Palästina

April 19, 2007 um 5:27 pm | Veröffentlicht in Middle East, Skandale | Hinterlasse einen Kommentar

Nur sehr wenige Menschen kümmerten sich in den vergangenen Jahren darum, wie es um das Wohlbefinden der Palästinenser bestellt war, ausgenommen vielleicht Idealisten wie jene, die auch am Geschick der Menschen in Ländern der Dritten Welt interessiert sind.

Das ist eigentlich schade. Gemessen daran, wie kapitalkräftige Araber im klitzekleinen Dubai wahre Meisterwerke an Schönheit und Funktionalität (Lagoons, Dubai) herausgeholt haben, dann darf doch wohl noch gesagt werden, dass der Pfusch, mit der der Staat Israel gestaltet wurde, nach und nach vergleichsweise unangenehm auffällt.

Die Israelis sind für das Wohlbefinden sämtlicher Menschen auf ihrem Staatsgebiet verantwortlich. Wohl gemerkt, die Anzahl der Palästinenser erreicht nicht die der Einwohner der österreichischen Landeshauptstadt Wien, jene der größeren Hisbollah, großzügig zusammenzählt, noch nicht einmal die der Berliner.

Man spricht vielleicht nicht gerne darüber, dass einige der Gebiete, die eventuell als Palästinenserstaat zur Diskussion standen, bereits von breiten israelischen Straßen stark zerstückelt wurden. Im Westjordanland bestehen bereits jetzt sehr viele israelische Siedlungen.

Ein Großteil des Wassers in der umstrittenen Westbank wird von den Israeli genutzt. Der Einsatz moderne Techniken ermöglicht sehr wohl den Bau von Entsalzungsanlagen zur Trinkwassergewinnung zu bauen (EITEP).

Ein weiteres Problem besteht darin, dass noch keine Klarheit darüber besteht, wieviele Flüchtlinge bzw. deren Nachkommen durch vorhandene Abkommen berechtigt sind, wieder nach Israel zurückzukommen.

Präsident Olmert veranlasste in seinem früheren Amt gewaltsame Räumungen in Ostjerusalem. Bestehende Differenzen um den Status dieser Stadt sind ebenfalls noch nicht bereinigt.

Jordanien nahm zunächst viele Palästinenser auf. Arafat nutzte diese Situation für militärische Zwecke und es kam zum Kampf. Jordanien zwang die Palästinenser, das Land wieder zu verlassen. Spätestens nach dem Bürgerkrieg im Libanon, bei dem nicht nur israelische, sondern auch amerikanische Raketen das Land angriffen, in dem die PLO damals genauso wie jetzt die Hisbollah Zuflucht gesucht hatte, distanzierten sich die arabischen Staaten von den Palästinensern.

Ein weiterer Engpass wurde dadurch geschaffen, dass PLO-Führer Arafat durch seine Kritik am Golfkrieg II in den USA in Ungnade fiel. Die umliegenden arabischen Staaten wünschten keinen Ärger mit G.W.B. sen. und wiesen die zugewanderte Palästinenser aus (siehe auch Posting).

Der neue Verteidigungsminister Avigdor Lieberman möchte noch Platz für zusätzliche russische Einwanderer jüdischer Abstammung schaffen. Insgesamt besteht keine Sicherheit, dass die Probleme der Palästinenser durch die Anerkennung Israels gelöst werden könnten.

Zunächst einmal müsste Israel sämtliche bisherigen UNO-Resolutionen befolgen, damit es sich überhaupt „Handschlagsqualität“ erwirbt.

Sowohl Israel als auch die Palästinenser erhielten aus Europa und Amerika Geld ohne Kontrolle und Zielsetzung. PLO-Führer Jassir Arafat behielt Geld zurück. Das ist schlimm, aber andererseits – wer investiert schon in Gebiete, in denen die Besitzansprüche nicht klar sind und etliche andere Fragen (Streit um Wasser- und Wegrechte) nicht gelöst sind?

Die Situation erweckt den Eindruck, als könnten die Palästinenser weder in Israel Ansprüche geltend machen noch abwandern. Es besteht für sie nahezu keine Möglichkeit, beim jetzigen Stand der Dinge so zu investieren, dass eine Lösung mit Zukunft geschaffen werden kann.

Es wäre aber Sache der zahlreichen Nahostexperten gewesen, Innovation und Kreativität zu fördern, anstatt zuzusehen, wie jahrzehntelang aus westlichen Ländern Waffen in dieses Gebiet verkauft wurden und das Ergebnis sämtlicher Verhandlungen nicht nur den Nahen, sondern den ganzen Mittleren Osten in ein gefährliches Pulverfass verwandelte, anstatt dass eine Befriedung der Region in Sicht ist.

Statt dessen diskutieren die zuständigen Politiker in Israel ebenso wie in den USA in Anbetracht dessen, dass sozusagen die Mistkübel Ghazastreifen und Libanon (früher die „Schweiz des Ostens“) brennen, über die Option, sozusagen die Couch – den Iran, vielleicht auch Syrien – anzuzünden.

Es ist einfach nicht logisch, warum sich so ein kleines Land wie Israel offensichtlich mit einem großen Land, wie dem Iran (nach CIA-Factbook über 68 Mill. Einwohner), anlegen will, wenn es bereits mit den eigenen Minderheiten bzw. den unmittelbaren Nachbarn in Streitfragen keine Einigkeit erzielen kann.

Es entspricht nicht den Tatsachen, dass mit einem Angriff auf den Iran die Unterstützung für Terrororganisationen gestoppt werden könnte. Ein Teil der Waffenkäufe der Fatah (Partei von Mahmud Abbas) wurde sogar mit Hilfe von US-Unterstützung ermöglicht. (1.2.2007, WOZ, 20.12.2006, WSWS.org).

Ganz nebenbei: Zum allgemeinen Erstaunen verlegte der amerikanische Energieriese Halliburton seinen Hauptsitz von Houston, Texas, nach Dubai (13.3.2007, Zeit). In Dubai investiert übrigens auch die Saudi Bin Laden Group in trauter Gemeinsamkeit mit etlichen anderen westlichen Konzernen in Großprojekte (Gate-2005, S 8, Dubai Municipality). Während manchen Quellen folgend, der Islam regelrecht dämonisiert wird, scheint es also westliche Investoren überhaupt nicht zu stören, dass die Mehrheit der Bevölkerung Dubais aus Moslems besteht.

Ich stelle nach wie vor die Behauptung auf, dass das Auftreten des vielzitierten „Clash of Civilisations“ davon abhängt, wie sehr oder wie wenig damit dem Vorteil von Interessensgruppen gedient ist und dass für eine gewaltfreie Bereinigung der Konflikte in M.E. viel zu wenig gemacht wird. .

Zusatzinformation: Wiki, Engl. Wiki

Bild: Brunnen in Dubai

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