Die Piraten kommen!

September 7, 2009 um 7:57 pm | Veröffentlicht in Anachronismen | Hinterlasse einen Kommentar

Am 27. September 2009 sind Bundestagswahlen in Deutschland. Neben den etablierten Großparteien wie CDU und SPD kandidieren über 100 Kleinparteien. Eine davon hebt sich ab aus der Menge, und zwar die Piratenpartei. Einen Vorteil können die Piraten schon einmal für sich verbuchen: Mit ihrem Auftreten erregen sie auf jeden Fall Aufmerksamkeit.

All jenen, denen bereits jetzt schon der Wahlkampf zum Hals herausfängt und die sich am liebsten ein großes, tiefes Loch graben würden, um erst nach dem Feststehen der neuen Regierung wieder in die Zeitung zu sehen oder den Fernseher aufzudrehen, bescheren die Piraten Abwechslung und somit ein unerwartetes Wahlkampfzuckerl.

Doch wie kommt diese Partei zu ihrem reichlich schrägen Namen? Welche Bedeutung hat sie? Macht es überhaupt Sinn, eine so kleine Partei zu wählen? Welche Leute stecken dahinter? Für welche Inhalte steht denn nun diese Partei? Fragen über Fragen!

Es ist fast unmöglich, alles auf einmal zu erklären. Es ist, fast kann man es so sagen, Ironie des Schicksals, dass die Piraten in erster Linie das Interesse derer vertreten, denen es an Zeit und Interesse fehlen könnte, sich mit dem komplex ausformulierten Programm auseinanderzusetzen.

Die Piraten selbst verstehen sich als Bürgerrechts- und Informatikerpartei. Nun, derjenige, der womöglich glaubt, er müsste selbst am Computer programmieren, um zur Kategorie jener zu gehören, deren Probleme die Piraten ansprechen wollen, irrt sich. EDV heißt nichts anderes als „Elektronische Datenverarbeitung“. Nun, jeder Mensch hat Daten und erzeugt täglich neue, indem er das Telefon, das Internet nutzt oder dann, wenn sein Auftreten von einer Überwachungskamera erfasst wird.

Die Piraten beschäftigen sich sowohl mit den Möglichkeiten, die sich dem Bürger zur Mitgestaltung der Gesellschaft öffnen als mit Gefahren, die sich durch Datenmissbrauch ergeben, und möchten dabei helfen, für den Bürger optimale Lösungen zu finden. Unter anderem setzen sie sich mit Patentrechten für Software, Arzneien und denen an Nutztieren und -pflanzen ein.

Was das nun alles zusammen heißt für den Bürger, bedarf im Detail einer intensiven Betrachtung.

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Über die „Prager Rede“

April 7, 2009 um 9:56 pm | Veröffentlicht in Anachronismen, Democrats, Generell, Gesellschaft, USA, Verständigung, Waffen, Wirtschaft, Without Clash | Hinterlasse einen Kommentar

Als Obama Barack am 5. April 2009 in Prag seine Rede hielt, erregte jene Passage, in der er über  eine atomwaffenfreie Welt als Ziel sprach, erhebliches Aufsehen. Mit einem so überschwänglich geäußerten Bekenntnis zum Frieden aus den USA hätten noch vor wenigen Monaten kaum jemand gerechnet:

Ich möchte heute also ganz deutlich und mit Überzeugung Amerikas Bereitschaft erklären, den Frieden und die Sicherheit in einer Welt ohne Atomwaffen anzustreben ¹.

Die meisten Leute freuten sich. Dies verwundert nicht. Bereits die Ankündigung, in Zukunft die Ratifizierung des Vertrags zu Atomteststopps (CTBT)zu unterstützen, sollte außerdem für Begeisterung sorgen (5.4.2008, nachrichten.at). Nach der langen Zeit des „Kalten Krieges“, in der eine mögliche Konfrontation zwischen den USA und der damaligen UDSSR als riesige Bedrohung für alles Leben auf der Erde angesehen wurde, sind West- ebenso wie Osteuropäern außerdem sämtliche Atomwaffen ohnehin suspekt. Auch Politiker oder andere prominenten Persönlichkeiten sparten nicht mit Applaus für den geäußerten Wunsch nach Abrüstung und Verständigung. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier äußerte sich zustimmend. Auf der Homepage von Radio Vatikan wurden Barack Obamas Sätze sogar von frenetischem Beifall begleitet.

Trotzdem erhoben sich auch kritische Stimmen. Das ist schwer verständlich, denn zur Beruhigung all jener, die ohne das Gefühl, dass die USA bis an die Zähne aufgerüstet sind, nicht schlafen können, versprach Barack Obama ohnehin, dass sich der totale Verzicht auf Atomwaffen nicht nur innerhalb seiner Amtszeit, sondern während seines ganzen Lebens kaum realisieren lässt.

Ich bin nicht naiv. Das Ziel wird sich nicht rasch erreichen lassen. Vielleicht auch nicht in der Zeit meines Lebens. Es wird Geduld und Beharrlichkeit erfordern. Aber jetzt müssen wir die Stimmen jener ignorieren, die sagen, dass die Welt sich nicht ändern kann. Wir müssen darauf bestehen und sagen: Yes, we can ².

Außerdem liegt es nahe, eine Verbindung zwischen der Finanzkrise und Entwicklungen der Rüstungsindustrie zu sehen. In diesem Jahr wurden freilich die Ausgaben für den militärischen Bereich sogar noch erhöht. Der US-Verteidigungsminister Robert Gates befürwortet allerdings eine Umschichtung der Komponenten. Dabei wird die Entwicklung futuristischer Waffensysteme gekürzt, die Produktion allzu aufwändiger Modelle eingestellt. Weiter ausgebaut wird allerdings der direkt einsatzfähige Teil des Militärs wie kleine Einheiten und die Ausrüstung ebenso wie die Versorgung der Soldaten. Das ist aber nötig, denn Barack Obama muss so schnell wie möglich die Kriege im Irak und auch den in Afghanistan beenden, um finanziellen Spielraum zu gewinnen (6.4.2009, spiegel.de).

Langfristig lassen sich aber die für die Sanierung der maroden Wirtschaft erforderlichen Mittel kaum anders als durch Kürzung des Rüstungsetats einsparen. Eine solche Maßnahme bedarf aber erfolgreicher Verhandlungen mit den Regierungen zur Zeit verprellter Länder. Dann erst kann eine Phase der Abrüstung eintreten. Jeder, der Abrüstungsverhandlungen skeptisch gegenüber steht, sollte wissen, dass hier Barack Obama kaum alleine agieren kann. Um den „Öl-Rüstungskomplex“ im eigenen Land zu besiegen, bedarf der neue US-Präsident jeder Unterstützung aus dem Ausland.

„Die Waffen nieder!“ So lautete 1889 die Überschrift des pazifistischen Romans der Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner. Weder ihr Werk noch ihr Engagement konnten die großen Weltkriege in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts verhindern. Gerade deshalb wäre es aber an der Zeit, sich ihre Zeilen wieder ins Bewusstsein zu rufen. Wenn es gelingt, einen Teil jener Milliarden, die für die amerikanische Rüstungsindustrie pro Jahr ausgegeben werden, für die Deckung wichtiger Ausgaben heranzuziehen, dann wäre nicht nur die Welt sicherer und friedlicher als sie es jetzt ist, sondern auch die Finanzkrise ginge ihrem sicheren Ende entgegen.

Fußnoten ¹, ²: 5.4.2006, apa.at

Demokratie in Gefahr

Juli 9, 2008 um 11:51 pm | Veröffentlicht in Anachronismen | Hinterlasse einen Kommentar

Mittlerweile ließ sich GWB im Fall eines Angriffes auf Amerika bzw. das Eintreten einer größeren Naturkatastrophe eine ganze Reihe von Vollmachten zusichern ließ (National Security Presidential Directive). In einem solchen Fall könnte er die Führung der gesamten Bundesregierung, also mit der Koordination der Exekutive, der Legislative und der Judikative, übernehmen (Wiki).

Einige Beobachter gehen davon aus, dass GWB dank dieser Regelung ohne Zustimmung des Kongresses sogar einen Krieg beginnen könnte (8.7.2008, (1.7.2008, globalresearch.ca, whitehourse.gov, (10.7.2008, ).

Ist das Waffengesetz in den USA zu liberal?

März 25, 2008 um 5:58 pm | Veröffentlicht in Anachronismen, Gesellschaft, USA, Waffen | Hinterlasse einen Kommentar

Bekanntlich ist das Recht eines US-Bürgers, eine Waffe zu tragen, in der Konstitution verankert. Stellungnahmen von Europäern in diesem Zusammenhang sind für die Entscheidungsfindung in den USA weder relevant noch gefragt. Bis jetzt war es immer nur eine Frage der Zeit, dass Entwicklungen aus den USA herüber in die europäischen Länder schwappten. Man denke in diesem Zusammenhang auch an die Online-Überwachung. Deshalb ist es allemal interessant, sich sämtliche Argumente für und gegen privaten Waffenbesitz genau anzusehen.

Die Argumente der Befürworter der Liberalisierung sind schnell aufgezählt. So hebt in Österreich die Interessengemeinschaft Liberales Waffenrecht in einer Aussendung die Vorteile der Selbstverteidigung hervor (IWÖ). Ein Verbot der Pumpguns erreichte angeblich nur, dass ein Großteil der Waffen illegal weiter verwendet wurden. Dem kann aber entgegengehalten werden, dass es nicht gerade für die Integrität der Waffenbesitzer spricht, wenn von den 40.000 vergebenen Pumpguns nach deren Verbot nur etwa 2000 wieder eingesammelt werden konnten. Im Bericht wird auch darauf hingewiesen, wie verhältnismäßig leicht es ist, auf dem Schwarzmarkt an Waffen heranzukommen. Dieses Problem ist noch verhältnismäßig neu und entstand im Zusammenhang mit der Öffnung nach Osten.

In England ebenso wie in Australien stieg die Anzahl der bewaffneten Überfälle, nachdem privater Waffenbesitz stark eingeschränkt wurde. Diese Angaben sind allerdings ernste Hinweise auf Schwierigkeiten, die durch die Beschränkung des Waffenbesitzes für mündige Bürger entstehen können, wenn kein alternatives Sicherheitskonzept erstellt wird.

Die Gegner der Liberalisierung des Waffenbesitzes warten ihrerseits sehr wohl mit ernsten Argumenten auf. Es ist nicht richtig, dass die Thesen der National Rifle Association (NRA) überall und grundsätzlich Beifall findet (24.11.1996, CNN.com). Die Diskussion wäre niemals über den Ozean gedrungen, stünden sich nicht sogar in den USA gelegentlich Befürworter und Gegner der Liberalisierung vor Gericht gegenüber (13.3.2008, CNN.com). Über den Verlauf der Verhandlungen am Obersten Gerichtshof über die Frage, wie weit der Staat den Waffenbesitz von Privatpersonen regulieren darf, wurde auch in der New York Times berichtet (18.3.2008, NyTimes.com). Die Kritik an der National Rifle Association stammt nicht aus Europa, sondern ursprünglich aus den USA. Besonders bekannt wurde in diesem Zusammenhang jene Szene im Film „Bowling for Colombine“ von Michael Moore, in der Charlton Heston interviewt wird.

Wenn es so wäre, dass das Ausmaß an Bewaffnung bei Tötungsdelikten überhaupt keine Rolle spielt, gäbe es noch nicht einmal in den USA Regelungen, die über die Art der Schusswaffen die verkauft/nicht verkauft werden dürfen, genau Auskunft geben. So beschränkte bereits der Federal Assault Weapons Ban 1994 den Verkauf halbautomatischer Waffen (Wiki) . Auch jetzt ist der Besitz und der Verkauf von Waffen nicht so völlig freigegeben, wie es auf ersten Blick aussieht (Wiki). Die Einführung solcher Regelungen widerspricht aber ganz erheblich der Theorie, dass die Anzahl der Tötungsdelikte von der Kapazität der zum Töten geeigneten Waffen unabhängig ist.

Die Einführung eines Psychotestes für Waffenbesitzer bewährte sich nicht, die Anwärter suchten sich eben, wenn sie das gewünschte Gutachten nicht bekamen, einen anderen Psychiater. Einer der befragten Experten ging davon aus, dass etwa 10% der Waffenbesitzer zu labil wäre, eine Waffe zu führen. Ohne solide Ausbildung und permanentes Training nutzt im Ernstfall eine Waffe dem Besitzer nichts, behauptete ein anderer. Kurz, die Initiative Waffen Weg listet sehr wohl etliche Standpunkte auf, die durchaus geeignet sein könnten, dass auch dieser Seite der Diskussion mehr Salonfähigkeit eingeräumt wird als bisher ((Initiative Waffen weg).

Die „Antiwaffenlobby“ hätte keine „Munition“ gegen Waffenbesitzer, wenn diese nicht erster Linie unerfreuliche Vorfälle für Schlagzeilen sorgten. So kam es unter anderem zu einem extrem scheusslichen Vorfall. Ein Familienvater drehte durch und erschoss, bevor er Selbstmord beging, sechs Personen, darunter auch ein dreijähriges Mädchen (14.11.2007, Salzburg24.at).

Auch sonst hört und liest man immer wieder Berichte, die für Bestrebungen nach einer Liberalisierung des Schusswaffenbesitzes alles andere als eine Reklame darstellen. Angefangen von Unfällen mit Schusswaffen bei der Jagd (Jagdunfälle 1999-2002) oder beim Reinigen des Gewehrs (krone.at) bis dahin, dass ein Sadist arme Katzen abgeknallt hat (14.10.2007, wuff.de), gab es im Schnitt nichts Gutes zu berichten. In einem besonders originellen Fall löste sogar ein Hund einen Schuss aus und traf zwei ältere Damen (wuff.de)!

Großes Aufsehen erregte das Massaker an der Virginia Tech Universität am 7. April 2007. Dabei erschoss ein Student gleich 32 Personen, bevor er sich selbst tötete. Er hätte eigentlich keine Schusswaffe besitzen dürfen, denn er befand sich zu einem früheren Zeitpunkt in psychiatrischer Behandlung. Die Waffengesetze wurden später verschärft (9.1.2008, DiePresse.com).

Gesetze, die regeln, wer nun überhaupt eine Waffe besitzen darf, müssen aber auch überwacht werden. Überwacht müsste eigentlich aber auch werden, dass die verkauften Waffen stets sicher verwahrt sind. Laufend in die Überwachung mit einbeziehen müssten die Verantwortlichen ebenfalls, ob der Waffenbesitzer auch noch Jahre nach dem Kauf körperlich und geistig fit genug ist, um eine Schusswaffe sicher zu führen.

Sinnvoll wäre es auch, immer wieder zu kontrollieren, ob sich die Waffen nach dem Kauf noch immer in den Händen des legitimen Besitzers befinden oder aber inzwischen verloren, gestohlen oder gar verkauft wurden. Nach dem Tod des Besitzers müssten ohnehin sämtliche Waffen eingezogen und vernichtet werden, um zu verhindern, dass diese in die Hände von ungeeigneten Erben gelangen.

Insgesamt also entstünde durch die Liberalisierung des Waffenbesitzes ein erheblicher Verwaltungsaufwand. Nicht nur für den Bürger, der sich bewaffnen will, entstehen durch die Ausgaben für die Schusswaffe, für Munition und Training erhebliche Kosten, sondern auch für die Gesellschaft. Zusätzlich steigt mit jeder Schusswaffe, die vergeben wird, das Risiko für einen Unfall.

Im Fall eines Einbruches rät die Polizei im Zweifel eher dazu, sich ruhig zu verhalten und diskret über Telefon oder Handy Hilfe anzufordern, anstatt sich auf einen Zweikampf mit einem Einbrecher einzulassen. Dieser könnte ja, in die Enge getrieben, erst recht gefährlich werden. Körperlich und auch, was den Umgang mit Waffen betrifft, ist er vermutlich dem Durchschnittsbürger ohnehin überlegen. Unter dem Stichwort „Einbruchschutz“ finden sich im Internet  eine ganze Reihe von baulichen Maßnahmen, die geeignet sind, die Interessen friedlicher Bürger zu schützen (Polizei aktiv).

Unabhängig davon, ob der friedliche Bürger eine Waffe besitzt oder nicht, sollte sein Haus oder seine Wohnung auch dann vor Einbrechern geschützt sein, wenn dieser gerade weg ist. Wie schrecklich ist doch der Gedanke daran, dass während der eigenen Abwesenheit jemandt einbricht, Computer, Wertsachen, Bilder stieht und dabei die ganze Wohnung auf den Kopf stellt. Viel schlimmer noch ist der Gedanke daran, dass ein Überfall gerade dann statt finden könnte, während Kinder im Haus oder in der Wohnung allein sind. Es stehen einem die Haare zu Berge, wenn man bedenkt, was in einem solchen Fall alles passieren kann.

Die Antwort darauf, wie weit in einem Land privater Waffenbesitz zugelassen werden soll, geht alle etwas an. Kann sich insgesamt in einer Gesellschaft, in der in großem Ausmaß Waffen an Zivilisten verkauft werden, noch jemand davor drücken, selbst eine Waffe zur Selbstverteidigung zu erwerben? Auch dann, wenn er Waffen oder Waffenbesitz eigentlich ablehnt? Diese Frage stellt sich auch, wenn sehr viele Waffen illegal im Umlauf sind. Nicht unterschätzt werden sollte der bereits oben angesprochene Verwaltungsaufwand, der zusammen mit der großzügigen Freigabe des Verkaufes an Privatpersonen unweigerlich anfällt. Sollte es überwiegend erwünscht sein, die Anzahl der ausgegebenen bzw. illegal vorhandenen Waffen relevant zu reduzieren, müssen vermutlich genug alternative Maßnahmen gesetzt werden, um das zunächst entstehende Sicherheitsvakuum zu kompensieren. Regelungen, die bestimmen wie weit der Besitz von Waffen liberalisiert werden soll, betreffen die ganze Gesellschaft und müssen deshalb gemeinsam beschlossen werden.

Mitglieder der Waffenlobby versuchen gelegentlich, Kritik an der Liberalisierung der Waffenbesitzes von vornherein mit dem Argument abzuwürgen, diese wäre nicht demokratisch. Das ist nicht richtig.Es ist weit überzogen, jeden Protest gegen privaten Waffenbesitz als Angriff auf die Rechte freier Bürger zu werten. Solange die Waffenlobby und die die Anti-Waffenlobby in einer Gesellschaft gleichermaßen ihre Argumente einbringen und auf Stimmenjagd gehen kann, besteht keine Gefahr, dass dadurch Bürgerrechte eingeschränkt werden könnten. Mögen die Besten gewinnen!

Bilder: Emblem der National Rifle Association

Gedanken zum Advent

Dezember 9, 2007 um 7:47 pm | Veröffentlicht in Anachronismen, USA, Verständigung, Waffen, Without Clash | Hinterlasse einen Kommentar

1991 nutzten viele äthiopische Juden, die Gelegenheit, im Rahmen der Operationen Moses und Salomo nach Israel einwandern zu können. Ebenso wanderten fast eine Million Menschen jüdischer Abstammung aus Russland nach Israel ein, sobald die Möglichkeit dazu bestand (Segne-Israel.de).

Ursprünglich waren diese Einwanderungswellen von viel Idealismus und gutem Willen getragen. Wirft ein unbeteiligter Beobachter jedoch einen Blick auf die aktuelle Berichterstattung aus Israel, stellt sich die Frage: „Wieviel bleibt davon übrig?“Der österreichische Politiker Josef Riegler stellte einmal die Behauptung auf, dass es möglich sein könnte, Afrika zur Gänze zu sanieren, wenn die NATO bereit wäre, drei Jahre lang Geld in der Höhe der Ausgaben für Aufrüstung und militärische Geräte in diesen Kontinent zu investieren.

Könnte wenigstens ein Teil des Geldes – genannt wurde ein Betrag von 30 Milliarden Euro -, das in den nächsten Jahren für die Aufrüstung des Nahen Ostens verwendet werden soll (28.7.2007, Stern.de), nach Äthiopien umgeleitet werden, wäre den Menschen in Äthiopien und auch den Palästinensern geholfen, die durch die ständig forcierte „Alija„, die Einwanderung von Juden aus allen Ländern, immer mehr ins Abseits gedrängt sind.

In den letzten Jahren erwarb sich die Aktion „Menschen für Menschen“ von Karl Heinz Böhm einen ausgezeichneten Ruf. Wie jedes Jahr, ergeht die Bitte um Spenden an alle Bürger der Industrienationen. Die Mitarbeiter dieser Organisation gehen ebenso wie die der Caritas bei ihrer Tätigkeit von der christlichen Einstellung aus, dass sich durch die Erfüllung des Alten durch das Neue Testament alle Menschen als „Kinder Gottes“ bzw. als das „Volk Gottes“ bezeichnen können:

„Im Neuen Testament wird der Begriff »Volk Gottes« (mit vielleicht ein oder zwei Ausnahmen) nur auf Israel, also auf das Volk des alten Bundes bezogen, es ist kein direkter kirchlicher Begriff. Die Kirche wird allerdings als die Fortsetzung Israels verstanden, obwohl die Christen nicht von Abraham abstammen und insofern eigentlich nicht zu diesem Volk gehören. Sie kommen dadurch hinein, so sagt das Neue Testament, daß sie von Christus abstammen und dadurch auch zu Abrahams Kindern werden. Also gehört zum Volk Gottes, wer zu Christus gehört. Man könnte sagen, der Begriff »Thora« ist durch die Person Christi ersetzt, und insofern ist die »Volk Gottes«- Kategorie, die direkt gar nicht auf das neue Volk angewendet wird, eben an die Christus-Gemeinschaft und an das Leben wie Christus und mit Christus gebunden, oder wie Paulus sagt: Seid so gesinnt, wie Jesus Christus ist (Phil 2,5) (Kardinal Josef Ratzinger, mittlerweile Papst Benedikt XVI, „Das Salz der Erde„, S 169).

Der Vatikan unterstützt den Gedanken, Jerusalem als Heilige Stadt für alle Mitglieder der abrahamitischen Religionen mit einem internationalen Sonderstatus zu versehen (10.1.2006, radio-vatikan.de). Die Gestaltung eines zentralen „Glaubenszentrums“ im kriegs- geschüttelten Israel ist doch eigentlich eine wunderschöne Idee, die helfen könnte, vorhandene Konflikte abzubauen und bereits deshalb jede Unterstützung verdient.

Bild: Falashas,Juden aus Äthiopien

Das Schweigen der Lämmer

Dezember 2, 2007 um 2:05 pm | Veröffentlicht in Anachronismen, Middle East, Skandale, USA, World War IV | 2 Kommentare

Gelegentlich weisen Fans der jetzigen US-Regierung und Befürworter des Irakkrieges darauf hin, dass die Anzahl der Gewalttaten im Irak in den letzten Monaten nachgelassen hätte. Es besteht aber der begründete Verdacht, dass die nachlassende Gewalt im Irak „ethnischen Säuberungen“ zu verdanken sein könnte:

Petraeus vergaß, dem Kongress zu berichten, dass die verbesserte Sicherheitslage in Bagdad auf Vertreibungen zurückzuführen ist. Vor dem Krieg waren rund 65 Prozent der Bagdader Bevölkerung sunnitisch, heute ist Bagdad zwischen 75 und 80 Prozent (circa) schiitisch. Die meisten Vertreibungen in Bagdad fanden in den vergangenen vier Jahren statt und waren Zwangsvertreibungen an Sunniten. „Ethnische Säuberungen“ aus Sicherheitsgründen sind natürlich nichts, womit man sich brüsten kann (12.9.2007, zmag.de).

Auch Asia Online veröffentlichte einen kritischen Artikel zum gleichen Thema. Darin weist Ali al-Fadhily, der Inter Press Service Korrespondent aus Bagdad der unter der treffenden Überschrift „The silence of the lambs“ darauf hin, dass die früheren Wohngebiete in Bagdad, in denen Sunniten und Schiiten untereinander gemischt lebten, jetzt jeweils nur noch von den Angehörigen einer der beiden Konfessionen des Islam bewohnt sind. Jeden Tag werden Leichen unbekannter Personen gefunden, um deren Herkunft sich niemand kümmert. Eine Mitschuld der jetzigen irakischen Regierung an diesen Morden schließt sein Bericht nicht aus (14.11.2007, Atimes.com).

Nach manchen Quellen übersteigt die Anzahl der getöteten Iraker bereits eine Million (just foreign policy.org). Betreffend die gelegentlich kritisierte Lancet-Studie, die im Jahr 2006 eine Anzahl von 600.000 der im 3. Golfkrieg getöteten Iraker angab, wurde immerhin eine Stellungnahme des UN Office for the Coordination of Humanitarian Affairs auf der öffentlichen Militärbeobachtungsseite in den USA verlinkt (16.10.2006, Globalsecurity.org). Die Washington Post, die größte Tageszeitung in Washington DC, nahm den Bericht ernst (11.10.2006, Washington Times). Eine andere Studie, die von einer britischen Firma, vom ORB (Opinion Research Business) im September 2007 durchgeführt wurde, verwendete eine andere Methode zur Auszählung, ermittelte damit aber sogar noch höhere Zahlen:

On September 14, 2007, ORB (Opinion Research Business), an independent UK based polling agency, published an estimate of the total casualties of the Iraq war. The figure suggested by ORB, which was based on survey responses from 1,499 adults, stands at 1,220,580 deaths, with a margin of error of 2.5%. This estimate, although conducted independently, and using a different polling methodology, is consistent with the Lancet findings (Wiki).

Bekanntlich starben bereits vor dem jetzigen Irakkrieg nahezu zwei Millionen Menschen im Iraq am bzw. an den Folgen des 2. Golfkrieges (G.W.B. sen. vs. S.H.) bzw. an den Sanktionen (6.3.2001, Netzwerk-Regenbogen.de, 15.6.2002, Embargos.de). Es besteht kein Grund zu der Annahme, dass im Irak die Anzahl der durch Unterversorgung sterbenden Personen während des Krieges abgenommen haben könnte.

Die Anzahl der Flüchtlinge wird, jene innerhalb und außerhalb des Landes zusammengerechnet, mit etwa vier Millionen angegeben (16.4.2007, news.ch). Flüchtlinge leben aber nicht unbedingt sicher. Stark unter Druck geraten sind Minderheiten wie etwa Christen oder Yasiden. Zugenommen hat auch die Gewalt gegen Frauen. Dass in einem Kriegsgebiet alte und schwache Personen früher sterben als in einem Industrieland, müsste eigentlich klar sein. Auf dem Vormarsch nach wie vor ist die Cholera (29.11.2007, CNN.com).

Am meisten schockieren Berichte darüber, dass der Einsatz von DU (Depleted Uranium) die Anzahl der Missbildungen bei Neugeborenen deutlich erhöht und langfristig die Zivilbevölkerung deutlich schädigt. Inzwischen interessieren sich bereits Experten aus etlichen Ländern für die Folgen von Angriffen mit DU auf Bevölkerung und Umwelt (World Uranium Weapons Conference).

Ungefähr davon ausgehend, dass der 2003 begonnene Irakkrieg etwa so viele Menschenleben gefordert haben könnte wie der 2. Golfkrieg, dass obendrein weiterhin auch seit Beginn des Krieges monatlich leicht so viele Menschen wie während der Zeit der Sanktionen gestorben sein könnten und dass zahlreiche Menschen durch den ausbrechenden Bürgerkrieg bzw. zusätzliche missliche Umstände ihr Leben verloren haben, erscheint doch eigentlich die Zahl von etwa einer Million Opfern als durchaus plausibel.

Sämtliche Indizien zusammengenommen, müssten bei weitem ausreichen, um umfangreiche Studien in Auftrag zu geben oder – noch besser – dafür zu sorgen, dass die Angriff auf Afghanistan, den Irak oder auch auf den Libanon die letzten Kriege für lange Zeit waren.

Bilder: Gewehrmündung, Irakkrieg

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