Über die Geschichte des Islam

August 7, 2007 um 7:09 pm | Veröffentlicht in Anachronismen, Frauen im Islam, Verständigung, Videos, Without Clash | Hinterlasse einen Kommentar

Das Gedankengut des Islam kann man auch als Synergie aus jüdischen, christlichen und arabischen Quellen beschreiben. Wie stark auch arabische Überlieferungen die Entstehung des Islam beeinflussten, deutet der bekannte Autor Salman Rushdie in seinen „Satanischen Versen“ an. Wie man weiß, zog er mit seinem Werk den Zorn der islamischen Welt auf sich, obwohl das, was er schreibt, aus der Sicht der Historiker einige Beachtung verdient. Denn es dürften tatsächlich auch die Legenden um verschiedene Göttinnen im Mittleren Osten ursprünglich in die Verse des Korans eingeflossen sein. Die betreffenden Suren wurden später wieder geändert (VerseAl-Lat, Al-Uzza, Manat).

Vom arabischen Sagengut im Islam geblieben sind die Dschinn. Bekannt wurden diese „orientalischen Geister“ dadurch, dass das Walt Disney Studio einen von ihnen im Zeichentrickfilm Aladdin auf die Leinwand gebracht hat.



Der Koran selbst wurde erst vom dritten Nachfolger Mohammeds, Uthman ibn Affan, in der jetzigen Fassung aufgeschrieben (Wiki) Manche Stellen wurden nicht nur unterschiedlich übersetzt, sondern auch verschieden interpretiert. Auch besitzen die Aussagen theologischer Geistlicher in einigen Zentren, genannt sei hier die islamische Universität in Kairo oder jene in Malaysia in der Praxis mehr Bedeutung als die von anderer Stellen.

Der Irankenner Bahman Nirumand nennt in seinem Buch “Iran, die drohende Katastrophe”, Kiepenheuer & Witsch, Köln 2006, einige Denkern, die darum bemüht sind, einen reformierten Islam zu schaffen, der dann freilich von der als “Original” bekannten Fassung an einigen Stellen abweichen würde. Er weist auch darauf hin, dass es früher im Iran, in Qom, eine Debattierschule gab, in der es üblich war, dass die jüngeren Schüler die Lehren der alteingesessenen Mullahs zu widerlegen versuchten.

In der allerersten Zeit des Islam konnten die Regeln des Koran den „Bedürfnissen entsprechend“ ausgelegt werden konnten. Diese Möglichkeit, Idschihad, besteht zur Zeit nicht. Auch andere Ansätze, den Islam zu reformieren, sind zur Zeit im Islam streng verboten

Der Gedanke an eine Synergie wurde später noch weiter geführt, und zwar von dem Begründer der Bahai, dem Perser Bab, der sich als legitimer Nachfolger Mohammeds sah. Die Glaubensgemeinschaft der Bahai wurde zwar von den traditionell-islamischen Ländern nie anerkannt und betrachtet sich selbst auch als eigenständig, stellt aber eigentlich in der Suche nach dem “Gott Abrahams” eigentlich den hellen Gegenpol zur dunklen der finsteren Taliban dar. er Islam überlebte deshalb, weil er flexibel war.

Erst in der jüngeren Zeit entwarf ein deutscher Theologe, Drewermann, eine Friedensinitiative zwischen Juden, Moslems und Christen zu initiieren, und zwar das Tempelbergprojekt, „Eine Vision für Frieden im Nahen Osten“. Der Gedanke, den Ursprung der Religionen zurück bis zu Abraham zu verfolgen, ist also noch lange nicht tot.

Prophet Mohammed bestimmte niemals einen Anführer, der seine Anhängerschar nach seinem Tod führen sollte. Obwohl er mehrfach verheiratet war und viele Kinder hatte, starben alle seine Söhne bald nach seiner Geburt. Seinen letzten Sohn nannte er Ibrahim, nach dem „Stammvater Israels“ Abraham, dem Vater Isaaks, und Ismaels. Isaak wurde – man erinnert sich – der Stammvater des jüdischen Glaubens, während sich die Araber als die Nachfolger Ismaels bezeichnen. In diesem Sinn liegt vielleicht das Beste von dem, was er seiner Nachwelt vermachen wollte, an einer unbekannten Stelle in Arabiens Wüste verscharrt.

Bereits kurz nach seinem Tod kosteten heftige Streitigkeiten sowohl seiner geliebten Tochter Fatima als auch seinem Schwiegersohn Ali Ibn Talib das Leben. Die Gemeinschaft der Moslems spaltete sich nicht nur in Schiiten und Sunniten, sondern im Lauf der Jahrhunderte auch in andere Splittergruppen. Davon, dass Prophet Mohammed zunächst versuchte, im Vertrag von Medina die Grundlagen für eine Art „multikulturelle Gesellschaft“ zu bilden, spürt man heute nichts mehr.

Zusatzinformation: Homepage der Bahai

Bilder: Verstoßung Ismaels und seiner Mutter, Darstellung von Gustave Doré, Grabmal des Bab in Haifa

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