Kaviar aus dem Iran

April 17, 2007 um 1:40 am | Veröffentlicht in Anachronismen, Without Clash | Hinterlasse einen Kommentar

Bei meinen Recherchen über den Iran stieß ich auf eine erstaunliche Besonderheit. Der Iran exportiert Kaviar (engl. Wiki), und zwar den des Persischen Störs (Acipenser persicus):

Unter den 25 EU-Mitgliedstaaten gelten Frankreich und Deutschland (1998 bis 2004 je 218 Tonnen) als die größten Importeure. Neben der Rolle als größte „Verbraucher“ re-exportieren die EU und die Schweiz etwa 40 Prozent des importierten Kaviars weiter in andere Länder. Der in die EU und die Schweiz importierte Kaviar stammt zum größten Teil aus dem Iran und Russland. Die weltweit größten Kaviar-Export- Nationen waren zwischen 1998 bis 2004 Iran (484 Tonnen), Russland (210 Tonnen), Kasachstan (85 Tonnen), China (29 Tonnen), Rumänien (25 Tonnen), Aserbaidschan (25 Tonnen) und Bulgarien (13 Tonnen).(WWF)

Angeblich geht sogar das Wort Kaviar auf einen iranischen Begriff zurück:

Der Begriff Kaviar geht wohl auf einen iranischen Volksstamm zurück, der am Kaspischen Meer lebt. Die Khediven waren für ihre Körperkraft bekannt und aßen viel Kaviar. Das zubereitete Störei heißt bei ihnen Cahv-Jar und bedeutet „Kuchen der Freude“. Es gibt weitere Vermutungen zur Herkunft des Begriffes: Eine verbreitete Meinung ist zum Beispiel, dass das Wort Kaviar (persisch: Khaviar) vom persischen „Khag-viar“ herrührt – eine im mittelpersischen Sprachraum verwendete Bezeichnung für «schwarzes kleines Fisch-Ei». (Quelle)

Ein besonders großer Stör wurde im kaspischen Meer, in iranischem Gewässer, gefangen:

Ein sogenannter Rekordstör war ein 1994 im iranischen Teil des Kaspischen Meeres gefangener Acipenser mit 5,5 m Länge und 800 kg Gewicht. Nur ein Kran konnte ihn an Land hieven. Der Gigant lieferte Über 100 kg Kaviar im Wert von mehr als 300.000 Mark (Euro 1534). Französische Fachleute aus dem Musee National d`Histoire in Paris hatten das Tier im Auftrag der Iranischen Regierung für die Nachwelt präpariert. Es steht heute in einem Naturkundemuseum in Teheran (Quelle).

Störe sind erstaunliche Tiere. Nicht nur, dass das urtümliche Aussehen dieses seltsamen Fisches vermutlich für die Entstehung der spannenden Geschichten über Nessie, über das Ungeheuer von Loch Ness, verantwortlich war – auch sonst finden sich über diese Tiere kuriose Geschichten. Obwohl es auch kleinere Arten wie den Sterlet gibt, können manche dieser Fische, die über 100 Jahre alt werden können, sehr groß werden. Der größte gefangene Fisch, ein Hausen (Huso huso) aus Russland, wurde sogar 8 m (9,5 m) lang und wog über 1,5 t.

Störe können gefährlich werden. Aus welchen Gründen auch immer, sie springen manchmal hoch aus dem Wasser und verletzten dabei Menschen (Quelle1, Quelle2). Beim „Einbringen“, d.h. wenn sie beim Fang aus dem Wasser gezogen werden, wehren sie sich so derartig, dass sie mit einem Schlag ihrer Schwanzflosse dazu geeignet ist, einem Fischer beide Beine zu brechen. Die Knochenplatten, mit denen die Tiere bedeckt sind, sind so scharf, dass sie sogar die Pulsadern durchschneiden können. Besonders große Tiere dieser „lebenden Fossilien“ sollen sogar schon mit ihren spitzen Hornschnauzen Löcher in Fischerboote gerammt haben.

Die Störe gelten als bedrohte Tiere und sind deshalb durch das Berner Abkommen geschützt (Quelle). Deshalb entwickelte man in Deutschland jetzt eine Methode, bei der die weiblichen Tiere, denen der Kaviar entnommen wird, nicht mehr getötet werden müssen. Der Kaviar wird unter Betäubung entnommen. Diese Prozedur kann bis zu sechsmal wiederholt werden.

Ich kann mir an dieser Stelle die Bemerkung nicht verkneifen, dass der vielzitierte „Clash of Civilisations“ von Huntington zwischen der westlichen und der islamischen einmal mehr außer Kraft ist, sobald ein Vorteil aus der Perspektive von Geschäftsinteressen, Bequemlichkeit oder Genuss in Sicht ist. Gesetzt den Fall, man könnte den Verantwortlichen für die jetzigen Auseinandersetzungen in M.E. jeden finanziellen Vorteil aus Rüstungs-, ÖL-, IT- und Bauindustrie streichen, wäre GWOT der „Global War against terrorism“, sehr schnell zu Ende.

Zusatzinformation: Persepolis, Unterwasserwelt, Kinderanglerforum

Bild: Stör, Iranischer Kaviar

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