Polen im „GWOT“

Juni 30, 2007 um 6:16 pm | Veröffentlicht in Generell, Skandale, Wirtschaft | Hinterlasse einen Kommentar

Ursprünglich gehörte Polen mit zur „Koalition der Willigen“, die unter US-Führung den Irak angriff. Aber das Ausmaß, mit dem Polen den Irakkrieg unterstützte, entspricht nicht einmal annähernd dem von Großbritannien. Zur Zeit stehen noch – etwa 900 polnische Soldaten im Irak.

Die polnische Regierung erwartete sich ursprünglich Vorteile von der Teilnahme (8.12.2005, Uni Kassel). Der in den letzten Jahren zuständige Verteidigungsminister Radoslaw Sikorski (2005-2007), von dem mit Recht behauptet wurde, er wäre ein „Mann der USA“ trat bereits im Februar 2007 zurück (Wiki).

Abgelöst wurde er durch Aleksander Szczygo (Wiki). Polen unterstützt zur Zeit den Bau des von der USA gewünschten Raketenschildes. (27.6.2007, Kleine Zeitung). Es wird zur Zeit noch beraten, wieweit Polen sein Kontingent an Soldaten in Afghanistan, welches sich zur Zeit auf etwa 1200 Soldaten beläuft, weiter aufstockt (26.2.2007, Polnischer Rundfunk). Diese Soldaten sollen aber lediglich im Norden, nicht im heiß umkämpften Süden stationiert werden (28.6.2007, EuroNews). Insgesamt wurde die Arbeit der polnischen Regierung in diesem Jahr von Rücktritten und Skandalen überschattet (19.2.2007, Zeit).

Eigentlich trat also Polen der „Koalition der Willigen“ im Irakkrieg ebenso wie in Afghanistan niemals „als starker Partner aus Überzeugung“ bei, sondern als einer, der sich wissend um die eigene Schwäche und auf den eigenen Vorteil bedacht, auf die Seite der USA gestellt hat. Auch für den Bau eines US-Raketensilos erwarten sich die Polen Gegenleistungen, und zwar eine deutliche Erleichterungen bei der Einreise (4.6.2007, Oberpfalznetz).

In der Vergangenheit gerieten deutsche und polnische Armeen immer wieder heftig aneinander. Genauso bedrohte Russland immer wieder das flache, ungeschützte Land. Im Gegensatz zu Großbritannien stellte aber Polen niemals eine See- oder Kolonialmacht dar und verfügt noch nicht einmal annähernd über die militärische und wirtschaftliche Stärke Englands.

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Wenn also ein gewisses Einverständnis mit den USA vorliegt, dann dient es zur Durchsetzung eigener Interessen in Europa und stützt sich – vielleicht – auf alte Ängste. Außerdem bekennt sich die polnische Bevölkerung zum r.k. Glauben. Damit befindet sie sich, was „Moralvorschriften im privaten Bereich“ betrifft, zwar auf einer Linie mit den US-Evangelikalen, lehnt aber in der Mehrheit – wie auch Johannes Paul II, den Irakkrieg ab (Dialog Online).

Während es sich darüber diskutieren lassen müsste, wieweit Großbritannien anstatt europäischer Interessen die der USA in Europa vertritt, kann doch gesagt werden, das Polen geschichtlich, geografisch und auch weltanschaulich sozusagen ein „bodenständig europäisches“ Land ist, welches einige Mühe und Rücksicht verdient.

Der jetzigen Regierung, die durch ihre unangenehm nationalistisch, konservativ-katholische Ausrichtung auffällt, sollte aber der Hinweis nicht erspart bleiben, dass die Zeit für religiösen Fundamentalismus und Nationalismus in den europäischen Ländern schon längst abgelaufen ist (sein sollte).

Bilder: Polnisches Wappen, Wolkenkratzer als Wahrzeichen der Dritten Republik

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Schi fahren in Dubai

Juni 7, 2007 um 11:55 am | Veröffentlicht in Gesellschaft, Middle East, Vom Klima, Wirtschaft, Without Clash | Hinterlasse einen Kommentar

Bedingt durch die Klimaerwärmung müssen immer mehr Schigebiete auf Schneekanonen zurückgreifen. Fans bekannter Schifahrer bedauerten, dass im Vorjahr sogar das bekannte „Hahnenkammrennen“ in Kitzbühl wegen Schneemangels ausfallen musste. Doch vielleicht erschließen sich bereits jetzt für Freunde des Wintersports neue Möglichkeiten?

Für diejenigen, die auch in den heißen arabischen Ländern gerne Schi fahren möchten, stellten Hotelbesitzer in Dubai in temperierten Räumen luxuriöse Möglichkeiten für dieses Hobby zur Verfügung (Radikale Innovation, Slideshow 1: Bilder 17,18, Slideshow 2: Bilder: 23, 24,25):

Was macht „Mickey Mouse“ bei der Hamas?

Juni 4, 2007 um 9:54 pm | Veröffentlicht in Middle East, Skandale, Videos, Without Clash, World War IV | Hinterlasse einen Kommentar

In Israel wurde anlässlich der seltsamen Tatsache, dass eine der beliebten „Mickey Mouse“ ähnelnde Zeichentrickfigur, genannt „Farfur“ für die Interessen der Hamas Werbung machte, zu Recht kritisiert, dass Walt Disney an sich die Regelungen des Copyright sehr restriktiv auslegt, in diesem konkreten Fall aber kein Protest zu hören war (28.5.2007, Haaretz).

Hm! Walt Disney unterhält auch eine Zweigstelle im Mittleren Osten, die bis nach Kuweit hineinreicht (Disney Channel). Kuweit gehört aber zu den wenigen Staaten, die die Hamas als palästinensiche Regierung anerkannt haben (13.2.2006, Xinhua.net, 26.3.2006, Peoples Day Online). Die Geschäftsgebarung von Walt Disney entspricht nicht immer unbedingt moralischen Kriterien (15.12.2001, NYTimes, jedermensch). Das alles zusammen soll jetzt wirklich nicht heißen, dass die Amerikaner oder „The Walt Disney Company“ an den dummen Werbespots mit der Maus schuld sind. Es könnte aber ein Hinweis darauf sein, dass es im Geschäftsleben der Filmindustrie – vielleicht – an Integrität fehlt.

Einem aufmerksamen Blogger, der auch die Äußerungen von Walt Disneys Tochter, der 73-jährigen Diane Miller zu dem Geschehen auf seinem Weblog festhält (adistantsoil), fiel auf, wie sehr die jetzigen Hamas-Filme den alten Walt Disney Filme (unten) ähneln, die im zweiten Weltkrieg gedreht wurden, um Stimmung gegen A.H. zu machen (adistandsoil).

Der Sender Al Aqsa gehört der Hamas. In Betrieb genommen wurde der Sender anlässlich der Wahlen unter den Palästinensern (Iran Daily). Offensichtlich erhielt der Sender vom palästinensischen Informationsministeriums ursprünglich noch nicht einmal die Genehmigung (Quelle). Der private Sender wurde 2004 von israelischen Kampfhubschraubern angegriffen. Al Aqsa sendet über Arabsat (Saudi Arabien) und Nilsat (Ägypten). Sollte man nicht, anstatt anderweitig Kampfhandlungen in Erwägung zu ziehen, doch nochmals versuchen, die Sender abzustellen? (The Hamas Network). Auf Eurobird wurde der Sender abgeschaltet (SatundKabel.de).

Die iranische Regierung, die vielfach für den anhaltenden Widerstand der Palästinenser bzw. der Hisbollah verantwortlich gemacht wird, steckt also auf keinen Fall hinter der extrem aggressiven antizionistischen Propaganda. Im Gegenteil, es stellt sich die Frage, wieweit eine solche Sendung überhaupt ausgestrahlt werden kann, wenn nicht bis zu einem eine gewisse Mitwisserschaft bzw. Mitschuld des Westens bzw. „verbündeter“ islamischer Staaten vorhanden ist.

Bild: Mouse Farfur


Der Islam in Österreich

Juni 3, 2007 um 7:25 am | Veröffentlicht in Frauen im Islam, Without Clash | 10 Kommentare

Was Österreich betrifft, so kommen Bedenken von Islam-Kritikern gegenüber der Integration der islamischen Religionsgemeinschaft um fast 100 Jahre zu spät. Die islamische Glaubensgemeinschaft wurde in Österreich bereits 1912 anerkannt (DerIslam.at). Daraus ergab sich seit 1946 das Recht auf Religionsunterricht (DerIslam.at).

Beide Entgegenkommen wurden freilich mit wesentlichen und aussagekräftigen Auflagen verknüpft. Bekannt ist, dass islamistische Organisationen wie die Hisbollah ebenso wie die Hamas über Sozialleistungen und über caritative Einrichtungen versuchen, in islamischen Ländern die Sympathie der Bevölkerung auf ihre Seite zu ziehen. Im Sozialstaat Österreich besteht keine Ansatzpunkte, an denen sich islamische Hilfsorganisationen profilieren könnten. Vielleicht spielt auch dieser Faktor eine Rolle in dem Phänomen, dass sich die islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich friedlich entfaltete.

Der österreichische Islam stellt freilich nicht „den Islam“ an sich dar, sondern in gewisser Weise einen Dialekt, der die religiöse Komponente dieser Religion von der politischen getrennt hat. Ohne jetzt das österreichische Konzept als Pauschallösung präsentieren zu wollen, zeigt es doch einen Weg, wie sich die islamische Religion in demokratische Länder integrieren lassen können.

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