Alexis Sorbas

April 7, 2007 um 12:48 am | Veröffentlicht in Anachronismen, Frauen im Islam, Middle East, Skandale, Without Clash, World War IV | Hinterlasse einen Kommentar

Immer wieder berichtet Amnesty International, berichten Augenzeugen davon, dass im Iran junge Frauen wegen Ehebruch gesteinigt werden, manchmal auch nur, weil sie, um eine Vergewaltigung abzuwehren, es wagten, ihre Peiniger umzubringen. Um mich über die tatsächliche Anzahl der Steinigungen und das zu Grunde liegende islamische Rechtssystem zu informieren, recherchierte ich gründlich.

Sehr bekannt wurde der Film Alexis Sorbas, in dem der bekannten Schauspieler Anthony Quinn die Hauptrolle spielt. Die Vorlage zu diesem Film bildet ein autobiographischer Roman von Nikos Kazantzakis (1883 – 1957), dessen Handlung in Kreta spielt. Die Frauen trugen damals ein Kopftuch, die gruselige Beschreibung einer Steinigung würden die meisten Leser auf ersten Blick eher dem Islam zuschreiben, als zu glauben, dass so etwas in einer christlichen Glaubensgemeinschaft geschehen kann:

„In diesem Augenblick trat die Witwe aus der Kirche, ein schwarzes Tuch um den Kopf. Sie bekreuzigte sich. […]
„Auf sie los! Sie hat unser Dorf geschändet!“
Die einen stürmten hinter dem Flurwächter her zur Kirche, die oben blieben, warfen mit Steinen nach ihr. Ein Stein traf sie an der Schulter. Sie schrie laut auf, schlug die Hände vor das Gesicht und suchte gebückt zu entkommen. Aber die Burschen hatten schon die Pforte zum Vorhof vor ihr erreicht. Manolakas hatte sein Messer gezogen.
Die Witwe wich mit schrillen Schreien zurück und wollte sich taumelmd in die Kirche retten. Aber auf der Schwelle stand Mawrandonis. Er hatte die Arme ausgebreitet und hielt die Pfosten fest. Die Witwe rannte nach links und umschlang die große Zypresse im Hof. Ein Stein sauste durch die Luft, traf sie am Kopf und riss das schwarze Kopftuch herunter. Ihre Haare lösten sich und rollten auf die Schulter.
„Um Christi Barmherzigkeit! Um Christi Barmherzigkeit!“ schrie sie und schmiegte sich eng an den Stamm der Zypresse.
Oben auf dem Marktplatz standen die Mädchen Schulter an Schulter. Sie gruben die Zähne in ihre weißen Tücher und hatten flackernde Augen. Die alten Frauen klammerten sich an die Zäune und kreischten:
„Schlagt sie tot, schlagt sie tot, die Hure!“
[…]
Manolakas bekreuzigte sich, trat hervor, zückte das Messer. Die alten Frauen oben am Zaun kreischten vor Mordlust. Die jungen Mädchen zogen die Kopftücher vor das Gesicht. […]
„Im Namen der Gerechtigkeit Gottes!“ rief der alte Mawrandonis und bekreuzigte sich ebenfalls.“

Selbstverständlich wurden mittlerweile in Griechenland Steinigungen verboten und niemand kann sich einen Vorfall wie jenen, den Nikos Kazantzakis geschildert hat, im modernen Europa vorstellen. Aber woher kam diese Härte, mit der untreue Frauen bestraft wurden? Im Alten Testament wurde Unsittlichkeit mit dem Tod bestraft: .

Wenn jemand die Ehe bricht mit der Frau seines Nächsten, so sollen beide des Todes sterben, Ehebrecher und Ehebrecherin, weil er mit der Frau seines Nächsten die Ehe gebrochen hat. Moses 20,10.

Erst Jesus schaffte im Neuen Testament die Todesstrafe für Ehebrecherinnen ab:

Jesus aber ging zum Ölberg. Und frühmorgens kam er wieder in den Tempel, und alles Volk kam zu ihm, und er setzte sich und lehrte sie. Aber die Schriftgelehrten und Pharisäer brachten eine Frau zu ihm, beim Ehebruch ergriffen, und stellten sie in die Mitte und sprachen zu ihm: Meister, diese Frau ist auf frischer Tat beim Ehebruch ergriffen worden. Mose aber hat uns im Gesetz geboten, solche Frauen zu steinigen. Was sagst du? Das sagten sie aber, ihn zu versuchen, damit sie ihn verklagen könnten. Aber Jesus bückte sich und schrieb mit dem Finger auf die Erde. Als sie nun fortfuhren, ihn zu fragen, richtete er sich auf und sprach zu ihnen: Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie. Und er bückte sich wieder und schrieb auf die Erde. Als sie aber das hörten, gingen sie weg, einer nach dem andern, die Ältesten zuerst; und Jesus blieb allein mit der Frau, die in der Mitte stand. Jesus aber richtete sich auf und fragte sie: Wo sind sie, Frau? Hat dich niemand verdammt? Sie antwortete: Niemand, Herr. Und Jesus sprach: So verdamme ich dich auch nicht; geh hin und sündige hinfort nicht mehr. (Johannes 8, 1-11).

Prophet Mohammed versuchte, eine Zwischenlösung zu finden:

Wenn ein Mann und eine Frau Unzucht begehen, dann geiselt jeden von ihnen mit 100 Hieben. Habt kein Mitleid mit ihnen angesichts der Religion Gottes, so ihr an Gott und den jüngsten Tag glaubt. Und bei der Vollstreckung an Pein soll eine Gruppe von Gläubigen zugegen sein.

Der Mann, der eine Unzucht begangen hat, darf nur eine Frau, die Unzucht begangen hat, heiraten. Die Frau, die Unzucht begangen hat, darf nur einen Mann, der Unzucht begangen hat oder eine Polytheisten heiraten. Den Gläubigen ist dies verboten.

Diejenigen, die den ehrbaren Ehefrauen Untreue vorwerfen und hierauf nicht vier Zeugen beibringen, die sollt ihr mit achtzig Hieben geißeln. Nehmt von ihnen nie mehr eine Zeugenaussage an das sind die wahren Frevler – mit Ausnahme derer, die danach umkehren und Besserung zeigen. Denn Gott ist voller Vergebung und barmherzig.
(Sure Das Licht 24,2-5).

Es gelang mir, im Internet den genauen Wortlaut betreffend Zina, Unzucht, des iranisches Strafgesetzbuch zu finden. Für mich völlig überraschend stellte ich fest, dass Männer ebenso bestraft werden wie Frauen.

Sieht man sich die Statistik über weltweite Hinrichtungen im Jahr 2006 an, dann ist der Iran weder das einzige Land, dass die Todesstrafe verhängt noch jenes mit der höchsten Quote:

Im Jahre 2006 wurden in 21 Staaten mindestens 2052 Hinrichtungen vollzogen. Hierbei handelt es sich um vorläufige Zahlen, die im Laufe des Jahres noch weiter ansteigen können, da viele Informationen von Hinrichtungen erst Wochen bzw. Monate später zu uns kommen: Ägypten 2, Bahrain 3, Bangladesh 2, Botswana 2, China 1524 >, Indonesien 3, Irak 54, Iran 182, Japan 4, Jemen 2 >, Jordanien 2, Kuwait 11, Malaysien 1, Nord Korea 98 >, Pakistan 58, Saudi Arabien 39, Singapur 1 >, Somalia 3, Vereinigte Arabische Emirate 3, Vereinigte Staaten von Amerika 52 und Vietnam 6 (Quelle).

Gewiss – jede Hinrichtung ist eine zu viel, besonders, wenn Minderjährige, also Personen unterhalb von 18 Jahren betroffen sind, wie dies leider manchmal vorkommt. AI unterstützt unter dem Stichwort „urgent action“ die Möglichkeit, Proteste gegen Hinrichtungen per E-Mail zu schicken und diese Möglichkeit sollte man nutzen. Trotzdem – wie man dem Zahlenmaterial leicht entnehmen kann, entspricht es nicht den tatsächlichen Gegebenheiten, dass jede Frau, die das Delikt Zina, Unzucht begeht, deshalb gesteinigt wird.

Bei der Betrachtung der Anzahl der Hinrichtungen im Iran muss einkalkuliert werden, dass im Nachbarland Irak Krieg herrscht, dass Oppositionsparteien mit der Unterstützung der USA an einem Sturz der jetzigen Mullahregierung interessiert sind und dass der jetzige Präsident Ahmadinedschad sogar für iranische Verhältnisse ein Hardliner ist. Gemessen an dem Chaos, dass ein Krieg, ein erzwungener Regierungswechsel in diesem Land anrichten könnte, wäre der Schaden eines Einsatzes im Hinblick auf „Human Rights“ auf jeden Fall wesentlich höher als der Nutzen.

Zusatzmaterial: Über das islamische Rechtssystem

Bild: Aus dem Film Alexis Sorbas

Advertisements

Schreibe einen Kommentar »

RSS feed for comments on this post. TrackBack URI

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.
Entries und Kommentare feeds.

%d Bloggern gefällt das: