Shaha Ali Riza

April 21, 2007 um 9:09 pm | Veröffentlicht in Frauen im Islam, Gesellschaft, Middle East, Videos, Wirtschaft | Hinterlasse einen Kommentar

Shaha Ali Riza – diesen Namen kennt man bis jetzt noch nicht. Es handelt sich bei dieser „Dame“, die ich im folgenden beschreiben möchte, um die Lebensgefährtin von Paul Wolfowitz, dem früheren Vize- Verteidigungsminister der USA und dem jetzigen Direktor der Weltbank. Der 61-jährige Paul Wolfowitz ist verheiratet, und zwar mit Clare Selgin Wolfowitz und Vater dreier Kinder. Seine Frau war nicht bereit, über Gerüchte über eine mögliche Scheidung mit der Presse zu reden und meinte nur knapp, ihr Privatleben wäre doch wohl ihre Sache. Damit hat sie allerdings recht.1)

Zurück zu Shaha Ali Reza. Sie wurde etwa 1953 in Libyen geboren und wuchs dort, bzw. in Tunis und Saudi Arabien auf. Sie übersiedelte dann nach England, studierte dort und arbeitete lange Zeit als Angestellte der Weltbank. Als Paul Wolfowitz seine Stelle als Weltbankdirektor annahm, kündigte sie einige Monate darauf und wechselte auf einen Posten in der amerikanischen Regierung. Trotzdem wurde ihr Gehalt ohne weiteren Anlass von $ 123.660 auf $ 193.590 pro Jahr erhöht. Damit verdient sie um etwa $ 7000 mehr als Außenministerin Condoleeza Rize. (28.3.2007, Washington Post). Den Schaden für den Ruf der Weltbank, für Paul Wolfowitz, dessen Rücktritt von einigen Seiten gefordert wurde, kann man noch gar nicht absehen (16.4.2007, Tagesspiegel).

Aber es steckt noch mehr hinter dieser auf ersten Blick banalen Korruptionsaffaire. Paul Wolfowitz war, wie man weiß, einer der führenden Strategen, der eine demokratische Umwandlung des M.E. mit militärischen Mitteln verlangte. Man kann es Shaha Ali Riza vielleicht noch verzeihen, dass sie die Qualifikationen, die sie sich als offensichtlich intelligente und tüchtige Frau erwarb, ebenso wie ihre Beziehung, dazu benutzte, um auch auf militärische Planungen betreffend M.E. Einfluss zu nehmen. 2) Aber man betrachte einmal die bis jetzt erreichten Konsequenzen des Irakkrieges:

Man weiß, wie es im Irak jetzt aussieht. Im Land tobt der Bürgerkrieg, über 665.000 Menschen sind gefallen. Der Einsatz von DU hinterlässt Folgen, deren endgültige Konsequenzen noch nicht abzusehen sind. UNHCR geht von über 4 Millionen „displaced people“, also von Menschen, die ihr zu Hause verloren haben aus. In einem Land mit etwa zwölf Millionen Einwohnern werden Christen verfolgt, vertrieben und getötet. Das sekuläre Staatswesen wurde zum Nachteil der Frauen durch die islamische Scharia ersetzt. Zerstört wurde die Goldene Kuppel der Moschee von Samarra, geplündert die Bücherei des Hammurabi, selbst der „Löwe von Babylon„, Symbol der Göttin Ischtar, steht nicht mehr dort, wo er war.

Doch dies ist noch längst nicht alles. Es fehlt in den USA Interesse und Geld zur Betreuung der zahlreichen Kriegsveteranen. Der Westen hat die moralische Vormachtstellung verloren. Nordkorea konnte mittlerweile weitgehend ungestört Atombomben entwickeln, China investierte in der Zwischenzeit in Afrika und Südamerika. Anstatt Rücklagen für aktuelle Herausforderungen wie Seuchen oder Klimakatastrophen zu bilden, könnte das US-Defizit sogar zu einer Weltwirtschaftskrise führen.

Das „Leuchtfeuer über Bagdad“ entwickelte sich ebenso wie die Folterskandale in Abu Ghraib und Bagram zur besten Reklame, die der Islam jemals hatte. Der Iran, ein theokratischer Staat, in dem Frauenrechte nur sehr schwer Fuß fassen können und Journalisten ständig um mehr Pressefreiheit bemüht sind, wurde rückfällig und wählte den konservativen Mahmoud Ahmadinedschad als Präsidenten, sodass dort ein weiterer Krieg droht.

Das eigentliche Ziel, nämlich die Stellung der Frau in islamischen Ländern zu verbessern, dass sich Shaha Ali Riza offensichtlich gesetzt hat, wurde nicht erreicht. Wie man weiß, sind die Frauen in Saudi Arabien ganz besonders schlecht gestellt. Sie dürfen nicht studieren, so wie es den Frauen im Iran erlaubt ist:

Im Gegensatz zu vielen islamischen Staaten ist es im Iran Frauen gelungen, ihre Position in der Gesellschaft immer weiter auszubauen. Heute stellen Frauen sechzig Prozent der Studierenden. Es gibt bereits mehr Akademikerinnen als Akademiker, was einige Abgeordnete im Parlament dazu veranlasst hat, eine Quotenregelung zu beantragen, die den Anteil der Frauen an den Universitäten auf höchstens fünfzig Prozent einschränken soll (9.3.2007, Taz).

Frauen in Saudi Arabien besitzen in der Politik keinen Einfluss, während sich im Iran sogar in der Regierungsperiode des Hardliners Ahmadinedschad – dessen Stern im Sinken ist – Frauen für politische Ämter bewerben dürfen, wie zum Beispiel Parvin Ahmanedschad, die Schwester des (angeblichen) „Irren von Teheran“ (17.12.2006, Al Jazeera).

Es ist nicht üblich für die Frauen in Saudi Arabien, Sport zu betreiben, so wie dies den iranischen Frauen, wenn auch in begrenztem Ausmaß, erlaubt ist.

Trotzdem wurde nichts unternommen, um betreffend „Frauenrechte“ in Saudi Arabien Fortschritte zu erzielen. Im Gegenteil, Saudi Arabien kauft weiterhin munter Waffen aus dem Westen und verdient dadurch, dass der Ölpreis durch den Irakkrieg stark angestiegen ist, sogar mehr Geld im Ölgeschäft als vorher.

Bevor jetzt jemand meint, ich würde den Iran „verherrlichen“, möchte ich nur ganz kurz darauf hinweisen, dass es viel anschaulicher ist, Saudi Arabien mit dem Iran zu vergleichen, während – darüber besteht kein Zweifel – zwischen dem Lebensstandard in Deutschland oder der Schweiz und dem Iran wiederum ein Loch ist.

Insgesamt gesehen also entwickelte sich der Irakkrieg zu einem Musterbeispiel an Fehlplanung und Missmanagement. Dass Shaha Ali Riza dann auch noch die absolute Frechheit hatte, sich als Freundin von Weltbankdirektor Paul Wolfowitz eine unverdiente Gehaltserhöhung in gewaltigem Ausmaß zuschanzen zu lassen, schlägt meiner Meinung nach jedem Fass den Boden aus.

Fußnoten: 1), 2): 20.3.2005, Daily Mail

Zusatzinformation: 20.4.2007, Herald Tribune

Bild: Shaha Ali Riza

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