Der Tod des Osama Bin Laden

Mai 7, 2011 um 10:00 pm | Veröffentlicht in Generell, Skandale, USA, World War IV | Hinterlasse einen Kommentar

In einem Artikel einer führenden deutschen Tageszeitung wurde ein interessanter Aspekt der Tötung des O.B.L. zur Sprache gebracht. Darin wurde die Aufmerksamkeit auf den Umstand gelenkt, dass der Abgang dieses Terrorfürsten perfekt inszeniert wurde. Irgendwie scheint es tatsächlich so, als sei den Amerikanern eine bühnenreife Inszenierung des Endes einer langen Jagd geglückt.

Man stelle sich dagegen vor, es wäre gelungen, O.B.L. lebendig zu fangen. Eine solche Heldentat an sich wäre bereits ein Anachronismus gewesen, denn diesem Mann wurden seitens der Presse und auch von der amerikanischen Regierung nahezu übernatürliche Kräfte zugeschrieben. Auf diesem Hintergrund hätte es unglaubwürdig gewirkt, wäre es gelungen, Osama bin Laden ohne einen für ihn tödlichen Schusswechsel gegenüberzutreten.

Die Variante, einen Gegner aus einer Art Rattenloch zu ziehen, war außerdem bereits vergriffen. Saddam Hussein wirkte zudem reichlich zerrupft, als er ungepflegt und jämmerlich aus seinem Versteck gezogen wurde. Es machte keinen guten Eindruck, denn spätestens aus seinem wahrhaft kläglichen Auftreten wurde der Schluss gezogen, dass ein Feigling wie der irakische Diktator den wahrhaft fulminanten Angriff auf sein Land keineswegs wert war. Deshalb: Wie hätte O.B.L. in einer ähnlichen Situation auf die Weltöffentlichkeit gewirkt?

Was nun? Auf die Folterbank mit diesem Kerl? Nein, denn damit hätten sich die Amerikaner vollkommen ins Unrecht gesetzt. Außerdem – wer weiß schon, was O.B.L. zu sagen gehabt hätte! Bestimmt wären im Fall der Gefangenschaft des O.B.L. aus der Sicht der amerikanischen Regierung zahlreiche unerwünschte Kommentare an die Presse gelangt und von dieser ausgeschlachtet worden.

Die Verhängung der Todesstrafe hätte zu äußerst seltsamen Kontroversen führen können. Vermutlich hätten sich in erster Linie alle anderen Mörder in den USA über den meistgesuchten Verbrecher der Welt als Sitznachbarn auf dem elektrischen Stuhl ordentlich geärgert. Ein solcher Abgang hätte noch dazu den Nachteil gehabt, dass die Anzahl der seit 2001 getöteten Zivilisten seit 9/11 nicht nur auf amerikanischer, sondern auch auf afghanisch/pakistanischer Seite zur Sprache gekommen wäre. Oh weh, eine solche Diskussion hätte am Image einiger westlicher Politiker gleich mal ordentlich gekratzt!

Selbstmord kam als glaubwürdige Todesursache grundsätzlich und von vornherein nicht in Frage. Für gläubige Moslems steht diese Option nicht zur Diskussion. Ein Atheist in einer ähnlich aussichtslosen Situation wie O.B.L. hätte sich schon Jahre früher umgebracht. Ein solches Ende passt aber weit besser zu einem irdisch orientierten Scheusal wie Hitler, vielleicht auch zu einem Diktator wie Gaddafi.

Es kann jeder sagen, was er möchte, aber O.B.L. war eine außergewöhnliche Persönlichkeit. Diesem Mann gelang es nicht nur, fast ein Jahrzehnt lang die mächtigste Armee der Welt an der Nase herumzuführen. Sein Auftreten bewirkte unter anderem, dass den Argumenten der Globalisierungsgegner in der Weltöffentlichkeit mehr Gehör gegeben wird als es vor 2001 der Fall war. Auch Israel muss sich damit abfinden, dass die Zeiten, in denen die Politik dieses Landes erfolgreich schwarzweiß gemalt wurde, ein für allemal vorbei sind.

Die Amerikaner haben sich bereits seit der Unterstützung der Taliban gegen die sowjetische Armee seit dem Ende des Sowjetisch-Afghanische Krieg im Jahr 1989 Afghanistan gegenüber scheusslich benommen. Deshalb war der Codenamen „Geronimo“ für den tödlichen Angriff zielsicher und treffend gewählt. Es ist viel Unrecht geschehen, auch von der amerikanischen Seite. Der dezente Hinweis auf die Untaten der in der Kolonialzeit an der indianischen Bevölkerung war deshalb berechtigt.

Schließlich und endlich war der schnelle Tod, der O.B.L. durch die Kugeln der Waffen der Seals Navy erreichte, ein verdientes Zeichen von Respekt vor einem tapferen Gegner. Es war – da finden sich in den westlichen Demokratien kaum Gegenstimmen – kein Platz mehr für ihn vorhanden auf dieser Erde. Er musste sterben.

Aber es war feinfühlig und richtig, die Fotos seiner Leiche unter Verschluss zu halten und diese nicht als Trophäe zu zeigen. So darf O.B.L. nun in der Erinnerung als jemand weiterleben, der im 3. Jahrtausend von dem Rücken seines Pferdes aus Unmögliches versucht hat und der sich dabei ordentlich vergaloppiert hat. Den Himmel und den Ruhm der Nachwelt hat er sich damit zweifellos nicht verdient, aber Unsterblichkeit in der Geschichte ist ihm sicher.

Der Hauch von Hollywood, der nicht nur sein Leben, sondern erst recht seinen Abgang begleitet hat, schadet insgesamt überhaupt nicht. Es wird noch viel darüber geschrieben werden, was er gemacht oder auch nur gesagt hat und auch darüber, welche von ihm als solche wahr genommenen Missstände den „Terrorfürsten“, den Inbegriff alles Bösen, zu seinen Untaten motivierten. Man wird deshalb – wie es wahre Gerechtigkeit verlangt – beide Seiten hören. Und das ist gut so.

Was ist Wahrheit?

Juli 20, 2008 um 9:06 am | Veröffentlicht in Gesellschaft, Skandale, Without Clash, World War IV | Hinterlasse einen Kommentar

Bekanntlich lässt sich jedes Argument, jede Aussage relativieren. Wenn aber 3000 palästinensische Flüchtlinge, die aus dem Irak nach Syrien flüchten mussten, doch tatsächlich in den Sudan, nach Khartum, abgeschoben werden sollen, dann ist ihre Angst, ihr Kummer und ihr Leid so real, wie es real ist, dass im Winter der Schnee, den man angreift, kalt und nass ist (14.7.2008, refugeesinternational.org). Wer nicht genug zu essen und zu trinken bekommt, stirbt. Daran können die schönsten Gedankengebäude nichts ändern.

Darüber, wie Christen mit Flüchtlingen und anderen benachteiligten Personen eigentlich umgehen sollten, steht genug in der Bibel. An folgendem Satz führt kein Philosophieren vorbei:


„Ich bin der Weg, die
Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum
Vater denn durch mich (Joh. 14,6).“

Außerdem bauen die Eckpfeiler moderner Rechtsstaatlichkeit in weiten Teilen auf christlichen Grundsätzen auf. Es kann nicht besonders gut sein, ausgerechnet an dem Ast zu sägen, auf dem das Glück und die Freiheit der Menschen in den westlichen Demokratien aufbaut. Dem schwammigen Opportunismus der jetzigen US-Regierung, die zur Problemlösung auf umstrittene Maßnahmen wie Angriffskriege, Folter oder Einkerkerungen setzt, gewinne ich deshalb nichts ab. Abgesehen davon kann man ja darüber nachdenken, ob 2 und 3 nicht eigentlich 6 statt 5 sind.

Bild: Der Nil bei Khartum um 1910

Was die US-Außenpolitik mit Harry Lime zu tun hat

Februar 21, 2008 um 11:57 am | Veröffentlicht in Generell, Middle East, Skandale, USA, World War IV | Hinterlasse einen Kommentar

In jedem Krieg gibt es eine Reihe von Personen, die es schaffen, aus dem Leid der betroffenen Menschen Profit zu schinden. Über einen solchen Menschen schrieb auch der bekannte Autor Graham Green in seinem Buch „Der dritte Mann„. Der gleichnamige Film von Carol Reed mit bekannten Schauspielern wie Orson Welles und der mitreißende Soundtrack des Wieners Anton Karas wurde ein Welterfolg.

Zur Handlung: Der Kriegsgewinnler Harry Lime verkauft „gestrecktes“ Penicillin zu horrend hohen Preisen an kapitalkräftige Kundschaft. Dabei nahm er in Kauf, dass die gepfuschten und gepanschten Medikamente oft mehr schadeten als nutzen. Als er gemeinsam mit dem amerikanischen Journalisten Martins Holley in einem Wagen des Riesenrads saß, erklärte er seine Philosophie:

Sie (Martins Holley und Harry Lime) blicken auf die aus dieser Höhe winzig wirkenden Menschen hinab, und Harry Lime fragt Holley, ob er 20000 Pfund ablehnen würde, wenn er ihm diesen Betrag für jeden toten „Punkt“ da unten böte (Der dritte Mann).



An dieser Stelle sollte man sich noch einmal in Erinnerung rufen, wie gigantisch hoch die Gewinne im Öl- und Rüstungsgeschäft sind. Es war der frühere US-Präsident Dwight Eisenhower, der bereits 1961 in seiner Abschiedsansprache die Öffentlichkeit das erste Mal vor dem Einfluss des „Militärisch-industriellen Komplex“ auf die Demokratie warnte. Er sagte wortwörtlich:

„Until the latest of our world conflicts, the United States had no armaments industry. American makers of plowshares could, with time and as required, make swords as well. But now we can no longer risk emergency improvisation of national defense. We have been compelled to create a permanent armaments industry of vast proportions. Added to this, three and a half million men and women are directly engaged in the defense establishment. We annually spend on military security alone more than the net income of all United States corporations.

Now this conjunction of an immense military establishment and a large arms industry is new in the American experience. The total influence — economic, political, even spiritual –is felt in every city, every Statehouse, every office of the Federal government. We recognize the imperative need for this development. Yet we must not fail to comprehend its grave implications. Our toil, resources, and livelihood are all involved. So is the very structure of our society.

In the councils of government, we must guard against the acquisition of unwarranted influence, whether sought or unsought, by the military-industrial complex. The potential for the disastrous rise of misplaced power exists and will persist. We must never let the weight of this combination endanger our liberties or democratic processes. We should take nothing for granted. Only an alert and knowledgeable citizenry can compel the proper meshing of the huge industrial and military machinery of defense with our peaceful methods and goals, so that security and liberty may prosper together.


Seine Enkelin, Susan Dwight Eisenhower, unterstützt mit dem Hinweis auf die Bedenken ihres herausragenden Großvaters massiv die Kandidatur des demokratischen Kandidaten Obama Barak (2.2.2008, WashingtonPost.com).

Auch der demokratische Kandidat 2004, Senator John Kerry scheut keine Mühe, die Wähler für Senator Obama Barack zu begeistern.




Inzwischen erscheinen die Bedenken, wie weit die voreilig akzeptierte Unabhängigkeit des Kosowo nationalistische Strömungen anderer Minderheiten in Europa und in anderen Ländern ermutigen könnte, durchaus berechtigt. Auch der kanadische Autor Mahdi Darius Nazemroaya, Mitarbeiter von Prof. Michel Chossudovsky, zog Vergleiche zwischen dem Kosowo und dem Irak und stellte sich auf den Standpunkt, mit der Anerkennung eines unabhängigen Kosowo wäre „Pandoras Büchse“ geöffnet (20.2.2008, Globalresearch.ca).

Nicht vergessen: Für die „dort oben“ sind wir die Punkte. Es hängt sehr viel von der Integrität jener ab, in deren Hand in Zukunft die Macht liegt.

Bild: Riesenrad

Das Schweigen der Lämmer

Dezember 2, 2007 um 2:05 pm | Veröffentlicht in Anachronismen, Middle East, Skandale, USA, World War IV | 2 Kommentare

Gelegentlich weisen Fans der jetzigen US-Regierung und Befürworter des Irakkrieges darauf hin, dass die Anzahl der Gewalttaten im Irak in den letzten Monaten nachgelassen hätte. Es besteht aber der begründete Verdacht, dass die nachlassende Gewalt im Irak „ethnischen Säuberungen“ zu verdanken sein könnte:

Petraeus vergaß, dem Kongress zu berichten, dass die verbesserte Sicherheitslage in Bagdad auf Vertreibungen zurückzuführen ist. Vor dem Krieg waren rund 65 Prozent der Bagdader Bevölkerung sunnitisch, heute ist Bagdad zwischen 75 und 80 Prozent (circa) schiitisch. Die meisten Vertreibungen in Bagdad fanden in den vergangenen vier Jahren statt und waren Zwangsvertreibungen an Sunniten. „Ethnische Säuberungen“ aus Sicherheitsgründen sind natürlich nichts, womit man sich brüsten kann (12.9.2007, zmag.de).

Auch Asia Online veröffentlichte einen kritischen Artikel zum gleichen Thema. Darin weist Ali al-Fadhily, der Inter Press Service Korrespondent aus Bagdad der unter der treffenden Überschrift „The silence of the lambs“ darauf hin, dass die früheren Wohngebiete in Bagdad, in denen Sunniten und Schiiten untereinander gemischt lebten, jetzt jeweils nur noch von den Angehörigen einer der beiden Konfessionen des Islam bewohnt sind. Jeden Tag werden Leichen unbekannter Personen gefunden, um deren Herkunft sich niemand kümmert. Eine Mitschuld der jetzigen irakischen Regierung an diesen Morden schließt sein Bericht nicht aus (14.11.2007, Atimes.com).

Nach manchen Quellen übersteigt die Anzahl der getöteten Iraker bereits eine Million (just foreign policy.org). Betreffend die gelegentlich kritisierte Lancet-Studie, die im Jahr 2006 eine Anzahl von 600.000 der im 3. Golfkrieg getöteten Iraker angab, wurde immerhin eine Stellungnahme des UN Office for the Coordination of Humanitarian Affairs auf der öffentlichen Militärbeobachtungsseite in den USA verlinkt (16.10.2006, Globalsecurity.org). Die Washington Post, die größte Tageszeitung in Washington DC, nahm den Bericht ernst (11.10.2006, Washington Times). Eine andere Studie, die von einer britischen Firma, vom ORB (Opinion Research Business) im September 2007 durchgeführt wurde, verwendete eine andere Methode zur Auszählung, ermittelte damit aber sogar noch höhere Zahlen:

On September 14, 2007, ORB (Opinion Research Business), an independent UK based polling agency, published an estimate of the total casualties of the Iraq war. The figure suggested by ORB, which was based on survey responses from 1,499 adults, stands at 1,220,580 deaths, with a margin of error of 2.5%. This estimate, although conducted independently, and using a different polling methodology, is consistent with the Lancet findings (Wiki).

Bekanntlich starben bereits vor dem jetzigen Irakkrieg nahezu zwei Millionen Menschen im Iraq am bzw. an den Folgen des 2. Golfkrieges (G.W.B. sen. vs. S.H.) bzw. an den Sanktionen (6.3.2001, Netzwerk-Regenbogen.de, 15.6.2002, Embargos.de). Es besteht kein Grund zu der Annahme, dass im Irak die Anzahl der durch Unterversorgung sterbenden Personen während des Krieges abgenommen haben könnte.

Die Anzahl der Flüchtlinge wird, jene innerhalb und außerhalb des Landes zusammengerechnet, mit etwa vier Millionen angegeben (16.4.2007, news.ch). Flüchtlinge leben aber nicht unbedingt sicher. Stark unter Druck geraten sind Minderheiten wie etwa Christen oder Yasiden. Zugenommen hat auch die Gewalt gegen Frauen. Dass in einem Kriegsgebiet alte und schwache Personen früher sterben als in einem Industrieland, müsste eigentlich klar sein. Auf dem Vormarsch nach wie vor ist die Cholera (29.11.2007, CNN.com).

Am meisten schockieren Berichte darüber, dass der Einsatz von DU (Depleted Uranium) die Anzahl der Missbildungen bei Neugeborenen deutlich erhöht und langfristig die Zivilbevölkerung deutlich schädigt. Inzwischen interessieren sich bereits Experten aus etlichen Ländern für die Folgen von Angriffen mit DU auf Bevölkerung und Umwelt (World Uranium Weapons Conference).

Ungefähr davon ausgehend, dass der 2003 begonnene Irakkrieg etwa so viele Menschenleben gefordert haben könnte wie der 2. Golfkrieg, dass obendrein weiterhin auch seit Beginn des Krieges monatlich leicht so viele Menschen wie während der Zeit der Sanktionen gestorben sein könnten und dass zahlreiche Menschen durch den ausbrechenden Bürgerkrieg bzw. zusätzliche missliche Umstände ihr Leben verloren haben, erscheint doch eigentlich die Zahl von etwa einer Million Opfern als durchaus plausibel.

Sämtliche Indizien zusammengenommen, müssten bei weitem ausreichen, um umfangreiche Studien in Auftrag zu geben oder – noch besser – dafür zu sorgen, dass die Angriff auf Afghanistan, den Irak oder auch auf den Libanon die letzten Kriege für lange Zeit waren.

Bilder: Gewehrmündung, Irakkrieg

Über den Reiz verbotener Bücher

Oktober 30, 2007 um 12:12 pm | Veröffentlicht in Generell, Gesellschaft, Middle East, Publikationen, Skandale, USA, Verständigung, Without Clash | Hinterlasse einen Kommentar

Mit seiner Fatwa gegen den Schriftsteller Salman Rushdie schoss der Begründer der islamischen Revolution im Iran, Ayatollah Ruhollah Khomeini dem Islam ein beachtliches Eigentor. In einer Zeit der Reizüberflutung durch die Medien, in einer Situation, in der Autoren, Journalisten und Hobbyschriftsteller durch Veröffentlichung ihrer Websites, Magazine und Bücher sehr oft vergeblich versuchen, Beachtung zu finden, hätte sich ohne einen zünftigen Skandal rund um sein Werk kaum jemand für Salman Rushies „Satanische Verse“ interessiert.

Doch gerade durch die Aufregung, die das Werk durch die Verurteilung durch die Mullahs erzeugte, wurden der Autor der „Satanischen Verse“ weltbekannt. Eine vergleichbare Entwicklung der Beachtung durch die Öffentlichkeit findet sich vielleicht noch bei der Erfolgsstory des den katholischen Glaubensbereich betreffenden Buches „Sakrileg“ von Dan Brown.

Die Medienberichte betreffend „Sakrileg“ gehen übrigens nicht direkt auf eine Verurteilung des Buches durch den Vatikan zurück, sondern auf den Bericht über eine Konferenz, die der Erzbischof von Genua, Kardinal Tarcisio Bertone abhielt. Während des Vortrages wurde auf einige Schwerpunkte des Romans eingegangen und die Empfehlung ausgesprochen, das Buch weder zu lesen noch zu kaufen (16.3.2005, Radio Vatikan). Dies verhinderte weder den Erfolg des Buches und hielt noch nicht einmal geschäftstüchtige Autoren davon ab, „Anti-Sakrileg-Bücher“ auf den Markt zu bringen (Sakrileg-Betrug).

Ebenfalls werbewirksam hielt sich das Gerücht, die nette Jugendbuchserie „Harry Potter“ von Joanne Kathleen Rowling wäre auf dem Index des Vatikans gelandet. Diese Geschichte bezieht sich auf zwei kurze Briefe, die der jetzige Papst Benedikt IV, damals noch Kardinal Ratzinger im Amt als Präfekt der Glaubenskongregation, an die Potter-Kritikerin Gabriele Kuby (Gabriele Kuby, Harry Potter – gut oder Böse, fe-medienverlag Kisslegg) geschrieben hatte (14.7.2005, Radio Vatikan). Die Originaltexte dieses Briefwechsels können auf der Homepage von Gabriele Kuby eingesehen werden (Gabriele Kuby).

Der Konsultor des Päpstlichen Kultur-Rates, Peter Fleetwood untersuchte das Phänomen Harry Potter dann nochmals und beurteilte es positiv. Der Vatikan veröffentlichte am 20.5.2007 eine Entwarnung (20.7.2005, Radio Vatikan). Gabriele Kuby legte daraufhin Widerspruch ein. Die Diskussion, deren Inhalt vom Erhabenen bei weitem ins Lächerliche kippt, dürfte noch nicht ganz beendet sein (Kath.net). Die Anzahl der Vorbestellungen des siebenten Bandes der Harry Potter-Reihe, „Harry Potter and the Deathly Hollows“ erreicht trotzdem schwindelnde Höhen (Pressetext).

Die unterschwelligen Animositäten der Kirche gegen alles „Magische“ könnten weit eher als durch die Bücher der englischen Autorin durch den unglücklichen Umstand bedingt sein, dass im Kongo immer wieder Familien ernsthaft glauben, ihre Kinder wären verhext. Solche Kinder werden ausgestoßen, von Scharlatanen „behandelt“ und landen letztendlich ausgebeutet und kriminell geworden in großer Anzahl auf Kinshasas Straßen (14.7.2005, Radio Vatikan).

Was Salman Rushdie betrifft, könnten die Mullahs seine Verse, die die Grundfesten des islamischen Glaubens angreifen, nicht mehr zum Verschwinden bringen, selbst dann nicht, wenn es ihnen gelingen würde, Rushdie zu töten. Sie werden sich damit abfinden müssen, dass sie Salman Rushdie durch ihre irrational aggressive Kritik an seinem umstrittenen Buch fast mehr noch zum Erfolg verholfen haben, als der von ihnen geschmähte Autor selbst durch das Schreiben seiner mittlerweile weltweit bekannten Zeilen. Ohne die Drohungen, die der bekannte Schriftsteller von fundamentalistischer Seite erhalten hat, hinunterspielen zu wollen, taten ihm also die Mullahs fast noch einen Gefallen.

Bild: Salman Rushdie

Über „Che“

Oktober 14, 2007 um 12:59 pm | Veröffentlicht in Anachronismen, Generell, Gesellschaft, Middle East, Skandale, USA, Verständigung | Hinterlasse einen Kommentar

Kaum eine historische Persönlichkeit löste so heftige Emotionen aus wie die des Argentiniers Ernesto Che Guevara. Von den einen nahezu als Messias, als Erlöser verehrt, dämonisieren ihn seine Gegner so weit, dass sie ihn sogar mit Osama bin Laden, Stalin oder gar A.H. vergleichen.

Während sich die Nähe des „Che“ zu Stalin nicht leugnen lässt und sich sogar ein Vergleich zwischen ihm und einem der islamistischen Top-Terroristen konstruieren lässt, besteht kein Grund für die Annahme, dass „Che“ mit A.H. sympathisiert haben könnte bzw. dass eine Ähnlichkeit zwischen beiden Persönlichkeiten bestand. .

Im Gegensatz zu A.H., der sich feige in seinem Bunker verkroch, gelten sowohl er als auch und etliche andere Islamisten als sehr mutige Kämpfer, die bereit waren bzw. sind, mit ihrem eigenen Leben, für das, woran sie glaubten, gerade zu stehen. Darin besteht vermutlich ein Teil ihrer Ausstrahlungskraft auf unzufriedene Menschen in der ganzen Welt.

Das Gesicht des „Che“ könnte eines der bekanntesten der Welt sein. denn sein Portrait diente als Vorlage für farbenprächtige Bilder des berühmten Künstler Andy Warhol . Sogar in dem Musical „Evita“ von Andrew Lloyd Webber walzt er kurz über die Bühne, obwohl „Che“ in seinem wirklichen Leben mit Evita Peron keinen Kontakt hatte (Siehe auch Posting).

„Che“ hasste Juan Peron. Durch seine Südamerikareise, die er antrat, nachdem er sein Medizinstudium in Buenos Aires begonnen hatte, entging er dem Militärdienst. Vermutlich bemerkte der junge Revolutionär, dass Peron mit dem 3. Reich sympathisierte und nach dem Sieg der Alliierten Nazi-Verbrecher ins Land ließ. A.H. war auch ein Feind Stalins. Obwohl sowohl das amerikanische Volk als auch die damalige Regierung A.H. feindlich gegenüberstand, sympathisierten führende Industrielle wie etwa Henry Ford oder Prescott Bush mit dem dritten Reich. „Che“ war also vermutlich alles andere als ein Sympathisant des A.H..

Was regte den „Che“ überhaupt so auf? Eigentlich erst durch das Fernsehen und durch das Internet dringt langsam, aber sicher die Erkenntnis an die Oberfläche, dass die Politik ebenso wie die Geschäftsgebarung der USA Drittländern gegenüber sehr oft beinhart war. In diesem Sinn störte vielleicht die United Fruit Company, ein riesiger Konzern, der mittlerweile als Chiquita Brands International bekannt ist.

In einem der Länder, in dem diese Firma tätig ist, in Guatemala, wurde die gewählte Regierung von Jacobo Arbenz gestürzt und, ähnlich wie in Chile oder im Iran, durch eine vom CIA gestützte ersetzt (Wiki). Der CIA wurde damals von Allan Welsh Dulles geleitet, dessen Bruder John Foster Dulles damals Außenminister der USA war.

Als Sozialist war „Che“ sicherlich Atheist. Obwohl es in Anbetracht der aktuellen politischen Situation im M.E. Sinn macht, Erkenntnisse der modernen Natur- und Religionswissenschaft vermehrt zu bewerben, kann man „Che“ als Beispiel dafür sehen, dass jemand fanatisch sein kann, auch wenn der Betreffende nicht religiös ist. Das unterscheidet ihn von den Islamisten.

Angemerkt sei an dieser Stelle auch, dass der Anwendung von WMD´s eigentlich der Islam im Weg steht und dass zwischen dieser Religion und dem Kommunismus grundsätzliche Unterschiede betreffend die Beantwortung ethischer und wirtschaftlicher Fragen bestehen.

Obwohl es deshalb schwierig ist, ihn mit dem Fundamentalisten O.b.L. zu vergleichen, fallen einige Parallelen zwischen „Che“ und einem anderen Terroristen, Aiman az-Zawahiri, auf, der ebenso wie „Che“ Arzt ist, viele Reisen unternahm und außerdem ein sehr harter Mann ist, dem freilich der Charme und das Charisma des „Che“ völlig abgehen.

„Che“ ist nicht tot. Es ist richtig, wenn darüber aufgeklärt wird, dass er ein sehr gefährlicher Mensch und absolut kein „Erlöser“ war, sondern jemand, der bereit gewesen wäre, den Dritten Weltkrieg zu beginnen, um seine Vorstellungen durchzusetzen. Sein Märtyrertod überstrahlt die Fehler, die er machte. Genauso wenig, wie der Mord an ihm den Mythos rund um seine Person zerstören konnte, könnte der Tod von O.b.L. und Zawahiri „worst case“ dazu beitragen, das Verhalten solch gefährlicher Einzelgänger zu idealisieren.

Abgesehen davon ändert es nichts daran, dass die Proteste gegen die USA des „Che“ bei näherer Betrachtung durchaus einen bemerkenswerten Hintergrund hatten, wenn auch die Methoden, mit denen dieser kompromisslose Revolutionär vorging, bzw. vorgehen wollte, vollkommen falsch waren.

Diskussionen um die Person des „Che“ ordnen denjenigen, der sie führt, sehr schnell als „Links“ oder „Rechts“ ein. Das ist schade, denn vielleicht hätte es Sinn gemacht, den historischen und wirtschaftlichen Hintergrund der Ländern, die er bereiste, genau zu erforschen, um zukünftige Konflikte wie den jetzigen im M.E. besser einschätzen zu können.

Bilder: Che Guevara

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