Der Islam in Österreich

Juni 3, 2007 um 7:25 am | Veröffentlicht in Frauen im Islam, Without Clash | 10 Kommentare

Was Österreich betrifft, so kommen Bedenken von Islam-Kritikern gegenüber der Integration der islamischen Religionsgemeinschaft um fast 100 Jahre zu spät. Die islamische Glaubensgemeinschaft wurde in Österreich bereits 1912 anerkannt (DerIslam.at). Daraus ergab sich seit 1946 das Recht auf Religionsunterricht (DerIslam.at).

Beide Entgegenkommen wurden freilich mit wesentlichen und aussagekräftigen Auflagen verknüpft. Bekannt ist, dass islamistische Organisationen wie die Hisbollah ebenso wie die Hamas über Sozialleistungen und über caritative Einrichtungen versuchen, in islamischen Ländern die Sympathie der Bevölkerung auf ihre Seite zu ziehen. Im Sozialstaat Österreich besteht keine Ansatzpunkte, an denen sich islamische Hilfsorganisationen profilieren könnten. Vielleicht spielt auch dieser Faktor eine Rolle in dem Phänomen, dass sich die islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich friedlich entfaltete.

Der österreichische Islam stellt freilich nicht „den Islam“ an sich dar, sondern in gewisser Weise einen Dialekt, der die religiöse Komponente dieser Religion von der politischen getrennt hat. Ohne jetzt das österreichische Konzept als Pauschallösung präsentieren zu wollen, zeigt es doch einen Weg, wie sich die islamische Religion in demokratische Länder integrieren lassen können.

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  1. https://newcm.wordpress.com/2007/06/03/der-islam-in-osterreich/

    Hm, über Österreich muß man sich schon wundern…

    Anscheinend ist da die Politik bei dem Thema so polarisiert, daß es nur „entweder – oder“ Positionen gibt? Entweder FPÖ „daham statt Islam“, quasi Nachspiel der Türkenkriege oder SPÖ, die sich als neue Klientelpartei der Muslime (inklusive Islamisten, wer wird da schon genauer hinschauen) versteht.

    Es muß doch möglich sein, jenseits davon sachliche Kritik zu äußern? Und auch an muslimische Seite Forderungen zu stellen?

    Bekannt ist, dass islamistische Organisationen wie die Hisbollah ebenso wie die Hamas über Sozialleistungen und über caritative Einrichtungen versuchen, in islamischen Ländern die Sympathie der Bevölkerung auf ihre Seite zu ziehen. Im Sozialstaat Österreich besteht keine Ansatzpunkte, an denen sich islamische Hilfsorganisationen profilieren könnten.

    Ähem, im Sozialstaat Österreich geht es doch noch viel einfacher:
    die Islamische Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ) bekommt vom Staat 350 Islamlehrerstellen finanziert, die sie nach Gutdünken besetzen kann, um ca. 40.000 muslimische Schüler in ihrem Sinne zu erziehen. Dafür hat sie jahrelang ein Lehrbuch von Qaradawi (Al-Jazeera Prediger der Muslimbrüder) benutzt. Türkische Verbandsvertreter haben den Unterricht als „arabische Propaganda gemischt mit wahabitischen (Irr-)Lehren“ und die Islamlehrer als unqualifiziert und schlecht ausgebildet bezeichnet. Zwei IGGiÖ Islamlehrer sind nebenher Funktionäre von Hamasnahen Spendenvereinen. Der Vorzeige-Imam, der auch Islamlehrer bei der IGGiÖ ausbildet, bejubelt in arabischsprachigen Predigten die Hamas Märtyrer
    http://oe1.orf.at/highlights/102839.html
    Und die IGGiÖ hat es in den fast 25 Jahren islamischen Religionsunterrichts nicht mal geschafft, daß alle Islamlehrer deutsch sprechen (obwohl der Unterricht deutschsprachig sein muß).

    Das „Phänomen, dass sich die islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich friedlich entfaltete“ – friedlich im Gegensatz zu …? – da werden aber verdammt niedrige Maßstäbe angelegt, oder?

    Ist das österreichische Modell nicht einfach nur „Wegschauen, so lange es geht“?
    Und die IGGiÖ gibt einer kleinen Minderheit die Möglichkeit zu bestimmen, was „der Islam“ ist, sogar noch staatlich finanziert. Nicht, daß da etwas in Deutschland im geringsten besser wäre beim Islamunterricht (ein „deutsches Modell“ gibt es nicht), aber was in Deutschland als extremistisch beobachtet und kritisiert wird, scheint in Österreich Mainstreamfähig zu sein:

    * Milli Görüs – in D als islamistisch beobachtet, in Ö nicht (ist in der IGGiÖ vertreten)

    * Hizb ut-Tahrir – in D verboten, Zentrale in Wien, leitender Funktionär jahrelang Schulkoordinator bei der IGGiÖ

    * Hamasspendenvereine – in D verboten, in Ö weiter aktiv

    * Islamfunktionäre mit Bindungen zur Muslimbrüderschaft – in D marginalisiert, kein staatlicher Ansprechpartner, in Ö IGGiÖ Funktionäre

    * „Muslimische Jugend“ – in D keine staatliche Förderung wegen Bindungen zur Muslimbruderschaft, in Ö staatlich unterstützte offizielle Jugendvertretung

    Ehrlich, ich kann die Einschätzung, es gebe einen entpolitisierten „österreichischen Islam“ nicht nachvollziehen….

  2. @ Marvin

    Zunächst einmal möchte ich mich für Ihren ausführlichen und interessanten Kommentar bedanken. Hm! Ich wurde auf das Thema „Islam in Österreich“ dadurch aufmerksam, als ich, selbst Lehrerin, den Lehrplan für die Grundstufen im Internet entdeckte. In einer Fernsehsendung im ORF wurde darauf aufmerksam gemacht, dass eines der Lehrbücher wegen fragwürdiger Passagen kritisiert und deshalb nicht weiterverwendet werden durfte.

    Versichern kann ich aber, dass in Österreich zwar nicht an der Front scharf geschossen wird, dass aber sehr wohl von den zuständigen Stellen auf Qualitätskontrolle im Unterricht geachtet wird. Ich mir einen Missbrauch des Koran an den österreichischen Schulen nicht vorstellen.

    Nochmals möchte ich betonen, dass der österreichische Islam nicht mehr ist als eine Art Dialekt, eine Untergruppe, in gewisser Weise ein Vorschlag, wie westliche Länder an das Problem Islam herantreten könnte. .

    Sehen Sie doch, wie klein Österreich auf der Landkarte ist! Wenn sich sich die Mächtigen streiten wollen, gerät auch „Little Austria“ unter die Räder. Um auf breiterer Basis einen „entpolitisierten Islam“ zu realisieren, müssten auch andere, größere Länder bereit sein, dieses Konzept – den regionalen Bedürfnissen angepasst – für ihr Land zu übernehmen.

  3. Hallo Cybermaus,

    das mit dem Islam-Lehrplan für die Grundstufen ist ja ganz interessant, hätten Sie da einen Link zu?

    Was die Qualitätskontrolle angeht, da bin skeptisch:

    Der Elternverein vom Dachverband der türkische Vereine hat bereits darauf reagiert: Er bietet eigene Koran-Kurse an, sodass die Kinder nicht mehr in den herkömmlichen Unterricht geschickt werden müssen. Aus dem Wiener Stadtschulrat ist in diesem Fall keine große Hilfe zu erwarten. So meldet die oberste Wiener Schulbehörde, dass jede Religionsgemeinschaft selbst dafür zuständig sei, den Religionsunterricht zu kontrollieren.
    Quelle

    Lesen Sie den Artikel mal. Die Kontrolle machen die Schulinspektoren der IGGiÖ, die schon die Lehrer ausgewählt hat. In dem Fall Schulinspektor Anas Schakfeh, der ehrenamtlich auch Präsident der IGGiÖ ist und nebenbei in der Kulturabteilung der Botschaft von Saudi Arabien arbeitet. Es gibt bestimmt trotzdem viele gute Islamlehrer in Österreich, aber die Organisation und Ausrichtung des Islamunterrichts finde ich eher besorgniserregend…

    Sie sprachen von einem unpolitischen „österreichischen Islam“, was meinen Sie damit? Achten Sie mal darauf, wer den Modellcharakter der IGGiÖ betont, das ist sie in erster Linie selbst, inbesondere auch deren (deutschstämmige) Pressereferentin Carla Baghajati. Was ist denn nun das „Konzept“, der „Islam-Dialekt“?
    Der politische Islam (islamismus) hat jedenfalls in Österreich gute Bedingungen, wenn man den Freiraum für islamistische Organisationen betrachtet, siehe oben. Da plaziert jemand von der Islamischen Jugend Österreich (IJÖ) eine Bombenattrappe vor dem Büro der Muslimischen Jugend Österreich (MJÖ) weil die zur Wahlbeteiligung aufrufen. Die IGGiÖ lehnt sich weitgehend an die SPÖ, ein IGGiÖ Vorstand ist SPÖ-Abgeordneter.
    An welcher Stelle können Sie feststellen, daß der Islam in Ö weniger politisiert ist als anderswo???

  4. Zunächst einmal für Sie hier die Links zu den Lehrplänen (ausgehend vom österreichischen Schulportal für Religion):

    ISLAMISCHER Religionsunterricht
    AHS-Oberstufe 6.-8.Klasse
    AHS-Oberstufe NEU und Wahlpflichtfach
    Pflichtschulen, mittlere und höhere Schulen
    Dazu eine weitere Beschreibung über den Islam-Unterricht in den Schulen:
    Der Islam in Österreich
    Die Izb- ut Tharir, eine an sich friedliche, fundamentalistische islamische Gemeinschaft mit einer beachtlichen Mitgliederzahl ist mir eigentlich im Zusammenhang mit Uzbekistan ein Begriff. Sie bat in Deutschland in einem freundlichen Brief an die Regierung um Anerkennung. Da einige ihrer Mitglieder unter Verdacht gerieten, zusammen mit rechtsradikalen Elementen Deutschlands zusammen gesehen worden zu sein, wurde sie verboten. Die NPD übrigens ist in Deutschland sogar als Partei zugelassen.
    Es gibt in Österreich einige islamische Privatschulen, die sich staatlichem Zugriff entziehen. Die islamischen Religionslehrer müssen ein anerkanntes Diplom vorweisen und es gibt sehr Richtlinien nach einem Lehrplan.
    Einmal, dass weiß ich, flog ein Lehrbuch hinaus, da sich sein Inhalt nicht mit der österreichischen Verfassung vereinbaren ließ. Die Islamlehrer an den öffentlichen Schulen werden vom Staat gezahlt. Ich kann es mir nicht anders denken, als dass auch diese wie andere Lehrer auch einen „Treueeid“ ablegen müssen.
    An sich wollte ich darauf hinaus, dass in Österreich der Islam nahezu 100 Jahre als Religionsgemeinschaft anerkannt ist und dass aber Österreich nach wie vor normal lebt, ohne ein Opfer des Islam oder der Scharia geworden zu sein.
    Die Idee sollte sein, den Islam lediglich als Religion, nicht aber als politisches Konzept weiterleben zu lassen und „demokratiekompatibel“ zu machen.
    In Österreich legte einmal ein Verrückter, Ernst Fuchs, Bomben. Ein katholischer Fundamentalist, Martin Huemer, veröffentlicht so derartig drastische Pamphlete, dass daraus sogar die iranischen Mullahs etwas lernen könnten. Der Wahnsinn grundsätzlich ist nicht nur auf eine Religionsgemeinschaft begrenzt.
    Dass mit zunehmender Radikalisierung der Weltpolitik nicht vermieden werden kann, dass Probleme und damit eine Politisierung des Islam auch nach Österreich hereingetragen werden könnten, möchte ich ja gar nicht bezweifeln.

  5. Hallo Cybermaus,

    vielen Dank für die Links, ich habe sie interessiert gelesen!
    Nun sagen Lehrpläne ja nur begrenzt etwas über den tatsächlichen Unterricht aus, aber größtenteils hört sich das sehr vernünftig an.
    Problematisch finde ich, was den 15- und 16jährigen muslimischen Schülern in den beiden letzten Jahren vor Ende der Schulpflicht gelehrt wird, nämlich: islamisches Recht.

    9. und 10. Schulstufe

    II. FAMILIENORDNUNG:
    III. GESELLSCHAFTSORDNUNG:
    IV. MERKMALE DER ISLAMISCHEN GESETZGEBUNG:
    Auf Grund der genauen Befolgung des Quran und der Sunna
    im Zivilrecht,
    im Strafrecht,
    im Verfassungsrecht,
    im Völkerrecht.
    V. DIE ISLAMISCHE STAATSORDNUNG:
    Das Wesen des islamischen Staates.
    Die Sicherheit und Freiheit und deren Grenzen.
    1. Theologisch,
    2. völkerrechtlich,
    3. sozialrechtlich,
    4. wirtschaftlich.

    Wofür brauchen die Schüler das? Leben die nicht in Österreich, wo es keine islamische Gesetzgebung und keinen islamischen Staat gibt? Ist das kein politischer Islam, wenn man islamisches Familienrecht unterrichtet – das auch in islamischen Staaten größtenteils nicht gilt – und islamische Gesetzgebung – die meines Wissens nicht mal ein klassisches islamisches Fiqh-Gebiet ist?

    Die islamischen Religionslehrer müssen ein anerkanntes Diplom vorweisen und es gibt sehr Richtlinien nach einem Lehrplan.

    Hm, zum einen sind ein Großteil der Islamlehrer „Altfälle“, die vor der Gründung des IRPA (mittlerweile rund 50 Absolventen) vom Taxifahrer, Zeitungsverkäufer oder sonstwas umgeschult wurden (oder türkische Religionslehrer ohne Deutschkenntnisse waren), zum anderen wird das Diplom von ebenjenen IGGiÖ Institutionen und Funktionären erteilt, die ich ja schon kritisiert hatte. Im Klartext: auch bei den Dozenten fehlen teils akademische Abschlüsse und Sprachkenntnisse. Und, wie gesagt, die Kontrolle liegt wiederum bei der IGGiÖ, nicht beim Staat, weil eine weitgehende Autonomie gewährt wird.

    Der Wahnsinn grundsätzlich ist nicht nur auf eine Religionsgemeinschaft begrenzt.

    Richtig! Amen! 😉
    Es gibt ja nicht nur islamistischen Terrorismus!

    Aber a propos Wahnsinn…
    Zur Hizb ut-Tahrir:
    soo friedlich kann ich eine Organisation nicht finden, die eine Revolution zur Errichtung eines islamischen Kalifatstaats zum Ziel hat. Sie sagt lediglich, daß sie – in den westlichen, nicht-muslimischen Ländern – zur Zeit – keinen gewaltsamen Umsturz anstrebt.
    Zum Vergleich:
    http://www.aufenthaltstitel.de/stichwort/hizb_ut_tahrir.html
    http://www.mut-gegen-rechte-gewalt.de/artikel.php?id=5&kat=39&artikelid=2546
    http://www.taz.de/dx/2002/10/29/a0169.1/text.ges,1
    Es handelte sich übrigens nicht um einen „Verdacht (..) mit rechtsradikalen Elementen Deutschlands zusammen gesehen worden zu sein“ sondern um eine bestens dokumentierte antisemitische Veranstaltung, bei der das „repräsentative Mitglied“ Shaker Assem, ein Österreicher ägyptischer Herkunft, auch ein entsprechendes Interview gab. Das Betätigungsverbot wurde
    [http://lexetius.com/2006,604 damit begründet], daß die HuT gegen den Gedanken der Völkerverständigung gerichtet ist (§ 15 Abs. 1 Satz 1 i. V. m. § 14 Abs. 1 Satz 1 und § 3 Abs. 1 Satz 1 3. Alternative VereinsG).

    An sich wollte ich darauf hinaus, dass in Österreich der Islam nahezu 100 Jahre als Religionsgemeinschaft anerkannt ist und dass aber Österreich nach wie vor normal lebt, ohne ein Opfer des Islam oder der Scharia geworden zu sein.

    OK. Man sollte sich aber darüber im Klaren sein, daß diese 100jährige Kontinuität eine ziemliche (rechtliche) Fiktion ist. Die IGGiÖ wurde erst 1979 gegründet.
    Vor dem ersten Weltkrieg lebten in Kernösterreich ca. 1.300 Muslime (davon 900 in Wien), 1964 ca. 8.000 und 1971 dann ca. 23.000 (davon ca. 16.400 Türken). Bei der Volkszählung 1981 waren es dann 76.939 Muslime und zwischen 1991 und 2001 hat sich die Zahl der Muslime von 159.000 auf 339.000 mehr als verdoppelt.
    Die erste österreichische Moschee wurde 1979 in Wien /Floridsdorf eröffnet, und die wurde größtenteils von Saudi-Arabien finanziert. Diese Statistiken nur zur Verdeutlichung, daß die muslimische Präsenz in Österreich vor der Arbeitsmigration doch eine marginale war, die keine (mir erkennbare?) eigenständige islamische Tradition hervorgebracht hat. Wenn es ein islamisches Modell „little Austria“ gibt, müßte das genauso in der Nachkriegszeit entstanden sein wie in anderen europäischen Ländern.

    Einzigartig ist diese konkordatsähnliche Konstruktion in Ö, mit der der Islam fast schon „verkirchlicht“ wurde – aber auch da muß man feststellen, daß die IGGiÖ trotz ihrer Machtfülle (RU, ImamVisaerteilung, Finanzierung, Wehrdienstbefreiungen, anerkannte Lobby beim Staat, etc) ziemlich neben den wirklichen Moscheevereinen herlebt und wichtige islamische Verbände sich autonom oder aus Deutschland/Türkei organisieren.

    Trotzdem bleibt, daß in Ö schon seit 1983 regelmäßig islamischer RU erteilt wird, und das ist mehr, als man von Deutschland behaupten kann.

    MfG
    Marvin

  6. @ Marvin

    Es hat seinen Sinn, dass auch Informationalsmaterial über den islamischen Staat, islamische Wirtschaft, über die Stellung der Frau in der Familie usw. gelehrt wird.

    Im r.k. Religionsunterricht bekommen die Schüler ja auch ein Lehrbuch über Kirchengeschichte, über den Einfluss, den die Religion auf die Politik hat(te).

    Gerade dann, wenn die Schüler lernen, wie verhältnismäßig leicht sich eine „Theokratie“ aus dem Islam ableiten lässt, wie ungünstig sich mangelnde Frauenrechte auf die Entwicklung einer Gesellschaft auswirken können bzw. wie unrealistisch das islamische Zinsverbot eigentlich ist, hören sie vermutlich wesentlich schneller auf, den Islam durch eine rosarote Brille zu sehen, als dies ohne Unterricht der Fall ist.

    Genau betrachtet: In Wirklichkeit benachteiligt die islamische Gesellschaftsordnung doch auch die Männer! Eigentlich dürfen islamische Männer erst dann heiraten, wenn sie in der Lage sind, ihre Familien zu erhalten. An sich sollten die Ehemänner alleine nicht nur für den Unterhalt von Frauen und Kindern bzw. den der Eltern sorgen, sondern auch für Witwen und Waisen innerhalb seines Verwandtenkreises. Auch für Kinder aus unehelichen Beziehungen bzw. Zeitehen sind islamische Männer zur Gänze unterhaltspflichtig. Außerdem sollten islamische Männer auch bei heißem Wetter ihre Arme bedecken.

    Alkohol, Wetten, Glücksspiele, Rauchen, außereheliche Beziehungen und Homosexualität sind streng verboten. Islamische Geschäftsleute sollten eigentlich keine Zinsen verrechnen.

    Außerdem sollten Moslems Abgaben leisten, im Ramadan Arme und Bedürftige speisen, nach Mekka pilgern und fünfmal am Tag beten. Peter Scholl Latour erzählt an einer Stelle in seinen Büchern, dass dem frommen O.b.L. sogar in Afghanistan etliche seiner Schüler davonliefen, als er sie zum wahren Islam bekehren wollte.

    Der Islam an sich ist sehr dehnbar. Der Camp David Vertrag kam zum nicht geringen Teil dadurch zustande, dass sowohl Präsident Sadat als auch seine Frau Jehan sehr fromme Moslems waren, die sich vorstellen konnten, dass Prophet Mohammed bestimmt nicht gewollt hätte, dass im Nahen Osten immer nur Krieg ist.

    Genauso, wie der r.k. Religionsunterricht teilweise dazu dient, die in der Vergangenheit begangenen Schandtaten aufzuarbeiten, könnte er es im islamischen Unterricht auch tun.

    Gerade halbwüchsige Kinder sind extrem, extrem kritisch. Wenn ein Lehrer nicht wirklich gut vorbereitet ist und Nonsense erzählt, überlebt er gerade als Religionslehrer kaum seine Stunden.

    Geschichts- und Biologieunterricht wird auch für islamische Kinder ohne besondere „Anpassung“ gelehrt, wodurch aufkeimender Fundamentalismus ebenfalls gedämpft ist.

    Was die notwendige „Qualitätskontrolle“ betrifft, fehlt mir ehrlich gestanden momentan die persönliche Erfahrung auf dem Gebiet. Wenn Ihre Vermutungen zutreffen, dass ein Teil der Religionslehrer nicht ausreichend qualifiziert sein könnte, müsste man etwas unternehmen.

    Sie haben damit Recht, dass die Hizb ut Tahrir ursprünglich in Jordanien gegründet wurde. Ich habe nochmals nachgesehen. Sie wurde aber besonders aktiv im Fergana-Tal in Usbekistan.

    Genauso wie das Christentum, wurde unter kommunistischer Herrschaft auch der Islam massiv bekämpft. Ebenso, wie nach dem Einsturz der UDSSR Polen umso mehr zur katholischen Kirche, zum Papst hinwendete, wendeten sich die Menschen in den ehemals islamischen Gebieten wieder vermehrt dem Glauben zu.

    Der katholische Fundamentalismus erlebte doch in Polen nahezu einen Durchbruch, während er in der Konsumgesellschaft des Westens immer mehr abflaut und jeder Pfarrer sich bis zu einem gewissen Grad anpassen muss, damit die Kirche am Sonntag nicht ganz leer ist.

    Viele Leute wissen nicht, dass auch die r.k. Kirch durchaus bestrebt ist, auf die Politik Einfluss zu nehmen. Es steht sogar im Katechismus, dass eine Regierung nichts tun oder erlauben sollte, was gegen das „Sittengesetz“ verstößt. Dazu gehören Abtreibungen, die von der Kirche als Mord zu dermaßen bekämpft wurden, dass sogar Flugblätter mit der Aufforderung, „abtreibende“ Parteien nicht zu wählen, verteilt wurde. Dieses Verhalten reicht bis in höchste Kreise. So lehnte Erzbischof Kothgasser sogar das große Ehrenzeichen des Landes Salzburg ab, da er die „abtreibende“ Landeshauptfrau, Frau Dr. Burgstaller nicht akzeptiert. Solche Tendenzen aufzuzeigen, gehört aber ebenfalls zu den Aufgaben eines Lehrers im modernen Religionsunterricht.

    Während die Namen der Gefangenenlager Abu Ghraib bzw. Guantanamo mittlerweile häufig im Zusammenhang mit GWOT (Global war against terrorism) ein Begriff sind, wurden Moslems in den jetzigen Auseinandersetzungen als vermeintliche Terroristen in Usbekistan vom dortigen Herrscher Kamirow auf scheußlichste Weise grauenhaft gefoltert und auch getötet. Craig Murray schrieb sogar ein Buch darüber.

    Sieht man sich diesen GWOT überhaupt genauer an, dann liegt das Problem nicht nur am Islam. Es gab ernsthafte Bestrebungen, die NPD zu verbieten. Lediglich ein Formfehler war daran schuld, dass es nicht klappte. Es ist doch schizophren, wenn auf der einen Seite solche Leute wie der Vorsitzende der NPD, Udo Voigt für ihre Partei sogar noch Parteienfinanzierung einstreichen können, während andererseits jemand, der mit der Hizb ut Tahrir etwas zu tun hat, deshalb hochgradig unter Verdacht ist.

    Moslems in Österreich können auf eine lange Tradition hinweisen. Bereits in k.u.k. Monarchie dienten Moslems. Viele Moslems kamen immer wieder als Fremdarbeiter mit türkischer Staatsbürgerschaft nach Österreich. Auch viele Bosnier suchten während des Balkankrieges in unserem kleinen Land zuflucht. An den Universitäten studieren auch immer wieder Studenten aus islamischen Ländern.

    Ich möchte ja gar nicht behaupten, dass der Islam überhaupt keine Probleme macht. Es ist nur die Frage, ob er mit uns oder wir mit ihm fertig werden.

    Die Idee, seine Geschichte und Inhalten in den Schulen aufzuarbeiten, anstatt seine Existenz zu verniedlichen, unter den Teppich zu kehren oder „die arabische Bibel“ voll Angst zu einem furchterregenden Dämon aufzublasen, bewährte sich doch bis jetzt nicht so schlecht.

    Unsere Gesellschaft, unsere Wirtschaftsordnung funktioniert besser als die islamische. Das müsste man sich immer wieder vor Augen halten und offen in den Kampf treten, anstatt zu hoffen, diese riesige Religionsgemeinschaft mit Hetzblogs oder Waffen „besiegen“ zu können.

  7. Hallo Cybermaus,

    Es hat seinen Sinn, dass auch Informationalsmaterial über den islamischen Staat, islamische Wirtschaft, über die Stellung der Frau in der Familie usw. gelehrt wird.
    Gerade dann, wenn die Schüler lernen, wie verhältnismäßig leicht sich eine “Theokratie” aus dem Islam ableiten lässt, wie ungünstig sich mangelnde Frauenrechte auf die Entwicklung einer Gesellschaft auswirken können bzw. wie unrealistisch das islamische Zinsverbot eigentlich ist, hören sie vermutlich wesentlich schneller auf, den Islam durch eine rosarote Brille zu sehen, als dies ohne Unterricht der Fall ist.
    Genauso, wie der r.k. Religionsunterricht teilweise dazu dient, die in der Vergangenheit begangenen Schandtaten aufzuarbeiten, könnte er es im islamischen Unterricht auch tun.

    Also das hört sich für mich nach Wunschdenken an.
    Ich vermute eher, daß der realen „verdorbenen westlichen Konsumgesellschaft“ (Beweise: siehe Kronenzeitung etc.) eine ideale islamische Gesellschaft entgegengesetzt wird (bei Nachfrage: auch Saudi-Arabien, Sudan, Afghanistan, Iran sind noch nicht „richtig“ islamische Ges.). Und der politische Islam ist ja auch eine Neuinterpretation des Islam, man könnte auch sagen Neuerfindung, zumindest bei solchen wie Hizb ut-Tahrir, die auch schon eine islamische „Verfassung“ für ihren globalen Kalifatstaat ausgearbeitet haben…
    Eine ebenso politische Neuinterpretation hat A. Zaidan, der Leiter der Islamlehrerfortbildung der IGGiÖ (IRPI), mit seiner Übersetzung der „vorbildlichen“Charta von Medina vorgelegt:

    Amir Zaidan meint sogar, dass vom Konzept der „Charta von Madina“ ein vergleichbares gewaltenteilendes „Rechtsstaatsmodell“ abgeleitet werden könne. Was er aber nicht erwähnt, ist die schlichte Tatsache, dass vor dem Kommen Muhammads die Mehrheitsgesellschaft von Madina jüdischen Glaubens war und sich dies auf tragische Weise durch Vertreibung und Vernichtung der jüdischen Mehrheitsbevölkerung noch zu Lebzeiten Muhammads zu Gunsten der neuen Machthaber geändert hat.

    All das ist politische Ideologie, nicht eigentlich Religion. Aber wer unterscheidet und entscheidet das? In Österreich passiert da außer „wegschauen, so lange es geht“ wenig, fürchte ich. Und die IGGiÖ scheint mir einen beachtlichen Graben zwischen ihren wohlklingenden Presseerklärungen und dem tatsächlichen Handeln zu haben.

    Interessant finde ich aber schon, daß Sie für Ihre Behauptung eines „unpolitischeren Islam“ in Ö so gar keine Belege haben(?!). Ihre Argumentation geht jetzt in Richtung die katholische Kirche wäre ja auch politisch. Ein interessantes Thema, aber nicht das, worum es eigentlich ging (ebenso: Usbekistan, GWOT, OBL, Polen, Sadat,…).

    Falls ich mal einem österreichischen Islamlehrer begegne, habe ich jedenfalls eine Menge Fragen, und nicht nur theologische…

    MfG
    M

  8. @ Marvin

    Ich gebe zu, dass dieses Thema wirklich sehr viele Aspekte und Zusatzfragen aufwirft. Da entsteht zunächst einmal die Frage, wozu Religionsunterricht gut ist.

    Es ist schon einmal in diesem Zusammenhang ein ganz gewaltiger Unterschied, ob dieser in einer öffentlichen Schule oder an einer privaten abgehalten wird, der von Mitgliedern einer Glaubensgemeinschaft geführt wird.

    Ich habe dies an eigenem Leib erlebt, musste ich doch in den ersten Jahren meines Schülerlebens eine christliche Privatschule der Ursulinen (Klosterschwestern) besuchen. Der dortige Religionsunterricht entsprach purer Indoktrination, durchgeführt mit teilweise Kindern gegenüber so unfairen und hinterhältigen Mitteln, dass ich mich so bald wie möglich weigerte, am Sonntag in die Kirche zu gehen und es auch jetzt noch so halte.

    Als ich dann zum Glück eine öffentliche Schule besuchen konnte, nahm ich auf ausdrücklichen Wunsch meiner Eltern weiterhin am Religionsunterricht teil. Dort machte ich ich persönlich insgesamt gute Erfahrungen. Wir Schüler bekamen ein ausführliches Buch über Kirchengeschichte, dazu ziemlich viel Information über Sekten, über andere Glaubensgemeinschaften und lernten auch einiges darüber, warum Menschen glauben, wieweit sich „Glaube“ mit der heutigen Wissenschaft vereinbaren lässt usw. usw.

    Wenn ich ehrlich bin, muss ich zugeben, dass die Zeit, die mich der Religionsunterricht kostete, sinnvoll investiert warsah ich doch immer wieder, dass Freundinnen oder Kolleginnen insgesamt sehr leichtgläubig reagierten, wenn sie mit einer anderen Weltanschauung konfrontiert waren.

    Deshalb wohl denke ich, dass es schon in Ordnung sein muss, wenn der österreichische Staat Religionsunterricht an den Schulen zulässt. Ich sehe selbst mit eigenen Augen an den Heften, an den Schulveranstaltungen, dass jetzt der r.k. Religionsunterricht nochmals „entfundamentalisiert“ und wesentlich kindgerechter gestaltet wurde als früher. Auch deshalb kann ich es mir einfach nicht vorstellen, dass sich durch den islamischen Religionsunterricht ein ernsthaftes Problem für die Staatssicherheit anbahnen könnte.

    Selbst, wenn ein Lehrer privat eine andere Meinung vertritt, kann er es sich – soweit es mir bekannt ist – an einer öffentlichen Schule nicht leisten, Unsinn zu verkünden, ohne dass dies in Kürze ein allgemein bekannter Skandal ist.

    Ich habe mich bei meinen Ausführungen sehr an einem Buch von Desmond Steward, Die Frühzeit des Islam, Desmond Stewart, Time Inc., 1968 orientiert. Desmond Steward ist ein englischer Schriftsteller, der auf ausgedehnten Reisen viele Jahre im Mittleren Osten verbracht hat. 1948 beendete er seine klassischen Studien in Oxford und erhielt im gleichen Jahr als Professor für Literaturgeschichte einen Ruf vom irakischen Unterrichtsministerium, später lehrte er im Libanon. Er hat für zahlreiche Publikationen in England und Amerika Beiträge über den Mittleren Osten verfasst. Als weiteren Mitarbeiter nennt er Leonard Krieger, einen Professor für Geschichte in Yale, einen Professor an der Universität von Chikago. Der Time Life Verlag hat an sich einen guten Ruf und eine größere Reihe von Sachbüchern zu verschiedenen Themen herausgebracht.

    Desmond Steward schildert die Entstehungsgeschichte des Islam so, dass Prophet Mohammed in Medina versuchte, sehr wohl eine Art von Vertrag herzustellen. Er war aber mit den „Koreischiten“ verfeindet, die ihn aus Mekka vertrieben hatten. Ganz unschuldig war er an der ständigen Feindschaft nicht, denn er überfiel von Medina aus immer wieder ihre Karawanen. Die Koreischiten versuchten deshalb, ihn zu töten.

    Zum Schluss schickten sie ein riesiges Heer, dass ums Haar Mohammed mitsamt seinen Getreuen den Garaus gemacht hätte. Mohammed konnte sich aber durch die Zusammenarbeit mit einem Perser verteidigen, der ihm zeigte, wie man einen Verteidigungsgraben anlegt.

    Die Juden reagierten nicht unbedingt geschickt, als sie hinter dem Rücken Mohammeds versuchten, mit den Koreischiten zu verhandeln und ihn auszuliefern. Mohammed wurde fürchterlich böse, ließ gleich 600 Männer enthaupten und verheiratete die Frauen. Dies war bereits für die damalige Zeit eine beträchtliche Untat.

    Er war aber im eigentlichen Sinn kein Antisemit, denn er heiratete auch einmal eine Jüdin und erklärte Juden und Christen zu „Religionen des Buches“. Die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Juden und Christen waren in etwa jenem Bereich anzusetzen wie die immer wieder kehrenden Prügeleien zwischen Engländern, Franzosen und Deutschen.

    Er selbst bestimmte keinen Nachfolger, als er starb. Bereits unter jenen, die unmittelbar nach ihm die Leitung der islamischen Gemeinde übernahmen, kam es zu heftigen Kämpfen, die auch Familienmitgliedern des Propheten, so seiner Tochter Fatima und seinem Schwiegersohn Ali das Leben kosteten.

    Ganz starb die Idee einer Verständigung zwischen den Religionsgemeinschaften im islamischen Bereich nicht aus, denn der tiefgläubige Sadat konnte die Anerkennung Israels sehr wohl mit seinem Glauben vereinbaren.

    In gewisser Weise hat jede Religion einen politischen und einen religiösen Arm. Das gilt schließlich sogar für das Judentum, welches sich bei der Errichtung des Staates Israel auf das Alte Testament beruft ebenso wie für die christlichen Kirchen.

    Die Kunst besteht an sich darin, jene Gedanken, die aus den alten Überlieferungen der Religionen dem Wahren, Guten und Schönen dienen, zu halten, aber nach und nach den politischen Arm der Kirchen soweit zurückzudrängen, dass freie Demokratien durch ebenso irrationale wie veraltete Ideen nicht blockiert werden.

    Nochmals: Österreich ist viel zu klein, um den Nahost-Konflikt, GWOT ebenso wie Probleme, die mit dem Zuzug zahlreicher Moslems in unserer Länder zu tun haben, aus eigener Kraft zu lösen.

  9. Hallo Cybermaus,

    na, eigentlich ist unser Austausch ja schon fast beendet, ich schieb aber trotzdem noch mal was hinterher 😉

    Trotzdem: Wer kontrolliert den Lehrplan, den die Glaubensgemeinschaft entwickelt hat? „Der Religionsunterricht ist eine innere Angelegenheit der Kirchen oder Religionsgesellschaften“, sagt Werner Jisa vom Schul- und Kultusministerium Wien. Das Ministerium hat keinen Einfluss auf den Inhalt. Auch die Schulaufsicht – die so genannten Fachinspektoren – wird von den jeweiligen Kirchen eingesetzt. Also nur Selbstkontrolle. Angst vor islamistischer Unterwanderung scheint es nicht zu geben. Aber was ist, wenn Widersprüche zur Verfassung auftauchen sollten? Bisher sei das nicht vorgekommen, sagt Jisa. „Der Staat ist da aber nicht auf beiden Augen blind.“ Sollten Konflikte zur Werte- oder Rechtsordnung auftreten, könne man das einvernehmlich regeln.

    http://hermes.zeit.de/pdf/index.php?doc=/archiv/2002/48/C-isl_

    Also läuft das nur über informelle Gespräche (via Dr. Martina Schmied?) und öffentlichen Druck (aber das wird dann sofort sehr hässlich, FPÖ hier, reflexartige Islamophobievorwürfe da…) und schliesslich notfalls noch strafrechtliche Ermittlungen wie bei Imam Ibrahim Adnan.

    Ich habe den Eindruck, daß die IGGiÖ in ihrer Autonomie einfach macht, was sie will. Und das wiederum ist womöglich ein rigoroser, politischer Islam, à la Muslimbrüder und Milli Görüs.
    Damit meine ich nicht Terrorismus (falls Sie das denken sollten: „ernsthaftes Problem für die Staatssicherheit“?), sondern eher eine bestimmte Islamisierung der Muslime in Österreich und das Etablieren einer Parallelgesellschaft. Langfristige Projekte, an deren Anfang die Deutungshoheit über den Islam steht. Und die hat die IGGiÖ nach ihrem Selbstverständnis schon.

    Ich glaube nicht, daß diese Projekte im Ende erfolgreich sein werden – weil die meisten Muslime in Europa daran kein Interesse haben – aber auf dem Weg steht eine ziemlich polarisierende Identitätspolitik, die sozialen Unfrieden bringt.
    Um es konkreter zu sagen: selbst wenn im islamischen Religionsunterricht behauptet würde, Muslimas dürften niemals Christen heiraten, Muslime dürften keine Rentenversicherung abschliessen und nur von der IGGiÖ kontrolliertes Fleisch wäre halal, dann werden die meisten Muslime nicht ihren eigenen Verstand ausschalten, sobald etwas islamisch dekretiert wird. Aber konfliktfrei wird das nicht.

    Mit den besten Grüssen,
    Marvin
    (vielleicht bald vor einer Wiener Moschee oder Schule ahnungslosen Islamlehrern auflauernd, um sie mit Fragen zu durchlöchern 😉

  10. @ Marvin

    Zunächst möchte ich mich für Ihr Interesse bedanken, denn Sie haben ja Ihrerseits einige Informationen geliefert.

    Ich glaube, dass die „Islamisierung per Religionsunterricht“ an öffentlichen Schulen für das Vordringen des strenggläubigen Islams so sinnvoll ist wie Tigerjagd mit Tomatensalat.

    Selbst, wenn die IGGIÖ rein formal die Kontrolle über den Unterricht übernimmt, sitzt jeder Unterrichtende an den Schulen in gewisser Weise in einem Glashaus.

    Gesetzt den Fall, dass ernsthafte Probleme auftreten sollten, bestünden in anderen Fächern – Geographie, Geschichte, Wirtschaftskunde, Staatsbürgerschaftskunde usw. wesentlich mehr Möglichkeiten, jedwedem Unfug entgegen zu steuern, als wenn sich die Jugendlichen durch das Internet oder über Interessensgruppen in Eigenregie über den Islam informieren.

    Während in Koranschulen der Unterricht reichlich streng gehandhabt wird, gehört Religionsunterricht in öffentlichen Schulen wie Zeichnen oder Turnen zu jenen Fächern, in denen es keine Tests gibt, keine Hausaufgaben gegeben werden und die Leistungsbeurteilung sehr mild ist.

    Selbst, wenn sich O.B.L. mit Turban und erhobenem Zeigefinger in die Klasse stellen sollte, könnte er damit höchstens erreichen, dass ihm ein Papierflieger an den Kopf fliegt.

    Sollte allerdings die Situation entstehen, dass der Lehrkörper an manchen Schulen überwiegend islamisch wird bzw. dass eine große Mehrheit der Eltern strenggläubige Erziehung verlangt, müsste man an dem jetzigen System etwas ändern. Nochmals danke für ihre interessanten Comments

    mvg

    Cybermaus


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