Weihnachten

Dezember 26, 2007 um 4:38 pm | Veröffentlicht in Generell, Verständigung, Videos, Without Clash | Hinterlasse einen Kommentar

Während Hardliner und Fundamentalisten auf islamischer und christlicher Seite wieder gegeneinander Vorwürfe machen, verschwindet die Erinnerung an Gemeinsamkeiten zwischen den großen Weltreligionen. In diesem Beitrag möchte ich einige Beispiele für Berührungspunkte zwischen den großen Weltreligionen aufzählen und binde dabei einige stimmungsvolle Videoclips mit bekannten Weihnachtsliedern in den folgenden Text ein. .

Ein Berührungspunkt zwischen den zwei Weltreligionen ist die Marienverehrung, denn auch die Moslems verehren „The Blessed Virgin Mary“ als Mutter des „Propheten Isa“, Jesus. In überkonfessionellen Sinn sangen Bono und Pavarotti das „Ave Maria“ von Schubert gesungen:

Das Vorbild für die volkstümliche Gestalt des Hl. Nikolaus, des Santa Claus und somit auch des Weihnachtsmannes war der Hl. Nikolaus, ein Bischof aus Myra. Myra liegt ist in der heutigen Türkei und damit eigentlich in Asien. Die Datteln, die der Patron der Schüler häufig zu anderen Schätzen in die Geschenksäckchen steckt, könnten sogar aus dem Iran sein (Persepolis).

Freilich entstand der Islam entstand erst hunderte Jahre später nach dem Tod des frommen Bischofs, die Türkei erst recht. Aber die Wurzeln des Islam standen insgesamt nicht nur auf arabischem, sondern auch auf jüdisch-christlichem Boden. Die Grenzen sahen früher ganz anders aus. Sie wurden damals willkürlich von Menschen gezogen. In diesem Sinn könnten sie sich auch wieder ändern. Diskussionen über einen möglichen Beitritt der Türkei zur EU erregen nach wie vor die Gemüter.

Aber besonders den Kindern ist ohnehin egal, woher lieb gewordene Gebräuche und Lieder eigentlich kommen, wenn das Gebotene nur hübsch und freundlich ist oder gut schmeckt. Immer wieder hören sie gerne den Song von Rudolph, the Rednosed Reindeer, obwohl die Geschichte vom Weihnachtsmann, dessen Schlitten von Rentieren gezogen wird, eigentlich ein Paradebeispiel für eine „mixture of civilisations“ darstellt.

Weiße Weihnachten wünschen sich nicht nur die meisten Menschen in den europäischen Schigebieten, sondern auch im Iran, denn in diesem Land wird das Schi fahren immer beliebter (outside.away.com). Was wäre auch der Winter ohne Schnee?

[Youtube=http://www.youtube.com/watch?v=F8BH4M9V1N8]

Doch nicht immer vermitteln Schnee und Kälte den Eindruck von Spaß oder Gemütlichkeit am heimatlichen Herd. Im Film Doktor Schiwago, der zur Zeit der bolschewistischen Revolution in Russland spielt, versuchen einzelne Menschen vergeblich, ihr Glück zu finden und irren durch die Kälte:

Fast niemand denkt heute noch daran, dass die Verwendung von Schlag- und Blasinstrumente bei den Janitscharen die klassische Musik in Europa sehr stark beeinflusste. Der erste Name für ein der Oboe ähnliches Instrument, Zurna, stammt wahrscheinlich sogar aus Persien (musicofananatolien.com).

Zu jenen Musikstücken, die in der Adventzeit gerne aufgeführt werden, gehört das Musikstück „Der Messias“ von Georg Friedrich Händel:

For unto us a Child is born, unto us a Son is given, and the government shall be upon His shoulder, and His name shall be called Wonderful, Counsellor, The Mighty God, The Everlasting Father, The Prince of Peace.

An manchen Stellen dieses bekannten Oratoriums, wie etwa beim bekannten „Hallelujah“ setzt der Komponist auch Oboen ein.

Mit Grüßen an die Türkei „The Little Drummerboy“, dargestellt von Josh Groban und dem bekannten Janitscharenchor aus der Oper „Die Entführung aus dem Serail von Wolfgang Amadeus Mozart (Giannini-drums.ch):

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[Youtube=http://www.youtube.com/watch?v=mtd-YUKr2dc]

In der Weihnachtszeit klingen nicht nur die Glocken von den Kirchentürmen, sondern auch die Schellen auf den Geschirren der Pferde, die in ländlichen Gebieten vielfach vor den Schlitten gespannt werden:

[Youtube=href=“http://www.youtube.com/watch?v=7QhiqJrCWcs&feature=related%5D

Bei diesem Hobby frieren oft die Hände und die Zehen ganz ordentlich und es ist herrlich, in die warme Stube zu kommen, um dort heißen Tee zu trinken. So schön es auch ist, in der Stadt spazieren zu gehen, die Auslagen anzusehen und die Geschenke auszuwählen, macht es doch müde.

Mal ehrlich – vielen läuft bereits jetzt in der Adventzeit das Wasser im Mund beim Gedanken an die leckeren Weihnachtsplätzchen, Törtchen, Marzipan und Kekse zusammen. In den weihnachtlichen Köstlichkeiten sind oft Pistazienkerne enthalten (Pistazien-Mandelstollen, Passionsfrucht-Mousse im Bitter-schokoladengitter, Marzipan ,Kirsch-Kokos-Küsschen).

Die Glocken wurden im alten China erstmalig als Musikinstrumente verwendet (China ABC). Von dort gelangten sie nach Europa und gehören schon längst zum westlichen Kulturkreis. Der Großteil der Importe dieser exotischen Schalenfrucht stammt dagegen nach wie vor aus islamischen Ländern wie etwa dem Iran. Der Wert der iranischen Pistazienexporte erreichte in diesem Jahr 230 Mrd. Dollar (Fruchtportal.de). Dem Familienunternehmen des bekannten iranischen Politiker Rafsandschani wird eine Monopolstellung im Pistazienhandel nachgesagt.

Zum Weihnachtsfest gehört auch die Erinnerung an jene Stellen in den alten Hl. Schriften, in denen Engel am Werk sind. So verkündete „der „Engel des Herrn Maria die Botschaft“ und Engel waren´s der Legende nach, die den „Hirten auf dem Felde“ verkündeten, dass der „Messias“ geboren war. Dabei werden Engel bereits im Alten Testament erwähnt. Schon nach der Vertreibung von Adam und Eva wurden von Gott Cherubim als Wächter für das Paradies aufgestellt (1. Buch Mose 3,24), Im Islam vermittelte Erzengel Gabriel, auf arabisch „Djibril“, Prophet Mohammed den Koran. Der Gedanke an Engel, an höhere Wesen, die die Engel vor Gefahren schützen, blieb auch in der modernen Unterhaltungsmusik erhalten, wie etwa im Song „I have a dream“ der bekannten Popgruppe ABBA,

Der biblische König David und Prophet Mohammed, der Begründer des Islam hatten etwas gemeinsam: Beide arbeiteten in ihrer Jugendzeit als Hirten. Auch Jesus, für die Christen der wahrhaftige Sohn Gottes, bezeichnete sich oft als der „gute Hirte“. Fast alle Angehörigen der christlichen Glaubensgemeinschaft kennen das deutsche Weihnachtslied: „Kommet ihr Hirten“:

[Youtube=href=“http://www.youtube.com/watch?v=_d5WlY7zaAs&feature=related%5D

Der schöne alte 23. Psalm „Der Herr ist mein Hirte“, entstand bereits, bevor die drei abrahamitischen Religionsgemeinschaften auseinander drifteten (Wiki). König David spielte damals bereits auf einem Vorläufer der jetzigen Harfe, auf einer Kinnor .

[Youtube=http://www.youtube.com/watch?v=YpycB4JR3AQ]

Im jüdischen Legendenkreis rettete die schöne Jüdin Esther als Frau des persischen König Xerxes I, den Juden das Leben. Hier eine Arie aus einem Oratorium eines Künstlers der Renaissance, begleitet von Harfenmusik:

Diese berührende Geschichte im Alten Testament ging, wie man weiß – damals – gut aus. Im Iran, in Hamadan, steht jetzt noch das Grabmal der Esther und des Mordechai (Israelheute.com).

Schon längst gehört die Harfe zu den beliebten Instrumenten, auf denen auch in einem Konzert, bei Messen, Hochzeiten oder sogar einer Vernissage gespielt wird. Auch die kleinen Engelchen, die als putzige Figuren vielfach die Weihnachtsbäume verzieren, halten oft eine Harfe in ihren Händen. In der folgenden Version des Weihnachtsliedes „Süßer die Glocken nie klingen“ wird ein Tenor von Harfenmusik begleitet:

Zank und Streit sollten allerdings in der „fröhlichen und gnadenvollen Weihnachtszeit“ auch der US-Regierung gegenüber ruhen.

In diesem Sinn wünsche ich allen Lesern dieses Blogs eine „Stille Nacht, Heilige Nacht!“ ein frohes Fest und schöne Feiertage.

[YouTube=http://www.youtube.com/watch?v=oRh4OWvqaE0&feature=related]

Bild:Stille Nacht Kapelle

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Gedanken zum Advent

Dezember 9, 2007 um 7:47 pm | Veröffentlicht in Anachronismen, USA, Verständigung, Waffen, Without Clash | Hinterlasse einen Kommentar

1991 nutzten viele äthiopische Juden, die Gelegenheit, im Rahmen der Operationen Moses und Salomo nach Israel einwandern zu können. Ebenso wanderten fast eine Million Menschen jüdischer Abstammung aus Russland nach Israel ein, sobald die Möglichkeit dazu bestand (Segne-Israel.de).

Ursprünglich waren diese Einwanderungswellen von viel Idealismus und gutem Willen getragen. Wirft ein unbeteiligter Beobachter jedoch einen Blick auf die aktuelle Berichterstattung aus Israel, stellt sich die Frage: „Wieviel bleibt davon übrig?“Der österreichische Politiker Josef Riegler stellte einmal die Behauptung auf, dass es möglich sein könnte, Afrika zur Gänze zu sanieren, wenn die NATO bereit wäre, drei Jahre lang Geld in der Höhe der Ausgaben für Aufrüstung und militärische Geräte in diesen Kontinent zu investieren.

Könnte wenigstens ein Teil des Geldes – genannt wurde ein Betrag von 30 Milliarden Euro -, das in den nächsten Jahren für die Aufrüstung des Nahen Ostens verwendet werden soll (28.7.2007, Stern.de), nach Äthiopien umgeleitet werden, wäre den Menschen in Äthiopien und auch den Palästinensern geholfen, die durch die ständig forcierte „Alija„, die Einwanderung von Juden aus allen Ländern, immer mehr ins Abseits gedrängt sind.

In den letzten Jahren erwarb sich die Aktion „Menschen für Menschen“ von Karl Heinz Böhm einen ausgezeichneten Ruf. Wie jedes Jahr, ergeht die Bitte um Spenden an alle Bürger der Industrienationen. Die Mitarbeiter dieser Organisation gehen ebenso wie die der Caritas bei ihrer Tätigkeit von der christlichen Einstellung aus, dass sich durch die Erfüllung des Alten durch das Neue Testament alle Menschen als „Kinder Gottes“ bzw. als das „Volk Gottes“ bezeichnen können:

„Im Neuen Testament wird der Begriff »Volk Gottes« (mit vielleicht ein oder zwei Ausnahmen) nur auf Israel, also auf das Volk des alten Bundes bezogen, es ist kein direkter kirchlicher Begriff. Die Kirche wird allerdings als die Fortsetzung Israels verstanden, obwohl die Christen nicht von Abraham abstammen und insofern eigentlich nicht zu diesem Volk gehören. Sie kommen dadurch hinein, so sagt das Neue Testament, daß sie von Christus abstammen und dadurch auch zu Abrahams Kindern werden. Also gehört zum Volk Gottes, wer zu Christus gehört. Man könnte sagen, der Begriff »Thora« ist durch die Person Christi ersetzt, und insofern ist die »Volk Gottes«- Kategorie, die direkt gar nicht auf das neue Volk angewendet wird, eben an die Christus-Gemeinschaft und an das Leben wie Christus und mit Christus gebunden, oder wie Paulus sagt: Seid so gesinnt, wie Jesus Christus ist (Phil 2,5) (Kardinal Josef Ratzinger, mittlerweile Papst Benedikt XVI, „Das Salz der Erde„, S 169).

Der Vatikan unterstützt den Gedanken, Jerusalem als Heilige Stadt für alle Mitglieder der abrahamitischen Religionen mit einem internationalen Sonderstatus zu versehen (10.1.2006, radio-vatikan.de). Die Gestaltung eines zentralen „Glaubenszentrums“ im kriegs- geschüttelten Israel ist doch eigentlich eine wunderschöne Idee, die helfen könnte, vorhandene Konflikte abzubauen und bereits deshalb jede Unterstützung verdient.

Bild: Falashas,Juden aus Äthiopien

Das Schweigen der Lämmer

Dezember 2, 2007 um 2:05 pm | Veröffentlicht in Anachronismen, Middle East, Skandale, USA, World War IV | 2 Kommentare

Gelegentlich weisen Fans der jetzigen US-Regierung und Befürworter des Irakkrieges darauf hin, dass die Anzahl der Gewalttaten im Irak in den letzten Monaten nachgelassen hätte. Es besteht aber der begründete Verdacht, dass die nachlassende Gewalt im Irak „ethnischen Säuberungen“ zu verdanken sein könnte:

Petraeus vergaß, dem Kongress zu berichten, dass die verbesserte Sicherheitslage in Bagdad auf Vertreibungen zurückzuführen ist. Vor dem Krieg waren rund 65 Prozent der Bagdader Bevölkerung sunnitisch, heute ist Bagdad zwischen 75 und 80 Prozent (circa) schiitisch. Die meisten Vertreibungen in Bagdad fanden in den vergangenen vier Jahren statt und waren Zwangsvertreibungen an Sunniten. „Ethnische Säuberungen“ aus Sicherheitsgründen sind natürlich nichts, womit man sich brüsten kann (12.9.2007, zmag.de).

Auch Asia Online veröffentlichte einen kritischen Artikel zum gleichen Thema. Darin weist Ali al-Fadhily, der Inter Press Service Korrespondent aus Bagdad der unter der treffenden Überschrift „The silence of the lambs“ darauf hin, dass die früheren Wohngebiete in Bagdad, in denen Sunniten und Schiiten untereinander gemischt lebten, jetzt jeweils nur noch von den Angehörigen einer der beiden Konfessionen des Islam bewohnt sind. Jeden Tag werden Leichen unbekannter Personen gefunden, um deren Herkunft sich niemand kümmert. Eine Mitschuld der jetzigen irakischen Regierung an diesen Morden schließt sein Bericht nicht aus (14.11.2007, Atimes.com).

Nach manchen Quellen übersteigt die Anzahl der getöteten Iraker bereits eine Million (just foreign policy.org). Betreffend die gelegentlich kritisierte Lancet-Studie, die im Jahr 2006 eine Anzahl von 600.000 der im 3. Golfkrieg getöteten Iraker angab, wurde immerhin eine Stellungnahme des UN Office for the Coordination of Humanitarian Affairs auf der öffentlichen Militärbeobachtungsseite in den USA verlinkt (16.10.2006, Globalsecurity.org). Die Washington Post, die größte Tageszeitung in Washington DC, nahm den Bericht ernst (11.10.2006, Washington Times). Eine andere Studie, die von einer britischen Firma, vom ORB (Opinion Research Business) im September 2007 durchgeführt wurde, verwendete eine andere Methode zur Auszählung, ermittelte damit aber sogar noch höhere Zahlen:

On September 14, 2007, ORB (Opinion Research Business), an independent UK based polling agency, published an estimate of the total casualties of the Iraq war. The figure suggested by ORB, which was based on survey responses from 1,499 adults, stands at 1,220,580 deaths, with a margin of error of 2.5%. This estimate, although conducted independently, and using a different polling methodology, is consistent with the Lancet findings (Wiki).

Bekanntlich starben bereits vor dem jetzigen Irakkrieg nahezu zwei Millionen Menschen im Iraq am bzw. an den Folgen des 2. Golfkrieges (G.W.B. sen. vs. S.H.) bzw. an den Sanktionen (6.3.2001, Netzwerk-Regenbogen.de, 15.6.2002, Embargos.de). Es besteht kein Grund zu der Annahme, dass im Irak die Anzahl der durch Unterversorgung sterbenden Personen während des Krieges abgenommen haben könnte.

Die Anzahl der Flüchtlinge wird, jene innerhalb und außerhalb des Landes zusammengerechnet, mit etwa vier Millionen angegeben (16.4.2007, news.ch). Flüchtlinge leben aber nicht unbedingt sicher. Stark unter Druck geraten sind Minderheiten wie etwa Christen oder Yasiden. Zugenommen hat auch die Gewalt gegen Frauen. Dass in einem Kriegsgebiet alte und schwache Personen früher sterben als in einem Industrieland, müsste eigentlich klar sein. Auf dem Vormarsch nach wie vor ist die Cholera (29.11.2007, CNN.com).

Am meisten schockieren Berichte darüber, dass der Einsatz von DU (Depleted Uranium) die Anzahl der Missbildungen bei Neugeborenen deutlich erhöht und langfristig die Zivilbevölkerung deutlich schädigt. Inzwischen interessieren sich bereits Experten aus etlichen Ländern für die Folgen von Angriffen mit DU auf Bevölkerung und Umwelt (World Uranium Weapons Conference).

Ungefähr davon ausgehend, dass der 2003 begonnene Irakkrieg etwa so viele Menschenleben gefordert haben könnte wie der 2. Golfkrieg, dass obendrein weiterhin auch seit Beginn des Krieges monatlich leicht so viele Menschen wie während der Zeit der Sanktionen gestorben sein könnten und dass zahlreiche Menschen durch den ausbrechenden Bürgerkrieg bzw. zusätzliche missliche Umstände ihr Leben verloren haben, erscheint doch eigentlich die Zahl von etwa einer Million Opfern als durchaus plausibel.

Sämtliche Indizien zusammengenommen, müssten bei weitem ausreichen, um umfangreiche Studien in Auftrag zu geben oder – noch besser – dafür zu sorgen, dass die Angriff auf Afghanistan, den Irak oder auch auf den Libanon die letzten Kriege für lange Zeit waren.

Bilder: Gewehrmündung, Irakkrieg

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