Eisbären im dritten Jahrtausend

Mai 28, 2007 um 11:28 pm | Veröffentlicht in Middle East, Skandale, Vom Klima, World War IV | 24 Kommentare

Zu den erfreulichen Ereignissen dieses Jahres gehört ohne Zweifel der Auftritt der neuen VIP Knut (VIP =“Very Important Polar Bear“). Fraglos eroberte das Eisbärbaby in den letzten Monaten nicht nur die Herzen der zahlreichen Besucher des sympathischen Berliner Zoos, sondern auch Zeitschriften und Online-Magazine.

Wert darauf, zu seinen Fans gezählt zu werden, legte sogar der bekannte neokonservative Hardliner Newt Gingrich (Republikaner), der sich noch vor wenigen Monaten für eine militärische Lösungen im M.E. im Ausmaß eines weiteres Weltkrieges aussprach: „An Emerging New World War “ (24.8.2006, AEI).

Eben dieser Newt Gingrich behauptete nun bei einer Fernsehdebatte mit Senator John Kerry, sein Name „Newt“ käme ursprünglich von Knut. Zunächst fand ich diese Anekdote so komisch, dass ich davon ausging, dass hier ein lustiger Sketch vorgeführt werden sollte:

„My name, Newt, actually comes from the Danish Knut, and there’s been a major crisis in Germany over a polar bear named Knut,“ he confided. (11.4.2007, Washington Post)

Es besteht aber kein Zweifel daran, dass es sich bei dieser Aussage um ein wortwörtliches Zitat von Newt Gingrich handelt, da im Internet ein Mitschnitt der Debatte aufgerufen werden kann (Minnesota Public Radio, aufrufbar von The Democratic Daily). Fast Tränen lachen musste ich allerdings, als ich mir die wörtliche Übersetzung des Namens „Newt“ ins Deutsche ansah. Der Name bedeutet nämlich …. Ich schreibe das Wort wohl besser nicht auf, da dies sonst einer Beleidigung gleich kommen könnte.

Doch es gab auch jemanden, der sich darüber ärgerte, dass das nette Bärchen gerettet werden konnte, und zwar den „Tierrechtler“ Frank Albrecht, der auch der „Handaufzucht“ des Gorillas Bokito die Schuld gab, als dieser im Zoo Rotterdam ausbrach und etliche Personen verletzte (PR-Inside).

Das Heft, aus dem er zitierte, kann man nur noch aus einem Antiquariat erwerben. Es muss noch vor dem Jahr 1970 entstanden sein, das heißt, es ist eigentlich komplett veraltet und enthält neuere Ergebnisse der Verhaltensforschung noch überhaupt nicht (Antiquariat).

Frank Albrecht vergaß übrigens völlig, darauf hinzuweisen, dass Wildfänge, bei denen manchmal die ganze Familie getötet oder zerstört wird, für Gorillas in freier Wildbahn verheerende Auswirkungen haben (Diane Fossey). Man versucht in der Heimat der großen Tiere, die Bevölkerung wenigstens davon abzuhalten, die Affen überhaupt zu essen. Obwohl spätestens die Haltung von Menschenaffen an die Grenzen der Möglichkeiten eines Zoos stößt, sollte doch kein Tier unnötig getötet werden. An der Stuttgarter Wilhelma werden übrigens Menschenaffenbabies im Rahmen von Arterhaltungsprogrammen mehrfach mit der Hand aufgezogen (Stuttgarter Wilhelma).

Seiner Aussage nach wollte er durch sein Verhalten darauf aufmerksam machen, dass in Zoos – sollte nicht sein – manchmal unerwünschte Tierkinder getötet werden, bzw. anregen, dass in einem Fall, so wie in dem vom kleinen Knut, dessen Mutter ihn nicht annehmen wollte, der Natur freien Lauf gelassen werden sollte (Interview).

Nur ganz kurz: Eine solche Einstellung käme aber gerade solchen Tieren, die sich ohnehin leicht und vielfach fortpflanzen, zu Gute. Schon richtig, viele Detailfragen in Zoos betreffend die Haltung sind noch nicht gelöst. Aber der Naturschutz braucht Geld ebenso wie Unterstützung der Politiker. Die Chancen, dass zufriedene Zoobesucher doch den einen oder anderen Erlagschein ausfüllen oder umweltfreundliche Politik unterstützen, stehen viel größer, als es in einer Gesellschaft der Fall sein könnte, die Tiere nur noch im Fernsehen ansieht.

Bei der anderen Expertin, die Frank Albrecht nach einer Veröffentlichung aus dem Jahr 2002 zitiert, Dr. Lydia Kolter, handelt es sich um eine anerkannte Expertin, die in ihrer Kritik an der Haltung gefangener Bären allerdings sehr realistisch davon ausgeht, dass gerade Bären besonders oft in kleinen und untauglichen Gehegen gehalten werden. Die von Frank Albrecht angesprochenen „Verhaltenssteoreotypien“ kann der Zoobesucher übrigens selbst leicht erkennen, wenn das betreffende Tier „webt“, das heißt, von einem Bein auf das andere tritt oder ruhelos hin und her läuft. Um derartiges Fehlverhalten vorzubeugen, wurden für Zootiere inzwischen Beschäftigungsprogramme entwickelt. Das Fachwort dafür heißt „Enrichment“. Gerade Frau Dr. Lydia Kolter engagiert sich sehr auf diesem Gebiet und hält mittlerweile Vorträge über das Thema „Enrichment für Bären“ (Zookunft 2005).

Frank Albrecht selbst agiert nicht unter seinem richtigen Namen. Zufällig entdeckte ich in einem Weblog, dass ihn einer der Leser als Frank Höneck, einen ehemaligen Sprecher der PeTA, erkannte (5.4.2007, Tagesspiegel). Es besteht kein Zweifel (Ansichten eines Clowns, SZ).

Die PeTA (People for the Ethical Treatment of Animals), der Schrecken aller vernünftigen Tierschützer, erwarb einen traurigen Bekanntheitsgrad, da die von ihr definierten Ziele und Methoden unrealistisch bzw. zum Teil ungesetzlich sind. Kritisiert wurde die PeTA auch für“Sterbehilfe“ an Tieren in den USA (PeTA kills animals).

Endgültig in Misskredit geriet die PeTA, als sie sich in einem Anfall von Geschmacksverwirrung bemühte, die Massentierhaltung dem Holocaust gleich zu setzen. An dieser Stelle hört bei aller Liebe zum Tier wohl jede Sympathie auf (Mut gegen rechte Gewalt). Es kam sogar zu einer Anzeige, und zwar 2004 wegen Volksverhetzung (Strafanzeige, Warnhinweise)Es ist mir nicht bekannt, wie weit Frank Höneck selbst in einen solchen Skandal involviert war. Aber ein Text von ihm persönlich in einem Weblog sagt wohl aus, wo der Mann steht (vagan.de, dazu auch 4pawsnet).

Es nicht nur sehr schade, dass die PeTA mit ihrem billigen Aktionismus vernünftige und um wissenschaftliche Argumentation bemühte Naturschutzorganisationen in Misskredit bringt, sondern ihr „Wirken“ könnte – wieder ein anderes Thema – sogar zeigen, dass zuviel Toleranz gegen radikale Splittergruppen und Vereine führen eine ziemlich schlechte Idee ist.

Freilich – in erster Linie sollten Eisbären – wie andere Tiere auch – in freier Wildbahn die Möglichkeit haben, ungestört zu leben. Es entspricht aber der traurigen Realität, dass die diese Tiere in freier Wildbahn bedroht sind. Obwohl sie gut schwimmen können, finden die Tiere im Sommer, wenn das Wasser offen ist, zu wenig Nahrung (7.3.2007, Telegraph.co.uk). In einigen Fällen vermischten sich Eisbären sogar mit nordwärts gewanderten Grizzlies. Daraus entstanden dann „Pizzlies„.

Eine amerikanische Umweltschutzgruppe, National Resources Defense Council (NRDC), macht besonders auf die Gefährdung der Eisbären aufmerksam und bietet sogar auf ihrer Homepage unter dem Titel „SOS Polar Bear“ die Möglichkeit, eine Petition mit der Bitte, die Eisbären auf die Liste der bedrohten Arten zu setzen, an G.W.B. zu schicken (SOS Polar Bear). Ein Vorschlag wurde bereits in den Kongress eingebracht (29.12.2006, The Seattle Times). Die Entscheidung darüber, ob die Eisbären nun wirklich auf die Liste der bedrohten Arten gesetzt werden, fällt jedoch erst im Jahr 2008 (21.5.2007, Reuters).

„Friend or foe?“ Sobald es um Macht und Geld geht, scheint es also vorbei mit der Freundschaft. Die USA denkt weder an den Schutz der Eisbären noch an Abrüstung, der Zoodirektor aus Rotterdam, in dessen Zoo der Unfall mit Bokito geschah, fürchtet wohl, den Schaden, den das ausgebrochene Tier verursachte, zahlen zu müssen, während sich mit Frank Höneck ein offensichtlich völlig inkompetenter Aktivist eines Vereins, der ohnehin bereits einen schauerhaft schlechten Ruf hat, auf Kosten einiger wehrloser Tiere profilieren will! Es kann, wie man sieht, nicht schaden, die Augen offen zu halten und sich manchen „Tierfreund“ bzw. „Tierschützer“ genauer anzusehen.

Bilder: Porzellan-Knut, Eisbärjunge

„Soft Revolution“ und Terror im Iran

Mai 27, 2007 um 6:36 pm | Veröffentlicht in Middle East, Skandale, Waffen, World War IV | Hinterlasse einen Kommentar

Weiterhin ballt sich die gewaltige Armada der USA am persischen Golf. Seit dem Eintreffen der Flugzeugträger in dieser Region wurde sie sogar noch zusätzlich verstärkt In Kuweit führten die US-Truppen sogar mit „amphibischen Booten“ „Landeübungen“ durch (Kuweit Times, Globalresearch.ca). G.W.B. ließ sich inzwischen für den Krisenfall weitreichende Vollmachten zusichern (globalresearch.ca), ebenso wie der britische Innenminister John Reid (globalresearch.ca).

Zu meiner Überraschung veröffentlichte am 27.5.2007 die Jerusalem Post einen Artikel mit folgender Überschrift: Bush authorized CIA to carry out ’soft revolution‘ in Iran. Vorausgegangen war noch eine Warnung britischer Experten, die einen „preemptive war“, einen Militärschlag auf den Iran, als zu gefährlich und kontraproduktiv einstuften (24.5.2007, Jerusalem Post).

Zu den (auslandgestützten) Terrorgruppen, die im Iran einen Regierungsumbruch von innen unterstützen sollen, gehört unter anderem eine Splittergruppe an der iranisch-pakistanischen Grenze mit dem Namen Jundullah (Army of God in Farsi). Diese Terrorgruppe wird nicht nur im oben genannten Artikel der Jerusalem Post namentlich erwähnt, sondern auch in der PressTV, und zwar am 2.4.2007. Auch auf der US-Militärbeobachtungsseite von John Pike finden sich etliche Spuren, unter anderem ein konkretes Bekenntnis dieser Terrorgruppe zu einem Anschlag im Iran:

Jundullah has claimed responsibility for the March 16 attack on a motorcade traveling between the cities of Zahedan and Zabol in which more than 20 people were killed and another seven were injured (see „RFE/RL Iran Report,“ 29 March 2006). The group released a videotape in which it said it was holding several hostages. (Bill Samii) (10.4.2006, globalsecurity.org)

Trotz aller Erleichterung über das offizielle Umschwenken von G.W.B. auf „soft revolution“ betreffend den Iran fiel mir auf, dass die „Jundullah“ aus Beluchistan stammt, einer Region, die auf der „neuen Karte“ als unabhängiges Land angegeben ist. Die Region „Balochistan“ verteilt sich auf den Südosten Irans, den Südwesten Pakistans und einen kleinen Teil Afghanistans (siehe auch Posting). Solange G.W.B. an der Macht ist, sollte der gesamte M.E. nach wie vor unter erhöhte Aufmerksamkeit gestellt sein.

Bild: Ethnische Karte der Region

„The New Middle East“

Mai 5, 2007 um 12:48 pm | Veröffentlicht in Middle East, Publikationen, Skandale, World War IV | 1 Kommentar

Eine seltsame Meldung: Offensichtlich setzen die USA unter anderem auch Mitglieder der durch ihren Widerstand gegen die türkische Regierung bekannten Terrororganisation PKK (Arbeiterpartei Kurdistans) undercover gegen den Iran ein. (Sami Moubayad, 27.3.2007, Asia Times Online, Gregory Elich, 23.3.2007, Globalresearch, Seymour Hersh, 4.2.2007, Kavkacenter).

Parallel dazu fand ich in einem (türkischen) Tagesspiegel Vorwürfe über die Unterstützung der PKK bzw. über die PJAK (Party of Free Youths of Kurdistan), deren Ableger im Iran durch die USA (Erdal Safak, 3.5.2006, Kommentar des Tages: Komplizierte Angelegenheiten). Ebenfalls erwähnt der demokratische Kongressabgeordnete Dennis J. Kucinich sogar in einem Brief an G.W.B., der die US-Unterstützung von Terrorgruppen im Iran kritisiert, neben der mittlerweile bekannten MEK (Mujahedin e-Khalq) auch die PJAK, hier als PEJAK (Party for a Free Life in Kurdistan) bezeichnet, ebenso die Balochis (Quelle). Die Bemerkung über die „Balochis“ erinnerte mich an einige Zeilen aus einem Artikel in der Asia Times Online:

This development has broader implications. An immediate one could be a revival in the movement for a greater Balochistan. Ethnically, Baloch areas exist in Afghanistan, Iran and Pakistan. Pakistani Balochistan is known as the „Third International“ as it is the most important segment of the Baloch regions and could play an important role as a catalyst for revolution in Afghanistan and Iran.

Inflammatory issues such as Pashtunistan and „Greater Balochistan“ have the potential to slice the existing power bases in Afghanistan, Pakistan and Iran. Iranian Balochis, for example, are culturally and religiously (being Sunnis) as well as politically (liberal) totally different from the majority of Shi’ite Iran (Syed Saleem Shahzad, 25.10.2003, Asia Times Online).

Alles zusammen irritierte mich deshalb, weil er mich an einen andere ungewöhnliche Veröffentlichung erinnerte, die ich an anderer Stelle gelesen hatte. Da mir die in „Redraw Middle East“ ausführlich beschriebene Idee, im M.E., Türkei inklusive, die Grenzen willkürlich zu ändern, auf ersten Blick als recht unwahrscheinlich erschien, verfolgte ich diese Spur zunächst nur kurz, fand aber dabei einen Plan jüngeren Datums, der bereits an einigen Stellen im Internet veröffentlicht wurde.

Die neue Landkarte, die dabei entstehen soll heißt „The New Middle East“ (Mahdi Darius Nazemroaya, 18.11.2006, Redraw Middle East). Die gleiche Grafik findet sich aber auch in einem Artikel von Ralph Peters in der Militärzeitschrift „US’ Armed Forces Journal 06/2006“ zusammen mit einer detaillierten Beschreibung für „Plans Redrawing Middle East„. Über diesen Artikel wurde bereits öffentlich diskutiert (13.7.2006, Claude Salhani, Khaleej Times Online, Anmerkung: Khaleej Times Online ist eine englischsprachige Online-Zeitschrift, die in Dubai und in den amerikanischen Emiraten herausgegeben wird.).

Um nicht eines Tages von unangenehmen Geschehnissen überrascht zu werden, sollte man vielleicht neben den bisher bekannten Kriegs- und Krisengebieten auch „New Middle East“ im Auge behalten. Ich bin betreffend Recherchen über diese Vorlage zu neuen strategischen Abenteuern noch nicht weit genug vorgedrungen genug, um mir definitiv eine Meinung zu bilden. Es scheint sich zur Zeit im Nordirak zum Ärger der Türkei die Bildung eines kurdischen Staates abzuzeichnen. (Güncelleme, 22.8.2006, MSNBC).

Die Türkei steht zur Zeit am Scheideweg. Es ist noch nicht einmal sicher, dass sich bei den Wahlen dieser Tage ebenso wie in der Vergangenheit eine säkulare Regierung durchsetzen kann. Insgesamt könnte ich mir also lediglich vorstellen, dass ein Blick auf diese neue Karte zwar keinen Blick in die Zukunft bietet, aber besonders im Hinblick auf die Beitrittsverhandlungen der Türkei zur EU, doch recht interessant ist.

Bild: Map of the New Middle East

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