinnten Amerikanern ordentlich ins Fettnäpfchen trat:

Studiert hart und bildet euch – dann wird es gut für euch laufen. Tut ihr das nicht, sitzt ihr irgendwann im Irak fest.

Dieser Eklat führte dazu, dass Senator John Kerry am 24.1.2007 bekanntgab, dass er für die Präsidentschaftswahlen 2008 nicht mehr kandidieren wird.

Das ist insgesamt sehr schade. Gerade dadurch, dass er insgesamt eher überlegt und pragmatisch als impulsiv und fanatisch versuchte, seine Standpunkte zu vertreten, erreichte er insgesamt sehr viel und machte insgesamt als fleißiger und tüchtiger Politiker und Staatsanwalt Karriere.

Mit ihm geht ein sehr, sehr guter Mann, einer, der sicher unbequem war, kein Ja-Sager und Schönredner, sondern jemand, der auch dann ehrliche Worte sagte, wenn momentan der Beifall dafür ausblieb. In den deutschen Medien hört man wenig davon, dass er sowohl zum Thema Terrorismus als über Lösungsstrategien bezugnehmend auf Alternativenergien und Klimaschutz sehr interessante Veröffentlichungen verfasst hat. Da Senator John Kerry auch mit der Aufdeckung der Iran-Contra-Affäre befasst und insgesamt sehr umsichtig war, geht er weniger vom Problembereich Islam aus, sondern er sieht auch, dass zusätzlich kriminelle Organisationen aus verschiedenen Bereichen und Ländern gefährlich werden könnten bzw. dass Selbstkritik nicht schlecht ist. Anstatt, was die drohende Klimaerwärmung betrifft, Angst zu machen, bemüht er sich mit seiner Frau Theresa Heinz Kerry darum, gute Ansätze zu sammeln und Wege zu finden, um Energie zu sparen.

Gesetzt den Fall, dass der Westen, dass die USA die „Weltherrschaft“ anstreben, dann sollte dies im Sinn von „global governance“ geschehen, um nach möglichst guten Lösungen zu suchen und nicht durch brutalen Militarismus. Der Westen benötigt positive Leitbilder, Ideale und gute Ideen, um die Menschen zu begeistern, und keine Armeen, um sich gegen den Islam zu schützen. Senator John Kerry wäre bestimmt nach wie vor ein Mann, auf den man hören soll.

Auf folgendem Bild hält Senator John Kerry einen Welpen auf seinem Schoß. Wie klein er doch ist! Dieses Bild erinnert an den Anti-Kriegsfilm „Apokalypse Now“ von Frank Coppola, in dem ebenfalls ganz kurz ein kleiner Hund zu sehen ist. All´jene, die immer noch glauben, dass Krieg die schnellste und einfachste Methode sein könnte, um Konflikte zu lösen, sollten sich diesen Film über den Vietnamkrieg beschaffen und ansehen.

Homepage: John Kerry, Weblog

Bücher:

Bilder: John Kerry, Theresa Heinz Kerry, This moment of earth, John Kerry mit einem Welpen

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