Die Gefahr für den Iran ist NIE vorbei

Januar 27, 2008 um 1:49 am | Veröffentlicht in Middle East, USA, World War IV | Hinterlasse einen Kommentar

G.W.B.Seit im von der CIA veröffentlichten Geheimdienstbericht NIE ausdrücklich darauf hingewiesen wurde, dass die iranische Regierung ihr militärisches Atomprogramm 2003 eingestellt hätte, entspannt sich das Klima zwischen den USA und dem Iran deutlich (6.12.2007, Spiegel.de, NIE-Report).

Es wurde aber bis zum jetzigen Zeitpunkt bereits so viel Geld in Kriegsvorbereitungen, in aggressive Propaganda gegen dieses Land investiert, dass es schwierig ist, daran zu glauben, dass jene US-Flugzeugträger, die im persischen Golf stationiert sind, wieder unverrichteter Dinge abziehen. Zu sehr auch hat sich Israel dem Iran gegenüber zu einer aggressiven Rhetorik hinreißen lassen, als dass es realistisch erscheint, dass in Kürze wieder echte Entspannung eintritt.

Es sprechen zur Zeit viele Gründe gegen einen Irankrieg. Die USA sind wirtschaftlich stark angeschlagen. Sogar international befinden sich mittlerweile die Börsenkurse auf Talfahrt (18.1.2008, NyTimes.com). Beide von der US-Regierung unter G.W.B. begonnenen Kriege, sowohl der in Afghanistan als auch der im Irak, konnten nicht gewonnen werden. Das amerikanische Volk hat bei weitem genug von jedweden Kriegen und würde den Angriff auf ein weiteres Land nicht unterstützen. Die Vogelgrippe bereitet Sorgen (27.1.2007, Tehrantimes.com, 23.1.2008, oe24.at). Auch der Problembereich „Global Warming“ findet weltweit immer mehr Aufmerksamkeit (25.1.2008, CFR.org).

In Israel trat – endlich – der unerträgliche Hardliner Avigdor Lieberman mit der von ihm geführten ultranationalistischen Partei Beitenu aus der Koalition mit Ministerpräsidentetn Ehud Olmert zurück (Wiener Zeitung). Die Hoffnung, dass mit Hilfe Benazir Bhuttos Pakistan vermehrt an den Westen angebunden werden könnte, zerschlug sich, als diese erfahrene Politikerin und aussichtsreiche Kandidatin für die nächsten Präsidentschaftswahlen am 27.1.2008 ermordet wurde (28.12.2007, Spiegel.de).

Trotzdem darf nicht übersehen werden, dass die begonnen Kriege den gesamten Mittleren Osten bis hinaus nach Pakistan gefährlich destabilisiert haben. G.W.B. wird sich nur sehr schwer damit abfinden, dass seine Einsätze – bis jetzt zumindest – die Position des Iran in dieser feindlichen Region nur gestärkt haben. Im Wahlkampf würde ihm kaum einer der anderen Kandidaten in den Arm fallen, um einen Angriff zu verhindern, da die USA traditionell Israel unterstützen und es „unpatriotisch“ wirken könnte, in einem gefährlichen Kampf einem Präsidenten in den Rücken zu fallen.

Freilich würde ein Angriff auf den Iran kaum angekündigt werden, sondern als schnelle Antwort auf eine „Provokation“ stattfinden. Eine solcher Auslöser könnte etwa so aussehen wie jener Vorfall zwischen einem iranischen Boot und einem US-Kriegsschiff, die jener, der in der Straße von Hormuz ohnehin stattfand (22.1.2008, Standard.at).

Die Befürchtung, dass der Iran doch noch angegriffen werden könnte, äußerte zumindest einer der Autoren auf der Homepage von Asia Times Online in ausführlicher Form (26.1.2008, Atimes.com). Freilich wird mittlerweile Norman Podhoretz, einer der Vorreiter der US-Neocons vom Chefredakteur der gleichen Zeitschrift mittlerweile regelrecht „auseinander genommen“ (25.1.2008, Atimes.com).

Mit Schrecken denke ich daran, dass es manche Beobachter für möglich halten, dass auch der nächste US-Präsident weiterhin auf kriegerische Außenpolitik sprechen könnte. Aufzeichnungen, welche Präsidentschaftskandidaten von welchen Hardlinern aus PNAC und AIPAC gestützt werden könnte, wurden mittlerweile im Internet veröffentlicht (10.1.2008, Globalresearch.ca, 15.1.2008, Globalresearch.ca).

Es spricht zwar momentan wenig dafür, dass die aussichtsreichsten Präsidentschaftskandidaten, Hillary Clinton oder Obama Barack, kriegerische Absichten haben könnten. Jeder, der nach G.W.B. das Amt des Präsidenten in den Vereinigten Staaten übernimmt, wird heilfroh sein können, wenn es ihm überhaupt gelingt, die USA wenigstens leidlich auf Kurs zu bringen. Schlafen sollte aber niemand, wenn auch im Vergleich gesehen zu vergangenen Monaten die Gefahr für den Iran, doch noch angegriffen zu werden, deutlich reduziert ist.

Bild: Bush´s Last Day

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