Über die „Prager Rede“

April 7, 2009 um 9:56 pm | Veröffentlicht in Anachronismen, Democrats, Generell, Gesellschaft, USA, Verständigung, Waffen, Wirtschaft, Without Clash | Hinterlasse einen Kommentar

Als Obama Barack am 5. April 2009 in Prag seine Rede hielt, erregte jene Passage, in der er über  eine atomwaffenfreie Welt als Ziel sprach, erhebliches Aufsehen. Mit einem so überschwänglich geäußerten Bekenntnis zum Frieden aus den USA hätten noch vor wenigen Monaten kaum jemand gerechnet:

Ich möchte heute also ganz deutlich und mit Überzeugung Amerikas Bereitschaft erklären, den Frieden und die Sicherheit in einer Welt ohne Atomwaffen anzustreben ¹.

Die meisten Leute freuten sich. Dies verwundert nicht. Bereits die Ankündigung, in Zukunft die Ratifizierung des Vertrags zu Atomteststopps (CTBT)zu unterstützen, sollte außerdem für Begeisterung sorgen (5.4.2008, nachrichten.at). Nach der langen Zeit des „Kalten Krieges“, in der eine mögliche Konfrontation zwischen den USA und der damaligen UDSSR als riesige Bedrohung für alles Leben auf der Erde angesehen wurde, sind West- ebenso wie Osteuropäern außerdem sämtliche Atomwaffen ohnehin suspekt. Auch Politiker oder andere prominenten Persönlichkeiten sparten nicht mit Applaus für den geäußerten Wunsch nach Abrüstung und Verständigung. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier äußerte sich zustimmend. Auf der Homepage von Radio Vatikan wurden Barack Obamas Sätze sogar von frenetischem Beifall begleitet.

Trotzdem erhoben sich auch kritische Stimmen. Das ist schwer verständlich, denn zur Beruhigung all jener, die ohne das Gefühl, dass die USA bis an die Zähne aufgerüstet sind, nicht schlafen können, versprach Barack Obama ohnehin, dass sich der totale Verzicht auf Atomwaffen nicht nur innerhalb seiner Amtszeit, sondern während seines ganzen Lebens kaum realisieren lässt.

Ich bin nicht naiv. Das Ziel wird sich nicht rasch erreichen lassen. Vielleicht auch nicht in der Zeit meines Lebens. Es wird Geduld und Beharrlichkeit erfordern. Aber jetzt müssen wir die Stimmen jener ignorieren, die sagen, dass die Welt sich nicht ändern kann. Wir müssen darauf bestehen und sagen: Yes, we can ².

Außerdem liegt es nahe, eine Verbindung zwischen der Finanzkrise und Entwicklungen der Rüstungsindustrie zu sehen. In diesem Jahr wurden freilich die Ausgaben für den militärischen Bereich sogar noch erhöht. Der US-Verteidigungsminister Robert Gates befürwortet allerdings eine Umschichtung der Komponenten. Dabei wird die Entwicklung futuristischer Waffensysteme gekürzt, die Produktion allzu aufwändiger Modelle eingestellt. Weiter ausgebaut wird allerdings der direkt einsatzfähige Teil des Militärs wie kleine Einheiten und die Ausrüstung ebenso wie die Versorgung der Soldaten. Das ist aber nötig, denn Barack Obama muss so schnell wie möglich die Kriege im Irak und auch den in Afghanistan beenden, um finanziellen Spielraum zu gewinnen (6.4.2009, spiegel.de).

Langfristig lassen sich aber die für die Sanierung der maroden Wirtschaft erforderlichen Mittel kaum anders als durch Kürzung des Rüstungsetats einsparen. Eine solche Maßnahme bedarf aber erfolgreicher Verhandlungen mit den Regierungen zur Zeit verprellter Länder. Dann erst kann eine Phase der Abrüstung eintreten. Jeder, der Abrüstungsverhandlungen skeptisch gegenüber steht, sollte wissen, dass hier Barack Obama kaum alleine agieren kann. Um den „Öl-Rüstungskomplex“ im eigenen Land zu besiegen, bedarf der neue US-Präsident jeder Unterstützung aus dem Ausland.

„Die Waffen nieder!“ So lautete 1889 die Überschrift des pazifistischen Romans der Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner. Weder ihr Werk noch ihr Engagement konnten die großen Weltkriege in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts verhindern. Gerade deshalb wäre es aber an der Zeit, sich ihre Zeilen wieder ins Bewusstsein zu rufen. Wenn es gelingt, einen Teil jener Milliarden, die für die amerikanische Rüstungsindustrie pro Jahr ausgegeben werden, für die Deckung wichtiger Ausgaben heranzuziehen, dann wäre nicht nur die Welt sicherer und friedlicher als sie es jetzt ist, sondern auch die Finanzkrise ginge ihrem sicheren Ende entgegen.

Fußnoten ¹, ²: 5.4.2006, apa.at

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Johnny Appleseed

Juli 9, 2008 um 10:13 pm | Veröffentlicht in Gesellschaft, USA, Videos, Waffen, Without Clash | Hinterlasse einen Kommentar

Bei allem Respekt vor der amerikanischen Nation kann kein Mensch behaupten, dass die USA auf kulinarischem Gebiet eine Vormachtstellung einnimmt. Dieses Gebiet zu vernachlässigen bzw. in Vergessenheit geraten zu lassen, hinterlässt keinen guten Eindruck.

Früher einmal, zur Zeit der amerikanischen Kolonialzeit, wurde gerne eine nette Geschichte von einem Pionier erzählt, der eigentlich John Chapman hieß, besser aber unter dem Namen „Johnny Appleseed“ bekannt war. Dieser Johnny Appleseed zog, höflich, freundlich und fromm, immer weiter nach Westen und pflanzte dabei immer wieder Apfelbäume in großer Anzahl. Natürlich mochte ihn jeder. Viel später wurde seine Person auch dadurch bekannt, dass Walt Disney seine Person in einem lustigen Zeichentrickfilm auf die Kinoleinwand brachte:


Im übetragenen Sinn müssten es also Amerika, das „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“, sehr wohl schaffen, in der Verhandlung mit islamischen Ländern auch ohne Einsatz von Gewalt einen Kompromiss zu erreichen.

Erst vor wenigen Wochen dagegen behauptete ein früherer iranischer Botschafter, man hätte Präsident Ahmadinedschad anlässlich seines Besuchs in Rom einer hohen Strahlung ausgesetzt und so versucht, – milde ausgedrückt – seiner Gesundheit zu schaden (20.7.2008, globalsecurity.org).

Nochmals an die Kochkunst gedacht, war zwar Jakobs Methode, Esau mit Hilfe eines Linsengerichtes dessen Erbteil abzuluchsen, auch nicht gerade fein, funktionierte aber im Vergleich zu „modernen Methoden“ zumindest der Legende im AT nach wesentlich besser (1. Buch Moses, 29-34).

Ist das Waffengesetz in den USA zu liberal?

März 25, 2008 um 5:58 pm | Veröffentlicht in Anachronismen, Gesellschaft, USA, Waffen | Hinterlasse einen Kommentar

Bekanntlich ist das Recht eines US-Bürgers, eine Waffe zu tragen, in der Konstitution verankert. Stellungnahmen von Europäern in diesem Zusammenhang sind für die Entscheidungsfindung in den USA weder relevant noch gefragt. Bis jetzt war es immer nur eine Frage der Zeit, dass Entwicklungen aus den USA herüber in die europäischen Länder schwappten. Man denke in diesem Zusammenhang auch an die Online-Überwachung. Deshalb ist es allemal interessant, sich sämtliche Argumente für und gegen privaten Waffenbesitz genau anzusehen.

Die Argumente der Befürworter der Liberalisierung sind schnell aufgezählt. So hebt in Österreich die Interessengemeinschaft Liberales Waffenrecht in einer Aussendung die Vorteile der Selbstverteidigung hervor (IWÖ). Ein Verbot der Pumpguns erreichte angeblich nur, dass ein Großteil der Waffen illegal weiter verwendet wurden. Dem kann aber entgegengehalten werden, dass es nicht gerade für die Integrität der Waffenbesitzer spricht, wenn von den 40.000 vergebenen Pumpguns nach deren Verbot nur etwa 2000 wieder eingesammelt werden konnten. Im Bericht wird auch darauf hingewiesen, wie verhältnismäßig leicht es ist, auf dem Schwarzmarkt an Waffen heranzukommen. Dieses Problem ist noch verhältnismäßig neu und entstand im Zusammenhang mit der Öffnung nach Osten.

In England ebenso wie in Australien stieg die Anzahl der bewaffneten Überfälle, nachdem privater Waffenbesitz stark eingeschränkt wurde. Diese Angaben sind allerdings ernste Hinweise auf Schwierigkeiten, die durch die Beschränkung des Waffenbesitzes für mündige Bürger entstehen können, wenn kein alternatives Sicherheitskonzept erstellt wird.

Die Gegner der Liberalisierung des Waffenbesitzes warten ihrerseits sehr wohl mit ernsten Argumenten auf. Es ist nicht richtig, dass die Thesen der National Rifle Association (NRA) überall und grundsätzlich Beifall findet (24.11.1996, CNN.com). Die Diskussion wäre niemals über den Ozean gedrungen, stünden sich nicht sogar in den USA gelegentlich Befürworter und Gegner der Liberalisierung vor Gericht gegenüber (13.3.2008, CNN.com). Über den Verlauf der Verhandlungen am Obersten Gerichtshof über die Frage, wie weit der Staat den Waffenbesitz von Privatpersonen regulieren darf, wurde auch in der New York Times berichtet (18.3.2008, NyTimes.com). Die Kritik an der National Rifle Association stammt nicht aus Europa, sondern ursprünglich aus den USA. Besonders bekannt wurde in diesem Zusammenhang jene Szene im Film „Bowling for Colombine“ von Michael Moore, in der Charlton Heston interviewt wird.

Wenn es so wäre, dass das Ausmaß an Bewaffnung bei Tötungsdelikten überhaupt keine Rolle spielt, gäbe es noch nicht einmal in den USA Regelungen, die über die Art der Schusswaffen die verkauft/nicht verkauft werden dürfen, genau Auskunft geben. So beschränkte bereits der Federal Assault Weapons Ban 1994 den Verkauf halbautomatischer Waffen (Wiki) . Auch jetzt ist der Besitz und der Verkauf von Waffen nicht so völlig freigegeben, wie es auf ersten Blick aussieht (Wiki). Die Einführung solcher Regelungen widerspricht aber ganz erheblich der Theorie, dass die Anzahl der Tötungsdelikte von der Kapazität der zum Töten geeigneten Waffen unabhängig ist.

Die Einführung eines Psychotestes für Waffenbesitzer bewährte sich nicht, die Anwärter suchten sich eben, wenn sie das gewünschte Gutachten nicht bekamen, einen anderen Psychiater. Einer der befragten Experten ging davon aus, dass etwa 10% der Waffenbesitzer zu labil wäre, eine Waffe zu führen. Ohne solide Ausbildung und permanentes Training nutzt im Ernstfall eine Waffe dem Besitzer nichts, behauptete ein anderer. Kurz, die Initiative Waffen Weg listet sehr wohl etliche Standpunkte auf, die durchaus geeignet sein könnten, dass auch dieser Seite der Diskussion mehr Salonfähigkeit eingeräumt wird als bisher ((Initiative Waffen weg).

Die „Antiwaffenlobby“ hätte keine „Munition“ gegen Waffenbesitzer, wenn diese nicht erster Linie unerfreuliche Vorfälle für Schlagzeilen sorgten. So kam es unter anderem zu einem extrem scheusslichen Vorfall. Ein Familienvater drehte durch und erschoss, bevor er Selbstmord beging, sechs Personen, darunter auch ein dreijähriges Mädchen (14.11.2007, Salzburg24.at).

Auch sonst hört und liest man immer wieder Berichte, die für Bestrebungen nach einer Liberalisierung des Schusswaffenbesitzes alles andere als eine Reklame darstellen. Angefangen von Unfällen mit Schusswaffen bei der Jagd (Jagdunfälle 1999-2002) oder beim Reinigen des Gewehrs (krone.at) bis dahin, dass ein Sadist arme Katzen abgeknallt hat (14.10.2007, wuff.de), gab es im Schnitt nichts Gutes zu berichten. In einem besonders originellen Fall löste sogar ein Hund einen Schuss aus und traf zwei ältere Damen (wuff.de)!

Großes Aufsehen erregte das Massaker an der Virginia Tech Universität am 7. April 2007. Dabei erschoss ein Student gleich 32 Personen, bevor er sich selbst tötete. Er hätte eigentlich keine Schusswaffe besitzen dürfen, denn er befand sich zu einem früheren Zeitpunkt in psychiatrischer Behandlung. Die Waffengesetze wurden später verschärft (9.1.2008, DiePresse.com).

Gesetze, die regeln, wer nun überhaupt eine Waffe besitzen darf, müssen aber auch überwacht werden. Überwacht müsste eigentlich aber auch werden, dass die verkauften Waffen stets sicher verwahrt sind. Laufend in die Überwachung mit einbeziehen müssten die Verantwortlichen ebenfalls, ob der Waffenbesitzer auch noch Jahre nach dem Kauf körperlich und geistig fit genug ist, um eine Schusswaffe sicher zu führen.

Sinnvoll wäre es auch, immer wieder zu kontrollieren, ob sich die Waffen nach dem Kauf noch immer in den Händen des legitimen Besitzers befinden oder aber inzwischen verloren, gestohlen oder gar verkauft wurden. Nach dem Tod des Besitzers müssten ohnehin sämtliche Waffen eingezogen und vernichtet werden, um zu verhindern, dass diese in die Hände von ungeeigneten Erben gelangen.

Insgesamt also entstünde durch die Liberalisierung des Waffenbesitzes ein erheblicher Verwaltungsaufwand. Nicht nur für den Bürger, der sich bewaffnen will, entstehen durch die Ausgaben für die Schusswaffe, für Munition und Training erhebliche Kosten, sondern auch für die Gesellschaft. Zusätzlich steigt mit jeder Schusswaffe, die vergeben wird, das Risiko für einen Unfall.

Im Fall eines Einbruches rät die Polizei im Zweifel eher dazu, sich ruhig zu verhalten und diskret über Telefon oder Handy Hilfe anzufordern, anstatt sich auf einen Zweikampf mit einem Einbrecher einzulassen. Dieser könnte ja, in die Enge getrieben, erst recht gefährlich werden. Körperlich und auch, was den Umgang mit Waffen betrifft, ist er vermutlich dem Durchschnittsbürger ohnehin überlegen. Unter dem Stichwort „Einbruchschutz“ finden sich im Internet  eine ganze Reihe von baulichen Maßnahmen, die geeignet sind, die Interessen friedlicher Bürger zu schützen (Polizei aktiv).

Unabhängig davon, ob der friedliche Bürger eine Waffe besitzt oder nicht, sollte sein Haus oder seine Wohnung auch dann vor Einbrechern geschützt sein, wenn dieser gerade weg ist. Wie schrecklich ist doch der Gedanke daran, dass während der eigenen Abwesenheit jemandt einbricht, Computer, Wertsachen, Bilder stieht und dabei die ganze Wohnung auf den Kopf stellt. Viel schlimmer noch ist der Gedanke daran, dass ein Überfall gerade dann statt finden könnte, während Kinder im Haus oder in der Wohnung allein sind. Es stehen einem die Haare zu Berge, wenn man bedenkt, was in einem solchen Fall alles passieren kann.

Die Antwort darauf, wie weit in einem Land privater Waffenbesitz zugelassen werden soll, geht alle etwas an. Kann sich insgesamt in einer Gesellschaft, in der in großem Ausmaß Waffen an Zivilisten verkauft werden, noch jemand davor drücken, selbst eine Waffe zur Selbstverteidigung zu erwerben? Auch dann, wenn er Waffen oder Waffenbesitz eigentlich ablehnt? Diese Frage stellt sich auch, wenn sehr viele Waffen illegal im Umlauf sind. Nicht unterschätzt werden sollte der bereits oben angesprochene Verwaltungsaufwand, der zusammen mit der großzügigen Freigabe des Verkaufes an Privatpersonen unweigerlich anfällt. Sollte es überwiegend erwünscht sein, die Anzahl der ausgegebenen bzw. illegal vorhandenen Waffen relevant zu reduzieren, müssen vermutlich genug alternative Maßnahmen gesetzt werden, um das zunächst entstehende Sicherheitsvakuum zu kompensieren. Regelungen, die bestimmen wie weit der Besitz von Waffen liberalisiert werden soll, betreffen die ganze Gesellschaft und müssen deshalb gemeinsam beschlossen werden.

Mitglieder der Waffenlobby versuchen gelegentlich, Kritik an der Liberalisierung der Waffenbesitzes von vornherein mit dem Argument abzuwürgen, diese wäre nicht demokratisch. Das ist nicht richtig.Es ist weit überzogen, jeden Protest gegen privaten Waffenbesitz als Angriff auf die Rechte freier Bürger zu werten. Solange die Waffenlobby und die die Anti-Waffenlobby in einer Gesellschaft gleichermaßen ihre Argumente einbringen und auf Stimmenjagd gehen kann, besteht keine Gefahr, dass dadurch Bürgerrechte eingeschränkt werden könnten. Mögen die Besten gewinnen!

Bilder: Emblem der National Rifle Association

Gedanken zum Advent

Dezember 9, 2007 um 7:47 pm | Veröffentlicht in Anachronismen, USA, Verständigung, Waffen, Without Clash | Hinterlasse einen Kommentar

1991 nutzten viele äthiopische Juden, die Gelegenheit, im Rahmen der Operationen Moses und Salomo nach Israel einwandern zu können. Ebenso wanderten fast eine Million Menschen jüdischer Abstammung aus Russland nach Israel ein, sobald die Möglichkeit dazu bestand (Segne-Israel.de).

Ursprünglich waren diese Einwanderungswellen von viel Idealismus und gutem Willen getragen. Wirft ein unbeteiligter Beobachter jedoch einen Blick auf die aktuelle Berichterstattung aus Israel, stellt sich die Frage: „Wieviel bleibt davon übrig?“Der österreichische Politiker Josef Riegler stellte einmal die Behauptung auf, dass es möglich sein könnte, Afrika zur Gänze zu sanieren, wenn die NATO bereit wäre, drei Jahre lang Geld in der Höhe der Ausgaben für Aufrüstung und militärische Geräte in diesen Kontinent zu investieren.

Könnte wenigstens ein Teil des Geldes – genannt wurde ein Betrag von 30 Milliarden Euro -, das in den nächsten Jahren für die Aufrüstung des Nahen Ostens verwendet werden soll (28.7.2007, Stern.de), nach Äthiopien umgeleitet werden, wäre den Menschen in Äthiopien und auch den Palästinensern geholfen, die durch die ständig forcierte „Alija„, die Einwanderung von Juden aus allen Ländern, immer mehr ins Abseits gedrängt sind.

In den letzten Jahren erwarb sich die Aktion „Menschen für Menschen“ von Karl Heinz Böhm einen ausgezeichneten Ruf. Wie jedes Jahr, ergeht die Bitte um Spenden an alle Bürger der Industrienationen. Die Mitarbeiter dieser Organisation gehen ebenso wie die der Caritas bei ihrer Tätigkeit von der christlichen Einstellung aus, dass sich durch die Erfüllung des Alten durch das Neue Testament alle Menschen als „Kinder Gottes“ bzw. als das „Volk Gottes“ bezeichnen können:

„Im Neuen Testament wird der Begriff »Volk Gottes« (mit vielleicht ein oder zwei Ausnahmen) nur auf Israel, also auf das Volk des alten Bundes bezogen, es ist kein direkter kirchlicher Begriff. Die Kirche wird allerdings als die Fortsetzung Israels verstanden, obwohl die Christen nicht von Abraham abstammen und insofern eigentlich nicht zu diesem Volk gehören. Sie kommen dadurch hinein, so sagt das Neue Testament, daß sie von Christus abstammen und dadurch auch zu Abrahams Kindern werden. Also gehört zum Volk Gottes, wer zu Christus gehört. Man könnte sagen, der Begriff »Thora« ist durch die Person Christi ersetzt, und insofern ist die »Volk Gottes«- Kategorie, die direkt gar nicht auf das neue Volk angewendet wird, eben an die Christus-Gemeinschaft und an das Leben wie Christus und mit Christus gebunden, oder wie Paulus sagt: Seid so gesinnt, wie Jesus Christus ist (Phil 2,5) (Kardinal Josef Ratzinger, mittlerweile Papst Benedikt XVI, „Das Salz der Erde„, S 169).

Der Vatikan unterstützt den Gedanken, Jerusalem als Heilige Stadt für alle Mitglieder der abrahamitischen Religionen mit einem internationalen Sonderstatus zu versehen (10.1.2006, radio-vatikan.de). Die Gestaltung eines zentralen „Glaubenszentrums“ im kriegs- geschüttelten Israel ist doch eigentlich eine wunderschöne Idee, die helfen könnte, vorhandene Konflikte abzubauen und bereits deshalb jede Unterstützung verdient.

Bild: Falashas,Juden aus Äthiopien

Ist ein militärischer Einsatz im Iran die beste Lösung?

Juli 14, 2007 um 9:20 pm | Veröffentlicht in Anachronismen, Middle East, USA, Waffen, World War IV | Hinterlasse einen Kommentar

Zunächst einmal sollte es Anliegen sein, das kleine Israel zu demokratisieren, welches, ähnlich wie das frühere Südafrika, eine Zweiklassen-Gesellschaft darstellt.

Die Fläche des Landes Israel beträgt 21 946 Quadratkilometer. Das Land hat Die etwa 6,20 Millionen Einwohner. Die Ausdehnung des Ghaza-Streifens beträgt 378 Quadratkilometer. Die Einwohnerzahl des Gazastreifens liegt bei rund 1,32 Millionen. Das Westjordanland (Westbank) umfasst eine Fläche von 5.633 Quadratkilometern und hat etwa zwei Millionen Einwohner, größtenteils arabische Palästinenser, daneben jüdische Siedler (Zahlen Microsoft Encarta, 2004).

An der &UUml;bervölkerung schuld ist zum einen, dass statt der ehemals geflüchteten 700.000 Palästinenser mittlerweile 3,4 Palästinenser den Anspruch auf den Flüchtlingsstatus und damit das Recht auf Staatsbürgerschaft in Israel erheben. Zum anderen strömen immer wieder jüdische Einwanderungswellen in dieses kleine Land, aber nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus arabischen Ländern, aus Äthiopien und aus Afrika. Besonders viele, etwa eine Million, kamen aus Russland.

Es ist nicht möglich, der Hamas oder Hisbollah zuzustimmen, die den Staat Israel von der Landkarte verschwinden lassen möchte.

Die jetzige Politik der rücksichtslosen Landnahme Israels, der Siedlungspolitk, die Benachteiligung der Palästinenser bei der Vergabe der Wasserrechte unwidersprochen hinzunehmen, erscheint skandalös.

Immer wieder als ideale Lösung vorgestellt wurde die Idee, einen Palästinenserstaat zu gründen. Die Zeit dafür scheint abgelaufen, das Ganze erscheint organisatorisch fast nicht mehr machbar.

Versuchen, vorhandenes Elend im Nahen Osten so gut wie möglich zu lindern, um den Konflikt weitgehend unter den Teppich zu kehren – was anderes bliebe nicht übrig, meinte der erfahrene Peter Scholl-Latour.

Gestritten wird nicht nur um Grund- sondern auch um Wasser- und Wegerechte, um Wohnrechte in Jerusalem und um die Rechtmäßigkeit der von Israel gebauten Mauer Richtung Westbank. Es existiert keine Regelung und keine Detailfrage, über die n i c h t diskutiert wird (ProCon Israel).

Dass keine der vorgeschlagenen Strategien eine humane und effiziente Lösung in diesem krisengeschüttelten Land anbieten kann, müssten außer der iranischen Regierung auch die westlichen Politiker sehen.

Vielleicht sollten sich die westlichen Demokratien dazu entschließen, den armen Menschen aus dieser Region eine neu Heimat zu geben? In mehreren Bundesstaaten der USA wüteten vor wenigen Tagen Buschbrände und zerstörten riesige Flächen, während die US-Army weit weg ihre Kräfte im M.E., im Persischen Golf konzentriert hat. In Anbetracht der geringen Geburtenzahlen in Europa ebenso wie in den USA müsste sich noch Aufnahmekapazität für Moslems ebenso wie für jüdische Zuwanderer aus Russland abstellen lassen.

Die umfangreich zur Verfügung gestellten Geldmittel zur Unterstützung des Staates Israel bzw. zur Unterstützung der Palästinenser von der EU wurden bis jetzt von israelischer ebenso wie von palästinensischer Seite in hohem Ausmäß für Waffenkäufe genutzt wird und könnte anderweitig besser disponiert sein.

Auch, wenn das Mullahregime nicht gerade eine sympathische Regierungsform darstellt, sollte niemand vergessen, dass der Iran einmal eine Demokratie hatte, und zwar unter dem beliebten Mossadegh, der allerdings zugunsten des unerträglichen Schah vom CIA zum Rücktritt gezwungen wurde. Man stellt die iranische Regierung auf den Schandpfahl, ohne die Ursachen für Konflikte zu sehen und endlich zuzugeben, dass im Nahen und Mittleren Osten der Westen mitsamt Israel hochgradig versagt hat.

Gesetzt den Fall, der Iran würde, so wie jetzt der Irak zerstört, änderte sich an Israels Differenzen mit dem Iran nichts, sondern ein Militärschlag auf den Iran wäre dazu geeignet, im Gegenteil den Zorn der gesamten Glaubensgemeinschaft der Moslems gegen den Westen heraufbeschwören. Ein Krieg mit dem Iran würde die Zerstörung dieses Landes bedeuten, seiner Vergangenheit ebenso wie seiner Zukunft, genauso, wie im Irak unersetzliche Kulturgüter der „Wiege der Menschheit“ durch den Krieg zerstört wurden und noch lange Zeit behinderte Kinder geboren werden, so wie jetzt noch Jahrzehnte nach dem Einsatz des Kampfgases „Agent Orange“ im Vietnamkrieg.

Deshalb sollte ein Irankrieg überhaupt nicht erst zur Diskussion stehen. Völlig unter den Tisch gefegt wurde der Gedanke daran, dass sich bei einem Krieg auch „Eretz Israel“ in große Gefahr begibt (5.7.2007, Jerusalem Post).

„Soft Revolution“ und Terror im Iran

Mai 27, 2007 um 6:36 pm | Veröffentlicht in Middle East, Skandale, Waffen, World War IV | Hinterlasse einen Kommentar

Weiterhin ballt sich die gewaltige Armada der USA am persischen Golf. Seit dem Eintreffen der Flugzeugträger in dieser Region wurde sie sogar noch zusätzlich verstärkt In Kuweit führten die US-Truppen sogar mit „amphibischen Booten“ „Landeübungen“ durch (Kuweit Times, Globalresearch.ca). G.W.B. ließ sich inzwischen für den Krisenfall weitreichende Vollmachten zusichern (globalresearch.ca), ebenso wie der britische Innenminister John Reid (globalresearch.ca).

Zu meiner Überraschung veröffentlichte am 27.5.2007 die Jerusalem Post einen Artikel mit folgender Überschrift: Bush authorized CIA to carry out ’soft revolution‘ in Iran. Vorausgegangen war noch eine Warnung britischer Experten, die einen „preemptive war“, einen Militärschlag auf den Iran, als zu gefährlich und kontraproduktiv einstuften (24.5.2007, Jerusalem Post).

Zu den (auslandgestützten) Terrorgruppen, die im Iran einen Regierungsumbruch von innen unterstützen sollen, gehört unter anderem eine Splittergruppe an der iranisch-pakistanischen Grenze mit dem Namen Jundullah (Army of God in Farsi). Diese Terrorgruppe wird nicht nur im oben genannten Artikel der Jerusalem Post namentlich erwähnt, sondern auch in der PressTV, und zwar am 2.4.2007. Auch auf der US-Militärbeobachtungsseite von John Pike finden sich etliche Spuren, unter anderem ein konkretes Bekenntnis dieser Terrorgruppe zu einem Anschlag im Iran:

Jundullah has claimed responsibility for the March 16 attack on a motorcade traveling between the cities of Zahedan and Zabol in which more than 20 people were killed and another seven were injured (see „RFE/RL Iran Report,“ 29 March 2006). The group released a videotape in which it said it was holding several hostages. (Bill Samii) (10.4.2006, globalsecurity.org)

Trotz aller Erleichterung über das offizielle Umschwenken von G.W.B. auf „soft revolution“ betreffend den Iran fiel mir auf, dass die „Jundullah“ aus Beluchistan stammt, einer Region, die auf der „neuen Karte“ als unabhängiges Land angegeben ist. Die Region „Balochistan“ verteilt sich auf den Südosten Irans, den Südwesten Pakistans und einen kleinen Teil Afghanistans (siehe auch Posting). Solange G.W.B. an der Macht ist, sollte der gesamte M.E. nach wie vor unter erhöhte Aufmerksamkeit gestellt sein.

Bild: Ethnische Karte der Region

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