Grüße aus Salzburg

August 10, 2007 um 4:55 pm | Veröffentlicht in Anachronismen, Frauen im Islam, Publikationen, Videos | Hinterlasse einen Kommentar

Wenn von „Zwangsverheiratungen“ und „Leibeigenschaft“ gesprochen wird, dann – denken Salzburger Festspielgäste zumindest heuer daran, dass es noch nicht allzu lang her ist, dass in Russland Leibeigene das Feld bestellten (1601-1861). Der große Dichter Alexander Sergejewitsch Puschkin (1799-1837) beschrieb seine Empörung über diesen Missstand mit folgenden Worten (Puschkin und die Schillerzeit):

Oh, warum kann mein Wort die Herzen nicht empören?
Warum muss diese Glut in mir vergeblich glühn?
Und warum ward mir nicht Beredsamkeit verliehn?
Seh ich einst frei mein Volk? Wann lösen sich die Bande
Der schnöden Sklaverei, weil es der Zar gebot?
Wann endlich steigt empor ob meinem Vaterlande
Der wahren Freiheit schönes Morgenrot?

Puschkin wurde bei einem Duell erschossen. Das war zur damaligen Zeit nichts Ungewöhnliches. Noch am Anfang des 20. Jahrhunderts gehörte es nahezu zur Tagesordnung, dass sich Offiziere, die sich in ihrer „Mannesehre“ beleidigt fühlten, gegenseitig den Fehdehandschuh ins Gesicht warfen, um dann unter Aufsicht ihrer Sekundanten gegeneinander zum tödlichen Kampf anzutreten.

Unter anderem von einem Duell handelt auch eines der bekanntesten Werke des Dichters, Eugen Onegin (1823-1830). Die „elegischen Verse“ bildeten die Basis für das Libretto für die Oper (Wiki). des bekannten Komponisten Pjotr Iljitsch Tschaikowski.

Die Premiere der Oper bei den Salzburger Festspielen am 29.7.2007 wurde auch dadurch ein besonderes Ereignis, dass niemand Geringerer als Daniel Barenboim das Orchester dirigierte (30.7.2007, ORF.at). Der in Argentinien geborene Jude Daniel Barenboim erreichte in der Musikwelt nicht nur als großer Dirigent Weltruhm, sondern er gab auch stets sein Bestes darin, sein Können zur Verständigung zwischen den Völkern einzusetzen. Er organisierte Konzerte, in denen Israeli und Palästinenser gleichzeitig spielten und wagte sogar, in Israel ein Stück aus Wagner´s Tristan und Isolde zu spielen.

Woran Daniel Barenboim wohl heuer während der Aufführung von „Eugen Onegin“ gedacht hat? Ganz am Anfang erzählt die Mutter von Tatjana, sie selbst wäre als 13-jähriges Mädchen wider ihren Willen verheiratet worden – genauso, wie es jetzt noch in manchen islamischen Ländern der Brauch ist. Das Mädchen, Tatjana, beschließt darauf hin, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und schreibt einen Brief an den Held ihres Herzens, Eugen Onegin. Möge diese berührende Szene, hier gesungen von der russischen Sängerin Anna Samuil, ebenso wie einige andere aus dieser Oper daran erinnern, dass die Zeit, in der sich auch in christlichen Gesellschaften erhebliche Missstände fanden, noch gar nicht so lange her ist:



Bild: Daniel Barenboim

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Über die Geschichte des Islam

August 7, 2007 um 7:09 pm | Veröffentlicht in Anachronismen, Frauen im Islam, Verständigung, Videos, Without Clash | Hinterlasse einen Kommentar

Das Gedankengut des Islam kann man auch als Synergie aus jüdischen, christlichen und arabischen Quellen beschreiben. Wie stark auch arabische Überlieferungen die Entstehung des Islam beeinflussten, deutet der bekannte Autor Salman Rushdie in seinen „Satanischen Versen“ an. Wie man weiß, zog er mit seinem Werk den Zorn der islamischen Welt auf sich, obwohl das, was er schreibt, aus der Sicht der Historiker einige Beachtung verdient. Denn es dürften tatsächlich auch die Legenden um verschiedene Göttinnen im Mittleren Osten ursprünglich in die Verse des Korans eingeflossen sein. Die betreffenden Suren wurden später wieder geändert (VerseAl-Lat, Al-Uzza, Manat).

Vom arabischen Sagengut im Islam geblieben sind die Dschinn. Bekannt wurden diese „orientalischen Geister“ dadurch, dass das Walt Disney Studio einen von ihnen im Zeichentrickfilm Aladdin auf die Leinwand gebracht hat.



Der Koran selbst wurde erst vom dritten Nachfolger Mohammeds, Uthman ibn Affan, in der jetzigen Fassung aufgeschrieben (Wiki) Manche Stellen wurden nicht nur unterschiedlich übersetzt, sondern auch verschieden interpretiert. Auch besitzen die Aussagen theologischer Geistlicher in einigen Zentren, genannt sei hier die islamische Universität in Kairo oder jene in Malaysia in der Praxis mehr Bedeutung als die von anderer Stellen.

Der Irankenner Bahman Nirumand nennt in seinem Buch “Iran, die drohende Katastrophe”, Kiepenheuer & Witsch, Köln 2006, einige Denkern, die darum bemüht sind, einen reformierten Islam zu schaffen, der dann freilich von der als “Original” bekannten Fassung an einigen Stellen abweichen würde. Er weist auch darauf hin, dass es früher im Iran, in Qom, eine Debattierschule gab, in der es üblich war, dass die jüngeren Schüler die Lehren der alteingesessenen Mullahs zu widerlegen versuchten.

In der allerersten Zeit des Islam konnten die Regeln des Koran den „Bedürfnissen entsprechend“ ausgelegt werden konnten. Diese Möglichkeit, Idschihad, besteht zur Zeit nicht. Auch andere Ansätze, den Islam zu reformieren, sind zur Zeit im Islam streng verboten

Der Gedanke an eine Synergie wurde später noch weiter geführt, und zwar von dem Begründer der Bahai, dem Perser Bab, der sich als legitimer Nachfolger Mohammeds sah. Die Glaubensgemeinschaft der Bahai wurde zwar von den traditionell-islamischen Ländern nie anerkannt und betrachtet sich selbst auch als eigenständig, stellt aber eigentlich in der Suche nach dem “Gott Abrahams” eigentlich den hellen Gegenpol zur dunklen der finsteren Taliban dar. er Islam überlebte deshalb, weil er flexibel war.

Erst in der jüngeren Zeit entwarf ein deutscher Theologe, Drewermann, eine Friedensinitiative zwischen Juden, Moslems und Christen zu initiieren, und zwar das Tempelbergprojekt, „Eine Vision für Frieden im Nahen Osten“. Der Gedanke, den Ursprung der Religionen zurück bis zu Abraham zu verfolgen, ist also noch lange nicht tot.

Prophet Mohammed bestimmte niemals einen Anführer, der seine Anhängerschar nach seinem Tod führen sollte. Obwohl er mehrfach verheiratet war und viele Kinder hatte, starben alle seine Söhne bald nach seiner Geburt. Seinen letzten Sohn nannte er Ibrahim, nach dem „Stammvater Israels“ Abraham, dem Vater Isaaks, und Ismaels. Isaak wurde – man erinnert sich – der Stammvater des jüdischen Glaubens, während sich die Araber als die Nachfolger Ismaels bezeichnen. In diesem Sinn liegt vielleicht das Beste von dem, was er seiner Nachwelt vermachen wollte, an einer unbekannten Stelle in Arabiens Wüste verscharrt.

Bereits kurz nach seinem Tod kosteten heftige Streitigkeiten sowohl seiner geliebten Tochter Fatima als auch seinem Schwiegersohn Ali Ibn Talib das Leben. Die Gemeinschaft der Moslems spaltete sich nicht nur in Schiiten und Sunniten, sondern im Lauf der Jahrhunderte auch in andere Splittergruppen. Davon, dass Prophet Mohammed zunächst versuchte, im Vertrag von Medina die Grundlagen für eine Art „multikulturelle Gesellschaft“ zu bilden, spürt man heute nichts mehr.

Zusatzinformation: Homepage der Bahai

Bilder: Verstoßung Ismaels und seiner Mutter, Darstellung von Gustave Doré, Grabmal des Bab in Haifa

Islamobolschewismus I

August 3, 2007 um 2:51 pm | Veröffentlicht in Anachronismen, Frauen im Islam, Middle East, Verständigung, Without Clash | Hinterlasse einen Kommentar

Da sich der von der US-Regierung unter G.W.B. einige Zeit lang für den militanten Islamismus verwendete Begriff „Islamofaschismus“ nicht recht durchsetzen konnte, sollte wohl mit der Wortschöpfung „Islamobolschewismus“ ein neuer Ausdruck gefunden werden, der den Islam als plakativ dämonisch und böse abstempelt.

Im Internet finden sich Angaben über einen islamischen Sozialismus, eine Auffassung, die Islam, Revolution und Sozialismus miteinander vermengt. Unter diesem Begriff wird der „Nasserismus“ – der arabische Sozialismus genannt, und dass sich bei der Bildung des „Gottesstaates“ im Iran zunächst auch eine linksliberale Partei unter Ayatollah Talequani um eine Machtstellung in der neuen Regierung bemühte (Wiki). Libyen´s Präsident Muammar al-Gaddafi vertritt eine sehr eigenwillige Lösung. Er verfasste ein „Grünes Buch“, welches einen islamische Sozialismus als Alternativlösung zu Kommunismus und Sozialismus vertritt (Wiki).

Zu meiner Verwunderung schreiben manche Quellen den „Neokonservativen“ eine geistige Verbindung zur „sozialistischen Weltrevolution“ zu – nicht in dem Sinn natürlich, dass damit eine Verbreitung des Marxismus verknüpft ist, sondern dahingehend, dass die „Demokratisierungswelle“ mit allen Mitteln fortlaufend durchgesetzt werden sollte.

Interessanterweise greifen diese „demokratischen Imperialisten“ in ihren Methoden auf eine Politik zurück, die man früher – mehr oder weniger berechtigt – bei der Sowjetunion unterstellte und kritisierte. Ihr Ziel heißt statt Export des Sozialismus für eine „sozialistische Weltrevolution“ zwar Demokratisierung der Welt, aber in der Form des notfalls auch zwangsweisen Exports eines politischen Gutes in der Erwartung, dass die Adressaten darauf sehnlichst warten, weil es ihren „objektiven Interessen“, so die Bolschewiken, oder einem tiefen menschlichen Wunsch nach Freiheit entspricht, erweisen sie sich als gelehrige Schüler Trotzkis und Lenins. Kritiker haben sie deshalb auch als „konservative Bolschewisten“ bezeichnet.(Rolf Wortmann, Der Irakkrieg und die Zukunft der transatlantischen Beziehungen, S 13 f Fachhochschule Osnabrück)

Koran Übersetzungen aus verschiedenen Quellen

Juli 8, 2007 um 12:13 pm | Veröffentlicht in Frauen im Islam, Verständigung, Without Clash | Hinterlasse einen Kommentar

Wie man weiß, wurde der Koran aus dem arabischen nicht immer auf die gleiche Art und Weise übersetzt. Aber am Beispiel eines Verses aus einer Sure, der bei Diskussionen um Frauenrechte bzw. Diskriminierung der Frauen als Ursache für Meinungsverschiedenheiten dienen kann, möchte ich darauf hinweisen, dass auch bei der Übersetzung aus verschiedenen Quellen Übereinstimmungen vorhanden sind.

Die gleiche Stelle, die Sura 24,2 in verschiedenen Übersetzungen (nur-koran.de):

Ahmadeyyas Übersetzung:

Weib und Mann, die des Ehebruchs schuldig sind, geißelt beide mit einhundert Streichen. Und laßt nicht Mitleid mit den beiden euch überwältigen vor dem Gesetze Allahs, so ihr an Allah und an den Jüngsten Tag glaubt. Und eine Anzahl der Gläubigen soll ihrer Strafe beiwohnen.

Parets Übersetzung:

Wenn eine Frau und ein Mann Unzucht begehen, dann verabreicht jedem von ihnen hundert Peitschenhiebe Und laßt euch im Hinblick darauf, daß es (bei dieser Strafverordnung) um die Religion Allahs geht (fie dieni llaahi), nicht von Mitleid mit ihnen erfassen, wenn (anders) ihr an Allah und den jüngsten Tag glaubt Und bei ihrer Bestrafung soll eine Gruppe der Gläubigen (als Zeugen) anwesend sein.

Rasuls Übersetzung:

Peitscht die Unzüchtige und den Unzüchtigen gegebenenfalls jeweils mit hundert Peitschenhieben aus; und lasset euch angesichts dieser Vorschrift Allahs nicht von Mitleid mit den beiden ergreifen, wenn ihr an Allah und an den Jüngsten Tag glaubt. Und eine Anzahl der Gläubigen soll ihrer Pein beiwohnen.

Azhars Übersetzung:

Wenn eine Frau und ein Mann Unzucht begehen, versetzt jedem hundert Peitschenhiebe! Ihr sollt kein Mitleid mit ihnen haben, geht es doch um die Religion Gottes, wenn ihr an Gott und den Jüngsten Tag glaubt. Eine Gruppe von Gläubigen soll beim Strafvollzug zugegen sein.

Zaidans Übersetzung:

(Hinsichtlich) der Zina-Treibenden und des Zina-Treibenden, so peitscht jeden von ihnen mit hundert Peitschenschlägen. Und lasst kein Erbarmen beiden gegenüber (bei der Erfüllung) von ALLAHs Din euch ergreifen, solltet ihr den Iman an ALLAH und an den Jüngsten Tag verinnerlichen. Und eine Gruppe von den Mumin soll ihrer Peinigung beiwohnen!

Die Übersetzung von Adel Khoury, Gütersloher Verlagshaus GmbH, Gütersloh 1987, S 264:

Wenn ein Mann und eine Frau Unzucht begehen, dann geiselt jeden von ihnen mit 100 Hieben. Habt kein Mitleid mit ihnen angesichts der Religion Gottes, so ihr an Gott und den jüngsten Tag glaubt. Und bei der Vollstreckung an Pein soll eine Gruppe von Gläubigen zugegen sein.

Nachgesehen habe ich auch auf dem Global Information Center der Shia (Al-shia.com):

Flog the fornicatress and the fornicator with a hundred lashes each. Let there be no reluctance in enforcing the laws of God, if you have faith in God and the Day of Judgment. Let it take place in the presence of a group of believers (24:2).

Die führenden Mullahs im Iran müssen jahrelang studieren, bevor sie den Rang eines „Ayatollahs“ für sich beanspruchen können. Im iranischen Recht, welches sich aus dem Koran ableitet und nach islamischen Ideen geformt ist (Scharia), fand dieser „Paragraf“ ebenfalls eine Entsprechung:

Grundlage dafür ist Art. 101 des iranischen Strafrechts (Lysis.blogsport.de):

Verhalten sich ein Mann und eine Frau, die nicht miteinander verheiratet sind — abgesehen von unerlaubtem Geschlechtsverkehr —, unzüchtig, wie z.B. durch Küsse oder Umarmungen, so werden sie zu neunundneunzig Peitschenhieben verurteilt.

Wenn ein Mann ein islamisches Land mit einer fundamentalistischen Regierung im Urlaub besuchen will, sollte der Betreffende um Muslimas also am besten einen weiten Bogen machen.

Der Islam in Österreich

Juni 3, 2007 um 7:25 am | Veröffentlicht in Frauen im Islam, Without Clash | 10 Kommentare

Was Österreich betrifft, so kommen Bedenken von Islam-Kritikern gegenüber der Integration der islamischen Religionsgemeinschaft um fast 100 Jahre zu spät. Die islamische Glaubensgemeinschaft wurde in Österreich bereits 1912 anerkannt (DerIslam.at). Daraus ergab sich seit 1946 das Recht auf Religionsunterricht (DerIslam.at).

Beide Entgegenkommen wurden freilich mit wesentlichen und aussagekräftigen Auflagen verknüpft. Bekannt ist, dass islamistische Organisationen wie die Hisbollah ebenso wie die Hamas über Sozialleistungen und über caritative Einrichtungen versuchen, in islamischen Ländern die Sympathie der Bevölkerung auf ihre Seite zu ziehen. Im Sozialstaat Österreich besteht keine Ansatzpunkte, an denen sich islamische Hilfsorganisationen profilieren könnten. Vielleicht spielt auch dieser Faktor eine Rolle in dem Phänomen, dass sich die islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich friedlich entfaltete.

Der österreichische Islam stellt freilich nicht „den Islam“ an sich dar, sondern in gewisser Weise einen Dialekt, der die religiöse Komponente dieser Religion von der politischen getrennt hat. Ohne jetzt das österreichische Konzept als Pauschallösung präsentieren zu wollen, zeigt es doch einen Weg, wie sich die islamische Religion in demokratische Länder integrieren lassen können.

Shaha Ali Riza

April 21, 2007 um 9:09 pm | Veröffentlicht in Frauen im Islam, Gesellschaft, Middle East, Videos, Wirtschaft | Hinterlasse einen Kommentar

Shaha Ali Riza – diesen Namen kennt man bis jetzt noch nicht. Es handelt sich bei dieser „Dame“, die ich im folgenden beschreiben möchte, um die Lebensgefährtin von Paul Wolfowitz, dem früheren Vize- Verteidigungsminister der USA und dem jetzigen Direktor der Weltbank. Der 61-jährige Paul Wolfowitz ist verheiratet, und zwar mit Clare Selgin Wolfowitz und Vater dreier Kinder. Seine Frau war nicht bereit, über Gerüchte über eine mögliche Scheidung mit der Presse zu reden und meinte nur knapp, ihr Privatleben wäre doch wohl ihre Sache. Damit hat sie allerdings recht.1)

Zurück zu Shaha Ali Reza. Sie wurde etwa 1953 in Libyen geboren und wuchs dort, bzw. in Tunis und Saudi Arabien auf. Sie übersiedelte dann nach England, studierte dort und arbeitete lange Zeit als Angestellte der Weltbank. Als Paul Wolfowitz seine Stelle als Weltbankdirektor annahm, kündigte sie einige Monate darauf und wechselte auf einen Posten in der amerikanischen Regierung. Trotzdem wurde ihr Gehalt ohne weiteren Anlass von $ 123.660 auf $ 193.590 pro Jahr erhöht. Damit verdient sie um etwa $ 7000 mehr als Außenministerin Condoleeza Rize. (28.3.2007, Washington Post). Den Schaden für den Ruf der Weltbank, für Paul Wolfowitz, dessen Rücktritt von einigen Seiten gefordert wurde, kann man noch gar nicht absehen (16.4.2007, Tagesspiegel).

Aber es steckt noch mehr hinter dieser auf ersten Blick banalen Korruptionsaffaire. Paul Wolfowitz war, wie man weiß, einer der führenden Strategen, der eine demokratische Umwandlung des M.E. mit militärischen Mitteln verlangte. Man kann es Shaha Ali Riza vielleicht noch verzeihen, dass sie die Qualifikationen, die sie sich als offensichtlich intelligente und tüchtige Frau erwarb, ebenso wie ihre Beziehung, dazu benutzte, um auch auf militärische Planungen betreffend M.E. Einfluss zu nehmen. 2) Aber man betrachte einmal die bis jetzt erreichten Konsequenzen des Irakkrieges:

Man weiß, wie es im Irak jetzt aussieht. Im Land tobt der Bürgerkrieg, über 665.000 Menschen sind gefallen. Der Einsatz von DU hinterlässt Folgen, deren endgültige Konsequenzen noch nicht abzusehen sind. UNHCR geht von über 4 Millionen „displaced people“, also von Menschen, die ihr zu Hause verloren haben aus. In einem Land mit etwa zwölf Millionen Einwohnern werden Christen verfolgt, vertrieben und getötet. Das sekuläre Staatswesen wurde zum Nachteil der Frauen durch die islamische Scharia ersetzt. Zerstört wurde die Goldene Kuppel der Moschee von Samarra, geplündert die Bücherei des Hammurabi, selbst der „Löwe von Babylon„, Symbol der Göttin Ischtar, steht nicht mehr dort, wo er war.

Doch dies ist noch längst nicht alles. Es fehlt in den USA Interesse und Geld zur Betreuung der zahlreichen Kriegsveteranen. Der Westen hat die moralische Vormachtstellung verloren. Nordkorea konnte mittlerweile weitgehend ungestört Atombomben entwickeln, China investierte in der Zwischenzeit in Afrika und Südamerika. Anstatt Rücklagen für aktuelle Herausforderungen wie Seuchen oder Klimakatastrophen zu bilden, könnte das US-Defizit sogar zu einer Weltwirtschaftskrise führen.

Das „Leuchtfeuer über Bagdad“ entwickelte sich ebenso wie die Folterskandale in Abu Ghraib und Bagram zur besten Reklame, die der Islam jemals hatte. Der Iran, ein theokratischer Staat, in dem Frauenrechte nur sehr schwer Fuß fassen können und Journalisten ständig um mehr Pressefreiheit bemüht sind, wurde rückfällig und wählte den konservativen Mahmoud Ahmadinedschad als Präsidenten, sodass dort ein weiterer Krieg droht.

Das eigentliche Ziel, nämlich die Stellung der Frau in islamischen Ländern zu verbessern, dass sich Shaha Ali Riza offensichtlich gesetzt hat, wurde nicht erreicht. Wie man weiß, sind die Frauen in Saudi Arabien ganz besonders schlecht gestellt. Sie dürfen nicht studieren, so wie es den Frauen im Iran erlaubt ist:

Im Gegensatz zu vielen islamischen Staaten ist es im Iran Frauen gelungen, ihre Position in der Gesellschaft immer weiter auszubauen. Heute stellen Frauen sechzig Prozent der Studierenden. Es gibt bereits mehr Akademikerinnen als Akademiker, was einige Abgeordnete im Parlament dazu veranlasst hat, eine Quotenregelung zu beantragen, die den Anteil der Frauen an den Universitäten auf höchstens fünfzig Prozent einschränken soll (9.3.2007, Taz).

Frauen in Saudi Arabien besitzen in der Politik keinen Einfluss, während sich im Iran sogar in der Regierungsperiode des Hardliners Ahmadinedschad – dessen Stern im Sinken ist – Frauen für politische Ämter bewerben dürfen, wie zum Beispiel Parvin Ahmanedschad, die Schwester des (angeblichen) „Irren von Teheran“ (17.12.2006, Al Jazeera).

Es ist nicht üblich für die Frauen in Saudi Arabien, Sport zu betreiben, so wie dies den iranischen Frauen, wenn auch in begrenztem Ausmaß, erlaubt ist.

Trotzdem wurde nichts unternommen, um betreffend „Frauenrechte“ in Saudi Arabien Fortschritte zu erzielen. Im Gegenteil, Saudi Arabien kauft weiterhin munter Waffen aus dem Westen und verdient dadurch, dass der Ölpreis durch den Irakkrieg stark angestiegen ist, sogar mehr Geld im Ölgeschäft als vorher.

Bevor jetzt jemand meint, ich würde den Iran „verherrlichen“, möchte ich nur ganz kurz darauf hinweisen, dass es viel anschaulicher ist, Saudi Arabien mit dem Iran zu vergleichen, während – darüber besteht kein Zweifel – zwischen dem Lebensstandard in Deutschland oder der Schweiz und dem Iran wiederum ein Loch ist.

Insgesamt gesehen also entwickelte sich der Irakkrieg zu einem Musterbeispiel an Fehlplanung und Missmanagement. Dass Shaha Ali Riza dann auch noch die absolute Frechheit hatte, sich als Freundin von Weltbankdirektor Paul Wolfowitz eine unverdiente Gehaltserhöhung in gewaltigem Ausmaß zuschanzen zu lassen, schlägt meiner Meinung nach jedem Fass den Boden aus.

Fußnoten: 1), 2): 20.3.2005, Daily Mail

Zusatzinformation: 20.4.2007, Herald Tribune

Bild: Shaha Ali Riza

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