Gedanken zur Antrittsrede Obama Baracks

Januar 24, 2009 um 1:07 pm | Veröffentlicht in Democrats, Gesellschaft, USA, Verständigung, Without Clash | Hinterlasse einen Kommentar

Selbst von wohlwollenden Journalisten wurde Obama Barack im Wahlkampf gelegentlich vorgeworfen, dass sein Auftreten allzu selbstbeherrscht und kühl wirkt – so, als betrachte er alle Anliegen, die an ihn herangetragen würden, aus einer gewissen Distanz. Als der neue Präsident der USA jedoch auf den Stufen des Kapitols seine Antrittsrede hielt, versuchte er nicht einmal, so zu lächeln und um das Publikum zu werben, wie er es sonst tat. Hier stand er, Obama Barack, der neue Präsident der amerikanischen Staaten und zeigte ohne Scheu seine Gefühle.

Freilich ließ er sich nicht gehen. Keine Träne der Rührung trat in seinen Augen. Auch seine Stimme schwankte nicht, die Gestik blieb sparsam. Doch jedes Wort, das er sprach, wirkte echt und authentisch. Er sah aus, wie jemand, der schon längere Zeit darauf gewartet hatte, um genau dieses und jenes sagen und der außerdem von dem, was er behauptet, zutiefst überzeugt ist.

Bei den deutschen Berichterstattern kam die Ansprache offensichtlich gut an. Obama Barack redete davon, dass in Zukunft der Weg der Diplomatie eingeschlagen werden müsse, um mit den Gegnern einig zu werden. Er sprach vom „pursuit of happiness“, vom „Recht auf Glück“ für jeden, davon, dass die Großmacht USA die Hand hilfsbereit ausstrecken sollte und vom Zugehen auf ehemalige Feinde. Ebenso wie zur multikulturellen Gesellschaft bekannte er sich zu Gott. Schiller´s „Ode an die Freude“, Vorlage für die Europahymne, lässt grüßen, wenn auch in reichlich amerikanisierter Form.

Mich hat besonders jene Stelle seiner Rede beeindruckt, in der er darauf hinwies, dass die Erfolgsgeschichte der USA zeige, wie viel freie Menschen gemeinsam erreichen könnten, wenn sie es nur möchten. Die Bemerkung, dass er, der nunmehrige Präsident der Vereinigten staaten, als Schwarzer vor nur sechzig Jahren vermutlich noch nicht einmal in einem der anliegenden Gasthäuser etwas zu Essen bekommen hätte, konnte er sich nicht verkneifen.

Doch der Gedanke an Fortschritt und Entwicklung lässt sich noch weiterspinnen. Obama Barack´s Mutter ist Anthrophologin, das heißt, sie ist eine jener Forscherinnen, die sich wissenschaftlich mit der Herkunft der Menschheit auseinandersetzen. Für jemanden, der bereits von frühester Kindheit an mit der Überzeugung aufgewachsen ist, dass es die Menschheit von ihren Anfängen in der Oldoway-Schlucht bis zur Raumfahrt gebracht hat, ist der Glaube an weitere Entwicklungsschübe durchaus realistisch.

Von der Idee Idee, dass der Zeitpunkt der Schöpfung nur 6500 Jahre zurückliegt, Creative Design, hört man nun nichts mehr. Mit ihr gleichzeitig stirbt aber auch die Vorstellung der evangelikalen Fundamentalisten, dass die „Endzeitschlacht um Jerusalem“, die „Apokalypse“, kurz bevor steht. Unsere Welt, wie wir sie kennen, wird überdauern, vielleicht sogar noch einige Schritte nach vorn tun, wenn sich nur alle Mühe geben und fest daran glauben. Nach den letzteren Jahren, in denen immer wieder düstere Prophezeiungen Angst einjagten, ist dies eine erfreuliche Botschaft.

Sein Vorgänger George Bush dagegen wirkte wie versteinert. Besonders jene Sätze, in denen Obama Barack die Notwendigkeit der Schließung Guantanamos und eines generellen Folterverbotes betonte, schienen ihn zu treffen. Er sah aus, als wäre er in den letzten Tagen um Jahre gealtert. Nur mühsam raffte sich der Ex-Präsident auf zu einem letzten, einem gequälten Lächeln und winkte noch einmal kurz in die Menge. Dann dreht er sich um und stapfte hinaus, wie ein Relikt einer alten, schrecklichen Zeit, die nun hoffentlich für immer vorbei ist.

Doch endlich nun ist seine Amtszeit überstanden. Als Obama Barack seine Rede beendet hatte, wirkte er gelöst und glücklich. Er umarmte seine Frau Michelle und seine Töchter Sascha und Malia. Offensichtlich hatte es ihm besondere Freude gemacht, davon zu sprechen, dass er sich als Präsident der USA besonders für Bildung und Forschungsstätten einsetzen würde, damit der Weg zum Erfolg für zukünftige Generationen ebenso frei bleibt, wie er dies selbst als amerikanischer Staatsbürger erlebt hat.

Im Vorfeld seines Amtsantrittes hatten sich immer wieder kritische Stimmen gemeldet, die daran zweifelten, wie weit es diesem ungewöhnlichen Outsider und Aufsteiger mit den im Wahlkampf gegebenen Versprechungen ernst ist. Doch nun, nach Anhörung seiner Rede, sind alle Zweifel verflogen. Amerika hat diesmal mit Sorgfalt und Umsicht gewählt. Die Nacht ist vorbei und ein neuer Tag beginnt.


Obama Baracks Rede, englische Fassung: 20.1.2009, stern.de
Obama Baracks Rede, deutsche Übersetzung: 20.1.2009, stern.de

Advertisements

Wahlen in Israel

Januar 21, 2009 um 8:21 pm | Veröffentlicht in Middle East, Verständigung, Without Clash | 6 Kommentare

Länger noch als ein halbes Jahr hielt die Weltöffentlichkeit den Atem an und verfolgte aufmerksam das Rennen um die US-Präsidentschaft. Abgelöst wurde diese fast zur Unerträglichkeit anwachsende Spannung durch Spekulationen darüber, welche Mitarbeiter der siegreiche Obama Barack nun in sein Kabinett ernennen würde und vor allem darüber, was er nun – etwa betreffend Maßnahmen zur Bewältigung der Finanzkrise – ganz konkret vorhat.

Im Vergleich dazu finden die Wahlen, die in Israel am 10. Februar dieses Jahres abgehalten werden, erstaunlich wenig Interesse. Dabei vertreten Zipi Livni von der Kadima-Partei und ihr Gegner Benjamin Natanjahu völlig unterschiedliche Standpunkte. Vor allem darüber, in welchem Umfang weiterhin mit den Palästinensern verhandelt werden soll, sind sich beide keineswegs einig.

Es kann den Europäern nicht gleichgültig sein, wie sich die Situation im Gazastreifen weiterentwickelt. Gleichzeitig muss aber klar sein, dass jede Anregung oder Initiative von außen, egal ob sie von der EU oder aus den USA stammt, zum Scheitern verurteilt sein wird, wenn in Israel kein aufgeschlossener und flexibler Ansprechpartner vorhanden ist.

Dass langfristig die Herzen der Palästinenser gewonnen werden müssen, sieht wenigstens die Kandidatin der Kadima-Partei, Zipi Livni. Nun ist es natürlich so, dass auch Zipi Livni wie alle anderen Politiker unnachsichtig die Interessen Israels bereit ist, sofern Gefahr im Verzug ist. Kein Zweifel – sie steht auch hinter dem – bedauerlichen – Einsatz militärischer Gewalt im Gazastreifen, hinter der Operation Cast Lead.

Trotzdem verdient sie es, als Taube beachtet zu werden. So versuchte sie in einer Rede an den Knesset, Gegensätze zu überwinden und weist darauf hin, dass im Frieden, in einer Zweistaaten-Lösung die Zukunft und die Chance aller Menschen in dieser Region liegt (29.12.2008, globalsecurity.org). Im Vergleich zu ihr vertritt der Haudegen der Likud-Partei, Benjamin Netanjahu, einen wesentlich unnachsichtigeren Standpunkt.

Bei aller Sympathie für den neuen US-Präsdidenten Obama Barack wirkt es deshalb ein wenig unverständlich, weshalb fast keine Kommentare über die beiden Kandidaten in den Medien zu sehen sind. Erst dann, wenn nicht nur in den USA mit Obama Barack ein neuer Mann im Sattel sitzt, sondern auch die Entscheidung darüber gefallen ist, wer nun in Israel in Zukunft an die Macht kommt, kann sich der Westen auf zukünftige Herausforderungen im Mittleren Osten vollkommen einstellen.

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.
Entries und Kommentare feeds.